Juni 11, 2011

Zuletzt gesehen: TORN CURTAIN

"Glaubt man den Exegeten, dann zählt die Angst, unschuldig eingesperrt zu werden, zu Hitchs favorisierten Ängsten. Zwei seiner, wie ich finde, schlimmsten Machwerke, I CONFESS (1952) und THE WRONG MAN (1956), legen davon Zeugnis ab. Man quält sich in diesen schier endlosen Filmen, die sämtliche Rituale menschlicher Schuldverstrickung wiederkäuen, über die Runden und stellt nur schulterzuckend fest: Solche Jammergestalten (die von Montgomery Clift und Henry Fonda gespielten Hauptfiguren), die als permanente Entschuldigung der eigenen Existenz umherschleichen, gehören aus dem Verkehr gezogen, weil sie ihren Mitmenschen ganz furchtbar auf die Nerven gehen. […]

TORN CURTAIN war der erste Hitchcock-Film meines Lebens und wurde, weil ich ihn als 14jähriger auf durchaus unterhaltsame Art total bescheuert fand, das Fundament meiner in Zement gegossenen Überzeugung, daß Hitchcock nicht ganz dicht sein mußte. […]

Doch mit inhaltlichen Ungereimtheiten (um es sehr dezent zu formulieren) darf man den beinharten Hitchianer nicht konfrontieren, denn ihn interessieren nicht glaubwürdige Geschichten, sondern technische Kabinettstückchen und die unzähligen Neuerungen, um die sein Idol angeblich den Kanon der kinematographischen Ausdrucksformen erweitert hat. Die härtesten Brecher unter Hitchcocks formalen Mankos, geradezu seine Markenzeichen, sind schlampige Deko- rationen, infantile Miniaturen und miese Rückprojektionen. In TORN CURTAIN läuft er diesbezüglich zu ganz großer Form auf. Traumwandlerischer Höhepunkt ist die Sequenz, die in einem Bus von Leipzig nach Ost-Berlin spielt. […]

Doch all das ficht die Fangemeinde nicht im geringsten an. Sie hat sich längst eine Theorie zurechtgeschustert, nach der das haargenau so sein muß, beim großen Hitch. Diesem windigen Erklärungsmodell nach sollen die intendiert unwirklichen, kulissenhaften Bildhintergründe und Exterieurs auf das gestörte Verhältnis aufmerksam machen, das viele Protagonisten Hitchcocks zu ihrer Umwelt haben. Fragt sich nur, wer da gestört ist."

Ulrich von Berg: Torn Curtain. In: Alfred Hitchcock. Lars-Olav Beier / Georg Seeßlen (Hg.)


1. - "Torn Curtain" gilt meines Erachtens zu Unrecht als (verhältnismäßig) schlechter Hitchcock-Film.
2. - Er zeichnet das wahrscheinlich groteskeste DDR-Bild der Filmgeschichte.
3. - Ist er dabei unnachahmlich vergnüglich bis trashig, besonders wenn russische Banditen Leipziger Landstraßen unsicher machen.
4. - Hat der Film einige der besten, wenn auch ganz und gar sinnlosesten Suspense-Momente im gesamten Hitchcock-Werk.
5. - Ist obiger Text eine Freudenlektüre vom Feinsten, nicht weil ich ihm inhaltlich sonderlich zustimmen würde, aber weil er pointiert diffuse Rezeptionsmuster ("traumwandlerisch", "unwirklich" und andere aussagelose Adjektive zur Filmbeschreibung) aufs Korn nimmt.


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Kommentare:

  1. 1. Diese Meinung resultiert aus der Rezeptionshaltung der sechziger Jahre und hat sich unterschwellig bis heute gehalten. Damals schien TORN CURTAIN dem Publikum durchaus berechtigt als Zeichen einer gewissen Angestaubtheit Hitchcocks. Zur Entstehungszeit hatte er sich gegen eine Reihe von modernen Agentenfilmen zu behaupten, die allesamt modernere Ansätze zeigten. Der Film benutzt ein weiteres Mal - vielleicht das eine Mal zu oft - uralte Versatzstücke aus den Fimlen der dreißiger Jahre und versucht sie mit Mustern zu aktualisieren, die Hitchcock neu aufgeschnappt hatte. Ludwig Donath als Professer scheint direkt einem UFA-Film der dreißiger Jahre entsprungen. Trotzdem gelingt Hitchcock hier erstmals nicht, was ihm sonst spielerisch immer gelang, die nahtlose Anreicherung seines Bildkosmos durch neue und moderne Elemente. Hitchcock war bis dahin dreißig Jahre künstlerisch gewachsen (eine unfassbare Leistung), ab hier zeigten sich Grenzen seiner Wandlungs- und Aufnahmefähigkeit.

