Juli 09, 2008

News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Neues Poster

Einer der Filme, auf die ich mich am meisten freue (diese Besetzung!). Deutscher Kinostart: 13.11.08. - und nun bitte einmal noch kollektives an-den-Kopf-fassen: Der deutsche Titel lautet: "Die Partycrasher oder wie ich sie alle nervte".

Juli 08, 2008

Zuletzt gesehen: JOHNNY GOT HIS GUN

Jeder sensorische Kontakt ist ihm unmöglich, weil Joe nicht mehr hören, nicht mehr sehen, nicht mehr sprechen kann. Er hat keine Arme und keine Beine, kein Gesicht und kein Raum-Zeit-Gefühl mehr. Trotzdem wird der US-Soldat im ersten Weltkrieg am Leben erhalten, weil er als Testmaterial noch dienlich sein kann – und seine Hirnrinde so irreparabel geschädigt sei, dass er ohnehin kein Bewusstsein mehr habe. Dass das anders ist, belegt die subjektive Erzählung von "Johnny Got His Gun". In assoziativen, abstrakten Ereignisketten vermengt Dalton Trumbo virtuos Traum- und Realszenen, mischt Erinnerungen hinzu, surreale Bunuel- Settings und sogar einen grandiosen Donald Sutherland als Jesus, der darum bemüht ist, Joe Fragen nach seinem Bewusstseinszustand zu beantworten (und dabei scheitert). Jede Vision, jeder Traum, jede Erinnerung findet Äquivalente im eigentlichen Spielraum, einer kleinen Abstellkammer, in die Joes Bett gestellt wurde (und die als schwarzweiß reflektierte Projektion einer möglichen Realität fungiert). Hier treffen schließlich Priester und General aufeinander, die jede Verantwortung gegenseitig abzuwälzen versuchen.

Wahrlich beachtlich, wie ein Film mit so simplen Mitteln und so reduziert eine derart adäquate, ergreifende Metapher für den Krieg finden kann, dass man alle anderen Genrebeiträge – denen die Flucht aufs Kriegsfeld auch gleich jede Sicht verstellt – guten Gewissens vergessen kann. "Johnny Got His Gun" ist ein intensiver, ein kluger, ein wichtiger Film, der verstanden hat, dass man all die genreimmanente Kriegsverklärung aus Heldenpathos und Kameradschaftstod mit einem einfachen, präzisen und einprägsamen Ansatz umgehen kann: Der Qual, nicht sterben zu können und zu dürfen, der ausbleibenden Katharsis, der absoluten Hilflosigkeit, die bleibt. Trumbos eigene Romanadaption ist durch ihren Verzicht, ihre Reduktion und ihre Aussparung nicht nur die vermutlich beste filmische Annäherung an das unfassbare Kriegssujet, sondern auch eine bedingungslose Antwort auf die immerwährende Euthanasie- Debatte.


90%

Juli 05, 2008

News: Upcoming Reviews


Demnächst Filmbesprechungen zu: "The Fighters" (Jeff Wadlow), "Mamma Mia!" (Phyllida Lloyd) und "Leg dich nicht mit Zohan an!" (Dennis Dugan).

Juli 04, 2008

TV: Fernsehtipps vom 05.07. - 11.07.2008

Samstag, 05.07.

20:15 Uhr – Master and Commander (RTL)

Aufwendiger Historienschinken, sehr ambitioniert und von Peter Weir ja sowieso gut gemeistert, aber ich halte Russell Crowe einfach nicht aus.

20:15 Uhr – American Pie (K1)

Sympathische Zoten für die Neo-"Porky’s"-Generation. Kenne nur diesen ersten Film, aber der ist zumindest besser und liebenswürdiger als sein Ruf.

22:15 Uhr – Basic Instinct (RTL2)

Verhoevens Stilprobe. Definitiv total 90er, aber die Bettakrobatik von Stone und Douglas hat immer noch schwer was für sich.

22:15 Uhr – Piranhas (Das Vierte)

Mäßig amüsante Horror-Komödie, der der rechte Biss schon immer gefehlt hat. Joe Dante war noch am Üben. Geht ok.

