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April 23, 2015

Kino: BIG EYES

Amerikanische Vorstadtwelten sind den Alltagsmärchen ("Edward mit den Scherenhänden") und Monsterspektakeln ("Frankenweenie") von Regisseur Tim Burton für gewöhnlich ein willkommener Anlass, die katalogtaugliche Gemachtheit ihres vermeintlichen Idylls auf den Kopf zu stellen. "Big Eyes", Burtons neuer und entschieden nicht phantastischer, sondern nach "wahren Begebenheiten" erzählter Film, beginnt hingegen mit dem abrupten Bild einer Flucht aus suburbanen Lebensverhältnissen: Die Malerin Margaret Ulbrich (Amy Adams) schnappt sich Koffer und Tochter, um ihre kalifornische Reihenhaussiedlung zu verlassen, in Richtung des San Francisco der ausgehenden 1950er Jahre. Das sei ein gewagter Schritt, behauptet die geheimnisvolle Erzählerstimme ("back then, women didn't leave their husbands"), und tatsächlich findet Margaret nur geradeso Arbeit bei einem Fabrikanten, für den sie Kinderbetten mit niedlichen Mustern bepinselt. [...]

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März 26, 2014

Kino: HER

Wird es hier, in einer Geschichte um einen zerstreuten Mann und seine Suche nach Liebe, Sex mit einem Computerprogramm geben? Nicht virtuellen Sex mit einem anderen Menschen, sondern tatsächlich mit einer künstlichen Intelligenz? Und wird diese Idee so inszeniert sein, dass an die Liebe zwischen Mensch und "operierendem System" nicht nur ironische Bedingungen gestellt werden? Der Lächerlichkeit sollen Theodore (Joaquin Phoenix mit Schnauzer) und die Geselligkeitssoftware Samantha (gesprochen von Scarlett Johansson) in jener Szene, in der sie schließlich sehr eng zusammenkommen, wahrscheinlich nicht preisgegeben werden. Weshalb der Film diesen Schlüsselmoment, in dem eine ungewöhnliche, aber bestimmt nicht unwahrscheinliche Beziehung auf ihre realen Möglichkeiten überprüft wird, wohl auch prophylaktisch in ein Schwarzbild rückt. [...]

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April 01, 2011

Zuletzt gesehen: THE FIGHTER

Einfältiger und höchst alberner Erbauungskitsch aus dem Hause Weinstein, der nach dramaturgischem Baukastenprinzip alle ausgedienten Boxfilmklischees noch mal neu aufsagt und sich in seiner Hollywoodesken Vor- wie Nachstellung von White Trash von einer Sackgasse in die nächste manövriert. Selbst noch als gähnend konventionelle Award-Winning-Chose betrachtet ist die verlogene Siegermentalität in Kombination mit ihrem sozialpornographischen Elendsanspruch eine reine Zumutung, die nur von ihrem hilflos in Armutskostüme geschmissenen Ensemble unterboten wird. Insbesondere Christian Bale changiert infolge erneuter Schauspieldefizite über die Grenzen des Over-Actings hinaus zwischen Körperschändung und Grimassenausstellung: Wie schon in "The Machinist" meint er sich in eine gebrechliche Figur einfühlen zu müssen, indem er sich eine Anorexie antrainiert. Statt einen abgehungerten Menschen zu spielen, will Bale also offenbar lieber ein abgehungerter Mensch sein. Das alte Method-Acting-Missverständnis noch mal um sich selbst gedreht. Zumindest stellenweise allerdings empfiehlt sich "The Fighter" dank einiger unmöglicher Gross-Out-Momente – in einer denkwürdigen und vollkommen sinnentleerten Szene prügelt beispielsweise ein Haufen Frauen aufeinander ein – als vergnüglicher Oscar-Trash.


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