    2. Nach dem mäßigen Erfolg von TORN CURTAIN hat er aus Einsicht einerseits und leider aus falsch verstandenem Ehrgeiz andererseits genau diese alten Versatzstücke ausgemustert und gewaltsam versucht, den "großen" und "modernen" Agententhriller zu drehen. Raus kam TOPAZ, ebenfalls ein Zeichen, dass er Mühe hatte, die ästhetischen Impulse der sechziger Jahre wirklich in seinen Kosmos zu integrieren.

    3. Das DDR-Bild ist nicht mehr oder weniger trashig als die Bilder, die Hitchcock früher aus Deutschland und der Schweiz (und anderen fernen Ländern) geliefert hat. Wirklich ausgekannt hat er sich nur in London, etwas, was man als Nachhall noch in FRENZY spürt. Trotzdem ist die DDR-Imagination natürlich sehr vergnüglich, ganz recht. Und: Ich mag TORN CURTAIN, auch wenn dessen "Unwirklichkeit" (sic!) vermutlich zum Teil fatale, ja tragische Gründe hat.

    4. Aus heutiger Sicht kann man diese Reaktionsmuster der sechziger Jahre beiseite schieben und den Film im Werkkontext neu und anders sehen. Auch wahr.

    5. Bernard Herrmanns Musik fehlt trotzdem. Robert Burks Kamera auch.

    6. Felmy, Kieling und Strack sind gut.

    7. Newman und Andrews sind niemals ein Paar. NIE.

    8. NIE, NIE, NIE :)

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  2. Nun muß ich mich hier doch auch mal anmelden. ;-)

    Das sehe ich sehr ähnlich wie du. "Torn Curtain" ist mitnichten die Katastrophe, zu der er gemacht wird, sondern immer noch solides Mittelmaß, das ordentlich Spaß machen kann. Mittlerweile schätze ich ihn auch eher wegen seiner Trashigkeit, die mitunter in durchaus spannende Szenen umschlagen kann (die Fahrt mit dem "Geisterbus"). Zudem ist Hitchcocks Bild von der DDR vielleicht nicht wirklichkeitsgetreu, aber doch ein äußerst amüsantes und kreatives.

    Und Ulrich von Bergs Verriß ist eine der herrlichsten Kritiken, die ich zu einem von Hitchcocks Filmen gelesen habe.

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  3. @Sieben Berge:

    1. Alles richtig. Professor Lind scheint mir direkt der Feuerzangenbowle entsprungen. Dennoch ist die Szene an der Tafel köstlich. Wie kann man den McGuffin (Formel) nur so derart schwachsinnig zum Anti-Klimax führen? Dafür liebe ich Hitchcock, dass er sich für nichts zu schade (und kein doofer Perfektionist) ist.

    2. Hitchcocks generelle Neigung zur wüsten Darstellung Europas macht sein DDR-Bild aber natürlich auch nicht im Geringsten weniger wüst. :)

    3. Neben Herrmanns Musik und Burks Kamera fehlt auch Tomasinis Schnitt. Mit John Addisons ersetztem Gebrauchsmusik-Score kann ich aber ganz gut leben. Herrmanns Musik ist ja auf CD erschienen.

    4. Newman und Andrews fühlen sich in Hitchcocks Welt sowieso wie totale Fremdkörper an. Er und sein leicht angestrengtes Spiel (method acting, ich kotze), sie und die permanente Erwartung, gleich ganz Ost-Berlin in Grund und Boden zu trällern. Was ich aber am unzureichenden Spiel beider mag: Sie gehen eigentlich schon als Wissenschaftler durch.

    5. Was hat sich Hitchcock eigentlich bei der Figur von Lila Kedrova gedacht? Das habe ich noch nie verstanden.

    Übrigens war TORN CURTAIN doch gar kein finanzieller Misserfolg?


    @Stefan M:

    Willkommen im Club. :)

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  4. Ich mag den Film sehr. Die Prügelei im Landhaus, das Erarbeiten der Formel, die stumme Offenbarung auf dem Hügel, die Busfahrt - alles super.

