- The Chaser (Action-Thriller, ROK 2008)
- Die Tränen meiner Mutter (Drama, D 2008)
- Ein Quantum Trost (Action, GB 2008) [Kritik]
- Die Eylandt Recherche (Doku, D 2008)
- Waltz with Bashir (Drama/Doku, D/ISR/F 2008)
- Stolperstein (Doku, D 2008)
- Gerdas Schweigen (Doku, D 2008)
- Übriggebliebene Ausgereifte Haltungen (Doku, D 2007)
- Rumba (Komödie, F 2008)
- Another Gay Sequel: Gays Gone Wild (Komödie, USA 2008)
November 06, 2008
Kino: KINOSTARTS - 06.11.2008
November 05, 2008
DVD: DEAD MAN'S SHOES
Es geht direkt zur Sache: Ein Mann rächt seinen Bruder, der einst Opfer einer Gruppe drogenabhängiger Provinzgauner wurde, die ihn abfüllten, mit Drogen zupumpten und quälten. Jahre später nun ist Richard in das englische Nest zurück- gekehrt, das er einst für die Armee verließ. Nach und nach zieht er die Peiniger seines Bruders zur Rechenschaft: Sein stiller Rachefeldzug beginnt mit gezielten Drohungen und Attacken, und endet in blutigen Ritualen."This is England"-Regisseur Shane Meadows inszeniert seine Variation eines Selbstjustiz-Dramas als beklemmendes moralisches Kammerspiel. Der Film ist leise und direkt, bitter und erschütternd radikal. Er ist effektiv ohne effektvoll, zermürbend ohne pathetisch zu sein. Und er verweigert sich einer simplen Aufspaltung in Opfer- und Tätermuster, sondern stellt die Grausamkeit der Vergangenheit gegen die Grausam- keit der Gegenwart. Über die Rechtschaffenheit der Sühne nach der Schuld urteilt "Dead Man’s Shoes" nur implizit oder schlimmstenfalls, der Natur des Selbstjustizfilms inbegriffen, tendenziös. Meadows scheint - sich der verfänglichen Position des moralischen Fürsprechers bewusst - die Aufmerksamkeit deshalb auf die Gruppe jener zu lenken, die Richards Bruder einst misshandelten. Es sind keine mafiösen Gangster oder Schwerstkriminelle, sondern vielmehr, den publikums- orientierten Katharsiseffekten abträglich, heruntergekommene Kleinstadtkiffer, etwas beschränkte und ein wenig irre Gauner, aber nicht einmal unsympathisch. Es sind Figuren, deren Film-Tod man nicht selbstverständlich als keinen wirklichen Verlust empfinden würde.
Meadows Verzicht auf leichtfertige Identifikationsangebote intensiviert die allgemeine Brutalität des Films nur noch: So wie die exakt getimten Flashbacks, in denen Meadows Stück für Stück und damit analog zu Richards Feldzug Bilder der einstigen Schändung seines Bruders offen legt, den eigent- lichen Plot zu rechtfertigen scheinen, so wirken Richards an klassische Horrorfilme erinnernden Racheattacken in ihrer drastischen Bitterkeit nicht weniger verstörend. Die meisten Regisseure scheitern in der Regel an dem Druck, ein unbefriedigendes Gleichgewicht zu halten, und verleiten das Publikum mehr oder minder geschickt in die sichere Position des Beistands, meist im Rahmen eines überdeutlich auf Genreformeln verweisenden Schutzvakuums. Wie erst jüngst zu sehen war, bleibt da dann zuletzt nur entweder die bewusste Rückbesinnung auf ideologische Vorbilder wie in "Death Sentence", oder der klägliche Versuch einer Differenzierung wie bei "The Brave One", der umso alberner scheint, wenn die Hauptrolle mit jemandem wie Jodie Foster besetzt ist, mit der gemeinsam selbst noch der moralisch integerste Zuschauer einen blutigen Racheplan schmieden würde.
So erscheint die motivierte Gewalt in "Dead Man’s Shoes" nie befreiend, nie so überhöht wie in anderen Selbstjustizheulern. Der Film lässt sich schwer konsumieren und kaum auf Unterhaltung reduzieren. Er erinnert gerade dadurch eher an die Glanzlichter des Subgenres, vor allem "Taxi Driver". Schade nur, dass Meadows nicht gänzlich auf die Kraft seiner zwielichtigen Bilder vertraut und in letzter Minute doch noch auf entspannende Effekte zurückgreift, wenn befreiende religiöse Choräle den Abspann einleiten.
