Die Ankündigung eines fünften Indiana Jones hat bei den "Fans" offenbar die Wunden des letzten Films aufgerissen. Wieder scheinen sie nicht müde, sein angebliches Vergehen an der Originaltrilogie zu bedauern. Und wieder tun sie dem Film dadurch Unrecht.
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März 24, 2016
Mai 19, 2008
Kino: INDIANA JONES AND THE THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL
Auf und davon waren sie, in weiter Ferne im Sonnenuntergang verschwunden. Nur eine Silhouette erinnerte noch an die Abenteuer des kühnen Helden mit dem trockenen Humor und der Gerissenheit, dem Mann des Wortes und der Taten, der seinen Nazi- oder Teufelskultgegnern noch aus jeder Schatzgrube, jedem Tempel und jeder Katakombe elegant zu entkommen wusste. Halbtags Archäologieprofessor, sonst ein Jäger verlorener Schätze, die erst den Weg in seine Hände finden, ehe sie doch wieder dem Mythos übergeben und damit ungreifbar werden. Es begann mit einem Schatten, einer großen Ankündigung, und es endete nach drei erfolgreichen Filmen mit ebendiesem, nur ohne weiteres Versprechen, ohne ausstehendes Abenteuer. Die Geschichte hatte ihr Ende. Und der Sohn seinen Vater gefunden.
Nach 20 Jahren nun ist Harrison Ford zurück, noch einmal als Indiana Jones, noch einmal als der Mann mit der Peitsche. Vorangegangen ist die Zeit, die ein wenig graues Haar hier und ein paar mehr Altersfalten dort forderte, geblieben der Rest: Er ist noch immer so lakonisch und noch immer so gewitzt, steckt noch immer haufenweise Keile ein und löst auch immer noch die komplexesten Rätsel der Archäologie- und Menschheitsgeschichte im Nebenbei. "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull" gibt seinem Publikum einen der erfolgreichsten und beliebtesten Kinohelden, eine der ikonischsten Figuren der 80er-Jahre zurück – in Würde gealtert und mit Stil in die Jahre gekommen. Es ist eine Rückkehr des Titelhelden, und es ist die erste konkrete Zusammenarbeit der Blockbuster-Giganten Steven Spielberg und George Lucas seit fast zwei Jahrzehnten. Ein Übermaß an Versprechen und Erwartung also: Und der Film hält dem Druck stand.
Spielberg kann es noch immer. Kein gegenwärtiger Mainstream-Regisseur inszeniert so geschlossen, so packend, so übersichtlich, keiner vereint ein komplexes visuelles Konzept so sehr mit einer schlüssigen Geschichte, einer soliden Dramaturgie und grandiosen Actionszenen, die geradezu perfekt den großen, schnellen, lauten Bombast in Einklang mit einem erzählerischen Ziel und ausgearbeiteten Figuren bringen. Der Mann timt noch immer fast punktgenau, und in seinen furiosesten Momenten kombiniert er Situationswitz, Spektakel und eine starke Erzählung zu einem harmonischen Ganzen. Trotz der sehr digitalen Inszenierung, der sichtlichen Bearbeitung jedes einzelnen Bildes: "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull" ist der Film, den Spielberg schon lange einmal wieder machen wollte und musste, er ist eine sichere Spielwiese für das Handwerk seines Regisseurs, dem hier keine Ambition, kein höhergestelltes Vorhaben die Lust am technischen Abenteuer nehmen kann. Ja, Spielberg gelingt es im Großen und Ganzen tatsächlich, an die Neugierde, an die klare und unbeschwerte Inszenierungslust und den naiven Übermut seiner frühen Tage anzuknüpfen. Er hat es also noch einmal geschafft: In diesem vierten Film schwingt sie mit, die Peter-Pan-Magie seiner 80er-Jahre-Filme.
Dem neuen Indiana Jones gelingt es auch sonst ganz wunderbar an die bisherige Trilogie anzuknüpfen. Sein Tempo ist erstaunlich behäbig und der gesamte Stil eher gesetzt. Doch schon wenn der große Berg des klassischen Paramount-Logos zu einem kleinen Bodenhügel überleitet, also augenzwinkernd vom großen zum kleinen abstrahiert, ehe ein Auto voller junger Rebellen zu beschwingter Rockabilly-Musik darüber hinwegbraust, beweist der Film gleich zu Beginn, was er ist und was er nicht ist. Er ist das Wiederaufkochen eines fast übergroßen Kinomythos’, dem er kaum gerecht werden kann: Er verhält sich eben wie ein kleiner Hügel zum großen Berg, und gleichzeitig muss diese Analogie in Windeseile aus dem Weg geräumt werden. Diese erste Einstellung ist ein wunderbares Sinnbild für das Projekt und seinen Anspruch, und sie ist ferner der Einstand zu etwas, das insgesamt nicht mehr sein kann als ein postmodernes Zitat seiner selbst – und vielleicht auch gar nicht mehr sein will. Warum sonst die ständigen Bezüge zu den Vorgängern, die Bundeslade, die Schlangen und die Rückkehr von Karen Allen. Das alles macht großen Spaß, und das alles steht nie für sich, sondern bleibt ein Groß an Referenzen für kundige Fans.
Dennoch ist "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull" mitunter auch ein souveränes Abenteuer mit einem eigenen Konzept, einer eigenen Geschichte und neuen Themen. Das 50er-Jahre-Setting erfordert eine andere Sichtweise, der mit Kostümen, Soundtrack und zeitgemäßen Bezügen entsprochen wird. Bereits die obligatorische, etwas gewöhnungsbedürftige Einleitung – die sich überraschen- derweise nicht unabhängig zum Rest des Films verhält, sondern sowohl den McGuffin-Schatz, als auch die Bösewichter einführt – spielt dementsprechend mit typischen politischen und gesellschaftlichen Bezügen, angefangen bei der Area 51 und Atomtests bis hin zum Kalten Krieg und den Kampf gegen die "rote Gefahr". Die russischen Feinde, angeführt von einer dominanten Schurkin (sehr amüsant: Cate Blanchett), bilden hier eine ähnlich comichafte Staffage wie die Nazis in den Vorgängern, der Gestus der Serie bleibt also weiterhin betont campy und einfältig, was nicht nur zu erwarten war, sondern auch die von Fans ersehnte Retro- und 80er-Jahre-Mentalität garantiert. Der Schatz, der die Handlung vordergründig zusammenhält und vorantreibt, entstammt dieses Mal jedoch keiner religiösen Quelle, sondern passt sich ebenfalls dem zeitlichen Kontext an. Der ist nun einmal geprägt von der Angst vorm Kommunismus, die im Kino einen Ausdruck in zahlreichen Science-Fiction-Filmen fand. Und fliegende Untertassen gehören bei Spielberg ja fast schon zum guten Ton.