    Und ich glaube auch immer noch, dass das DDR-Bild stimmig ist. So.

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  5. Ja, es ist sehr stimmig. Newman wird mit einem BMW zum Landhaus eskortiert, die Matte-Painting-Hintergründe bestehen meist aus Trümmern und Ruinen und eine Fahrt von Leipzig nach Berlin erfolgt vor dem pittoresken Hintergrund südkalifornischer Hügel. :P

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  6. Mein Reden. Genau so war's.

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  7. Ja, die Strafe für unsere sündige Gottlosigkeit und Ignoranz anderen Bundesländern gegenüber.

    Habe übrigens vor sieben Tagen Sprossen gegessen, vor sechs Tagen hat man es uns dann erzählt, und dass es zehn Tage dauern kann, bis man was merkt.

    Joy to the world.

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  8. Naja, fühle mich noch verdächtig normal.

    Back to Hitch.

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  9. Gibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen.

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  10. Okay, dann zurück zu mir und Hamburg. :)

    Lebt man in Berlin auch in Angst vor uns? Die englischen Ruderer haben uns ja gerade abgesagt, und einer Schulklasse wurde die Klassenreise nach Ungarn verwehrt. Man fühlt sich ein bisschen pestkrank.

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  11. Ich begrüße jegliche Sanktionierung von Fischköppen. :D

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  12. Sanktioniert for being awesome and not having it nötig to be portrayed as pittoreske Kalifornien-Hügel, durchsetzt mit "auferstanden-aus"-Ruinen: Schuldig, in der Tat. Da bleibt man doch gerne unter sich. Wir wollen eigentlich von unseren Bakterien auch gar nichts abgeben, aber wenn ständig Touris kommen...

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  13. Man munkelt aber, dass sowohl dein älterer und gutaussehender Bruder, sowie deine Frau Mama ebenfalls gebürtige Fischköppe sind.

    :D

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  14. von Bergs Assoziation des Professors als eine Mischung aus Opa Hoppenstedt und Catweazle trifft's aber auch schon ganz gut. ;-)

    @Sieben Berge:

    Diese "Unwirklichkeit" hat sich ja bereits in Hitchcocks Vorgänger "Marnie" wegen der unglaublich miesen Rückpros wie ein roter Faden durch den Film gezogen, mit dem Unterschied, daß Hitchcock hier einen ernstzunehmenden Agententhriller liefern will, der sich phasenweise aufgrund fehlender Kenntnisse der DDR von Seiten des Regisseurs und des Zurückgreifens auf die jahrelang erfolgreichen Methoden selbst ein Bein stellt, weshalb der Zuschauer mit ungläubigem Staunen über so viel Blödsinn vor dem Bildschirm sitzt, und dort zwei äußerst interessante Charakterstudien erzählt (eine kleptomanisch veranlagte und prüde Diebin mit Kindheitstrauma und ihr "Retter", der selbst mindestens einen Hau weg hat in seinen ständigen Gefühlsschwankungen zwischen Einfühlsamkeit und verbaler sowie körperlicher Gewalt), zu denen der unwirkliche Touch wie die Faust aufs Auge paßt.

    Und ich bleibe dabei: Von Hitchcocks Filmen, die ich gesehen habe, ist "Torn Curtain" zweifelsohne im Gesamtbild der trashigste, sprich: unfreiwillig komischste.

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  15. 5. - Ist obiger Text eine Freudenlektüre vom Feinsten, nicht weil ich ihm inhaltlich sonderlich zustimmen würde, aber weil er pointiert diffuse Rezeptionsmuster ("traumwandlerisch", "unwirklich" und andere aussagelose Adjektive zur Filmbeschreibung) aufs Korn nimmt.

    Damit hast du unsere Freundschaft endgültig gekündigt.

    Um nicht noch zu erwähnen, dass ich ewiges Wiederkäuen der immer gleichen maßstäblichen, miefigen und überkommenen Rezeptionsmuster und Affirmation antiker, grenzenlos konservativer Urteile mindestens ebenso aussagelos finde - da ich daran nichts Individuelles finden kann, kein Weiterdenken, keine Suche, keine Ambivalenz, keine Widersprüche, aus denen etwas Neues entstehen kann.

