August 24, 2011

Kino: COWBOYS & ALIENS

Seit der Western nicht mehr ist, bemühen sich gelegentliche Wiederbelebungsversuche und neue Spielarten um eine angemessene Erbschaft des ältesten aller Kinogenres. Nach langer Zeit verhalf "True Grit", der Gebrüder Coen unerwarteter Blockbuster, dem Western im vergangenen Jahr zu einem Überraschungserfolg, der ein neues Interesse am Mythos zu generieren schien. Welch findiger Einfall, genau jenes nun auch noch mit dem aktuellen Alien-Boom zu verkleben. "Cowboys & Aliens", ein Science-Fiction-Western.

Solcherlei Genre-Mashups haben Hochkonjunktur. Allein in diesem Jahr starteten in deutschen Kinos Westernvariationen jedweder Couleur, kombiniert mit den Befindlichkeiten des Melodrams ("Winter’s Bone"), dem ruppigen Wesen des Roadmovies ("Drive Angry") oder der kindgerechten Ästhetik einer Animationskomödie ("Rango"). Auch vage Fusionen der Science-Fiction mit dem Western hat es bereits gegeben, nie aber kreuzte man so konkret zwei ihrer absoluten Archetypen, den Cowboy und die außerirdische Lebensform, um daraus einen Blockbuster zu schnitzen.

Den Grundstein für diese durchaus reizvolle Prämisse legte Scott Mitchell Rosenbergs gleichnamiger Comic von 1997, der bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Eine ganze Riege prominenter dicker Produzentenfische – u.a. Steven Spielberg, Ron Howard und Brian Grazer – witterte in der Vorlage ein veritables Geschäft. Jon Favreau, bekannt als einer der umgänglichsten Auftragsfilmer Hollywoods, empfahl sich mit seinen soliden "Iron Man"-Adaptionen für die Regie. Und so macht man dann Sommerhits.

Daniel Craig spielt in "Cowboys & Aliens" einen namenlosen Fremden, der ohne jede Erinnerung in das kleine Wüstenkaff Absolution gelangt. Dort wandert er erst einmal zügig ins Gefängnis, nachdem man ihn für einen gesuchten Goldräuber hält. Nicht nur seine unbekannte Identität, sondern auch eine seltsame Metallmanschette am Unterarm machen die geheimnisvolle Ella (ätzend: Olivia Wilde) auf den rüden Cowboy aufmerksam. Ehe Colonel Dolarhyde (Harrison Ford) sich jedoch der Sache annehmen kann, wird das Städtchen plötzlich von Raumschiffen attackiert.

Das Western-typisch urige Set-Up und die rasch ins Spiel gebrachten Figuren des überdurchschnittlichen Ensembles (in weiteren Rollen sind beispielsweise Paul Dano, Sam Rockwell und Clancy Brown zu sehen) verheißen gleich zu Beginn einen nicht uninteressanten Film. Inklusive des ersten Alien-Angriffs, bei dem die ahnungslosen Bewohner von langen Raumschifftentakeln in die Luft gezogen werden, ist das ein solides und sogar aufregendes Vergnügen, das sein Versprechen vom Genre-Mix vollends einzuhalten scheint.

Nach einer knappen halben Stunde allerdings zeigt sich, dass man im Vorspann zu Recht über insgesamt fünf Drehbuchautoren stolperte. Vollends planlos stolpert der Film nach seiner hübschen Exposition von einem dramaturgischen Loch ins nächste, nicht wissend, was er nun eigentlich gescheites mit der Western-Sci-Fi-Prämisse anstellen soll. Das ausnahmslos auf belanglose Konfrontationen zwischen eben Cowboys und Aliens ausgerichtete Script schlendert von Standard A zu Standard B und wieder zurück, ehe sich im betulichen Finale alle noch mal eins auf den Hut geben dürfen.

Zwar arbeitet der Film teils gekonnt mit klassischen Western-Versatzstücken (Craig als Fremder ohne Namen), um diese gemäß seiner Genremischung zu variieren (die Erinnerungs- lücken des Fremden als Folge einer Entführung durch Außerirdische), dennoch bleibt die Kombination bloße Behauptung. Aus ihr entsteht nicht wirklich etwas Neues, und die doch eigentlich so frische Genrefusion läuft nur auf bewährte Konventionen hinaus, was sich vor allem in einfallslos konzipierten Kämpfen und einem altbackenen Creature-Design niederschlägt.

Fehlende Akzente gehen freudlos Hand in Hand mit überraschend unterinszenierten Actionszenen, in denen Harrison Fords verlebte Gesten wie ein unfreiwilliger Kommentar zum kraftlosen Dahinsiechen des Films erscheinen. "Cowboys & Aliens" würden Ecken und Kanten weitaus besser stehen als seine spröde Gradlinigkeit, die sich in unspektakulären Pistolenduellen erschöpft. Wenn eine so unbenutzte Idee innerhalb von nur zwei Stunden zum ausgedienten Bierdeckeleinfall verkommt, haben die Sommerhittüftler irgendetwas gewaltig falsch gemacht.