Die größte Überraschung ist vielleicht wirklich Jungstar Shia LaBeouf, an dem der Regisseur bekanntlich einen Narren gefressen hat, nachdem er ihn schon in die DreamWorks- Produktionen "Disturbia" und "Transformers" lotste. Den eher anstrengenden Zappelphilipp als Sidekick von Harrison Ford zu besetzen hätte tatsächlich die größte Fehlentscheidung Spielbergs und Lucas’ sein können, nachdem man schon an der Zug- und Erfolgskraft des einstigen Kinohelden-Kollegen John McClane in "Die Hard 4.0" so seine Zweifel zu haben schien und Bruce Willis ein beim jüngeren Publikum anbiederndes Gegenüber verpasste. LaBeouf aber nimmt sich fast vollständig zurück, so als hätte es nur eines Regisseurs bedurft, der den jungen Mann in den Griff zu nehmen weiß (trotz einer sehr albernen Einführung der Figur, die "The Wild One" zitiert und wohl den nächsten Marlon Brando anzukündigen gedenkt). Jones bleibt der Star des Films, er wird nicht zum Rentner degradiert, sondern weist sein junges aufbrausendes Anhängsel mehr als einmal in die Schranken, ebenso wie er auch für den Großteil der Action und den nötigen Humor verantwortlich bleibt.
Und auch wenn man im Detail sicher Kritik üben muss, sich am übernatürlichen Element reiben mag, das Finale möglicherweise eine Spur zu behäbig geraten ist, und der ein oder andere Drehbuchhänger samt plattem Dialogwitz ganz bestimmt hätte vermieden werden können, ist das enorme Unterhaltungspotential dieses vierten Indy-Films nicht wegzureden. Es ist eine glamourös unglamouröse Rückkehr, der man all die Freude und Lust an sich selbst gönnt, der der Enthusiasmus ihres alten eingespielten Teams deutlich anzumerken ist, und der man den Erfolg gönnen darf. Indiana Jones hat und macht noch immer Spaß. Und das war und ist nicht allzu selbstverständlich.
Nach 20 Jahren nun ist Harrison Ford zurück, noch einmal als Indiana Jones, noch einmal als der Mann mit der Peitsche. Vorangegangen ist die Zeit, die ein wenig graues Haar hier und ein paar mehr Altersfalten dort forderte, geblieben der Rest: Er ist noch immer so lakonisch und noch immer so gewitzt, steckt noch immer haufenweise Keile ein und löst auch immer noch die komplexesten Rätsel der Archäologie- und Menschheitsgeschichte im Nebenbei. "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull" gibt seinem Publikum einen der erfolgreichsten und beliebtesten Kinohelden, eine der ikonischsten Figuren der 80er-Jahre zurück – in Würde gealtert und mit Stil in die Jahre gekommen. Es ist eine Rückkehr des Titelhelden, und es ist die erste konkrete Zusammenarbeit der Blockbuster-Giganten Steven Spielberg und George Lucas seit fast zwei Jahrzehnten. Ein Übermaß an Versprechen und Erwartung also: Und der Film hält dem Druck stand.
Spielberg kann es noch immer. Kein gegenwärtiger Mainstream-Regisseur inszeniert so geschlossen, so packend, so übersichtlich, keiner vereint ein komplexes visuelles Konzept so sehr mit einer schlüssigen Geschichte, einer soliden Dramaturgie und grandiosen Actionszenen, die geradezu perfekt den großen, schnellen, lauten Bombast in Einklang mit einem erzählerischen Ziel und ausgearbeiteten Figuren bringen. Der Mann timt noch immer fast punktgenau, und in seinen furiosesten Momenten kombiniert er Situationswitz, Spektakel und eine starke Erzählung zu einem harmonischen Ganzen. Trotz der sehr digitalen Inszenierung, der sichtlichen Bearbeitung jedes einzelnen Bildes: "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull" ist der Film, den Spielberg schon lange einmal wieder machen wollte und musste, er ist eine sichere Spielwiese für das Handwerk seines Regisseurs, dem hier keine Ambition, kein höhergestelltes Vorhaben die Lust am technischen Abenteuer nehmen kann. Ja, Spielberg gelingt es im Großen und Ganzen tatsächlich, an die Neugierde, an die klare und unbeschwerte Inszenierungslust und den naiven Übermut seiner frühen Tage anzuknüpfen. Er hat es also noch einmal geschafft: In diesem vierten Film schwingt sie mit, die Peter-Pan-Magie seiner 80er-Jahre-Filme.
Dem neuen Indiana Jones gelingt es auch sonst ganz wunderbar an die bisherige Trilogie anzuknüpfen. Sein Tempo ist erstaunlich behäbig und der gesamte Stil eher gesetzt. Doch schon wenn der große Berg des klassischen Paramount-Logos zu einem kleinen Bodenhügel überleitet, also augenzwinkernd vom großen zum kleinen abstrahiert, ehe ein Auto voller junger Rebellen zu beschwingter Rockabilly-Musik darüber hinwegbraust, beweist der Film gleich zu Beginn, was er ist und was er nicht ist. Er ist das Wiederaufkochen eines fast übergroßen Kinomythos’, dem er kaum gerecht werden kann: Er verhält sich eben wie ein kleiner Hügel zum großen Berg, und gleichzeitig muss diese Analogie in Windeseile aus dem Weg geräumt werden. Diese erste Einstellung ist ein wunderbares Sinnbild für das Projekt und seinen Anspruch, und sie ist ferner der Einstand zu etwas, das insgesamt nicht mehr sein kann als ein postmodernes Zitat seiner selbst – und vielleicht auch gar nicht mehr sein will. Warum sonst die ständigen Bezüge zu den Vorgängern, die Bundeslade, die Schlangen und die Rückkehr von Karen Allen. Das alles macht großen Spaß, und das alles steht nie für sich, sondern bleibt ein Groß an Referenzen für kundige Fans.
