November 14, 2008
November 13, 2008
Kino: KINOSTARTS - 13.11.2008
- Im Winter ein Jahr (Drama, D 2008)
- Der Brief für den König (Abenteuer, NL 2008)
- Zufällig verheiratet (Liebeskomödie, GB 2008) [Kritik]
- 1968 Tunnel Rats (Kriegs-Action, D/KAN 2008)
- 88 - Pilgern auf Japanisch (Doku, D 2008)
- Avanak Kuzenler (Komödie, TR 2008)
- So viele Jahre liebe ich Dich (Drama, F 2008)
- 33 Szenen aus dem Leben (Drama, D/PL 2008)
- Egoiste - Lotti Latrous (Doku, D 2007)
- Frohe Zukunft (Doku, D 2008)
- Der Generalmanager oder How to sell a Tit Wonder (Doku, D 2006)
November 12, 2008
Radio: FILM-BLUE MOON 13/08
Heute ab 22Uhr laden Ronald Bluhm und Tom Ehrhardt zu einem Bond-Only-Blue Moon auf Radio Fritz (Berlin/ Brandenburg). Mitmachen ist ganz einfach: Anrufen, sich aktiv an hitzigen Diskussionen beteiligen - und dann in die Fritz-Film-Geschenkekiste greifen. Per Livestream oder direkt im Radio. Er stellt sich nicht mehr mit "Bond, James Bond!" vor. Er trinkt keinen Wodka Martini mehr. Es gibt keinen Sex mit einem Strauß bunter Bondgirls. Was ist übrig vom Mythos 007? Nicht viel. "Ein Quantum Trost" kommt als scharf geschnittener, geradliniger Rachefeldzug eines Einzel- kämpfers daher, mehr Bourne als Bond. Könnt ihr mit dem neuen 007 noch etwas anfangen, gefällt er euch gar besser als je zuvor? Ruft an und redet mit Bond-Fan No. 1 Ronald Bluhm und Tom Ehrhardt über "Ein Quantum Trost" im Film Blue Moon.
November 10, 2008
Retro: BATMAN (1989)
"It's like with Warner Bros., because that's where my history has mainly been. I'm always amazed – movies that they fight tooth and nail and are always the weirdest, those are the ones that end up making them all the money. All they have to do is look at their fucking slate of movies!", so ein resignierter Tim Burton im Interview 1992, nachdem er für Warner bereits vier Kinofilme als Regisseur inszeniert hat. Genervt von den endlosen Diskussionen nach Testvor- führungen und Änderungswünschen, die die Post-Produktion von "Beetlejuice" begleiteten, ermüdet vom Kampf darum, den Film getreu seinen Vorstellungen in die Kinos bringen zu können, gab dem jungen Regisseur schließlich nur der Erfolg Recht: Immerhin spielte die Geisterkomödie weltweit mehr als 100 Millionen US-Dollar ein und erwies sich als Überraschungshit. Dennoch sollten seine Schwierigkeiten, in Hollywood einen Film nach eigenem künstlerischem Duktus durchbringen zu können, mit Burtons folgendem Projekt noch zunehmen: Nachdem sich bereits verschiedene Regisseure und Drehbuchautoren viele Jahre an einer Entwicklung des Stoffes versucht hatten, beauftragte Warner letztlich Burton, die aufwendige Kinoadaption von "Batman" zu inszenieren, pünktlich zum 50. Jubiläum des DC-Comichelden 1989. Das Projekt wurde von einer bis dato beispiellosen Medienkampagne begleitet und mithilfe eines ausgeklügelten Marketingkonzepts von Beginn der Produktion an im Bewusstsein der Öffentlichkeit installiert. Ein schon vorzeitig lanciertes Teaser-Plakat bildete lediglich das Batman-Logo ab, ohne den eigentlichen Titel oder andere Filmdetails zu präsentieren, und unzählige Merchandising-Produkte gingen vorab in den Verkauf. Der Trailer wurde auf kopierten Videokassetten umhergetauscht und gezielt vor andere Kinofilme platziert, während Fernseh- und Zeitungsberichte unaufhörlich für die kostenintensive und gewaltige Produktion warben. Nicht zuletzt die Verpflichtung von Jack Nicholson für die Rolle des Batman-Antagonisten Joker erschien als wahrer Casting-Coup, hatte dieser sich doch viele Jahre gegen die kommerzielle Ausbeutung des Kinos mit zahlreichen abgewiesenen Angeboten zur Wehr gesetzt, nun aber hingegen sogar Gewinnbeteiligungen ausgehandelt (die ihm später schätzungsweise 60 Millionen US-Dollar einbrachten). Ebenso folgerichtig wie dennoch kurios erschien in der Vermarktung Nicholsons Name noch vor dem des Batman-Darstellers Michael Keaton, sogar selbst in der Titelsequenz des Films, die den Warencharakter mit einer aufwendig gestalteten Etablierung des Titellogos noch selbstbewusst ausstellt. Der somit besonders in den USA entfachte Batman-Hype garantierte dem Film schon weit vor Kinostart die nötige Aufmerksamkeit, sodass sein Einspiel kaum noch zu überraschen vermochte. Mit Rekordeinnahmen von weltweit über 400 Millionen Dollar allein an den Kinokassen erwies sich "Batman" als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und erfüllte alle Erwartungen des Studioriesen.
