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November 07, 2008

Kino: HIGH SCHOOL MUSICAL 3: SENIOR YEAR

Nein, man muss es nicht mögen, wenn der durchnässte Leader Zac Efron gleich zu Beginn bei seinem schweiß- treibenden Abschlussspiel der Basketballschulmannschaft inne hält, sich ans Herz greift und seiner plötzlich aus den Zuschauerreihen empor getretenen Liebsten Vanessa Hudgens entgegen schmachtet, dass er es wohl einfach nicht schaffen könne: "Right now I can hardly breath", singt er, und "Ohh, you can do it – just know that I believe", singt sie dann. "And that's all I really need" (er) – "Then come on!" (sie) – "Make me strong!" (er) – "It's time to turn it up, game on!" (alle). Und weiter geht’s auch schon. Willkommen in der zuckersüß- klebrigen Teenie-Welt von "High School Musical 3: Senior Year", wo mit großer Geste in Bühnenräumen klassischer Studio-Musicals und Busby Berkeley-Choreographien schnulzig-schöne R'n'B-Nummern getanzt und geträllert werden.

Nun, bei allem, was der Disney-Erfolg auch nach seinem Sprung vom Fernsehen, wo noch die ersten beiden Teile aufgeführt wurden, auf die große Kinoleinwand an keimfreien Jungstars, aufgeblasenen Teenienöten und Klischee- Konfliktchen auffährt – es ist noch immer ein herrlich vergnügliches Gute-Laune-Happening. Denn glücklicherweise wurden nicht nur die mittlerweile millionenschweren Teen-Idole und deren brav-niedliche Film-Images, sondern auch der gesamte queere Input der ersten beiden "High School Musical"-Filme konvertiert: Die überdramatischen Solo- Musical-Nummern, die pinkbunten Kostüme, die einfallsreichen Tanzeinlagen – sie sind fast durchweg zweideutig, mindestens aber urkomisch widersprüchlich zu den Schul-Settings von Basketballhallen und Cafeterias, zu den harmlos-unschuldigen Liebeleien der beiden Hauptdarsteller und ganz besonders zu der von Disney doch so sorgfältig entworfenen asexuellen Welt hübscher Teen-Retorten-Stars.

Anders als die beiden weiteren Disney-Franchises, die dem Konzern Milliarden in die Kassen spülen, nämlich "Hannah Montana" mit der 16jährigen Kaugummi-Rocksängerin Miley Cyrus und deren per Cross-Promotion etabliertes Äquivalent The Jonas Brothers, behält sich "High School Musical" manch versteckt schlüpfriges nicht vor. Immerhin folgt das neue Disney-Teen-Ideal, im Kern freilich zutiefst reaktionär, strengen Regeln: Miley Cyrus muss eine pädagogische und moralische Vorbildfunktion mit all ihren Serien, Kinofilmen und CDs erfüllen, die Jonas Brothers – drei sanft in ihre Gitarren hauende Pastorensöhne – gar propagieren ganz gezielt christliche Werte, tragen Enthaltsamkeitsringe, die ihre Keuschheit bis zur Ehe symbolisieren, und reagieren während ihres Deutschlandbesuchs bei TV Total auf ein "Shit" Stefan Raabs schon mal mit sichtlicher Sprachlosigkeit.

Zwar traut es sich auch "High School Musical" nicht, beispielsweise die in allen drei Filmen von Lucas Grabeel mit weibischer Hysterie gespielte Figur des zunächst intriganten und später zum Schulchoreographen gemauserten It-Boys Ryan für schwul zu erklären, aber wird zumindest nicht versucht, ihm noch eine Freundin an die Seite zu dichten, und in der Bühnenversion der Filme schließlich auch gar kein Geheimnis mehr daraus gemacht. Die fast aseptisch- normative und gleichgeschaltete Welt, in der die "High School Musical"-Teile angesiedelt scheinen, wird von Regisseur Kenny Ortega immerhin mit dezent absonderlichen, mindestens jedoch nicht gänzlich angepassten Inhalten ausgefüllt. Vielleicht nämlich werden die an und für sich merklich albernen Problemchen all der reinlichen Jugendlichen im Film und deren forcierte, simpel lösbare Konflikte auch nur durch so viel Tanz- und Sangeslust in plüschig-theatralischer Ausstattung ermöglicht. Nicht umsonst behandeln alle drei Filme die Arbeit an einem Schulmusical, das als doppelter, also inhaltlicher und filmischer Höhepunkt fungiert: Innerhalb eines unbe- schwerten, verspielten und letztlich eben sehr queer tradierten Rahmens darf Märchenideal gespielt werden.