Die deutsche DVD von Ascot geht völlig in Ordnung. Das Bild entspricht dem visuellen Stil des Films, wirkt sehr nüchtern und dokumentarisch, aber ohne gravierende Schwächen. Der deutsche und englische 5.1-Ton ist gut, aber sehr frontlastig. Glücklicherweise gibt es deutsche Untertitel (die UK-Scheibe hatte nicht einmal englische), die für die Originalfassung auch dringend notwendig sind. Zu den gegenüber der britischen Veröffentlichung abgespeckten Extras zählen ein Audio- kommentar und geschnittene sowieso erweiterte Szenen, ein alternatives Ende und der Kinotrailer. Das entfernte Material ist übrigens durchweg zu Recht aus dem Film verbannt worden.
November 03, 2008
Kino: QUANTUM OF SOLACE
Nachdem die Bond-Serie in "Casino Royale" vor zwei Jahren zum Ursprung zurückkehrte und den Agenten im Geheimdienst seiner Majestät quasi neu zu erfunden versuchte, killt und fährt und rennt James Bond in seinem 22. Kinoeinsatz weiterhin unaufhörlich seiner Selbstfindung entgegen. Die neue Produzenten-Richtung des letzten Films wurde ja entsprechend gewürdigt, der Vorgänger war ein Kritiker- und Publikumserfolg, nüchtern gesprochen, und Daniel Craig erwies sich nach vorschnellen Unkenrufen als perfekter Bond- Darsteller mit harter Schale und weichem Kern. Das erste 007-Sequel überhaupt, also tatsächlich der erste Film der langlebigen Serie, der unmittelbar und ganz konkret an seinen Vorgänger anknüpft, ist nun leider doch eine Enttäuschung: Gemessen an "Casino Royale", der heraus- ragenden Neuinterpretation des Mythos, wirkt "Quantum of Solace" nur wie ein Quantum schalen Nachgeschmacks – das aber hingegen auf hohem Niveau. Immerhin.
Die Geschichte setzt fort, was der erste Craig-Film zu erzählen begann: Nach dem tragischen Tod von Vesper Lynd, jener Frau, in die James Bond sich erst verliebte und dann von ihr betrogen wurde, ist der Geheimagent auf der Suche nach Antworten. Von Mr. White (Jesper Christensen) erhoffen sich er und seine Vorgesetzte M (Judi Dench) zu erfahren, wer genau hinter der Organisation steckt, die Vesper erpresst hat. Durch einen Verrat innerhalb des MI6 gelingt White jedoch noch während des Verhörs die Flucht. Über den Maulwurf in den eigenen Reihen gelangt Bond nach Haiti, wo er durch die schöne Camille (Olga Kurylenko) direkt zu Dominic Greene (Mathieu Amalric), einem mysteriösen Geschäftsmann, geführt wird.
Greene scheint nicht nur die treibende Kraft hinter der zwielichtigen Organisation zu sein, sondern verfügt auch über Kontakte zu verschiedenen Regierungen, die ihm bei seinem Komplott behilflich sind. Da Bond seine Ermittlungen gegen "Quantum" jedoch längst zu einem persönlichen Racheplan erklärt hat, wird er von M außer Gefecht gesetzt – und führt seinen Feldzug im Alleingang durch.
Der bislang kürzeste Bond-Film setzt den längsten fort: "Quantum of Solace" ist in gewisser Hinsicht also der kompromisslose "Casino Royale"-Nachschlag, eine Art Action- Epilog zur Romanze zwischen Bond und Lynd. Dieses Konzept ist zwar folgerichtig, wird aber nicht ausreichend umgesetzt: Denn die Emotionalität, die der Vorgänger so herausstellte, hätte hier noch – wenn auch in anderer, verschlüsselter Form – wesentlich stärker zum Tragen kommen müssen.
Schließlich funktioniert der gesamte Plot eines gebrochenen, von Rache angetriebenen Bonds nur über den emotionalen Unterbau, ähnlich wie in "Licence To Kill". Deshalb erschien es im Vorfeld auch sinnvoll, dass Marc Forster für die Regie verpflichtet wurde, immerhin hat sich dieser bislang durch gefühlvolle, wenn nicht gar sentimental verkitschte Filme wie "Monster’s Ball" bewährt.
