August 14, 2010

Zuletzt gesehen: THE UNTOUCHABLES (1987)

Mit Western-Elementen angereicherte Kinoverarbeitung und Mythoskonstruktion der berühmten Prohibitionsagenten, die im Chicago der 20er Jahre Al Capones Alkoholhandel bekämpften. Stellenweise virtuos inszeniert, versprüht der Film unentwegt nostalgisches Kinoflair, das mit ausgedehnt gefilmten und kompliziert geschnittenen Sequenzen die lückenhaft erzählte Geschichte zu kaschieren versucht. Tatsächlich bleiben Brian De Palmas "Untouchables" mehr als nur unberührbar, weil der dramaturgisch viel zu treibende Film sie nie richtig formen und zusammenbringen mag. Stattdessen konzentriert sich das Drehbuch lieber auf den familiären Background des Gruppenleaders (gespielt von Kevin Costner), der jedoch immer wieder unmotiviert in die Handlung eingefügt und letztlich rein schematisch und funktional skizziert wird, um eine stärkere Beziehung zur Figur herzustellen. Dieses Baukastenprinzip durchzieht den gesamten Film, der artig nach Zahlen malt, aber kaum Tiefgründiges über die Unbestechlichen oder den zeitlichen Kontext zu berichten weiß. Absolute Tiefpunkte sind die Overacting-Performance Robert De Niros als Al Capone, der in seinen wenigen Momenten völlig willkürlich aufdreht und dem der Film keine einzige wirklich niveauvolle, geschweige denn erinnerungswürdige Nicht-Show-Off-Szene gönnt, sowie Ennio Morricones Musik, die durch ihre 80er-Synthie-Sounds ihren Teil dazu beiträgt, dass der Film alles andere als geschlossen wirkt. Am Ende hinterlässt "The Untouchables" mit seiner fürs Genre überschaubaren Laufzeit von nur zwei Stunden einen sehr gestutzten, hastigen Eindruck.


40%

Kommentare:

  1. Der Kritikpunkt bezüglich der Costner- Familienhandlung trifft zu und nervt mich auch jedes Mal, wenn ich den Film sehe. Dennoch gibt es eine funktionierende Dynamik innerhalb der Gruppe der Untouchables! Und dass De Niro in seinen fünf-sechs Szenen overacted ist doch verständlich, schließlich hat er sehr wenig Screentime und muss deshalb einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Übrigens hat er sich für diese wenigen Szenen tatsächlich wieder die Plautze angefressen, die er als Jake La Motta schon hatte. Crazy method actors...

    Der Rest des Ensembles spielt darüber hinaus fantastisch. Connery hat damals völlig zurecht den Oscar erhalten.

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  2. Joa, gut gespielt ist der ansonsten sicherlich, erwarte ich von so einem Hollywood-Prestige-Film (die Credits sind ja wirklich beachtlich - Kostüme von Armani^^) bzw. derartiger Konfektionsware aber auch. :)

    Der Connery-Oscar war aber auch so ein typischer Award für die ganze Karriere bzw. ein spätes Eingeständnis frührerer Versäumnisse (vgl. Pacino und SCENT OF A WOMAN etc.).

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  3. Gerade gelesen: De Palmas nächstes Projekt scheint nun endlich festzustehen: Eine Verfilmung von Gardner McKays TOYER. Damit kehrt er zu seinen Suspense-Wurzeln zurück. Eigentlich wollte er das ja schon nach FEMME FATALE machen, aber damals ist irgendwas dazwischengekommen. Naja, mir ist das allemal lieber als das Untouchables-Prequel, das aufgrund mangelnder Finanzierung vor einigen Monaten geplatzt ist.

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  4. Sorry, der Film hat mind. 80% verdient.

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