22:30 Uhr – Mystic River (Pro7)

Clint Eastwoods nicht ganz unproblematische Dennis Lehane-Adaption, stark inszeniert und gespielt, für einen starbesetzten Hollywoodfilm zudem ganz schön schwere Kost. Aber wie gesagt: nicht ganz unproblematisch.

22:55 Uhr – Hannibal (RTL)

Fünf Minuten später und Ridley Scotts blutige Serienkiller-Oper dürfte auch ungekürzt Gehirne sezieren. Inhaltlich zwiespältiges, unfokussiertes Sequel, das aber sehr schick aussieht.

22:55 Uhr – Geboren am 4. Juli (ARD)

Kommt einen Tag zu spät und damit genau richtig. Oliver Stones politisch motivierte Filme kann ich mittlerweile beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen. Und Tom Cruise acted over, als gäbe es kein Morgen mehr.

Sonntag, 06.07.

22:15 Uhr – Running Scared (Pro7)

Jetzt schon im Fernsehen, wie die Zeit vergeht. Auf den Film fährt ja irgendwie jeder außer mir ab, deshalb erspare ich mir weitere Polemik (*stolz auf die Schulter klopf*).

23:15 Uhr – Die Faust im Nacken (BR)

Vom Kazan kann man ja halten was man will, aber was Brando hier anstellt, das lässt sich nicht in Worte fassen. Man vergleiche das mit dem Schauspielniveau von heute, da wird einem ganz anders.

2:55 Uhr – Die Nacht hat viele Augen (K1)

Eine meiner Lieblingskomödien versteckt im Nachtprogramm, also so was. Ganz doll lustige und ganz doll nette Krimi-Buddy-Comedy mit super Besetzung. Das Sequel ist übrigens auch klasse, wenn nicht gar besser. Btw: Heißt im Original "Stakeout", danach wurde unsere Band damals benannt (hach, die alten Zeiten).

4:05 Uhr – Running Scared (Pro7)

Bäh, total zynischer Drecksfilm mit scheiß-reaktionärer Moral, dilettantischer Inszenierung und dämlichem Twist. Wer so was gut findet frisst auch kleine Kinder.

Montag, 07.07.

21:00 Uhr – Rocco und seine Brüder (Arte)

Wenn ich jetzt gestehe, dass der und sowieso so einiges von Visconti noch zu meinen Lücken zählt, habe ich wohl auch das letzte Bisschen Glaubwürdigkeit vollends eingebüßt. Deshalb mache ich das nicht und betone einfach noch mal, dass ich den Leoparden ganz toll finde.

22:15 Uhr – Match Point (ZDF)

Zählt offiziell ja zu den (wieder) besseren Allen-Arbeiten, krankt für mich aber noch immer an den klassischen Woody-Bazillen. Immerhin spielt Jonathan Rhys Meyers mit…

0:10 Uhr – Eine Frau ist eine Frau (HR) [Review]

Dienstag, 08.07.

20:15 Uhr – Gattaca (K1)

Wahrscheinlich wirklich unterschätzte Negativ-Utopie, habe ich aber nur einmal damals gesehen.

21:00 Uhr – Love Story (Arte)

Liebesdrama nach Maß, aber dennoch wunderschön.

22:55 Uhr – Days of Being Wild (3SAT)

Ist bestimmt super und wird deshalb auch bestimmt geschaut, wobei "Happy Together" und "In the Mood for Love" wohl auch weiter meine Wong Kar Wai-Lieblinge bleiben werden.

Mittwoch, 09.07.

22:20 Uhr – House on Haunted Hill (Das Vierte)

Stinklangweiliges Castle-Remake mit besonders albernem CGI-Finale.

Donnerstag, 10.07.

Nischt so richtig.

Freitag, 11.07.

22:15 Uhr – Candymans Fluch (Das Vierte)

Die Mühe, diesen überaus gelungenen Clive Barker-Horror zu lobpreisen, brauche ich mir gar nicht erst zu machen, weil hier wieder nur die völlig verstümmelte Fassung ausgestrahlt wird.

23:35 Uhr – Der Exorzist (RTL2)

Merke: Erwachte Sexualität = Teufelsbesessenheit, Emanzipation von der Mutter = nur mit geistlicher Austreibung behebbar, Der Exorzist = Gegenstatement zum freien 70er-Jahre-Zeitgeist. In etwa so plump, wie ich das hier beschreibe, ist es leider auch wirklich. Steht in der Videothek neben "Dirty Harry" und "Conan".