Dennoch ist "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull" mitunter auch ein souveränes Abenteuer mit einem eigenen Konzept, einer eigenen Geschichte und neuen Themen. Das 50er-Jahre-Setting erfordert eine andere Sichtweise, der mit Kostümen, Soundtrack und zeitgemäßen Bezügen entsprochen wird. Bereits die obligatorische, etwas gewöhnungsbedürftige Einleitung – die sich überraschen- derweise nicht unabhängig zum Rest des Films verhält, sondern sowohl den McGuffin-Schatz, als auch die Bösewichter einführt – spielt dementsprechend mit typischen politischen und gesellschaftlichen Bezügen, angefangen bei der Area 51 und Atomtests bis hin zum Kalten Krieg und den Kampf gegen die "rote Gefahr". Die russischen Feinde, angeführt von einer dominanten Schurkin (sehr amüsant: Cate Blanchett), bilden hier eine ähnlich comichafte Staffage wie die Nazis in den Vorgängern, der Gestus der Serie bleibt also weiterhin betont campy und einfältig, was nicht nur zu erwarten war, sondern auch die von Fans ersehnte Retro- und 80er-Jahre-Mentalität garantiert. Der Schatz, der die Handlung vordergründig zusammenhält und vorantreibt, entstammt dieses Mal jedoch keiner religiösen Quelle, sondern passt sich ebenfalls dem zeitlichen Kontext an. Der ist nun einmal geprägt von der Angst vorm Kommunismus, die im Kino einen Ausdruck in zahlreichen Science-Fiction-Filmen fand. Und fliegende Untertassen gehören bei Spielberg ja fast schon zum guten Ton.
Die größte Überraschung ist vielleicht wirklich Jungstar Shia LaBeouf, an dem der Regisseur bekanntlich einen Narren gefressen hat, nachdem er ihn schon in die DreamWorks- Produktionen "Disturbia" und "Transformers" lotste. Den eher anstrengenden Zappelphilipp als Sidekick von Harrison Ford zu besetzen hätte tatsächlich die größte Fehlentscheidung Spielbergs und Lucas’ sein können, nachdem man schon an der Zug- und Erfolgskraft des einstigen Kinohelden-Kollegen John McClane in "Die Hard 4.0" so seine Zweifel zu haben schien und Bruce Willis ein beim jüngeren Publikum anbiederndes Gegenüber verpasste. LaBeouf aber nimmt sich fast vollständig zurück, so als hätte es nur eines Regisseurs bedurft, der den jungen Mann in den Griff zu nehmen weiß (trotz einer sehr albernen Einführung der Figur, die "The Wild One" zitiert und wohl den nächsten Marlon Brando anzukündigen gedenkt). Jones bleibt der Star des Films, er wird nicht zum Rentner degradiert, sondern weist sein junges aufbrausendes Anhängsel mehr als einmal in die Schranken, ebenso wie er auch für den Großteil der Action und den nötigen Humor verantwortlich bleibt.
Und auch wenn man im Detail sicher Kritik üben muss, sich am übernatürlichen Element reiben mag, das Finale möglicherweise eine Spur zu behäbig geraten ist, und der ein oder andere Drehbuchhänger samt plattem Dialogwitz ganz bestimmt hätte vermieden werden können, ist das enorme Unterhaltungspotential dieses vierten Indy-Films nicht wegzureden. Es ist eine glamourös unglamouröse Rückkehr, der man all die Freude und Lust an sich selbst gönnt, der der Enthusiasmus ihres alten eingespielten Teams deutlich anzumerken ist, und der man den Erfolg gönnen darf. Indiana Jones hat und macht noch immer Spaß. Und das war und ist nicht allzu selbstverständlich.
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April 22, 2008
Retro: INDIANA JONES AND THE THE LAST CRUSADE (1989)
Was ich dem übel beleumundeten zweiten Teil der "Indiana Jones"-Serie angerechnet hatte, nämlich seine relative Eigenständigkeit und die Nichtwiederholung der Erfolgsformel, das gilt für "Indiana Jones and the Last Crusade" nicht mehr. Er klammert sich peinlichst an den Originalfilm und lässt den Vorgänger wie einen Ausreißer erscheinen. Steven Spielberg und George Lucas bedienen sich stark der Muster von "Raiders of the Lost Ark", allenfalls leichte Modifikationen am Konzept sind erkennbar. Grundsätzlich bietet Teil drei der Abenteuersaga nur Altbekanntes: Die Suche nach einem heiligen Relikt, betont abwechslungsreiche Schauplätze, comicartige Nazischergen. Der Film probiert im Gegensatz zu "Indiana Jones and the Temple of Doom" nichts Neues, bewegt sich durchweg auf sicherem Terrain. Das bekommt ihm nicht gut, er weist unbeholfen wirkende Leerstellen und regelrecht langatmige Momente auf, das wunderbare Tempo des Vorgängers fehlt ihm sogar gänzlich.
Die obligatorische Einführung des Suchobjekts verkommt zum reinen Redeschwall. Dem Helden Indiana Jones wird die Suche nach dem Heiligen Gral bzw. nach seinem Vater aufgetragen, vom listigen Walter Donovan, einer Nazimarionette, wie schon Belloq im ersten Teil eine war. Minutenlange Dialoge erklären das Drumherum, die Vorgeschichte, den Auftrag, das Ziel – Spielberg arbeitet hier visuell erschreckend einfallslos, ergeht sich in statischen Einstellungen, die er bei den Vorgängern noch gründlich vermieden und durch geschickte Ausschmückungen wesentlich geschickter vermittelt hatte. Immer wieder gibt es im Film seltsam einfältig inszenierte Momente, die auf denkbar einfachste Weise umgesetzt wurden. Verbunden mit der allzu ähnlichen Dramaturgie des Originals machen diese Regiemängel aus "Indiana Jones and the Last Crusade" ein doch sehr zwiespältiges Vergnügen.