Insofern spricht es wohl für die bereits ausgeprägte Handschrift des Regisseurs, dass "Batman" trotz seiner chaotischen Produktionsverhältnisse größtenteils deutlich als Tim Burton-Film zu erkennen ist. Der Dark Knight erinnert stark an die Outcast-Figurenentwürfe der vorherigen Burton-Arbeiten und erscheint mehr als einsamer schizoider Rächer, denn strahlender Superheld. Ausgehend von der Neuinterpretation des Comicmythos’ durch Frank Miller und Alan Moore Mitte der 80er Jahre, in der sich die Abkehr ehemals propagandistischer und später forcierter Camp- Elemente in Form einer Umjustierung Batmans widerspiegelte, der nunmehr als deutlich gealterter Held nicht länger Hab und Gut der Privateigentümer verteidigte, sondern innerhalb eines neuen sozialen Realismus gegen die Korruption des Establishments zu Felde zog, betont der Film – den Erwartungen des Mainstreams an einen Titelhelden zuwiderlaufend – die Dualität der Figur, das Widersprüchliche, das sich aus der Flucht hinter die Maske ergibt. Als Mitternachtsdetektiv Gotham Citys bekämpft Bruce Wayne Verbrecher und Freaks, obwohl er selbst nur eine Kreatur und sogar das Produkt seines Gegners ist: Anders als in der Comic-Vorlage erschaffen sich Batman und der Joker gegenseitig. Zwar gelingt es Burton nicht, dieses Motiv durchzuhalten, weil der Film immer wieder in narrative Nebensächlichkeiten zu zerfallen droht, die Fortsetzung "Batman Returns" jedoch wird sich fast ausschließlich mit der Frage nach der Wechselbeziehung von Gut und Böse beschäftigen und die Genreelemente ebenso hinten anstellen wie die Logik eines stringenten Plots.
Großstadt-Moloch: Tim Burtons Gotham City
Ebenso wie das Design des Films bildet hingegen auch die Musik einen eigenständigen Charakter. Die dritte gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Burton und Danny Elfman nach "Pee-wee's Big Adventure" und "Beetlejuice" brachte dem ehemaligen Rockmusiker und Mitglied der populären Band Oingo Boingo den Durchbruch als Filmkomponist. Sein Konzept für das Scoring zu "Batman" unterstreicht ähnlich wie auch die Arbeit der Ausstatter und Kostümbildner die angestrebte Zeitlosigkeit des Films (sofern die Prince-Songs mit ihrem 80’s-Flair diesen Ansatz nicht zunichte machen würden), indem er sich stilistisch bei klassischen sinfonischen Filmmusiken von Max Steiner oder Erich Wolfgang Korngold, aber auch John Williams und seinem wohl prägnantesten Vorbild, Federico Fellinis langjährigem Stammkomponisten Nino Rota, bedient. Der konstante Bezug auf letzteren – "Pee-wee's Big Adventure" erschien bereits wie eine einzige große Rota-Hommage – erlaubt auch Rückschlüsse auf die Ähnlichkeiten der Beziehungen zwischen Elfman/Burton und Rota/Fellini, die eine intensive Arbeitsbeziehung über zahlreiche Filme hinweg pflegten und sich als eigenständige, aber identisch denkende Autoren ergänzten. Schließlich haben die Filme von Fellini, in ihrer bedingungslosen Hingabe zu Außenseiterfiguren in Verbindung mit surrealen Bilderwelten, einen offenkundigen Einfluss auf den Regisseur Burton, der diese künstlerische Verbundenheit mehrfach durch filmische Zitate bestätigt hat, etwa in "Big Fish" oder "Sweeney Todd". Es scheint deshalb nicht von ungefähr, wenn Burtons gesamte Karriere vom Einwand begleitet wird, Geschichten zu stark zu visualisieren, statt sie traditionell zu erzählen.