Prinzipiell ist das neue Bond-Abenteuer eine einzige lange Actionhatz, die nur von vorübergehenden Verschnaufpausen unterbrochen wird. An mehr Drehorten als in keinem anderen Film der Reihe zuvor wird sich viel verfolgt, gefasst und getötet, gibt es allerlei Autocrashs und Faustkämpfe, ja, im Finale muss sich Bond sogar gegen seinen Axt schwingenden Gegner zur Wehr setzen. Leider erinnern die physischen Kraftakte des Helden 007 dabei, ähnlich wie schon ansatzweise im Vorgänger, verstärkt an die Rückkehr der körperlichen Kinoaction durch die Jason Bourne-Serie. Die von Bond inspirierten Filme inspirieren also Bond!
Vermutlich war die Wahl des Regisseurs einfach nicht die günstigste: Forster scheint die Füllszenen möglichst sinnvoll um die vom 2nd Unit Director Dan Bradley inszenierten Actionszenen platzieren zu wollen, was den Einruck einer indifferenten Gesamtinszenierung aber nur noch verstärkt. Der Teil des Films mit dem besten Set-Piece, dem Opernhaus in Bregenz, bildet hier vielleicht noch den spektakulärsten und vor allem homogensten Moment: Unter den Hunderten Opernbesuchern der "Tosca" entlarvt Bond hinter der Bühne ein geheimes Meeting der Greene-Komplizen, was ähnlich spannend und clever in Szene gesetzt ist wie das grandiose Pokerspiel in "Casino Royale".Solch starke Episoden gelingen dem Film immer mal wieder. Und "Quantum of Solace" hat gewiss seine Stärken: Der Score von David Arnold beispielsweise ist druckvoll und erneut weniger elektronisch als seine Arbeiten für die Brosnan-Bonds, und der Titelsong harmoniert wunderbar mit der elegant animierten Vorspannsequenz. Das alles mildert zweifellos die Enttäuschung darüber, dass einer der herausragenden Bonds eine ganz und gar nicht herausragende Fortsetzung spendiert bekommen hat.
Wenn kurioserweise am Schluss die Gun Barrel-Sequenz den Abspann einleitet, ist man fast verwundert, noch schnell etwas so Bond-Ikonisches in einem sonst so auffällig untypischen Bond-Film zu sehen. Aber die neue Linie, sie ist auch weiterhin richtig, trotz aller Schwächen, die "Quantum of Solace" mit sich bringt. Es ist erst der zweite Film des 007-Neubeginns – so gebe man dem MI6-Agenten also ruhig noch etwas Zeit, weniger Jason Bourne und mehr James Bond zu sein.
November 02, 2008
News: THE READER: DER VORLESER - Trailer
November 01, 2008
TV: Fernsehtipps vom 01.11. - 07.11.2008
Samstag, 01.11. Viel Romantik-Pomp im Studiodesign lassen Coppolas Version des Stoffes zwar schick aussehen, können die miserable Adaption aber auch nicht kaschieren: Die unterdrückte Gier des Grafen wird in feurige Leidenschaft umgedichtet, die innere Lust zu heißem Sex veräußerlicht – und in alldem stolziert auch noch ein gräulich überforderter Keanu Reeves mit ständig wechselndem Akzent umher. Schaurig.
22:05 Uhr – Independence Day (VOX)
Der Film ist so unglaublich kacke, dass ich ihn eigentlich gar nicht mehr wahrnehme. Für mich gibt es nur "Mars Attacks!".
22:25 Uhr – Der Spion, der mich liebte (ARD)
Moore lässt seine beiden vorherigen Einsätze wie Fingerübungen aussehen: Das Quasi-Remake von "You Only Live Twice" legt gleich mit seiner Pre-Title-Sequenz eine neue Messlatte an und präsentiert nicht weniger als den brillantesten Stunt der Filmgeschichte. Trotz eines schwächelnden Bösewichts, erreichte die Reihe nur noch selten eine derartige Rasanz – die Vielfalt der Schauplätze, Gimmicks und Kampfszenen, sowie eine großartige Barbara Bach als Bondgirl und Ken Adams unerreichtes Produktionsdesign machen Lewis Gilberts zweiten Bond zu einem der großen Highlights der Serie.
Joel Schumachers Peter Pan-Variation. Sehr 80’s, aber nicht zuletzt wegen seiner herausragenden Kameraarbeit und den selbstironischen Popverweisen sehr spaßig.
Sonntag, 02.11.
20:15 Uhr – Spider-Man 2 (Pro7)
Sensationell gut inszenierte Fortsetzung. Romantisch, gefühlvoll und toll getrickst, bläst Raimi die Geschichte zur großen Oper auf. Und Doc Ock ist sicherlich der beste Bösewicht der Serie.