30% - erschienen bei: gamona

Kommentare:

  1. Wenn du es nicht wärst, hätt ich nichtmal diese Kritik gelesen, so wenig interessiert mich dieses Filmchen. Erinnert mich irgendwie auch an Aliens vs. Predator und der ganze zusammengequirlte Scheiss. Ähnliches steht uns ja nun auch mit dem Superheldengenre bevor... da trifft dann Supermann auf die X-Men oder wen immer und Spidermann webt seine Netze im Olymp.... oder so ähnlich.

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  2. Na ja, die hauseigenen Superhelden-Mashups haben ja eine lange Comicgeschichte, was Marvel da derzeit macht, also die AVENGERS fürs Kino aufzubereiten, finde ich schon cool (zumal ich sowohl IRON MAN als auch THOR mochte, CAPTAIN AMERICA habe ich noch nicht gesehen).

    ALIENS VS. PREDATOR ist natürlich ein Negativbeispiel, das entstand aus einem sehr jungen Comic (das weniger bekannt ist als das Videogame) und diente einzig dem totalen Ausverkauf zweier überhaupt nicht zusammenhängender Franchise-Figuren. Grundsätzlich stehe ich aber auf Cross-Over. FREDDY VS. JASON war super.

    Die Kombination Cowboys und Aliens finde ich grundsätzlich auch sehr witzig, vorausgesetzt, man macht was draus.

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  3. Wollte nicht den Eindruck erwecken, ich hätte was gegen "neue" Ideen oder ein verknüpfen verschiedener Marvelhelden / Universen. Ich mochte IRONMAN und THOR, auch die 3 X-MEN. Und CAPTAIN AMERICA hab ich auch noch nicht gesichtet... nach Trailern und einigen Kritiken vermute ich, er zählt eher zu den schwächeren Vertretern.

    Was mich und sicherlich auch dich stört, ist wenn diese Mixtur allein als Lockmittel fungiert und weiter kein Konzept zu erkennen ist, das dann auch einen unterhaltsamen Film trägt. So wie hier geschehn.

    Dies sind jetzt quasi meine Befürchtungen für die Marvels.

    Das wäre wirklich schade, denn das Superheldengenre - von Ausnahmen abgesehn (of course) - hatte durchaus Qualität in den letzten Jahren. Zu erwähnen wäre da noch Batman. (trotz Bale) :P

    Also hoffen wir das beste und harren der Dinge die da kommen. :)

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  4. Da hatte ich mir im Vorfeld doch deutlich mehr erhofft. Die Crossoveridee klang zumindest nicht uninteressant. Sehr schade, aber 30% sind ja geradezu desaströs. Langsam spare ich so viel Geld mit den Filmen, die ich nicht im Kino sehe, weil mir überzeugend abgeraten wurde, dass ich bald nicht mehr weiss wohin damit. Die Hoffnung ruht jetzt auf "Captain America" als Spätsommerhit.

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  5. Liest sich sehr angenehm und macht Sorgen. Ich werde mir selber ein Bild machen...

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  6. "Vollends planlos stolpert der Film nach seiner hübschen Exposition von einem dramaturgischen Loch ins nächste, nicht wissend, was er nun eigentlich gescheites mit der Western-Sci-Fi-Prämisse anstellen soll."

    Ist praktisch genau, was ich nach dem Trailer erwartet habe. Dann doch lieber nochmal "Alien Desperados". Da weiß man, was man hat. ;-)

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  7. Mr. Hankey27/8/11 16:01

    Rene fand den extrem gut, gerade weil er anders ist, als man zunächst erwarten würde. Ich persönlich war noch nicht drin, auch weil ich eher skeptisch bin. Aber am Montag werde ich mir wohl auch ein eigenes Bild machen.

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  8. Das kann man ja kaum in Worte fassen, was uns hier für eine - sorry - Scheiße - also der Film - kredenzt wird.

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  9. Mr. Hankey2/9/11 17:42

    Beim Woody kann ich Dir absolut nicht zustimmen, hier dafür um so mehr. War am Montag drin und einfach nur entsetzt gewesen, wie sehr hier eine eigentlich gute Idee so dermaßen in den Sand gesetzt wurde. Die Genre-Vermischungen wollten so gar nicht funktionieren und die plumpen Schockeffekte gingen schon nach kurzer Zeit auf die Nerven. Die Schauspieler und die Settings waren zwar Okay und die ersten 20 Minuten ließen auf einen guten Film hoffen, doch danach wurde es einfach nur noch mächtige Grütze. Zumal sich der Mist dann doch auch viel zu ernst nimmt. Alles in allem knappe 40%

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