2:30 Uhr – Stalker (3SAT)

P wie prätentiös. Wird natürlich geschaut, um mich auch weiter über Tarkovsky aufregen zu können.


Juli 03, 2008

Kino: KINOSTARTS - 03.07.2008

  • Hancock (Fantasy-Komödie, USA 2008)
  • After Effect (Drama, D 2007)
  • Kung Fu Panda (Animation, USA 2008)
  • Water Lilies (Drama, F 2007)
  • Grind House (Kino-Hommage, USA 2007)
  • Happy-Go-Lucky (Drama, UK 2008)
  • Tapas Mixtas (Kurzfilm, E 2007)
  • Auge in Auge - eine deutsche Filmgeschichte (Doku, D 2008)

An die werten Leser...

... hier haben bzw. hatten sich offenbar einige Darstellungsfehler eingeschlichen, wohl ausgehend von der Mandy Lane (die alte Kuh die). Bei Firefox gab es keine Probleme, über Formatierungsschwächen aufmerksam machten mich aber IE- und Mac-Safari-Nutzer. Ich hoffe zwar, dass alles behoben ist, sollte dem aber nicht so sein, so bitte ich um kurze Rückmeldung hier in den comments. Danke.

Juli 02, 2008

News: THE DARK KNIGHT - Neues Poster & Clips

Update: Und hier gibt es die ersten fünf Minuten zu sehen (wer es unbedingt braucht).

Neues Poster zum zweiten Nolan-Batman, sowie unzählige Clips und Interviews. Die ersten US-Kritiken sind alle sehr gut. Ich freue mich drauf, habe nach dem ersten Film aber nicht allzu hohe Erwartungen.

Juli 01, 2008

Kino: ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE

Nachdem der Teen-Slasher Ende der 80er-Jahre erst erfolgreich zu Grabe getragen, dann durch Wes Craven und Kevin Williamson in den Mit-90ern revitalisiert und endgültig zur postmodern-ironischen Zone erklärt wurde, er schließlich auch die Gewaltästhetik für sich wieder entdeckte und nunmehr in den Niederungen streng konventioneller, zum "Friday the 13th"-Regelwerk zurückgekehrter Retro-Schlitzer- filme ("Prom Night", "April Fool’s Day") oder ebenso ritueller, weil durch Sequel-, Prequel- oder Remake-Einbindung klassischer Vorbilder festgeschriebener, munter brutaler Neo-Splatterfilme angekommen ist ("Hostel", "Texas Chainsaw Massacre: The Beginning") – der Teen-Slasher also nach seiner Totsagung noch die ein oder andere Initiation über sich ergehen lassen musste (wo er doch eigentlich für seine Beständigkeit gemocht wurde!) – da muss nun schleunigst ein Neubeginn her, ein frischer Ansatz, ein Post-"Scream", der nicht bedingungslos in alte Muster verfällt, sich dem Sujet aber auch ebenso wenig ausschließlich selbstironisch und damit letztlich unernst und distanziert nähert. "All the Boys Love Mandy Lane" von Jonathan Levine könnte dieser Film sein: Die Ehrenrettung des amerikanischen Slasherfilms.

Dabei unternimmt Levine erst einmal alles, um den Film nicht in die Nähe der Genrekonventionen zu bringen. Was hier mithilfe nostalgischer Bilder von High School-Riten und Party People-Jungvolk zwischen emotionaler Statik und willenloser Fügung ins Typenmuster der Loser, Aufreißer und Chick Flicks, sowie sentimentalen Singer-Songwriter-Klängen zunächst zum melancholischen Coming-Of-Age-Film gedeiht, beginnt ebenso unberechenbar wie eigentlich auch unmotiviert rasch zum reinrassigen Stalk’n’Slasher umzukippen. Ehe der Film seiner eigenwilligen Erzählweise mit bewussten Tempowechseln also eine logische – will heißen: entlang gängiger Genrebahnen verlaufende – Richtung vorgibt, wandelt er irgendwie zwischen "The Virgin Suicides" und dem "Texas Chainsaw Massacre". Man möchte meinen, "All the Boys Love Mandy Lane" ist die erste wirkliche Teenfilm-Hybride aus radikalem Schlitzer-Horror und sinnlichem Drama. Als eine Art Neuverhandlung adoleszenter Passageriten aus jugendlicher Schuld und Unschuld, Sinn- und Identitätssuche, dem Zwang der Klassen- und Rollenmuster, dem Hedonismus und Puritanismus – der ganzen absurden Widersprüchlichkeit also, derer sich die Jugendlichen im US-Genrekino so ausgesetzt sehen.