Literatur:
- Breskin, David (1992): Tim Burton. In: Inner Views. Filmmakers in Conversation, New York: Da Capo Press 1997, S. 321-364
- Merschmann, Helmut (2000): Tim Burton, Berlin: Bertz
- Merschmann, Helmut (2000): Von Fledermäusen und Muskelmännern. Postmoderne im amerikanischen Mainstream-Kino: Arnold Schwarzenegger und Tim Burton, Berlin: Spiess
- Rauscher, Andreas (2000): Die dunkle Seite von Disneyland. Die Filme von Tim Burton. In: Stiglegger, Marcus (Hrsg.): Splitter im Gewebe. Filmemacher zwischen Autorenfilm und Mainstreamkino, Mainz: Bender 2000, S. 264-285
November 08, 2008
Zuletzt gesehen: MIRRORS
Absolut schwachsinniges, langweiliges und bemerkenswert einfallsfrei inszeniertes US-Remake des Geisterheulers "Into the Mirror", das mit 08/15-Spuk um die ewig gleichen Schockeffekte (bzw. lauten Tonspitzen) und einem hane- büchen konstruierten Grusel-Plot inklusive hektischer Flash- backs als Story-Surrogat noch auf der doch längst abgeflauten Welle asiatischer Horrorneuauflagen mitzu- schwimmen versucht, dabei aber schon während der Exposition sang- und klanglos untergeht. Kiefer Sutherland scheint sich leider nicht mehr von seinem Jack Bauer-Image lösen zu können und spielt die Hauptrolle mit hoher Fremdschämgarantie am Rande zur unfreiwilligen Komik. Fällt "Mirrors" bereits bis zum lang ersehnten Ende permanent in grabentiefe Logiklöcher, so übertrifft das so genannte Finale (nennen kann man es so nämlich eigentlich nicht) die bisherigen Absurditäten und Unstimmigkeiten noch einmal aufs Groteskeste. Schade letztlich nur um Regisseur Alexandre Aja, dessen Talent in diesem blödsinnigen Mainstream-Murks bestenfalls noch zu erahnen ist – bleibt deshalb nur zu hoffen, dass er es ohne nachträgliche Folgen verschwendet hat.25%
Halt doch bitte endlich die Klappe, Trottel!
Nee, dieser "Kleinkrieg" war mir neu. Nicht, dass ich Kevin Smith und seine dümmlichen Filme nicht ohnehin unendlich nervig finden würde (was auch nur die halbe Wahrheit ist, eigentlich interessieren sie mich nicht die Bohne), aber das hier – ein Auszug aus seiner angeblich unterhaltsamen Abendkonversation vor Publikum – gibt meiner Verachtung noch die nötige Zuckerglasur.
Das Problem ist gar nicht die Polemik gegen Tim Burton selbst – ich liebe Polemik, und wenn sie gut ist, gern auch gegen meinen Lieblingsregisseur – aber Smith richtet sich nicht gegen Burtons kreativen Output (was sich vermutlich auch schwierig gestalten würde, vor allem von jemandem, der in seinen eigenen Filmen nicht einmal eine vernünftige Einstellung hinbekommt), sondern denunziert ihn, wird persönlich, beleidigend und versucht Lacher zu ernten, wenn er den "Freak" Burton auch schön freakig nachzuahmen versucht (noch erbärmlicher sind nur Smiths Seitenhiebe gegen Prince). Der Grund dafür: Angeblich habe Burton sich für sein Ende von "Planet of the Apes" bei einem Smith-Comic bedient (kann ich nicht nachprüfen, but who cares, der Film ist doch eh scheiße), eigentlicher Hintergrund der Geschichte ist aber eher, dass Smiths Divenego nachhaltig beschädigt wurde, weil Burton einst dessen "Superman"-Script ablehnte und ein neues hat verfassen lassen (vielleicht weil es mies war?...). Das Projekt wurde jedenfalls nie in dieser Konstellation realisiert, aber Smith scheint noch heute an seinem Trauma zu knabbern. Ganz schön verzweifelt und peinlich, das. Dagegen hatte selbst Uwe Bolls konstruierter Clash mit Michael Bay Stil…
TV: Fernsehtipps vom 08.11. - 14.11.2008
Samstag, 08.11. 22:00 Uhr – Das Ding aus einer anderen Welt (K1)
Orgiastisches Remake, nahezu perfekt inszeniert, aber für einen zweiten "Alien" fehlen einfach die Metalevel. ;-)
22:00 Uhr – Das Experiment (Pro7)
Ein wahrhaft teutonisches Experiment: Wer diesen weltfremden, homophoben, nur auf Eskalation hin angelegten, mit Darstellern wie frisch aus der Schauspielschule besetzten und nach Schema F inszenierten, kurzsichtigen und in seiner schlussendlichen Trivialität bemitleidenswerten Dooffilm ohne mittelschwere Brechanfälle übersteht – der darf gern auch den nächsten Oliver Hirschbiegel-Film goutieren. Prost.