Am Ende erscheint es deshalb konsequent und verständlich, wenn die jungen "High School Musical"-Sternchen dann aus der Filmhandlung heraustreten und sich auf einer Bühne vor ihrem (nunmehr) Kinopublikum verneigen, ehe der rote Vorhang fällt. Nein, so ganz ernst kann er sich doch eigentlich nicht nehmen, der mal unfreiwillig komische, mal verkitscht niedliche Spaß. Auch wenn Ortega, immerhin einstiger Zögling von Gene Kelly, trotz des Riesenerfolges der Serie sich selbst in dritter Folge mit einem verhältnismäßig bescheidenen Budget herumschlagen muss, der Produktionsaufwand also leider nicht ganz so gestiegen ist wie erhofft, so steckt in diesen bunten Teenie-Träumereien viel Liebe und Hingabe zum klassischen Filmmusical. Und wenn das weltweit frühpubertäre Mädchen und Jungen begeistern kann – umso besser.


70%

August 18, 2008

News: HIGH SCHOOL MUSICAL 3 - Teaser

Ganz vergessen zu posten: Der Teaser zu "High School Musical 3: Senior Year", dem dritten Film der Disney- Erfolgsserie, ist vor kurzem erschienen. Da dies der erste Teil um die singenden und tanzenden Grinsebacken ist, der auch ins Kino kommt, sieht das alles wesentlich filmischer und schöner aus als in den TV-Vorgängern. Nach dem hübsch-doofen ersten und einem weniger hübsch-doofen zweiten Teil hoffe ich mindestens auf "Grease 2"-Niveau. ;)

---> klick <---


PS: Ein vierter Film ist auch schon angekündigt. Regie wieder Kenny Ortega, allerdings geht es zurück ins Fernsehen - mit neuer Besetzung.

Mai 06, 2008

News: HIGH SCHOOL MUSICAL 3 - Starttermin

"High School Musical 3: Senior Year" wird laut Disney vom 3. Mai bis 30. Juni gedreht und kommt am 23. Oktober in die deutschen Kinos. Es ist damit der erste Film der ungeahnt erfolgreichen Teen-Musical-Serie, der nicht direkt fürs Fernsehen produziert wird.

Zum Inhalt: In ihrem Abschlussjahr erleben die High School-Absolventen Troy (Zac Efron) und Gabriella (Vanessa Hudgens) das erste Mal was es heißt, von einander getrennt zu sein! Denn die beiden werden ihr Studium an unterschiedlichen Universitäten aufnehmen. Doch vorher stellen sie gemeinsam mit dem Rest der Wildcats ein neues spektakuläres Musical auf die Beine, das mit unzähligen neuen Hits und atemberaubenden Tanzeinlagen aufwartet! [Disney]

Bleibt jetzt die Rätselfrage: Wurde die Hudgens nicht wegen ihres Nacktfotoskandals gefeuert? Ich freue mich jedenfalls trotz des öden zweiten Teils auf den Film.