23:05 Uhr – Starship Troopers (Pro7)
Überambitionierte Sci-Fi-Satire, die vor allem erstmal Sci-Fi und dann Satire ist. Verhoeven meint das alles bestimmt sehr gut und bissig und augenzwinkernd, aber seine Darsteller als Dummbrote vorzuführen, um mit Riefenstahl-Ästhetik in eine große Faschismus-Parodie einzustimmen – bisserl mehr Überlegtheit und weniger Zynismus hätten nicht geschadet. Macht zwar Spaß, hat seinerzeit aber zu Recht heftige Kritikerschelte kassiert. Cut.
Montag, 03.11.
21:00 Uhr - …denn sie wissen nicht, was sie tun (Arte)
22:15 Uhr – Syriana (ZDF)
Noch der beste einer verspäteten und dafür auch besonders angestrengt wirkenden Kino-Politisierung der Hollywood-Beaus: Überraschend komplexer, intensiver und brisanter Polit-Thriller, dessen entrüstender Unterton hingegen besagte Verkrampftheit vermuten lässt.
Dienstag, 04.11.
20:15 Uhr – Die Truman Show (K1)
Ich habe das Gefühl, ich unterschätze den Film, weil ich ihn nicht so richtig toll finde. Und irgendwie glaube ich, dass er das ist. Oder?
22:10 Uhr – Immer Ärger mit Harry (WDR)
Hitchcocks Blaupause: Theatralische Provinz-Komödie, deren Komik sich mir nie erschlossen hat. Zu offensichtlich, lang gezogen, und, ja sorry, frei von Metaebenen. Nur die beneidenswert unbekümmerte Shirley MacLaine und der tolle Score von Herrmann haben mich bei der letzten Sichtung vor dem sicheren Einschlaf bewahrt.
23:10 Uhr – Crash (Das Vierte)
Cronenbergs hochkomplexe Psychostudie über menschliche Triebe, Obsessionen, altes Fleisch, neues Fleisch, Anti-Evolution. Ein mysteriöser, verführerischer, kluger Film für starke Nerven, und nichtsdestotrotz unheimlich erotisch und witzig. Ein a-b-s-o-l-u-t-e-s Meisterwerk.
Mittwoch, 05.11.
22:20 Uhr – Halloween: H20 (K1)
Unerwartet gelungener, visuell ausgefeilter Film, der dem Original sehr nahe kommt. Natürlich ohne jede Bedeutung, die über konstruierte Spannung und Genrebrei hinausginge, aber who cares? Steve Miner kann was.
Donnerstag, 06.11.
Nix.
Freitag, 07.11.
20:15 Uhr – Die Welt ist nicht genug (Pro7)
Wo hat Pro7 den nimmer sterbenden Morgen gelassen? Lief der? Egal. Die erste Hälfte gefällt, die lange Pre-Title-Sequenz, der tolle Vorspann, das geniale Titellied, alles sehr schick. Irgendwie geht den Brosnan-Bonds aber immer vorschnell die Puste aus, so als hätten die hinten raus das gesamte Budget verbraten. Das äußert sich hier in einem vorhersehbaren Plot-Twist und überaus ödem Finale, das den Film so richtig runterzieht. Ganz schlimm aber: Der Schnitt. Der ist so schlecht, dass man’s fast nicht glauben kann.
20:15 Uhr – Dance! (RTL2)
"Dangerous Minds" meets "Step Up". Einer der wenigen Filme, glaube einer von nur dreien, bei denen ich das Kino vorzeitig verlassen habe.
