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Dezember 25, 2008

DVD: WE OWN THE NIGHT

"We Own the Night" startet als ein mit üblichen urbanen Milieus, rüden Dialogen und sonstigen Genreklischees verhandelnder Retro-Cop-Film samt gängiger Gangster- und Mafiaelemente, stellt jedoch rasch klar, dass er auch gern als Familiendrama und existenzialistische Lebensphilosophie verstanden werden darf. Der Film entwickelt zahlreiche interessante Ansätze, während er viel zu trocken und linientreu einen mehr als simplen Plot herunterspult: Es geht einzig um Joaquin Phoenix, der sich zwischen Polizeifamilie und exzessivem Nachtleben als Clubbesitzer entscheiden muss, als Cop-Bruder Mark Wahlberg ins Visier jener Drogenhändler gerät, die bei ihm ein- und ausspazieren. Natürlich gerät er zwischen die Fronten und natürlich hält der Film der moralischen Verführung nicht stand und bekehrt Phoenix’ Figur zu einem Biedermeierleben als Polizist, so wie Vater und Bruder es sich immer gewünscht haben.

Tendenziell, aber leider nicht deutlich genug, ist zu erkennen, dass Regisseur James Gray die Rückkehr zur scheinbaren Normalität und Familientradition des Antihelden als fast willen- lose, zwanghafte Erniedrigung schildert, und auch ebenso, dass das wilde Partyleben gar kein so schlechtes gewesen sein muss – verglichen mit der jedwede Individualität unterdrückenden Zugehörigkeit zum Cop- und Familien-Clan. Bedauerlich, dass hier nur phasenweise und in der Gesamtheit zu unsauber eine Geschichte herausgearbeitet wird, die in beklemmend leisem Tonfall von Fatalitäten und Familien- zwängen berichtet.

Und immer dann, wenn der Film höchst reizvolle Momente der Ambivalenz zu schaffen vermag, und seine Gut-Böse- Dramaturgie zu bröckeln beginnt, verunsichert die Regie mit deplatziertem Pathos und schwer indifferenter Schauspiel- führung. "We Own the Night" bleibt deshalb, bei aller Ambition, nur halbherzig Umkehrung und Ergänzung des besonders im Gangstergenre langbärtigen Motivs vom Einzelnen, der sich unfreiwillig den Strukturen seiner Herkunft unterwerfen muss – und funktioniert somit lediglich teilstückartig als moderne "Godfather"-Variation.

Es ist dennoch, unterm Strich und bei all seinem verschenkten Potential, ein spannender und düsterer und deprimierender Thriller, dessen ungelenke Inszenierung und inkonsequentes Ausstattungskonzept – die Spät-80er sieht man dem Film zu keiner Sekunde an, selbst die Musik fällt völlig aus dem Rahmen – durch einige unerwartet mitreißende Sequenzen von großer Nachhaltigkeit entschuldigt werden: Allein eine höchst effiziente und originell gefilmte Verfolgungsjagd, fast ausschließlich über ihr Tondesign gestaltet, muss wohl als besonders großartiger Moment eines an großartigen Momenten in den letzten Jahren bemerkenswert armen Genres gewürdigt werden.


60%

August 27, 2008

Zuletzt gesehen: AMERICAN BEAUTY

In erster Linie ein Film, der wirklich gut funktioniert. Er hat melodramatische Qualitäten, ist sehr komisch und natürlich auch ein bisschen traurig, sieht toll aus, fühlt sich gut an, ist ziemlich auf den Punkt inszeniert. Und den stilbildenden Soundtrack nicht zu vergessen. Die Referenzvorbilder ("Sun- set Boulevard" oder "Ordinary People") werden hinreichend bedient, während Sam Mendes seine Erfahrung als Theaterregisseur vor allem im Umgang mit den Schauspielern nutzt und offenbar auch gleichzeitig ein prägnantes visuelles Konzept mit Conrad L. Hall ausgearbeitet hat. Das Problem des Films ist in gewisser Hinsicht auch seine Stärke: Wie er da so schmunzelnd die Hinrichtung des Mittelstandes beobachtet, scheint sehr genau und treffsicher, während er in seiner Poesie des Verfalls aber oft zu plattem Zynismus ausweicht, statt jene feinsinnige Ironie auszukosten, die Alan Balls brillantes Drehbuch großzügig anbietet. Die starken Schauspielerleistungen können das – ebenso wie den (womöglich ungewollten) dezent chauvinistischen Charakter des Films – auch bei erneuter Sichtung gut verbergen. Noch zumindest.


70%