April 27, 2008

Zuletzt gesehen: HIGH SCHOOL MUSICAL 2

"High School Musical 2" ist ein gefundenes und sehr einfaches Fressen für all jene, die Musicals unerträglich finden: Er ist aalglatt, keimfrei, kitschig, affektiert, over-acted. Das war sein Vorgänger indes auch, und im Gegensatz zum ersten Versuch Kenny Ortegas, ein wenig "Grease" in harmlose Disney-Channel-Formen von heute zu pressen, ist die zweite Auflage des dünnen Competition-Stoffes um erste Liebe und unbeschwerte Rivalitäten ziemlich fad ausgefallen. Die Songs haben weniger Pepp und Wiedererkennungswert als im ersten Film, und auch wenn die Tanzeinlagen zwar besser choreographiert und inszeniert sind (Lucas Grabeel sticht dabei weiterhin besonders hervor), fehlt ihnen jeglicher Charme. Die Geschichte bleibt dieselbe, während die upcoming Teenstars zwar nach wie vor fleißig vor sich hin trällern (und das immer noch ziemlich gut), bei ihren Performances dieses Mal jedoch noch einige Zentimeter dicker auftragen als zuvor. Zac Efron ("Hairspray") sorgt dabei für den Höhepunkt: Seine wild gestikulierte Solonummer vor Schluss ist eigentlich nur noch als Trash goutierbar – wie überhaupt der ganze Film, bei dem das schwule Barometer unentwegt ausschlägt. Und das, obwohl doch alles so harmlos und unschuldig gemeint war (Anmerkung: Vanessa Anne Hudgens hat das privat erfahren müssen, ihre Nacktbilder führten zum Rauswurf bei Disney und einer Neubesetzung für den dritten Teil).

40%

März 02, 2008

Retro: ONE FROM THE HEART (1982)

Nach fünf Jahren Beziehung voller Höhen und Tiefen scheint die Trennung endgültig besiegelt: In der Nacht vorm 4. Juli streiten sich Hank (Frederic Forrest) und Frannie (Teri Garr) lauthals auf offener Straße. Um sich über ihre Partnerschaft und deren Zukunft im Klaren zu werden, flüchten beide jeweils in eine nächtliche Odyssee im bunten Las Vegas. Sie lernt dabei einen exotischen Kellner (Raul Julia) kennen, der sie umgarnt und schließlich verführt, er trifft auf eine mysteriöse Zirkustänzerin (Nastassja Kinski), die sich in ihn verliebt. Am Ende einer langen bewegten Nacht finden Hank und Frannie schließlich wieder zueinander – doch werden sie noch eine weitere Chance erhalten?

Das ist der Hauch einer Geschichte, der "One from the Heart" 1982 mit allen persönlichen Erwartungen seines Regisseurs Francis Ford Coppola auflud. Es war das persönlichste Projekt des American-Zoetrope-Mitbegründers, eine Herzensange- legenheit, und jener Film, der ihm neue künstlerische und produktionstechnische Möglichkeiten eröffnen sollte. Als eine Art Gegenentwurf zum on-location-Alptraum "Apocalypse Now" ausschließlich auf den Bühnen seines Studios gedreht, war dies Coppolas Vision vom reinen Filmemachen, sein Traum vom absoluten Kino der Illusionen, einem lang gehegten Wunsch entsprechend, dem Musicalfilm endlich eine adäquate Präsentationsgrundlage zu verschaffen. Doch die Selbstständigkeit und Produktionskapazität, die das Projekt für Coppola erwirken sollte, endete im größten Fiasko seiner Karriere: "One from the Heart" sorgte zunächst durch ständige Budgetüberlastungen für Negativpresse, wurde schließlich von der Kritik verrissen und war ein gigantischer kommerzieller Misserfolg, der bei Kosten von rund 26 Millionen nicht einmal 640 000 US-Dollar einspielte. Noch heute muss sich der Regisseur mit den finanziellen Auswirkungen des Films herumschlagen.

Gerne würde man der filmgeschichtlichen Rezeption deshalb ein Schnippchen schlagen und den Film als vergessenes, übersehenes Juwel wiederentdecken. Aber "One from the Heart" mag auch aus heutiger Sicht nicht zu Unrecht gescheitert sein. Der gesamte Film ist überambitioniert konzipiert, aufgeblasen, verschwenderisch, zu imposant. Er ist um technische Ideen und Errungenschaften bemüht, um großartige Setdekors und markante Lichtsetzung, um Stilisierung jedweder Details und ausladende visuelle Effekte – aber ihm fehlt dabei jegliches Gefühl. Coppolas Wunschprojekt, in das er so viel Arbeit, Kreativität und Hoffnung investiert hat, besitzt über seinen Technizismus und seine Hingabe zur großen Form hinaus keinerlei Herz und Seele. Die Figuren sind austauschbar und blass, sie dienen nur als Vorwand für eine orientierungslose Reise durch visuelle Eindrücke und bleiben reine Staffage. Die Geschichte eines Paares in Beziehungsproblemen ist nichts sagend und wird ohne Elan erzählt, Coppola ist an ihr ungleich weniger interessiert als an beeindruckenden Studiokulissen und ausgeklügelten Kamerasequenzen.