23:45 Uhr – The Hidden (K1)
Themenabend auf Kabel 1. Auch das hier grundsolider Alien-Horror, inszeniert wie ein Actionfilm. Lange nicht mehr gesehen, mochte den aber zumindest früher gern. Im TV genauso verstümmelt und mit falschem Bildformat wie der Carpenter.
Sonntag, 09.11.
20:15 Uhr – Was Frauen wollen (SAT.1)
Mel Gibson kann die Gedanken von Frauen lesen – und die sind natürlich total lüstern. Was für eine niedliche Fantasie, die Nancy Meyers da in einem erneuten Misogynie-Anfall gesponnen hat. Reaktionär wäre noch geschmeichelt.
20:15 Uhr – Die Insel (Pro7)
In der ersten Hälfte mehr oder weniger clever stibitzter, immerhin aber erstaunlich ernsthafter Sci-Fi-Film, dessen pseudophilosophische Fragen zunehmend einer Bayschen Effektshow weichen müssen. Scarlett Johansson nervt wie immer, Ewan McGregor war leider auch schon besser.
Montag, 10.11.
Von manchen seltsamerweise als verweichlicht abgestraft, fügt sich auch dieser Cronenberg ganz wunderbar in dessen spannendes Oeuvre, stellt beißende grundexistenzielle Fragen und schiebt diesen höchst kluge Überlegungen nach. Mehr hier. (läuft wohl stark gekürzt, daher lieber zur DVD greifen)
Dienstag, 11.10.
Nix für mich.
Mittwoch, 12.11.
Dürfte auf meiner Liste der belanglosesten und langweiligsten Filme, die ich je gesehen habe, auch eine vordere Position einnehmen. Ich wünschte, ich könnte mehr dazu sagen, aber ich kann mich an nichts mehr erinnern. Ist wohl auch besser so.
Donnerstag, 13.11.
Unter den US-Vehikeln des Woo-Ausverkaufs noch einer der erträglicheren, heißt aber nicht viel. Immerhin einer der wenigen Zimmer-Scores, den man sich anhören kann ohne kotzen zu müssen.
Freitag, 14.11.
22:05 Uhr – Rambo (Tele5)
Läuft irgendwie auch 1x im Monat. Wollt nur noch mal sagen, dass ich den very shice finde.
22:10 Uhr – In einer kleinen Stadt (Das Vierte)
Mal wieder Horror aus Castle Rock, natürlich nach Stephen King: Recht wirkungsvoll in seinem gut entwickelten, bedrohlichen Kleinstadtszenario und mit einem schaurig-schönen Max von Sydow in der Hauptrolle besetzt.
November 07, 2008
Kino: HIGH SCHOOL MUSICAL 3: SENIOR YEAR
Nein, man muss es nicht mögen, wenn der durchnässte Leader Zac Efron gleich zu Beginn bei seinem schweiß- treibenden Abschlussspiel der Basketballschulmannschaft inne hält, sich ans Herz greift und seiner plötzlich aus den Zuschauerreihen empor getretenen Liebsten Vanessa Hudgens entgegen schmachtet, dass er es wohl einfach nicht schaffen könne: "Right now I can hardly breath", singt er, und "Ohh, you can do it – just know that I believe", singt sie dann. "And that's all I really need" (er) – "Then come on!" (sie) – "Make me strong!" (er) – "It's time to turn it up, game on!" (alle). Und weiter geht’s auch schon. Willkommen in der zuckersüß- klebrigen Teenie-Welt von "High School Musical 3: Senior Year", wo mit großer Geste in Bühnenräumen klassischer Studio-Musicals und Busby Berkeley-Choreographien schnulzig-schöne R'n'B-Nummern getanzt und geträllert werden. Nun, bei allem, was der Disney-Erfolg auch nach seinem Sprung vom Fernsehen, wo noch die ersten beiden Teile aufgeführt wurden, auf die große Kinoleinwand an keimfreien Jungstars, aufgeblasenen Teenienöten und Klischee- Konfliktchen auffährt – es ist noch immer ein herrlich vergnügliches Gute-Laune-Happening. Denn glücklicherweise wurden nicht nur die mittlerweile millionenschweren Teen-Idole und deren brav-niedliche Film-Images, sondern auch der gesamte queere Input der ersten beiden "High School Musical"-Filme konvertiert: Die überdramatischen Solo- Musical-Nummern, die pinkbunten Kostüme, die einfallsreichen Tanzeinlagen – sie sind fast durchweg zweideutig, mindestens aber urkomisch widersprüchlich zu den Schul-Settings von Basketballhallen und Cafeterias, zu den harmlos-unschuldigen Liebeleien der beiden Hauptdarsteller und ganz besonders zu der von Disney doch so sorgfältig entworfenen asexuellen Welt hübscher Teen-Retorten-Stars.