    Aber erteilt euch nur kumpelige Schulterschläge, du und Fastmachine. Den größeren Spaß an Hitchcocks Filmen habe aber dann wohl zweifellos ich. Und abgesehen davon, dass ich evtl. streitbarerweise TORN CURTAIN zu meinen liebsten Hitchcocks zähle (allerdings nie auf die Idee käme, ihn mit Adjektiven wie "unwirklich" oder "traumwandlerisch" zu belegen) scheint es mir grotesk, I CONFESS und THE WRONG MAN (zufälligerweise auch Favoriten von mir) auf so grobschlächtige Weise zu "Machwerken" zu erklären. Letztlich könnte man diesen elenden Text mit etwas Abstraktionsarbeit aber auch ohne Weiteres gegen Menschen wie euch verwenden, die mit einem so vielschichten Oeuvre wie Hitchcocks nichts Besseres anzufangen wissen, als immer und immer wieder nachzubrabbeln, wie groß VERTIGO und PSYCHO und wie mißglückt MARNIE oder TOPAS sind. Mein Gott, seid ihr langweilig. Aber das Schlimmste ist tatsächlich, dass ihr eure Langweiligkeit so zelebriert. Aber ihr werdet mir sicherlich gleich vorhalten, dass ich das gleiche mit meiner Rezeptionsanarchie tue, von daher bin ich ohnehin machtlos. Und triftige Argumente dafür, warum TORN CURTAIN so toll ist, liefere ich euch erst recht nicht - dafür müsste ich einen Moment lang geistige Arbeit verrichten, die mir für Relikte wie euch zu kostbar ist.

    Salut.

    PS: Dieser Kommentar erfüllt sicherlich die Erwartungen, mit denen ihr meiner Reaktion entgegengefiebert habt. Sehr schade einerseits, aber andererseits dreht sich hier ja alles um die Befriedigung von Erwartungshaltungen, von daher ist das ganz adäquat.

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  16. Welche Erwartungen? Welche Reaktion, der "wir" (hö?) entgegengefiebert hätten? Realität? Zusammenhang? Wirklichkeitsbezug?

    Lieber McK, bitte werde wieder ein normaler Mensch, der zumindest mit seinen Zehenspitzen noch sowas wie einen Boden berührt und nicht seine Flügel(chen) ständig im Rezeptionsschangelhimmel der ach so missverstandenen Missionarsengel unterschlagener Filmkunst aufschlägt und damit grundlos und ungefragt einen Tornado künstlicher Entrüstung durchs friedvolle Land bläst. Ich hatte mit keiner Silbe dieses Postings an Dich gedacht. Pardon!

    Und TORN CURTAIN finde ich spitze, nicht nur im trashigen Sinne. Ebenso wie MARNIE. Darf ich das? Oder hast Du diese vom teuflischen Kanon böse vernachlässigten Bastarde nur für Dich und Deine einzig wahre, wenn auch aus unerfindlichen Gründen nicht (mit Worten unserer Sprache) artikulierbare Ultraverstehung allein gepachtet?

    Vielen Dank im Voraus,
    das Relikt (I)


    (Und noch mal weniger nett: Du kannst Deine vorpreschenden Lieblingsfilme ja gern so entdeckerisch und anders als der hiesige Filmpöbel - "wir" - auswählen und von mir aus auch mit allen Fantasiebegriffen dieser Welt belegen, statt sie einigermaßen nachvollziehbar auch anderen Filminteressierten nahe zu bringen, aber bitte verlange und erwarte nicht, dass alle das so tun und vor allem: maßregele und belehre nicht permanent jene, die einen anderen, ach so konventionellen, Weg als den deinigen gewählt haben. Schon gar nicht, wenn Du ihnen in mancher Hinsicht nicht das Wässerchen rüber reichen kannst, so wie Fastmachine, der sich nun wirklich alle Mühe gegeben hat, Deiner im Kern nichts außer unverschämten Ausfälle Herr zu werden.)

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  17. "...aber weil er pointiert diffuse Rezeptionsmuster ("traumwandlerisch", "unwirklich" und andere aussagelose Adjektive zur Filmbeschreibung) aufs Korn nimmt."

