Oktober 03, 2011

Zuletzt gesehen: MELANCHOLIA

Majestätisch setzt Lars von Trier ("I'm a Nazi.") in den ersten Minuten des Films gemäldehafte Bilder zu musikalischem Pomp (Wagner) in Szene, die wie formschöne Photoshop-Stills daherkommen, und nicht halb so eindrucksvoll wirken, wie sie es vermutlich gern würden. Was folgt, ist eine an der eigenen "Dogma"-Ästhetik geschulte, mit blümeranten Stilisierungen verfeinerte und an Thomas Vinterbergs "Festen" erinnernde Familienkrisengeschichte in wirrem Kameragezuppel und reduzierten Lichtquellen, gebrochenen Blickachsen und ständig wechselnden Brennweiten. Während der zweiten Hälfte dann trüben subtile Spezialeffekte und beeindruckende, dem Titel gerecht werdende, Bilder opulenter Melancholie den (ohnehin mit Vorsicht zu genießenden) Eindruck formaler Strenge, derweilen sich die Figuren immer mehr in einen abgründigen Strudel aus Lethargie, Tristesse und Lebensmüdigkeit bewegen – "Melancholia" ist, ähnlich wie "Antichrist", ein weiterer Schritt von Triers hin zu noch mehr Stil des Stils wegen. Diesmal habe ihn keine Depression inspiriert und angetrieben, ließ der Filmemacher mehrfach verkünden, und deshalb sei dies auch ein weniger schwermütiger, sondern eher ein schöner Film. Man soll ja keinem Menschen etwas Schlechtes wünschen, aber je besser es Herrn von Trier zu gehen scheint, desto profaner sehen seine Filme aus. "Melancholia" hat mich jedenfalls weitgehend unberührt zurückgelassen.


40%

Kommentare:

  1. Dabei hatte ich, nach Jahren des Vermeidens seines Œuvres, gerade begonnen, mich ein wenig für den Kerl zu interessieren. Schließlich war "Antichrist" ein sehr faszinierender Film und dementsprechend war ich an seinem nächsten Werk, auch ungeachtet gewisser, filmunabhängiger Aussagen, ebenso interessiert...

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  2. Schade.
    Aber wird es irgendwann mal ein Review zu ANTICHRIST geben?

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  3. Nee, warum? Der ist durch.

    Außerdem müsste man da gleich eine ganze Abhandlung zu verfassen.

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  4. Schade, schade. Dachte der Film kommt vielleicht gut bei dir weg. Vielleicht habe ich beim ersten Ansehen zu viel reininterpretiert, muss ihn mir wohl noch ein zweites mal geben oder ich war aus irgendeinem Grund in der passenden von Trier-Stimmung bei der Erstsichtung :D
    Auf jeden Fall fand ich ihn von der Erzählstruktur interessant, da ich den Eindruck hatte, dass man den Film (vom Prolog abgesehen) einmal als chronologische Erzählung verstehen kann oder aber, dass (diesmal mit dem Prolog und den beiden Filmteilen) sozusagen aus verschiedener allegorischer Sichtweise dreimal die gleiche Geschichte erzählt wird. Wie gesagt vielleicht ist hier aber auch der nur der Wunsch, dass von Trier es einfach kann, der Vater des Gedanken gewesen.

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  5. Nein, das habe ich genauso empfunden, wird durch den Perspektivwechsel in der zweiten Hälfte ja auch recht deutlich. Würde aber eher von zwei Mal sprechen wollen und die ersten Minuten ausklammern, da sie arg überstilisiert und nur grob lesbar Motive dieser "zwei Mal erzählten" Geschichte anreißen. Das allerdings finde ich jetzt noch nicht ausreichend, um den Film vom Vorwurf der Profanität zu befreien - denn profan bleibt es m.E. auch dann, wenn es blickverändert noch mal wiederholt wird.

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  6. MELANCHOLIA ist ne richtig unmenschliche Deprisocke. Gelegentlich blickt ein fieser Humor durch, aber im Zusammenschluss ist es ein stolperndes, narzistisches Pompgenöle, wie Pink. Laut und Scheiße.

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  7. Wenigstens bin ich beruhigt, dass Dein Kennerblick es auch so gesehen hat. Vielleicht lasse ich mich aber bei einigen Filmen immer noch sehr vom Formalen blenden, bzw. denke dass damit auch automatisch ein objektiv eher flacher Inhalt irgendwie einen Mehrwert hat. Werde mal versuchen das selbstkritisch zu hinterfragen...

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  8. Wieso zweifelst Du so an Deiner MELANCHOLIA-Rezeption? Ist ja nun nicht so, als würde irgendjemand beschlossen haben, dass der Film doof sei. :)

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  9. Nicht nur das Ende der Welt sondern auch das Ende aller Dunst-Net-Tit-Pic-Seekers.

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  10. Mochte ihn unheimlich. Gleich zweimal gesehen. 80%.

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