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Mai 08, 2016

Robert De Niro, von der Kinolegende zum Kinokasper

Robert De Niro müsse niemandem mehr etwas beweisen, heißt es für gewöhnlich auf Kritik an seiner Rollenwahl. Das Ergebnis dieser lange gewährten Narrenfreiheit sind Filme wie "Dirty Grandpa", in denen die Kinolegende nur noch den Kinokasper macht.

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Februar 24, 2013

Zuletzt gesehen: THE PAPERBOY (2012)

Das Interessiere von Lee Daniels, Genregeschichten in demonstrativen sozialen Milieus zu erzählen, setzt sich mit diesem schwülstigen Südstaaten-Pulp-Thriller eindruckslos fort. Anders als bei "Precious: Based on the Novel etc.pp." löffelt der Poverty-Exeget seine Human-Trash-Suppe dieses Mal aus einem Fass sonderbarer Peinlichkeiten und versammelt eine Riege abgehalfterter Hollywoodstars zur Fremdscham-Party. John Cusack sleazt sich unfassbar albern durch eine Rolle als notgeiler Sumpfbock, Matthew McConaughey feiert die manieristische Reprise seines "Killer Joe". Um die krampfhaften, ganz und gar merkwürdig mit vollstem Ernst auf filthy und kinky geeichten Pseudo-Schmuddeleien anrüchig und/oder heiß finden zu können, muss man "The Paperboy" schon mit großen Tomaten auf den Augen oder aber dicken Spinnweben in der Hose schauen. Was sich auf dem Papier verheißungsvoll gibt (Nicole Kidman uriniert auf Zac Efron, goil!!111), ist so vergessenswert und ausnahmslos unsexy inszeniert, dass allerhöchstens stockverklemmten Amis das Gesicht anläuft. Die fast, aber auch wirklich nur fast schon wieder interessante Planlosigkeit des Films auf allen Ebenen lässt einen zumindest nicht vorzeitig wegdösen – was bei so viel bedeutungsschwangerer Langeweile fürwahr einem Wunder gleichkommt.


20%

November 07, 2008

Kino: HIGH SCHOOL MUSICAL 3: SENIOR YEAR

Nein, man muss es nicht mögen, wenn der durchnässte Leader Zac Efron gleich zu Beginn bei seinem schweiß- treibenden Abschlussspiel der Basketballschulmannschaft inne hält, sich ans Herz greift und seiner plötzlich aus den Zuschauerreihen empor getretenen Liebsten Vanessa Hudgens entgegen schmachtet, dass er es wohl einfach nicht schaffen könne: "Right now I can hardly breath", singt er, und "Ohh, you can do it – just know that I believe", singt sie dann. "And that's all I really need" (er) – "Then come on!" (sie) – "Make me strong!" (er) – "It's time to turn it up, game on!" (alle). Und weiter geht’s auch schon. Willkommen in der zuckersüß- klebrigen Teenie-Welt von "High School Musical 3: Senior Year", wo mit großer Geste in Bühnenräumen klassischer Studio-Musicals und Busby Berkeley-Choreographien schnulzig-schöne R'n'B-Nummern getanzt und geträllert werden.

Nun, bei allem, was der Disney-Erfolg auch nach seinem Sprung vom Fernsehen, wo noch die ersten beiden Teile aufgeführt wurden, auf die große Kinoleinwand an keimfreien Jungstars, aufgeblasenen Teenienöten und Klischee- Konfliktchen auffährt – es ist noch immer ein herrlich vergnügliches Gute-Laune-Happening. Denn glücklicherweise wurden nicht nur die mittlerweile millionenschweren Teen-Idole und deren brav-niedliche Film-Images, sondern auch der gesamte queere Input der ersten beiden "High School Musical"-Filme konvertiert: Die überdramatischen Solo- Musical-Nummern, die pinkbunten Kostüme, die einfallsreichen Tanzeinlagen – sie sind fast durchweg zweideutig, mindestens aber urkomisch widersprüchlich zu den Schul-Settings von Basketballhallen und Cafeterias, zu den harmlos-unschuldigen Liebeleien der beiden Hauptdarsteller und ganz besonders zu der von Disney doch so sorgfältig entworfenen asexuellen Welt hübscher Teen-Retorten-Stars.