Lediglich ein neues Element bringt der Film in die Serie. Den Vater des Helden, seinerseits Archäologe, jedoch ungleich weniger abenteuerlustig und eher ein Bücherwurm, ist mit Sean Connery besetzt – zweifellos ein Castingcoup: Der Bond-Darsteller als Vaterfigur eines Bond-Imitats, das ist in der Tat komisch. Entsprechend gestalten sich sind die gemeinsamen Momente zwischen Ford und Connery, sie zählen mit Abstand zu den amüsantesten Teilen des Films, und Spielberg muss da nur noch draufhalten. Leider will die Kombination mehr als nur amüsieren, wie schon die inszenatorisch lediglich solide Exposition – Indy in a nutshell – mit ihrem Initiationsritusgehabe zeigt. Spielberg arbeitet sich einmal mehr am Vater-Sohn-Komplex ab, und dieser ist so leer wie jener Moment, in dem das Gespann während eines Zeppelinflugs endlich Zeit für ein ruhiges Gespräch findet, aber sich eigentlich nichts zu sagen hat.
Interessant allein, dass dieser dritte Teil in gewisser Hinsicht den ödipalen Kreis schließt. War "Raiders of the Lost Ark" diesbezüglich ein eher untypischer Spielberg-Film, als er nicht von einem Grauen berichtete, das über den familiären Raum hereinbrach, und von einer männlichen (oft auch patriarchalischen) Figur gegen alles Heimische verteidigt werden musste, sondern im Gegenteil sogar einen Helden etablierte, der sich allen konventionellen Vorstellungen von Familie zu widersetzen schien, so verlagerte Spielberg diese eigentliche Motivkonstante von Teil zu Teil stärker. Wo der erste Film die Freundschaft zwischen Indy, Marion und dem gutmütigen Sallah als Gemeinschaft ins Blickfeld rückte, bildete schon die Fortsetzung deutlichere Muster heraus: Indy avancierte zu einer Art Vaterfigur für den kleinen Short Round, dem mit der Sängerin Willie auch noch ein mütterlicher Bezugspunkt geboten wird. Im Mittelpunkt von "The Temple of Doom" stand somit eine Ersatzfamilie, die sich gegen dämonische Kräfte zur Wehr setzen musste. Und Teil drei feiert gewissermaßen die Rückkehr zur biologischen Familie, die sich bewähren muss.
Des Sohnes Jagd nach dem Heiligen Gral entpuppt sich folglich als McGuffin, der die eigentliche Suche, die nach einem Verhältnis zum Vater also, antreiben soll. Alle Bewährungsproben schnüren das familiäre Band fester zusammen, selbst für einen Spielberg-Film ist das erstaunlich funktional. Unnötig erscheinen darüber umso mehr jene Szenen, in denen der Film ausgewälzt seinen Gegenstand erklärt, obwohl dieser doch gar nichts zur Sache tut. Darin unterscheidet sich der dritte Teil vielleicht doch von seinen Vorläufern, die sich als naive Schatzsucherfilme verstanden und ihre Geschichte durchaus im Sinne einer Spannungsdramaturgie steuerten: Werden sie die Bundeslade finden, an sich reißen und vor den Nazis versteckt halten, werden sie die heiligen Steine wiederbeschaffen und das indische Dorf vom Schrecken des Kali-Kults befreien können – diesen Fragen steht nun ein größeres Anliegen gegenüber. Vater und Sohn soll es gelingen, ihre Beziehung ins Lot zu bringen. Und Indiana Jones ist nicht länger Held eines eskapistischen Eventfilms, er muss auch kräftig menscheln.
Die Actionszenen können aufgrund der unbeholfenen Tricks, die augenscheinlich noch in den CG-Kinderschühchen steckten, ebenfalls nicht an die Vorgänger anknüpfen. Und einen so daneben gegangenen, wirklich sagenhaft peinlichen Einfall wie die Szene, in der Indy auf Hitler trifft, hat es in der gesamten Reihe kein zweites Mal gegeben. Das Finale kann leider auch nichts. Der Schatz will nur gefunden werden, um den verletzten Jones sr. Durch heilende Kräften zu retten! Ungeachtet des extrem albernen Tons dieses christlich-mythologischen Unterbaus enttäuscht "Indiana Jones and the Last Crusade" mit seiner fehlenden Konzentration auf das eigentliche Abenteuer, das noch die beiden Vorgänger so wunderbar bedienten. Spielberg und Lucas hatten wohl schlicht etwas mehr vor, etwas vermeintlich Höhergestelltes – vielleicht als Reaktion auf die Kritik am zweiten Film, vielleicht aber auch deshalb, weil Spielberg Ende der 80er-Jahre einfach schon viel zu sehr Spielberg war, als dass er ganz auf die naiv unbeschwerte Kraft seines Peter-Pan-Impulses hätte vertrauen können.
Die obligatorische Einführung des Suchobjekts verkommt zum reinen Redeschwall. Dem Helden Indiana Jones wird die Suche nach dem Heiligen Gral bzw. nach seinem Vater aufgetragen, vom listigen Walter Donovan, einer Nazimarionette, wie schon Belloq im ersten Teil eine war. Minutenlange Dialoge erklären das Drumherum, die Vorgeschichte, den Auftrag, das Ziel – Spielberg arbeitet hier visuell erschreckend einfallslos, ergeht sich in statischen Einstellungen, die er bei den Vorgängern noch gründlich vermieden und durch geschickte Ausschmückungen wesentlich geschickter vermittelt hatte. Immer wieder gibt es im Film seltsam einfältig inszenierte Momente, die auf denkbar einfachste Weise umgesetzt wurden. Verbunden mit der allzu ähnlichen Dramaturgie des Originals machen diese Regiemängel aus "Indiana Jones and the Last Crusade" ein doch sehr zwiespältiges Vergnügen.
Lediglich ein neues Element bringt der Film in die Serie. Den Vater des Helden, seinerseits Archäologe, jedoch ungleich weniger abenteuerlustig und eher ein Bücherwurm, ist mit Sean Connery besetzt – zweifellos ein Castingcoup: Der Bond-Darsteller als Vaterfigur eines Bond-Imitats, das ist in der Tat komisch. Entsprechend gestalten sich sind die gemeinsamen Momente zwischen Ford und Connery, sie zählen mit Abstand zu den amüsantesten Teilen des Films, und Spielberg muss da nur noch draufhalten. Leider will die Kombination mehr als nur amüsieren, wie schon die inszenatorisch lediglich solide Exposition – Indy in a nutshell – mit ihrem Initiationsritusgehabe zeigt. Spielberg arbeitet sich einmal mehr am Vater-Sohn-Komplex ab, und dieser ist so leer wie jener Moment, in dem das Gespann während eines Zeppelinflugs endlich Zeit für ein ruhiges Gespräch findet, aber sich eigentlich nichts zu sagen hat.
