Oktober 28, 2010

Kino: RED

Altes Eisen rostet nicht. Sylvester Stallone und seine "Expendables" haben jüngst demonstriert, dass auch alteingesessene Haudegen noch kräftig auf den Putz hauen können. Warum also nicht gleich eine ganze Garde ehemaliger CIA-Agenten aus dem Ruhestand holen und den jungen Kollegen beweisen, wie man noch so richtig alles kurz und klein ballern kann. „Älter, härter, besser“, so will es der deutsche Titel. Die DC-Comicverfilmung "RED" – "retired, extremely dangerous" – versammelt Bruce Willis, Hellen Mirren, John Malkovich und Morgan Freeman als pensionierte Ex-Killer zu einer augenzwinkernden Actionkomödie. Im Ruhestand und extrem gefährlich.

Punkt sechs Uhr morgens klingelt der Wecker. Dann steht Frank Moses (Willis) auf, macht ein paar Liegestützen, genießt sein Frühstück und telefoniert mit seinem unbekannten Schwarm Sarah (Mary-Louise Parker). Dann liest er Kitschromane, die so Titel tragen wie "Love's Savage Secret". Auf seine alten Tage führt der einstige Top-Agent der CIA also ein geregeltes Leben im Vorort, das durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Zumindest so lange nicht, bis sein Haus eines Abends von Profikillern in Schutt und Asche gelegt wird, die es wohl aus unerklärlichen Gründen auf sein harmonisches Leben im Ruhestand abgesehen haben.


Weil Frank berechtigterweise davon ausgeht, dass auch seine Telefonflamme Sarah in Gefahr ist, kidnappt er sie zu ihrem eigenen Schutz und wendet sich an seine ehemaligen Kollegen Joe (Freeman), Marvin (Malkovich) und schließlich Victoria (Mirren). Gemeinsam macht sich die Ex-Agentenmeute auf den Weg, um einen alten Auftrag zu vollenden – sie wollen den Noch-Vizepräsidenten töten, ehe er ins Weiße Haus einzieht. Dafür müssen sie allerdings gegen William Cooper (Karl Urban) und somit ihren einstigen Arbeitgeber vorgehen: Die CIA.

Mit der Comicvorlage von Warren Ellis hat
"RED" nur noch wenig gemein, Hollywood hat den Stoff nun deutlich massenkompatibler als familienfreundlichen Actionspaß fürs Kino adaptiert. Der Stuttgarter Regisseur Robert Schwentke zeigt sich allerdings ambitioniert in der Umsetzung: Nach seinem mitteldoofen "Flightplan" und dem megadoofen "Die Frau des Zeitreisenden" ist "RED" ein unauffällig, aber im besten Sinne solide inszenierter Ensemble-Spaß nach Baukastenprinzip. Der Film geht kein Risiko ein und macht demnach nicht viel falsch. Reines Unterhaltungskino auf gutem Niveau.

Die Besetzung ist Trumpf. John Malkovich als unberechenbarer CIA-Veteran? Gekauft. Helen Mirren mit fetter Knarre auf Zack? Wurde auch mal Zeit. Und dazu Auftritte von Hollywoodlegende Ernest Borgnine (93 Jahre alt!) oder Richard Dreyfuss in einer amüsanten Nebenrolle – das funktioniert einfach. Auf seine gut aufgelegten Stars kann sich „RED“ zu jeder Zeit verlassen, sie haben und machen Spaß, selbst wenn das Drehbuch es nicht immer gut mit ihnen meint. Morgan Freeman beispielsweise wird irgendwann einfach aus der Handlung gekickt, und das nicht sonderlich würdevoll. Nun ja.


Die Actionszenen hat Schwentke – bzw. das Second-Unit-Team, so genau weiß man das ja heutzutage nicht mehr – erstaunlich gut im Griff, zumal der Film ein ausgeglichenes Maß findet zwischen klassischen Shoot-Outs und ironisch untersetztem Actionquatsch, der irgendwie ziemlich drüber geht. Probleme ergeben sich da eher zwischen den Rambazamba-Momenten, in denen mitunter viel zu ausgedehnt geschwätzige Dialoge den Film einiges an Tempo kosten. Zwar setzt "RED" offenbar bewusst auf ein gemächlicheres Timing, aber auch einer Komödie über in die Jahre gekommene CIA-Rentner kann etwas inszenatorischer Drive nicht schaden.

"RED"
ist unterm Strich deshalb ein Film der verschenkten Möglichkeiten. Ihm fehlen wirkliche Höhepunkte und denkwürdige Momente, vielleicht auch ein ganz besonderer Besetzungscoup im sonst wunderbar launigen Cast, jemand vielleicht, den man überraschenderweise tatsächlich aus dem (Schauspiel)Ruhestand geholt hätte (Gene Hackman?). Somit bleiben die vielen Nettigkeiten des Films letztlich auch nur solche: Nettigkeiten. In der Geschichte schlummert mehr Potenzial als eine gediegene Action-Comedy. Und dass hier in jeder Hinsicht mehr möglich gewesen wäre, bestätigt dann spätestens das etwas schnarchige Finale.


50%
- erschienen bei: gamona

Kommentare:

  1. Klingt doch gar nicht sooo schlecht. Wieder 1 1/2h die meine Tristesse füllen. ^^

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  2. Aus dir werd ich echt in 99 von 100 Fällen nicht schlau. "Die Frau des Zeitreisenden" = megadoof, aber dieser Müll hier - für mich locker einer der 5 schlechtesten Filme des Jahres - ist dann Schwentkes Bester, oder wie? Hach, Rajko, uns bleibt immerhin noch Paris, äh "Clash of the Titans"...

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  3. @Dude:

    Guck' lieber richtig gute Filme. Die Filmgeschichte ist reichhaltig, das aktuelle Kinoangebot leider nicht im geringsten.

    @Flo:

    Och, 99 ist doch okay, so lange es immer noch einen Ausnahmefall gibt. :)

    Ja, Schwentkes bester Film bisher. Heißt aber nicht viel.

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  4. Ich fand den Film interessant, bis ich bemerkte, dass Schwentke Regie führt - aber vielleicht tu ich ihm auch unrecht, schließlich kenne ich nur "Tattoo" und "Flightplan". Naja, schade um die schöne Besetzung.

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  5. Sowas wie "Gefahr und Begierde" am Sonntag 0:05 Uhr auf ARD z.B.?

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  6. Hm, der ist leider auch nicht so super, zumindest für einen Ang-Lee-Film (siehe Kritik). Aber der Score ist mega!

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  7. Desplat macht ja des Öfteren gelungene Soundtracks.

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  8. Mittlerweile ist der 'ne sichere Bank.

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  9. Naja, als neuer Standard-Hollywood-Komponist wäre er immer noch erträglicher als Hans Zimmer. ;-)

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  10. Ich meinte das auch ernst, ich finde Desplat super.

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  11. Ich auch, ich auch. Das "erträglicher" sollte seine Kompositionen nicht schlecht machen, er ist einfach WIRKLICH erträglicher als der Hans-Zimmer-Einheitsbrei. ^^

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