    Wenn du behauptest, nach all deinen einschlägigen Aussagen mir gegenüber dabei nicht an mich gedacht und eine dich unterhaltende Reaktion erwartet zu haben (was übrigens nicht nur von mir gemutmaßt wurde), dann lügst du. As simple as that. Tut mir leid, ich kann dir das nicht glauben, mach mir jetzt nicht den Heiland.:-)
    Außerdem hast du ja schon wieder die alte Schellackplatte vom gekränkten, usurpatorischen Rezeptionsmissionar abgespielt (keine Ahnung, in welchem Studio die aufgenommen wurde - klang aber schon immer ziemlich dissonant und schrill, vielleicht eine Delle im Presswerk?:-).
    Wie wär's denn mal mit was Neuem zur Abwechslung, beispielsweise es "besser" (laut dir) als ich zu machen und auch ausnahmsweise einmal meinen letzten Kommentar als eine generelle, "uneigennützige" Kritik zu lesen und nicht als Attacke (die er nicht war) oder Rechtfertigung (die er noch weniger war) im Kontext unseres privaten Rosenkrieges?:-) Es stecken einige eher allgemeine, weniger auf dich zugemünzte Aussagen in meinem ersten Post, aber um die hast du dich, wie so oft, nicht weiter geschert, stattdessen einfach auf Autopilot geschaltet. Hatte aber auch nichts anderes erwartet.:-) Und nein, das ärgert mich überhaupt nicht, es irritiert mich nur etwas. Man schreibt ja schließlich nicht nur zum Spaß.:-) Man guckt gewiß jedoch Filme unter anderem auch, um Spaß zu haben!:-) Es ist daher gewiß wunderschön, dass du TORN CURTAIN und MARNIE spitze findest, ich freue mich sehr für dich - da haben wir ja sogar was gemeinsam, toll!:-)

    Rechtfertigungs- oder Missionsgelüste hatte ich hier wirklich keine.:-) Und beim Verfassen des unverschämten Ausfalls - welche Empörung! Hinreißend! - in einem gewissen anderen Blog gewiß noch viel weniger!:-) Ein Missionar wird nicht unter Einsatz seines baren Lebens den Hades überqueren, ins Reich der toten Heiden!:-) Ich habe nur deinen Beitrag gelesen, hiernach den von Fastmachine und dann aus dem Stand beschlossen, mir einen Kommentar nicht ganz verkneifen zu können.:-) Natürlich wäre ich - oder etwa doch?! - nicht ich, wenn ich dieser Versuchung nicht mit impertinenter Grobheit erlegen wäre!:-) Wäre das hier ein Text zu PSYCHO mit einer seitenlangen, gewiß tendenziell redundanten Diskussion, hätte ich mich dazu sicherlich nicht herabgelassen.:-) Es musste schon TORN CURTAIN sein, um mich zu dieser Dummheit hinzureißen.:-)
    Nun fühle ich mich nackt, meiner Leibchen beraubt, meine Rundungen den gierigen Blicken der höfischen Lüstlinge hilflos ausgeliefert, kompromittiert! Wie konntest du mir das nur antun, du ungestümer kleiner Wüstling!:-)

    ...

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  18. ...

    Ich habe selbstverständlich rein gar nichts für mich gepachtet.:-) Worauf du diese Behauptung, abgesehen von meiner mitunter doch auffälligen Vehemenz, zu fußen gedenkst, würde mich doch sehr interessieren - diese marginalisierende Anmaßung (einen Ansatz pachten zu wollen) wird in aller Regel eher von den Hütern der Norm begangen, zu denen ich, was auch immer man mir sonst vorwerfen kann, in der hier diskutierten Hinsicht ganz sicher nicht gehöre.:-) Betrachte mich aber unbelangt auch weiterhin als traumwandlerischen und unwirklichen Choleriker, das ist gewiß viel angenehmer und kompakter, spart Nerven, vermeidet Falten und versüßt den Sommer.:-)
    Ich bin dir deswegen auch nicht böse, bestimmt nicht!:-) Du darfst das nicht immer glauben, ganz schlimm ist das, geradezu krankhaft und gewiß nachteilig für das Seelenleben!:-) Ich habe doch Verständnis!:-) Habe mich damit abgefunden, so wie eine aufopferungsvolle Ehefrau sich mit dem Alkoholismus ihres gestrauchelten Gatten abfindet, aus Liebe und Hingabe, ganz ohne eine Gegenleistung zu erwarten.:-)
    Ich liebe dich, das weißt du doch!:-) Aber deine maßlosen Eifersuchtsattacken gehen wirklich zu weit! Es stimmt, ich kehre gerne und oft bei Frau Ultrarezeption ein, aber nie würde meine Wertschätzung ihrer restlos integren Person die Liebe zu dir, Liebster, übertreffen!:-) Wie kannst du nur so schlecht von mir denken, so treulos? Gewiß, mitunter erscheine ich mir selbst in meinen hausfräulichen Tagträumen als Punk-David im Kampf gegen den Kanon-Goliath - aber die Tristesse der angelaufenen Kino-Kochtöpfe in meiner Filmküche, meines Bügelschneidebretts und meines harten Besenstiels lässt mich mitunter durchs offene Fenster gleiten, in das Reich der verbotenen Sinnlichkeit und metaphysischen Versuchungen, hinter die sieben Berge zu den sieben Jungfrauen, die... ach, lassen wir lieber das mit den sieben Bergen.:-)