Anders als die beiden weiteren Disney-Franchises, die dem Konzern Milliarden in die Kassen spülen, nämlich "Hannah Montana" mit der 16jährigen Kaugummi-Rocksängerin Miley Cyrus und deren per Cross-Promotion etabliertes Äquivalent The Jonas Brothers, behält sich "High School Musical" manch versteckt schlüpfriges nicht vor. Immerhin folgt das neue Disney-Teen-Ideal, im Kern freilich zutiefst reaktionär, strengen Regeln: Miley Cyrus muss eine pädagogische und moralische Vorbildfunktion mit all ihren Serien, Kinofilmen und CDs erfüllen, die Jonas Brothers – drei sanft in ihre Gitarren hauende Pastorensöhne – gar propagieren ganz gezielt christliche Werte, tragen Enthaltsamkeitsringe, die ihre Keuschheit bis zur Ehe symbolisieren, und reagieren während ihres Deutschlandbesuchs bei TV Total auf ein "Shit" Stefan Raabs schon mal mit sichtlicher Sprachlosigkeit.
Zwar traut es sich auch "High School Musical" nicht, beispielsweise die in allen drei Filmen von Lucas Grabeel mit weibischer Hysterie gespielte Figur des zunächst intriganten und später zum Schulchoreographen gemauserten It-Boys Ryan für schwul zu erklären, aber wird zumindest nicht versucht, ihm noch eine Freundin an die Seite zu dichten, und in der Bühnenversion der Filme schließlich auch gar kein Geheimnis mehr daraus gemacht. Die fast aseptisch- normative und gleichgeschaltete Welt, in der die "High School Musical"-Teile angesiedelt scheinen, wird von Regisseur Kenny Ortega immerhin mit dezent absonderlichen, mindestens jedoch nicht gänzlich angepassten Inhalten ausgefüllt. Vielleicht nämlich werden die an und für sich merklich albernen Problemchen all der reinlichen Jugendlichen im Film und deren forcierte, simpel lösbare Konflikte auch nur durch so viel Tanz- und Sangeslust in plüschig-theatralischer Ausstattung ermöglicht. Nicht umsonst behandeln alle drei Filme die Arbeit an einem Schulmusical, das als doppelter, also inhaltlicher und filmischer Höhepunkt fungiert: Innerhalb eines unbe- schwerten, verspielten und letztlich eben sehr queer tradierten Rahmens darf Märchenideal gespielt werden.
Am Ende erscheint es deshalb konsequent und verständlich, wenn die jungen "High School Musical"-Sternchen dann aus der Filmhandlung heraustreten und sich auf einer Bühne vor ihrem (nunmehr) Kinopublikum verneigen, ehe der rote Vorhang fällt. Nein, so ganz ernst kann er sich doch eigentlich nicht nehmen, der mal unfreiwillig komische, mal verkitscht niedliche Spaß. Auch wenn Ortega, immerhin einstiger Zögling von Gene Kelly, trotz des Riesenerfolges der Serie sich selbst in dritter Folge mit einem verhältnismäßig bescheidenen Budget herumschlagen muss, der Produktionsaufwand also leider nicht ganz so gestiegen ist wie erhofft, so steckt in diesen bunten Teenie-Träumereien viel Liebe und Hingabe zum klassischen Filmmusical. Und wenn das weltweit frühpubertäre Mädchen und Jungen begeistern kann – umso besser.