Anders als die beiden weiteren Disney-Franchises, die dem Konzern Milliarden in die Kassen spülen, nämlich "Hannah Montana" mit der 16jährigen Kaugummi-Rocksängerin Miley Cyrus und deren per Cross-Promotion etabliertes Äquivalent The Jonas Brothers, behält sich "High School Musical" manch versteckt schlüpfriges nicht vor. Immerhin folgt das neue Disney-Teen-Ideal, im Kern freilich zutiefst reaktionär, strengen Regeln: Miley Cyrus muss eine pädagogische und moralische Vorbildfunktion mit all ihren Serien, Kinofilmen und CDs erfüllen, die Jonas Brothers – drei sanft in ihre Gitarren hauende Pastorensöhne – gar propagieren ganz gezielt christliche Werte, tragen Enthaltsamkeitsringe, die ihre Keuschheit bis zur Ehe symbolisieren, und reagieren während ihres Deutschlandbesuchs bei TV Total auf ein "Shit" Stefan Raabs schon mal mit sichtlicher Sprachlosigkeit.

Zwar traut es sich auch "High School Musical" nicht, beispielsweise die in allen drei Filmen von Lucas Grabeel mit weibischer Hysterie gespielte Figur des zunächst intriganten und später zum Schulchoreographen gemauserten It-Boys Ryan für schwul zu erklären, aber wird zumindest nicht versucht, ihm noch eine Freundin an die Seite zu dichten, und in der Bühnenversion der Filme schließlich auch gar kein Geheimnis mehr daraus gemacht. Die fast aseptisch- normative und gleichgeschaltete Welt, in der die "High School Musical"-Teile angesiedelt scheinen, wird von Regisseur Kenny Ortega immerhin mit dezent absonderlichen, mindestens jedoch nicht gänzlich angepassten Inhalten ausgefüllt. Vielleicht nämlich werden die an und für sich merklich albernen Problemchen all der reinlichen Jugendlichen im Film und deren forcierte, simpel lösbare Konflikte auch nur durch so viel Tanz- und Sangeslust in plüschig-theatralischer Ausstattung ermöglicht. Nicht umsonst behandeln alle drei Filme die Arbeit an einem Schulmusical, das als doppelter, also inhaltlicher und filmischer Höhepunkt fungiert: Innerhalb eines unbe- schwerten, verspielten und letztlich eben sehr queer tradierten Rahmens darf Märchenideal gespielt werden.

Am Ende erscheint es deshalb konsequent und verständlich, wenn die jungen "High School Musical"-Sternchen dann aus der Filmhandlung heraustreten und sich auf einer Bühne vor ihrem (nunmehr) Kinopublikum verneigen, ehe der rote Vorhang fällt. Nein, so ganz ernst kann er sich doch eigentlich nicht nehmen, der mal unfreiwillig komische, mal verkitscht niedliche Spaß. Auch wenn Ortega, immerhin einstiger Zögling von Gene Kelly, trotz des Riesenerfolges der Serie sich selbst in dritter Folge mit einem verhältnismäßig bescheidenen Budget herumschlagen muss, der Produktionsaufwand also leider nicht ganz so gestiegen ist wie erhofft, so steckt in diesen bunten Teenie-Träumereien viel Liebe und Hingabe zum klassischen Filmmusical. Und wenn das weltweit frühpubertäre Mädchen und Jungen begeistern kann – umso besser.


70%

Mai 06, 2008

News: HIGH SCHOOL MUSICAL 3 - Starttermin

"High School Musical 3: Senior Year" wird laut Disney vom 3. Mai bis 30. Juni gedreht und kommt am 23. Oktober in die deutschen Kinos. Es ist damit der erste Film der ungeahnt erfolgreichen Teen-Musical-Serie, der nicht direkt fürs Fernsehen produziert wird.

Zum Inhalt: In ihrem Abschlussjahr erleben die High School-Absolventen Troy (Zac Efron) und Gabriella (Vanessa Hudgens) das erste Mal was es heißt, von einander getrennt zu sein! Denn die beiden werden ihr Studium an unterschiedlichen Universitäten aufnehmen. Doch vorher stellen sie gemeinsam mit dem Rest der Wildcats ein neues spektakuläres Musical auf die Beine, das mit unzähligen neuen Hits und atemberaubenden Tanzeinlagen aufwartet! [Disney]

Bleibt jetzt die Rätselfrage: Wurde die Hudgens nicht wegen ihres Nacktfotoskandals gefeuert? Ich freue mich jedenfalls trotz des öden zweiten Teils auf den Film.