Die beiden Protagonisten Hank und Frannie sind richtiggehend unsympathisch und ihr Schicksal von äußerst geringfügigem Interesse, ganz so als würde ihr Regisseur nicht einmal versuchen, das Publikum für sie zu begeistern (gleichzeitig verrät das Ende, das ihm danach hingegen durchaus der Sinn stand). Bezeichnenderweise erscheinen die mysteriösen Randfiguren Leila und Ray, die zu den jeweiligen Nacht- bekanntschaften der beiden werden, um einiges spannender hinsichtlich ihres Hintergrunds und ihrer Motive. Man möchte viel lieber ihrem Weg folgen, als sich mit den uninspiriert dargestellten, austauschbaren und letztlich banalen Beziehungsproblemen von Hank und Frannie auseinander- setzen zu müssen. Hier verfehlt Coppola jeden Bezugspunkt und versäumt es, den Zuschauer an die Geschichte zu binden, während er nur damit beschäftigt ist, im Hintergrund ein Hollywood vergangener Tage zu beschwören. Die Regieanweisungen kamen dabei über Lautsprecher, der Regisseur selbst beobachtete das Geschehen abseits des Sets über Monitore in einem Wohnwagen, was die distanzierte Art des Films sicherlich erklären dürfte.

Zweifellos liegen im Ausstattungskonzept die Reize des Films, der ein betörend schönes visuelles Konglomerat aus bunten Fassaden und greller Neonbeleuchtung auffährt, der wunder- bare Studiobilder entwirft vom Las Vegas Strip und der umschließenden Wüste. Die Kamera schwebt förmlich durch diese Designs, während die einzelnen Szenen immer wieder ineinander übergehen. "One from the Heart" stellt seinen Stil ganz in den Mittelpunkt, er erinnert offenkundig an die prachtvollen Bühnen der MGM-Musicals, auf die er sich verschiedentlich direkt bezieht. Coppola heuerte neben Choreograph Kenny Ortega (der später mit "Dirty Dancing" und als Regisseur der "High School Musical"-Filme Erfolge feiern sollte) auch Musicallegende Gene Kelly als Berater an, doch dessen Einfluss macht sich beim Endergebnis leider nicht besonders bemerkbar: Zwar schwelgt der Film in romantischen Fantasien aus Studiodekor im 1,33:1-Format, wirkliche Tanz- und Gesangseinlagen gibt es indes nicht einmal eine Handvoll. "One from the Heart" definiert sich eher über sein Äußeres als Musical, er versucht sich deren klassischer Magie zu bedienen, ohne dass seine steife Inszenierung Platz für gefühlvollen Kitsch zuließe. Dazu tragen auch die trockenen, gelangweilten Songs von Tom Waits bei, die immer wieder unters Geschehen gelegt werden. Sie wirken wie störende Fremdkörper, die das dynamische Eigenleben der prachtvollen Kulissen ausbremsen.

Wie soll man nun (überspitzt ausgedrückt) mit Coppolas Versuch, in die Fußstapfen von Louis B. Mayer oder Arthur Freed zu treten, umgehen? "One from the Heart" ist ein schwer in feste Kategorien einzuordnender Liebesfilm mit Musik, eine märchenhafte Odyssee durch die Stadt der Glücksspiele, voller Fantasie und Prunk, aber letztlich nur ein Körper ohne Inhalt, eine starre Hülle, die schön aussieht, sich aber leer anfühlt. Coppola hat sich hinsichtlich des Genres wie schon bei "Finian’s Rainbow" nur auf Oberflächlichkeiten gestürzt, und sich ansonsten gründlich überworfen. Ein visionärer Film vom klassischen Geschichtenerzähler – vielleicht wird es doch noch seine Zeit brauchen, bis man dies gebührend anerkennen kann.


50%