Interessant allein, dass dieser dritte Teil in gewisser Hinsicht den ödipalen Kreis schließt. War "Raiders of the Lost Ark" diesbezüglich ein eher untypischer Spielberg-Film, als er nicht von einem Grauen berichtete, das über den familiären Raum hereinbrach, und von einer männlichen (oft auch patriarchalischen) Figur gegen alles Heimische verteidigt werden musste, sondern im Gegenteil sogar einen Helden etablierte, der sich allen konventionellen Vorstellungen von Familie zu widersetzen schien, so verlagerte Spielberg diese eigentliche Motivkonstante von Teil zu Teil stärker. Wo der erste Film die Freundschaft zwischen Indy, Marion und dem gutmütigen Sallah als Gemeinschaft ins Blickfeld rückte, bildete schon die Fortsetzung deutlichere Muster heraus: Indy avancierte zu einer Art Vaterfigur für den kleinen Short Round, dem mit der Sängerin Willie auch noch ein mütterlicher Bezugspunkt geboten wird. Im Mittelpunkt von "The Temple of Doom" stand somit eine Ersatzfamilie, die sich gegen dämonische Kräfte zur Wehr setzen musste. Und Teil drei feiert gewissermaßen die Rückkehr zur biologischen Familie, die sich bewähren muss.
Des Sohnes Jagd nach dem Heiligen Gral entpuppt sich folglich als McGuffin, der die eigentliche Suche, die nach einem Verhältnis zum Vater also, antreiben soll. Alle Bewährungsproben schnüren das familiäre Band fester zusammen, selbst für einen Spielberg-Film ist das erstaunlich funktional. Unnötig erscheinen darüber umso mehr jene Szenen, in denen der Film ausgewälzt seinen Gegenstand erklärt, obwohl dieser doch gar nichts zur Sache tut. Darin unterscheidet sich der dritte Teil vielleicht doch von seinen Vorläufern, die sich als naive Schatzsucherfilme verstanden und ihre Geschichte durchaus im Sinne einer Spannungsdramaturgie steuerten: Werden sie die Bundeslade finden, an sich reißen und vor den Nazis versteckt halten, werden sie die heiligen Steine wiederbeschaffen und das indische Dorf vom Schrecken des Kali-Kults befreien können – diesen Fragen steht nun ein größeres Anliegen gegenüber. Vater und Sohn soll es gelingen, ihre Beziehung ins Lot zu bringen. Und Indiana Jones ist nicht länger Held eines eskapistischen Eventfilms, er muss auch kräftig menscheln.
Die Actionszenen können aufgrund der unbeholfenen Tricks, die augenscheinlich noch in den CG-Kinderschühchen steckten, ebenfalls nicht an die Vorgänger anknüpfen. Und einen so daneben gegangenen, wirklich sagenhaft peinlichen Einfall wie die Szene, in der Indy auf Hitler trifft, hat es in der gesamten Reihe kein zweites Mal gegeben. Das Finale kann leider auch nichts. Der Schatz will nur gefunden werden, um den verletzten Jones sr. Durch heilende Kräften zu retten! Ungeachtet des extrem albernen Tons dieses christlich-mythologischen Unterbaus enttäuscht "Indiana Jones and the Last Crusade" mit seiner fehlenden Konzentration auf das eigentliche Abenteuer, das noch die beiden Vorgänger so wunderbar bedienten. Spielberg und Lucas hatten wohl schlicht etwas mehr vor, etwas vermeintlich Höhergestelltes – vielleicht als Reaktion auf die Kritik am zweiten Film, vielleicht aber auch deshalb, weil Spielberg Ende der 80er-Jahre einfach schon viel zu sehr Spielberg war, als dass er ganz auf die naiv unbeschwerte Kraft seines Peter-Pan-Impulses hätte vertrauen können.
April 16, 2008
Retro: THE TEMPLE OF DOOM (1984)
Es spricht für Steven Spielberg und George Lucas, dass sie das Erfolgsrezept von "Raiders of the Lost Ark" nicht wiederholt haben, auch wenn dieses Sequel nach dem enormen Einspiel des Vorgängers ein Selbstläufer gewesen sein mag. Tatsächlich verpflanzten sie die Figur in einen zeitlich und räumlich veränderten Kontext: "Indiana Jones and the Temple of Doom" erweist sich nicht als Fortsetzung, die ihren Vorläufer weitererzählt, sondern zwei Jahre zurückspringt. Ein Prequel in der Tat, aber keines etwa wie "The Godfather: Part II", das als Mittelstück einer großen Trilogie so etwas wie einen epischen Bogen spannt. Der Film ergänzt den ersten Teil nicht, er hat fast etwas von einem Exkurs – für mich ist es mit Abstand der schönste Indiana Jones.
Nach einer umwerfenden Busby-Berkeley-Musicalnummer zu Cole Porters – in diesem Fall programmatischen – "Anything goes" beginnt dieser zweite bzw. erste Teil mit einer Folge mit einer Verkettung von Actionszenen, die Massenpanik, Schießereien, Verfolgungsjagden, einen Flugzeugabsturz sowie eine turbulente Schnee- und Flussfahrt auf einem Schlauchboot umfassen, und die in einer derart halsbrecherischen Rasanz montiert sind, dass jeder zweistündige Actionfilm mit ihnen schon ausgelastet wäre. Die erste halbe Stunde des Films löst jedes Versprechen nach abenteuerlicher Unterhaltung ein, das der Vorgänger machte. Spielberg inszeniert selbst die logistisch schwierigsten Elemente so stimmig, dass ihm eine rein visuelle Erzählung gelingt, von der sein Film bis zuletzt zehrt – ein Musterbeispiel für filmische Exposition, die buchstäblich aufs Parkett geschmettert wird.