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  19. Wir haben übrigens herrlichstes Wetter... so perfekte 25°C.

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  20. Hier in Nürnberg ist es schwül, bewölkt und da ich ohnehin arbeiten muss...:-)

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  21. Meine letzte Sichtung liegt ja nun auch gerade einmal ein paar Wochen zurück, und wider Erwarten (die zeitgenössische Kritik hat den Film ja tatsächlich ebenso verhalten aufgenommen, wie einige aktuellere Texte) hatte ich damals ebenfalls viel Spaß mit Hitchs DDR-Trip. Irgendwie erschien es mir zwar unangemessen, wenn nicht sogar ein bisschen fahrlässig, all die kruden Rückgriffe auf Cold-War-Feindbilder und Diktatur-Klischees usw. auszublenden und unerwähnt zu lassen, bzw. soweit zu vertrashen, dass ein Konsum auch ohne ausschlagende Ideologie-Antennen ohne Probleme möglich war - aber das ich offensichtlich nicht der Einzige bin, der so vorgegangen ist, beruhigt mein Gewissen ungemein :P

    Und Julie Andrews (<3) geht sowieso immer :)

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  22. Sam Spade13/6/11 13:00

    Ein großer Fan von TORN CURTAIn bin ich ehrlich gesagt auch nicht, aber dafür will ich hier mal eine Lanze für den von Herrn von Berg geschmähten THE WRONG Man brechen, den finde ich nämlich ganz ausgezeichnet, und zwar deshalb, weil Hitchcock einerseits beim Ablauf der Ereignisse teilweise sehr dicht an der wirklichen Begebenheit geblieben ist (der Satz des wahren Täters bei seiner Verhaftung war wohl echt, um ein Beispiel zu nennen), während die visuelle Gestaltung des Films durchaus stilisiert ist (das Kreisen oder eher schon Taumeln der Kamera in der Zelle...). Die meisten Regisseure hätten entweder auf eine zugespitzte Dramaturgie der Ereignisse gesetzt oder im Gegenteil einen dokumentarischen visuellen Stil gewählt, aber bestimmt nicht Hitchcocks Herangehensweise - und gerade die gefällt mir. Leider hat sich der Meister selbst von verschiedenen Leuten einreden lassen, THE WRONG MAN wäre ein mißlungener Film.
    Was I CONFESS betrifft, um auch auf den noch einzugehen, so ist mir da das Drehbuch einfach zu konstriert gewesen, und das ist schade, denn dadurch konnte sich die beträchtliche Kraft der packenden Grundkonstellation (Priester wird verdächtigt, ist aber durch das Beichtgeheimnis gebunden) nicht so richtig entfalten.
    Auf größere Diskussionen (mit wem auch immer) über die beiden Filme würde ich mich jetzt übrigens nicht so gern einlassen, einfach aus dem Grund, weil es so einige Jahre her ist, daß ich sie gesehen habe, und daher schnell an die Grenzen meiner Erinnerung stieße.

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  23. "The Wrong Man" ist auch einer meiner Hitchcock-Favoriten, den ich erst vor kurzem wiederentdeckt habe. Für mich sein deprimierendster und ergreifendster Film, dem zwar mit der Texttafel am Ende ein Happy End aufgedrückt werden soll, davor aber teilweise derart herzzereißend ist in der Zeichnung des Schicksals der armen Frau Balestrero (Vera Miles), daß es weh tut. Auch der Gang des unschuldig verdächtigten Manny (Henry Fonda) in seine Untersuchungshaftzelle ist beklemmend in Szene gesetzt. Zeitlich eingeordnet außerdem überraschend der schwere Bierernst der Inszenierung, durch nichts aufgelockert, und das nach den locker-flockigen "To Catch a Thief" und "Trouble With Harry" und vor seinem nächsten düsteren Film, der "Vertigo" werden sollte.

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