April 27, 2008

Zuletzt gesehen: HIGH SCHOOL MUSICAL 2

"High School Musical 2" ist ein gefundenes und sehr einfaches Fressen für all jene, die Musicals unerträglich finden: Er ist aalglatt, keimfrei, kitschig, affektiert, over-acted. Das war sein Vorgänger indes auch, und im Gegensatz zum ersten Versuch Kenny Ortegas, ein wenig "Grease" in harmlose Disney-Channel-Formen von heute zu pressen, ist die zweite Auflage des dünnen Competition-Stoffes um erste Liebe und unbeschwerte Rivalitäten ziemlich fad ausgefallen. Die Songs haben weniger Pepp und Wiedererkennungswert als im ersten Film, und auch wenn die Tanzeinlagen zwar besser choreographiert und inszeniert sind (Lucas Grabeel sticht dabei weiterhin besonders hervor), fehlt ihnen jeglicher Charme. Die Geschichte bleibt dieselbe, während die upcoming Teenstars zwar nach wie vor fleißig vor sich hin trällern (und das immer noch ziemlich gut), bei ihren Performances dieses Mal jedoch noch einige Zentimeter dicker auftragen als zuvor. Zac Efron ("Hairspray") sorgt dabei für den Höhepunkt: Seine wild gestikulierte Solonummer vor Schluss ist eigentlich nur noch als Trash goutierbar – wie überhaupt der ganze Film, bei dem das schwule Barometer unentwegt ausschlägt. Und das, obwohl doch alles so harmlos und unschuldig gemeint war (Anmerkung: Vanessa Anne Hudgens hat das privat erfahren müssen, ihre Nacktbilder führten zum Rauswurf bei Disney und einer Neubesetzung für den dritten Teil).

40%

September 08, 2007

Kino: HAIRSPRAY

Es gibt in "Hairspray" eine Montage, bei der das Mädchen im Mittelpunkt, Tracy Turnblad, gelangweilt eine Unterrichts- stunde nach der anderen durchsteht, von Algebra bis Biologie – immer wandert der Blick ungeduldig auf die große Uhr. Das Ticken wird mit einer rhythmischen Percussion-Abfolge unterstrichen, während ein abgehackter Bass das endlose Warten vorantreibt. Diese Vertonung von Bildern, das Einbetten der Sounds in eine Ereigniskette, ist geradezu prädestiniert für Filmmusicals und demonstriert schon nach nur wenigen Augenblicken, wie Adam Shankmans Inszenierung sich ganz auf den klassischen Stil des Genres festlegt. Seine Adaption des Broadway-Erfolges nach John Waters’ kongenialem Tanzfilm beweist nicht weniger, als dass Musicals die reinste, die purste Form des Kinos sind: Bewegungen, Rhythmen, Schnitt – all das verschmelzt zu einer Einheit, einer Technik und Grundsätzlichkeit, die Film überhaupt erst ermöglicht.

Die meisten Regisseure scheitern deshalb an dieser Aufgabe, zu komplex die Choreographien, zu anspruchsvoll die Anschlüsse, und zu schwierig die Synchronisationen der Bewegungen. In vielfacher Hinsicht beschwört "Hairspray" die Ära des Vergangenen herauf. Formal erinnert manches an die MGM-Musicals der 40er und 50er-Jahre, die wunderbaren Studiodekors etwa oder die farbenfrohen Kostüme. In einer Szene tanzen Christopher Walken und John Travolta auf einem kleinen Hinterhof zwischen Wäscheleinen – ein noch ikonischeres Flair könnte man gar nicht erschaffen. Und dann natürlich inhaltlich, im Baltimore der frühen 60er, wo verzweifelte Hausmütter und Ehemänner als gestrige Statussymbole ihre Kinder längst nicht mehr in die Kirche bewegen, sondern bestenfalls vom Fernsehgerät fernhalten können. 1962, im selben Jahr, als sich erstmals ein afroamerikanischer Student in der Universität von Oxford eingeschrieben hatte, sollten auch die nachmittäglichen TV-Tanzshows nicht mehr nur swingende Teenager in schwarz und weiß aufspalten.

"Nice white kids who like to lead the way
And once a month we have our ‘negro day!’"