Genauso buchstäblich folgt der Abstieg: Ein Großteil des Films spielt im titelgebenden Tempel des Todes, wo Menschenopfer gebracht und Kinder versklavt werden. Ähnlich wie sich "The Empire Strikes Back" zu "Star Wars" als düsteres Zwischenkapitel verhält, stimmt "Indiana Jones and the Temple of Doom" einen horrorartigen Ton an, der sich deutlich vom komödiantischen Stil des Vorgängers und besonders auch des Nachfolgers unterscheidet. Das gigantische Tempelset im knallrot ausgeleuchteten Studiodesign bildet mit John Williams' Trommel- und Chorklangteppichen einen schaurig-schönen Spielplatz. Sogar der gelegentlich alberne Humor kann dem brutalen und in einem Jugendfilm doch sehr ungewöhnlichen Tonfall kaum etwas anhaben. Gegen die Bilder von entrissenen Herzen, schreienden Kindern und teuflischen Verschwörungen setzen sie sich nicht durch.
"Indiana Jones and the Temple of Doom" ist von einer anmutigen, fast märchenhaften Schönheit. Vermutlich fällt es deshalb noch leichter, die Spielbergschen Idiosynkrasien zu umarmen. Indische Bauern als infantiles Klagevolk und Indiana Jones als edler White Savior sind nur zwei augenfällige Stereotype, mit denen der Film sich in die koloniale Hegemonie des Abenteuerklassikers "Gunga Din" zurückträumt. Auch deshalb gilt dieser zweite Indy-Film als schwächster Teil der Serie, Lucas und Spielberg scheint er nachgerade peinlich zu sein. Ich finde allerdings, dass man die Schwächen eines Films sowohl benennen als auch umarmen kann. Ohne Widersprüche wird es schnell langweilig im Kino. Und für Spielberg gilt das ganz besonders.
Im letzten Drittel erhöht sich die ohnehin enorme Geschwindigkeit dann ein weiteres Mal, die Lorenjagd vor allem gehört zu den spektakulärsten und aufwändigsten Szenen des Genres überhaupt. Es wirkt beinahe so, als würde sich Spielberg von jener Last befreien, die Lucas ihm mit den Tempelszenen auferlegt hat. Wenn der Film die Figuren auf eine waghalsige Tunnelverfolgung durchs Innere des Berges befördert, rennt er gewissermaßen auch seinen Schwächen davon (die hysterische, auf alles und jeden mit wildem Geschrei reagierende Kate Capshaw ist ein anderes Stereotyp, das dem Film bis heute negativ anheftet). Im Schlussdrittel fühlt sich "Indiana Jones and the Temple of Doom" wie eine Attraktion zum eigenen Film an: Ausgestellt doppelbödiges und doch in sich selbst verschlungenes Spektakelkino, das imposanter nicht sein könnte. Ein Meisterwerk, fürchte ich.
Nach einer umwerfenden Busby-Berkeley-Musicalnummer zu Cole Porters – in diesem Fall programmatischen – "Anything goes" beginnt dieser zweite bzw. erste Teil mit einer Folge mit einer Verkettung von Actionszenen, die Massenpanik, Schießereien, Verfolgungsjagden, einen Flugzeugabsturz sowie eine turbulente Schnee- und Flussfahrt auf einem Schlauchboot umfassen, und die in einer derart halsbrecherischen Rasanz montiert sind, dass jeder zweistündige Actionfilm mit ihnen schon ausgelastet wäre. Die erste halbe Stunde des Films löst jedes Versprechen nach abenteuerlicher Unterhaltung ein, das der Vorgänger machte. Spielberg inszeniert selbst die logistisch schwierigsten Elemente so stimmig, dass ihm eine rein visuelle Erzählung gelingt, von der sein Film bis zuletzt zehrt – ein Musterbeispiel für filmische Exposition, die buchstäblich aufs Parkett geschmettert wird.
Genauso buchstäblich folgt der Abstieg: Ein Großteil des Films spielt im titelgebenden Tempel des Todes, wo Menschenopfer gebracht und Kinder versklavt werden. Ähnlich wie sich "The Empire Strikes Back" zu "Star Wars" als düsteres Zwischenkapitel verhält, stimmt "Indiana Jones and the Temple of Doom" einen horrorartigen Ton an, der sich deutlich vom komödiantischen Stil des Vorgängers und besonders auch des Nachfolgers unterscheidet. Das gigantische Tempelset im knallrot ausgeleuchteten Studiodesign bildet mit John Williams' Trommel- und Chorklangteppichen einen schaurig-schönen Spielplatz. Sogar der gelegentlich alberne Humor kann dem brutalen und in einem Jugendfilm doch sehr ungewöhnlichen Tonfall kaum etwas anhaben. Gegen die Bilder von entrissenen Herzen, schreienden Kindern und teuflischen Verschwörungen setzen sie sich nicht durch.
"Indiana Jones and the Temple of Doom" ist von einer anmutigen, fast märchenhaften Schönheit. Vermutlich fällt es deshalb noch leichter, die Spielbergschen Idiosynkrasien zu umarmen. Indische Bauern als infantiles Klagevolk und Indiana Jones als edler White Savior sind nur zwei augenfällige Stereotype, mit denen der Film sich in die koloniale Hegemonie des Abenteuerklassikers "Gunga Din" zurückträumt. Auch deshalb gilt dieser zweite Indy-Film als schwächster Teil der Serie, Lucas und Spielberg scheint er nachgerade peinlich zu sein. Ich finde allerdings, dass man die Schwächen eines Films sowohl benennen als auch umarmen kann. Ohne Widersprüche wird es schnell langweilig im Kino. Und für Spielberg gilt das ganz besonders.
Im letzten Drittel erhöht sich die ohnehin enorme Geschwindigkeit dann ein weiteres Mal, die Lorenjagd vor allem gehört zu den spektakulärsten und aufwändigsten Szenen des Genres überhaupt. Es wirkt beinahe so, als würde sich Spielberg von jener Last befreien, die Lucas ihm mit den Tempelszenen auferlegt hat. Wenn der Film die Figuren auf eine waghalsige Tunnelverfolgung durchs Innere des Berges befördert, rennt er gewissermaßen auch seinen Schwächen davon (die hysterische, auf alles und jeden mit wildem Geschrei reagierende Kate Capshaw ist ein anderes Stereotyp, das dem Film bis heute negativ anheftet). Im Schlussdrittel fühlt sich "Indiana Jones and the Temple of Doom" wie eine Attraktion zum eigenen Film an: Ausgestellt doppelbödiges und doch in sich selbst verschlungenes Spektakelkino, das imposanter nicht sein könnte. Ein Meisterwerk, fürchte ich.