"All the Boys Love Mandy Lane" ist somit in gewisser Hinsicht der Versuch, den Teen-Slasher seiner Oberflächlichkeit zu berauben. Die Jugendlichen bei Levine entsprechen nicht den gängigen Klischeeprofilen. Eingeführt als promiskes Sauf- gelage, deren ausgiebiges Sündigen schon deshalb mit dem Tod bestraft gehört, damit die Leinwand von diesen holzschnittartigen Arschlochfiguren endlich befreit wird, bürstet Levine die Opfer in spe schließlich allesamt gegen den Strich: Das koksende It-Girl verbirgt hinter ihrer selbstge- rechten Makellosigkeit nur angeklebte Tittenvergrößerungen und sehnt sich eigentlich nach bedingungsloser Nähe, wenn sie nackt aus dem Fenster in die schwarze Nacht starrt, während der eitle Schönling der Gruppe hinter Macho-Sprüchen und Pimp-Chauvinismus ein großes Problem mit seinem kleinen Problem hat. Dass diese lonesome teens, die dem depressiven Gus-Van-Sant-Mikrokosmos eines "Paranoid Park" näher stehen als ihren Abziehbilder-Kollegen des eigenen Subgenres, alle dennoch sterben müssen – und das durchaus auch unter Einsatz der zwingenden Genrekonnotationen (nach dem Blow-Job bekommt ein Opfer einen riesigen Gewehrkolbenphallus in den Rachen gedrückt) – ist dabei natürlich unabdingbar. Die im Slasher-Duktus fest verankerte Opferwahl wird hier zwar augenzwinkernd kommentiert, indem der Killer ein T-Shirt mit der Aufschrift "natural selection" trägt, dennoch ist "All the Boys Love Mandy Lane" immer noch ein Slasher-Film, der sich ernst nimmt, trotz oder gerade wegen seines Spiels mit Versatzstücken.

Nur, warum lieben eigentlich alle Boys die Mandy Lane? Wohl deshalb, weil sie erschreckend schön ist. Weil sie unnahbar ist und unschuldig. Und natürlich, weil sie das absolute final girl des Horrorfilms repräsentiert: Prüde, frigide, jungfräulich – die fleischgewordene Männerfantasie. Anhand seiner Mandy Lane erlaubt sich der Film schließlich die nach Genreregeln unver- blümteste und cleverste Reflexion: Sie, die Identifikationsfigur des (großteilig männlichen) Publikums, diejenige, die der Psychokiller in einem Slasherfilm am meisten begehrt, als letzte jagt und am vehementesten traktiert, nur um an ihrer stärksten Waffe – der Bigotterie – zugrunde zu gehen, sie ist die größte Umkehrung in diesem Film. Weil zwar alle Jungs Mandy Lane lieben, aber Mandy Lane nicht alle Jungs ("let’s just be friends"). Die in einer Szene angedeutete lesbische Zuneigung zu ihrer Freundin ist da vielleicht noch die geringste Genre-Impertinenz, wenn Levine letztlich sogar den Diskurs des konservativ-reaktionären Slashers von hinten aufrollt und dem obligatorischen Überleben der braven Jungfer einen ganz anderen Grund einräumt – nämlich deren Nähe zum Killer, der auf alles sexuell Verdrängte mit pervertierter Gewalt reagiert. Mit seinem inhaltlich völlig unmotivierten, ja gar sinnfälligen, formal aber zwingendem Schluss ist dieser stilbewusste wie -betonte Film deshalb jene Neuanordnung des Genres, die selbiges auch dringend gebraucht hat. Indem Levine die genreimmanenten Abfolgen auf den Kopf stellt, durchschüttelt und letztlich doch sich selbst überlässt, ist er ein mustergültiges Beispiel für den postmodernen Umgang mit dem Teenfilm und ein weitgehend ironiefreies Äquivalent zu "Scream".


70%