Oktober 31, 2008
Kino: OTTO; OR, UP WITH DEAD PEOPLE
Die Untoten von heute sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Zwar erhebt sich Otto (Jey Crisfar) zunächst aus seinem Grabe, um dann im verkriselten Schwarzweiß über einen Friedhof zu wanken, kurze Zeit später jedoch steht er schon an einer Brandenburger Landstraße, so ganz schnöde und gar in Farbe getaucht, um per Anhalter nach Berlin zu gelangen. Nun ist Otto immerhin ein schwuler Zombie, und schwule Zombies sind an und für sich durchaus eine Selten- heit, bedenkt man aber jedoch, welch Imagewandel der moderne Untote in den Zeiten der Globalisierung durchlaufen muss – er spaziert am Schlesischen Tor entlang, fährt mit der U-Bahn oder verspeist Getier auf Parkbänken am Hackeschen Markt – scheint es ja nicht gerade günstig, dass er sich auch noch mit der Homo-Szene herumschlagen soll.Denn wie Bruce La Bruce ein ums andere Mal verdeutlicht hat, habe sich auch der queere Geist dem Wandel der Zeit gefügt. Deshalb beklagt der kanadische Filmemacher in Hardcore- und Kunstfilmmelangen auch immer wieder den Verlust des revolutionären Potentials am bürgerlichen Schwulen, der mit Skin und Punk und Queercore nichts mehr gemein haben will. So gesehen, scheint der Bruch in der Genrekodierung des Zombies nur folgerichtig. Und gerät der muffige Otto während seines Berlin-Trips in eine Low-Budget-Produktion der Regis- seurin Maya Deren, ähm, Medea Yarn (Katharina "Science of Horror" Klewinghaus), die mit Bruder und Louise Brooks- Freundin – natürlich – einen Film über eine subversive Untergrundbewegung schwuler Untoter inszeniert: Ausgehend von den Altbauwohnungen der, vermutlich, Schöneberger Homo-Bourgeoisie, wo erst blutig gestorben werden muss, um sich dann würdevoll von den Toten erheben und gegenseitig in die Bauchhöhle ficken zu können, vereinen sich darin alle schwulen Zombies gegen die Diktatur des Konsums und Kapitalismus, um den Ausbruch aus der Heteronormativität schließlich mit einer finalen Orgie zu begießen. In diesen Film namens "Up With Dead People" passt Otto ja gut hinein, denn die Kamera sei ein Schutz für ihn, sagt er im Off-Kommentar, damit man glauben könne, er spiele nur einen Zombie – und sei gewiss keiner.
Gleichwohl sich die Frage stellt, ist "Otto; or, Up With Dead People" nicht interessiert daran, ob unser schicker Emo- Zombie tatsächlich ein lebender Toter, oder nicht doch eher ein melancholisch verbitterter Schlafwandler ist – womit sich La Bruce sehr deutlich an George Romeros "Martin" orientiert, der es ebenfalls offen ließ, ob sein Titelheld ein Vampir war. Vielmehr entwirft La Bruce neben seinem mit allerlei Kinoulk verspielten Film im Film-Zombiehorror in erster Linie ein überraschend nachdenkliches Liebesdrama vor romantischen Berliner Kulissen: Ich muss zugeben, völlig davon einge- nommen zu sein, wenn Otto in den verwilderten Resten des Plänterwaldes am Spreepark, neben umgekippten Dinosauriern und verrosteten Achterbahnwaggons, nach Rast sucht, und ich mich dadurch mit Wehmut an meine dortigen Kindheitstage zurückerinnere. Es mag sein, dass manche Bilder blutigen Gedärms und wilder Zombiefantastereien die zarte Seele dieses Films zu verstellen drohen, doch Otto, der irgendwie andere, absonderliche, queere Held, ist eine tolle, tolle Figur für einen ganz wunderbar liebenswürdigen und traurig- schönen Film.
Und das ist ja nun irgendwie das Letzte, was man von La Bruce oder einem schwulen Zombiefilm erwarten durfte. Vor allem, weil "Otto; or, Up With Dead People" die illustre Metaphorik des untoten Schwulen nur selten bemüht: Wenn Otto, in Gedanken an seinen Ex-Freund verloren, unter einer U-Bahn-Brücke von einer Bande Schlägern übel zugerichtet wird, dann klingt der Film mit Antony and the Johnsons leise und poetisch an, dass nichts und niemand die Wieder- auferstehung des Antihelden verhindern kann: Ein schwuler Zombie ist eben gar nicht so leicht totzukriegen. In diesem Film voller hässlich zugerichteter Untoter liegt so viel unerwartete Schönheit.
Oktober 30, 2008
Kino: KINOSTARTS - 30.10.2008
- Mein Freund aus Faro (Drama, D 2008)
- Willkommen bei den Sch'tis (Komödie, F 2008)
- Let's Make Money (Doku, D 2008)
- Dalai Lama Renaissance (Doku, USA 2007)
- Mirrors (Horror-Remake, USA 2008)
- Botero - Geboren in Medellin (Doku, D 2008)
Oktober 29, 2008
News: STAR TREK goes QUEER
Ich weiß schon, warum ich kürzlich bei den Filmfreunden Worte der Vorfreude anklingen ließ. *gg*[via Cleric]