April 13, 2008
Retro: RAIDERS OF THE LOST ARK (1981)
Vielleicht bildet "Raiders of the Lost Ark" eine spannende Ausnahme in Steven Spielbergs Œuvre, weil der Film genauere Einblicke in die stilistischen Signaturen seines Machers bzw. seiner Macher gibt. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der einstmals erfolgreichsten Regisseure Hollywoods, George Lucas und eben Steven Spielberg, der eine in der Position des Ideengebers und Produzenten, der andere auf dem Regieposten. Die Zusammenarbeit der mächtigen Filmgiganten versprach eine neuen Maßstab im Unterhaltungskino, heraus kam hingegen etwas Kleineres, manchmal gar Intimes und angenehm Hingeschludertes – wie gesagt, auch ein Film, der es ermöglicht, dem Wunderkind der Traumfabrik in die Karten schauen zu können.
"Raiders of the Lost Ark" ist kein hundertprozentiger Spielberg-Film, obwohl er hundertprozentig wie einer funktioniert. Spielberg hat mit seinen vorherigen Arbeiten großes Geschichtenerzählen bewiesen. Es gelang ihm nahezu lückenlos, das Publikum für verschiedenste Stoffe zu begeistern, die ihrerseits nahezu lückenlos waren: Geschichten über Ereignisse, die jede Ordnung aus dem Gleichgewicht bringen, um schließlich wieder zusammengefügt zu werden. Er harmonisiert, zerstört und harmonisiert erneut, Zuschauerbindung und Zuschauererlösung als zweistündige Berg- und Talfahrt. Spielberg schickt den Zuschauer nicht allein ins Abenteuer, er nimmt ihn an die Hand. Sein verlockender Eskapismus aber ist keine Einladung, eher eine sehr einseitige Vereinbarung, und sie findet meist innerhalb der ersten Filmminuten statt. Wer in einem Spielberg-Film auf seine Kosten kommen möchte, der muss seinem Schöpfer bedingungslos folgen, muss sich ihm gewissermaßen auch: ergeben.
In "Raiders of the Lost Ark" bleibt nicht einmal Zeit, sich auf den Film einzulassen: Sofort bindet Spielberg den Zuschauer ans Geschehen. Das Berg-Logo des Verleihs Paramount geht unmittelbar in die Szenerie über. Und wenn man nicht bereit ist, das so abenteuerliche wie unwahrscheinliche Geschehen zu akzeptieren, wird man die nächsten zwei Stunden vermutlich außen vor bleiben. Angelehnt an die Pre-Title-Sequenzen der James-Bond-Filme sowie den Serials und Cliffhangern, die Spielberg und Lucas offenkundig beeindruckt haben, eröffnet der Film mit einer rasanten Schatzsuche, die das Tempo der Handlung angibt, den Helden und seinen Antagonisten einführt und mit Fallen- und Hindernismanövern angemessen freudvoll beginnt. Das Opening ist Verlockung und Bedingung zugleich.
Die ersten Szenen des Films kokettieren mit ihrer Brillanz. Mythisch von Sonnenstrahlen durchflutete Dschungelbilder, exotische Spielwiesen mit starken Schattierungen und gleißendem, direkt in die Kameralinse einstrahlenden Lichtkegeln, als stelle Spielberg seine Verblendungstaktiken genüsslich aus. Die Partitur von John Williams bewegt sich unaufhörlich von Höhepunkt zu Höhepunkt, eine schunkelnde Marschmusik hier, ein geheimnisvolles Schatzsuchenthema dort – und die Bundeslade, jenes archäologische Fantasiegebilde, in dem die Steintafeln der Zehn Gebote lagern sollen, bekommt eine buchstäblich überhöhte Note spendiert. Michael Kahn hält das Geschehen vorbildlich zusammen, alle Action wird über den Schnitt choreographiert. Explosionen gibt es auch, bezeichnenderweise sind sie in den Bildhintergrund verlagert.
Immer wieder kehrt im Film ein zentrales Motiv zurück: Indiana Jones erscheint auf der Bildfläche nur als Silhouette, meist übermächtig (am stärksten in der Einstellung, die seine Gefährtin Marion in ihrer Absteige von Kaminfeuerlicht umhüllt zeigt, ehe sich der große Schatten ihres Verflossenen Indiana Jones über sie legt). Das macht Stimmung, die Figur wird als ikonischer Helden ins Bild geschrieben, bevor er sich überhaupt als solcher erweisen kann – so überlebensgroß, dass sein eigenes Abbild ihm vorauszueilen scheint. Mit Indiana Jones als Archäologieprofessor, der neben seiner Lehrtätigkeit auch gern mit lässigem Schlapphut und Peitsche auf Reliktsuche geht, versuchen sich Spielberg/Lucas an einem eigenen Archetyp. Zwar rekurriert die Kombination aus Intelligenz (Jones als Akademiker), Attraktivität (Jones als Playboy) und Hartnäckigkeit (niemand kann dem Helden tatsächlich etwas anhaben) auf James Bond. Im amerikanischen Männerhelden- und Körperkino der 1980er Jahre aber hinterließ Indiana Jones doch sehr eigene Spuren.
Ziemlich drüber sind auch die Bösewichte, in diesem Fall die Nazis, die für Adolf Hitler nach der Bundeslade suchen. Das Machtstreben der deutschen Barbaren wird hier zu einer okkulten Pulpgeschichte umfunktioniert, erstaunlicherweise übernimmt sich der Film mit diesen Karikaturen nicht, sie sind genauso ein Teil des Unwahrscheinlichen, am Ende rächen sich jüdische Seelen an den Errichtern der Konzentrationslager. Wie überhaupt alle Spielberg-Arbeiten ist "Raiders of the Lost Ark" scheinbar unbefangen. Der eingängigste Gag des Films zeigt die Konfrontation des Revolverhelden mit einem Säbel schwingenden Araber, den er – fast gelangweilt von dessen Glauben, eine ernsthafte Gefahr für ihn zu sein – unbeeindruckt erschießt. In der Fortsetzung übersteigern Spielberg und Lucas solche gedankenlosen Stereotype noch, wenn Indy als siegreiche Reinkarnation britischer Kolonialfantasien auftritt.
