
Tendenziell, aber leider nicht deutlich genug, ist zu erkennen, dass Regisseur James Gray die Rückkehr zur scheinbaren Normalität und Familientradition des Antihelden als fast willen- lose, zwanghafte Erniedrigung schildert, und auch ebenso, dass das wilde Partyleben gar kein so schlechtes gewesen sein muss – verglichen mit der jedwede Individualität unterdrückenden Zugehörigkeit zum Cop- und Familien-Clan. Bedauerlich, dass hier nur phasenweise und in der Gesamtheit zu unsauber eine Geschichte herausgearbeitet wird, die in beklemmend leisem Tonfall von Fatalitäten und Familien- zwängen berichtet.
Und immer dann, wenn der Film höchst reizvolle Momente der Ambivalenz zu schaffen vermag, und seine Gut-Böse- Dramaturgie zu bröckeln beginnt, verunsichert die Regie mit deplatziertem Pathos und schwer indifferenter Schauspiel- führung. "We Own the Night" bleibt deshalb, bei aller Ambition, nur halbherzig Umkehrung und Ergänzung des besonders im Gangstergenre langbärtigen Motivs vom Einzelnen, der sich unfreiwillig den Strukturen seiner Herkunft unterwerfen muss – und funktioniert somit lediglich teilstückartig als moderne "Godfather"-Variation.
Es ist dennoch, unterm Strich und bei all seinem verschenkten Potential, ein spannender und düsterer und deprimierender Thriller, dessen ungelenke Inszenierung und inkonsequentes Ausstattungskonzept – die Spät-80er sieht man dem Film zu keiner Sekunde an, selbst die Musik fällt völlig aus dem Rahmen – durch einige unerwartet mitreißende Sequenzen von großer Nachhaltigkeit entschuldigt werden: Allein eine höchst effiziente und originell gefilmte Verfolgungsjagd, fast ausschließlich über ihr Tondesign gestaltet, muss wohl als besonders großartiger Moment eines an großartigen Momenten in den letzten Jahren bemerkenswert armen Genres gewürdigt werden.
60%
Ich habs Dir ja gesagt; 60% aus Deinem Mund ist für den Film ja fast schon ein Ritterschlag ;-)
AntwortenLöschenObwohl ich dir in deinen ärgsten Kritikpunkten am meisten wiedersprechen würde (und auch noch werde, aber das dann am Cinephone^^) hast du im großen und ganzen das wesentlichste herausgeschält und bist - was mich überrascht - ohne Ideologiekritik ausgekommen. Ich hätte ja mit maximal 40 % gerechnet;-)
AntwortenLöschenUnd dass du ausgerechnet die Verfolgungsjagd so hevorhebst - echt unheimlich.
@Crumb:
AntwortenLöschenEigentlich schon, ja, vor allem weil ich alles aus dem Genre zuletzt ganz grausig fand, siehe nur STREET KINGS z.B.
@McKenzie:
Ideologiekritik führt einen auch nicht überall weiter. *g*
(außerdem wüsste ich hier nicht, wo sie anzubringen wäre)
Ich hätte schwören können, dass du die Darstellung von Eva Mendes' Charakter für daneben befinden würdest. Aber dieses Missverständnis hast du glücklicherweise umschifft;)
AntwortenLöschenTravis würde jetzt vielleicht sagen: "Ideologiekritik führt in der Regel nirgendwohin und im Gansterfilm nur gegen die Wand". ^^
Und dass du den Film ähnlich auffasst wie Udo, das erschien mir auch nicht als gänzlich unwahrscheinlich. Aber umso besser.
Zustimmung meinerseits. Hätte ich nicht gedacht, dass der so gut bei Dir wegkommt ;)
AntwortenLöschenDer Kritik kann ich nur zustimmen, vor allem hier: "verunsichert die Regie mit deplatziertem Pathos". Das fiel so auf, dass ich mich fragte, wie konnte es dem Regisseur nicht auffallen?
AntwortenLöschenich fand den einfach nur mistig. Buaa. Schnell vergessen.
AntwortenLöschenWäre ja nicht der erste Film dieses Jahr, den du mistig und ich ganz gut fand.^^
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