Trotz der Elternproteste tanzte in Waters’ Original wie auch dem Musical zum Ende ein jeder gemeinsam, ob weiß oder schwarz, dick oder dünn, jung oder alt. Auch wenn die Realität indes anders aussah, da den Sittenwächtern die Absetzung der ‚Buddy Deane Show’ gelang, nachdem sie ihren ‚Negro-Day’ überwunden hatte und die Sendung stattdessen sowohl mit farbigen als auch weißen Jugendlichen ausstrahlte. Wirklich subversiv war das womöglich selbst 1988 nicht mehr, auch wenn Waters’ schräg-schrullige Parodie ganz generell als Ode an die Außenseiter für Toleranz in, wenn nicht mehr rassistischen, dann doch zumindest homophoben Verhältnissen warb. Da darf das Vergnügen rund 20 Jahre später guten Gewissens vor den ernst gemeinten Appell treten – die Themen im 2007er "Hairspray" sind weitgehend überholt und dürfen darum mit noch ausgelassener Ironie behandelt werden. Mehr nämlich als Waters, der sein Verständnis von Gleichberechtigung simpel wie auch originell dadurch zum Ausdruck brachte, dass er in einer Seitengasse einen schwarzen Jungen heftig mit einer konservativ erzogenen Weißen knutschen ließ, während über die zarten Füße dreckige Ratten krochen, werden hier gleich ganze Straßenzüge mit Queen Latifah als Kerzen haltende Rudelführerin aufgefahren, um die Rassentrennung zu überwinden.

"And i'm the man who keeps it spinnin' round
Mr. Corny Collins with the latest, greatest
Baltimore sound!!"

Die Ecken und Kanten aus Waters’ Version des Stoffes wurden auch sonst ausradiert, hier wird die Sexualität der Kinder nicht durch Elektroschocks zu unterdrücken versucht, finden sich keine Kotzszenarien oder zu gekokste Pia Zadoras in urigen Bruchbuden wieder. Und auch echte Transvestiten gibt es keine mehr: In die mächtigen Schuhe von Divine tritt nun Travolta, seinerzeit der Musicalstar einer ganzen Kinogeneration. So amüsant seine Auftritte als übergewichtige Mutter auch sind, seine Edna Turnblad bleibt letztlich eine Witznummer, die nur deshalb Spaß macht, weil ein Mann nach langer Prozedur wie eine komische Frau aussieht. Das kann manchem Divine-Vereherer zu Recht übel aufstoßen, auch wenn Travoltas Tanzeinlagen nur bestätigen, wie sehr dieses Genre ihn vermisst hat. Schwingt er im sensationellen Finale aber erst einmal die dicken Tanzbeine, ist das etwas beschädigte Erbe fast schon wieder vergessen.

"So every afternoon, drop everything
Who needs to read and write when you can dance and sing?"

Überhaupt ist die Besetzung der größte Coup des Films. Nach längerer Leinwandabstinenz begeistert Michelle Pfeiffer als intrigante, narzisstische Hexe mit hemmungslosem Over-Acting, rauchig-kratziger Stimme und erstaunlichem Gesangstalent, das an ihre hinreißende Performance aus "The Fabulous Baker Boys" erinnert. Ihr gegenüber darf Christopher Walken abermals sein Talent für Musicals unter Beweis stellen, immerhin weiß man nicht erst seit seinem tänzelnden Auftritt im Fatboy Slim-Video "Weapon of Choice" um dessen Gespür für elegante Bewegungen. Walken und Pfeiffer ist überdies eine urkomische Szene in einem Scherzartikelgeschäft vergönnt, die ob der ungeheuren Chemie zwischen beiden an ihre gemeinsamen Auftritte in Tim Burtons "Batman Returns" erinnert. Die Entdeckung in "Hairspray" jedoch ist zweifellos Debütantin Nikki Blonsky als pummelige Tracy, ebenso wie Ricki Lake bis dato komplett unbekannt. Sie schultert den Film mit enormer Souveränität, tanzt und singt als gäbe es kein Morgen mehr, mit einer Präsenz und Ausstrahlung, die viel zur lebendigen, ansteckenden Atmosphäre des Films beiträgt. Zuletzt spannen hübsche Gastauftritte von Waters, Lake und Jerry Stiller den Bogen zum Original.

Shankmans Leinwandadaption also ist die Musicalüber- raschung des Jahres, auch wenn er weniger bissig und verdorben, anstößig und zersetzend erscheint als seine Inspirationsquelle. Die mitreißenden Songs aus der Feder von Scott Wittman und Marc Shaiman, das überdrehte, spielfreudige Ensemble, all die bunten und ausgelassenen Kostüme bis hin zu den ausgedehnten, enorm peppigen Gesangs- und Tanzeinlagen stehen für sich – "Hairspray" hat seine Bühne wieder gefunden: Großes Kino als geschlossener Kreis.


85%