Es ist natürlich ein großes Erlebnis, diesem ersten Abenteuer von Indiana Jones zuzuschauen, und dass der Film mehr Spaß macht, als er dürfte, gehört zu den spannenden Widersprüchen in der Beschäftigung mit Spielberg.
"Raiders of the Lost Ark" ist kein hundertprozentiger Spielberg-Film, obwohl er hundertprozentig wie einer funktioniert. Spielberg hat mit seinen vorherigen Arbeiten großes Geschichtenerzählen bewiesen. Es gelang ihm nahezu lückenlos, das Publikum für verschiedenste Stoffe zu begeistern, die ihrerseits nahezu lückenlos waren: Geschichten über Ereignisse, die jede Ordnung aus dem Gleichgewicht bringen, um schließlich wieder zusammengefügt zu werden. Er harmonisiert, zerstört und harmonisiert erneut, Zuschauerbindung und Zuschauererlösung als zweistündige Berg- und Talfahrt. Spielberg schickt den Zuschauer nicht allein ins Abenteuer, er nimmt ihn an die Hand. Sein verlockender Eskapismus aber ist keine Einladung, eher eine sehr einseitige Vereinbarung, und sie findet meist innerhalb der ersten Filmminuten statt. Wer in einem Spielberg-Film auf seine Kosten kommen möchte, der muss seinem Schöpfer bedingungslos folgen, muss sich ihm gewissermaßen auch: ergeben.
In "Raiders of the Lost Ark" bleibt nicht einmal Zeit, sich auf den Film einzulassen: Sofort bindet Spielberg den Zuschauer ans Geschehen. Das Berg-Logo des Verleihs Paramount geht unmittelbar in die Szenerie über. Und wenn man nicht bereit ist, das so abenteuerliche wie unwahrscheinliche Geschehen zu akzeptieren, wird man die nächsten zwei Stunden vermutlich außen vor bleiben. Angelehnt an die Pre-Title-Sequenzen der James-Bond-Filme sowie den Serials und Cliffhangern, die Spielberg und Lucas offenkundig beeindruckt haben, eröffnet der Film mit einer rasanten Schatzsuche, die das Tempo der Handlung angibt, den Helden und seinen Antagonisten einführt und mit Fallen- und Hindernismanövern angemessen freudvoll beginnt. Das Opening ist Verlockung und Bedingung zugleich.
Die ersten Szenen des Films kokettieren mit ihrer Brillanz. Mythisch von Sonnenstrahlen durchflutete Dschungelbilder, exotische Spielwiesen mit starken Schattierungen und gleißendem, direkt in die Kameralinse einstrahlenden Lichtkegeln, als stelle Spielberg seine Verblendungstaktiken genüsslich aus. Die Partitur von John Williams bewegt sich unaufhörlich von Höhepunkt zu Höhepunkt, eine schunkelnde Marschmusik hier, ein geheimnisvolles Schatzsuchenthema dort – und die Bundeslade, jenes archäologische Fantasiegebilde, in dem die Steintafeln der Zehn Gebote lagern sollen, bekommt eine buchstäblich überhöhte Note spendiert. Michael Kahn hält das Geschehen vorbildlich zusammen, alle Action wird über den Schnitt choreographiert. Explosionen gibt es auch, bezeichnenderweise sind sie in den Bildhintergrund verlagert.
Immer wieder kehrt im Film ein zentrales Motiv zurück: Indiana Jones erscheint auf der Bildfläche nur als Silhouette, meist übermächtig (am stärksten in der Einstellung, die seine Gefährtin Marion in ihrer Absteige von Kaminfeuerlicht umhüllt zeigt, ehe sich der große Schatten ihres Verflossenen Indiana Jones über sie legt). Das macht Stimmung, die Figur wird als ikonischer Helden ins Bild geschrieben, bevor er sich überhaupt als solcher erweisen kann – so überlebensgroß, dass sein eigenes Abbild ihm vorauszueilen scheint. Mit Indiana Jones als Archäologieprofessor, der neben seiner Lehrtätigkeit auch gern mit lässigem Schlapphut und Peitsche auf Reliktsuche geht, versuchen sich Spielberg/Lucas an einem eigenen Archetyp. Zwar rekurriert die Kombination aus Intelligenz (Jones als Akademiker), Attraktivität (Jones als Playboy) und Hartnäckigkeit (niemand kann dem Helden tatsächlich etwas anhaben) auf James Bond. Im amerikanischen Männerhelden- und Körperkino der 1980er Jahre aber hinterließ Indiana Jones doch sehr eigene Spuren.
Ziemlich drüber sind auch die Bösewichte, in diesem Fall die Nazis, die für Adolf Hitler nach der Bundeslade suchen. Das Machtstreben der deutschen Barbaren wird hier zu einer okkulten Pulpgeschichte umfunktioniert, erstaunlicherweise übernimmt sich der Film mit diesen Karikaturen nicht, sie sind genauso ein Teil des Unwahrscheinlichen, am Ende rächen sich jüdische Seelen an den Errichtern der Konzentrationslager. Wie überhaupt alle Spielberg-Arbeiten ist "Raiders of the Lost Ark" scheinbar unbefangen. Der eingängigste Gag des Films zeigt die Konfrontation des Revolverhelden mit einem Säbel schwingenden Araber, den er – fast gelangweilt von dessen Glauben, eine ernsthafte Gefahr für ihn zu sein – unbeeindruckt erschießt. In der Fortsetzung übersteigern Spielberg und Lucas solche gedankenlosen Stereotype noch, wenn Indy als siegreiche Reinkarnation britischer Kolonialfantasien auftritt.
Es ist natürlich ein großes Erlebnis, diesem ersten Abenteuer von Indiana Jones zuzuschauen, und dass der Film mehr Spaß macht, als er dürfte, gehört zu den spannenden Widersprüchen in der Beschäftigung mit Spielberg.
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