August 06, 2008

Kino: MUMMY: TOMB OF THE DRAGON EMPEROR

Nach langjähriger Pause macht Universal wieder Kasse mit ihrem liebsten und ältesten aller phantastischen Urgeschöpfe, der Leiche in Bandagen, der lebenden toten Konserve, der archetypischen Mumie. Nachdem Stephen Sommers den Mythos Ende der 90er Jahre nicht wiederaufleben, sondern für einen wüsten Mix aus Fantasy- und Abenteuer-Zotteligkeiten umdichten ließ, darf nun Rob Cohen den beiden Box- Office-Abräumern einen dritten Erfolg nachschieben.

Dessen Talentfreiheit ließ das Publikum ja erstaunlich lang unberührt, immerhin hatte der Regisseur von "The Fast and the Furious" – der sich selbst übrigens als New Hollywood- Veteran bezeichnet (!) – mehr Kinohits, als es reiner Menschenverstand erlauben dürfte. 2005 schließlich erhielt der Actionfilmer dann die überfällige Quittung: "Stealth" wurde zum Flop-Gigant beinahe in "Heaven’s Gate"-Dimension. Cohens Zwangsurlaub scheint allerdings erkenntnisfrei verlaufen zu sein, die dritte Mumie und ihr Drachen- kaisergrabmal enttäuscht selbst geringfügige Erwartungen, funktioniert weder als effektvoll-effektive Achterbahnfahrt wie die beiden Vorläufer, noch als vergnügliche Retro- Monsterrevue mit harmlosen Gruseleinlagen und schaurigen Settings.

Was sich in Sommers' Spektakeln bei aller verspielten Abenteuerwut schon unangenehm bemerkbar machte, nämlich der Verzicht auf ursprüngliche Horrorelemente, also das offenkundig kommerzielle Kalkül, wird bei Cohen noch stärker forciert: Die Mumie selbst ist gar nicht mal mehr eine Mumie, also ein einbalsamierter Körper in ägyptischer Tradition, sondern ein simpel per Hokuspokus erweckter chinesischer Kaiser, der wegen seiner Grausamkeit einst verflucht wurde. Der Film setzt den Trend der ersten Teile, das Monster nur als besseren Aufhänger für eine letztlich an die Indiana Jones-Filme angelehnte Schatzsuche samt actionreicher Hindernisse zu nutzen, weiter fort und funktioniert (bzw. funktioniert eben nicht) nur noch als lautstarkes Effekt- brimborium, das bemüht Situationskomik und One-Liner mit Fantasy- und Abenteuereinlagen vereinbaren möchte.

Doch der Film ist viel zu schablonenhaft, erneut viel zu sehr nach Schema F gestrickt. Wie im letzten "Indiana Jones" kämpfen sich nun Papa Brendan Fraser und Mutter Maria Bello (die zum Rachel Weisz-Ersatz degradiert wurde) mitsamt spätpubertärem Sohnemann durch allerlei rasante Gefahren, doch anders als bei Spielbergs jüngster Franchise- Wiedererweckung sind die Witze hier zu hölzern und kindisch, die Actionszenen zu überladen, erschreckend schlecht getrickst und ideenlos inszeniert (schlechter kann man Verfolgungsjagden nicht schneiden), und die Geschichte viel zu beliebig, abgestanden und uninteressant. Das lieblose und völlig unmotivierte Geschehen wird mit zusammengestückelter Musik von Randy Edelman zugekleistert, und Jet Li als digitale Mumie hat leider überhaupt nichts zu tun (wirklich: überhaupt nichts), während Michelle Yeoh sich dem uninspirierten Type-Casting unterzuordnen und demnach ebenfalls nichts zu tun hat. Zuletzt liefern sich die beiden dann übrigens auch noch einen unwürdigen Schwertkampf – wahrlich bemerkenswert, wie man zwei der größten Kung-Fu-Stars so ungeniert verheizen kann.


30% - erschienen bei: DAS MANIFEST

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