Bislang fand ich "Funny Games" immer zwiespältig. Nach nochmaligem Sehen finde ich ihn mittlerweile einfach nur noch scheiße. Michael Hanekes Film ist aufgeblasene Egomastur- bation, höchst fahrlässig, kurzsichtig und falsch. Er behauptet Dinge, macht auf wichtig, wo andere schon weit übers Fragestellen hinauskamen. So verachtenswert ich "A Clock- work Orange" auch finde, Kubrick hat sich mit medial codierter Gewalt schon über ein Vierteljahrhundert vorher beschäftigt, und das durchaus vielschichtiger. Beide eint das ungeheure Ausmaß an Prätention, vielleicht ist es auch kein Zufall, dass Hanekes Psychopathen in ihrer Aufmachung ein wenig Malcolm McDowell-like daherkommen. Was "Funny Games" unerträglich macht, ist nicht seine Intensität, nicht seine kompromisslose Härte, nicht das ganze Brimborium, das er aufzieht, mit dem er schocken möchte, mit dem er Gewalt als schlicht undarstellbar ("nicht konsumierbar") abzustrafen versucht. Vielmehr ist es diese Selbstgerechtigkeit, diese Gefälligkeit Hanekes, mit der er meint, (Medien-)Gewalt unheimlich metaphysisch und reflexiv anzupacken, die den Film so ätzend und penetrant macht. Wie schon in "Bennys Video" verteufelt Haneke alles, was seinen kleinbürgerlichen Radius zu übersteigen droht (Heavy Metal = böse, und überhaupt: das Fernsehen ist doch schuld!), hebt den Zeigefinger hier und schwingt die Moralkeule dort, und immer geht es um die böse Gewalt, die er – und das ist weiterhin sein Denkfehler – nicht trennen mag zwischen realer und medialer Ausprägung. Sein aufgesetzter Killer-Monolog am Ende verdeutlicht das noch einmal, falls man es bis dato trotz ständiger Publikumsinteraktion des Mörders (ja, er grinst immer wieder in die Kamera, spult die Handlung sogar zurück – wie findig!) nicht kapiert haben sollte, wenn es heißt, dass Fiktion und Realität ja irgendwo doch das gleiche seien. Das ist natürlich berechenbar, vor allem aber ist es nicht richtig, es ist sogar so sehr falsch, dass Haneke mit diesem missverstandenen Film den eigentlichen gefährlichen Beitrag zur Mediengewalt liefert. Und dabei ist das nicht einmal ein Film, sondern nur eine ekelhafte Versuchsanordnung.30%


Hmm, ich glaube, zusammen mit Boll gehört Hanke zu den kontroversesten deutschsprachigen Regisseuren - entweder man mag ihn (und seine Filme) oder man hasst ihn. Deine Kritik kann ich durchaus nachvollziehen, das ist bei CACHÉ (der einzige andere Haneke, den ich kenne) ja genau so.
AntwortenLöschenDennoch kann ich mir nicht helfen, als FUNNY GAMES (und größtenteils auch CAHCHÉ) ob ihrer Intensität zu mögen. Aber weil Du den Heavy Metal erwähntest: Das ist wirklich selten dämlich und einfallslos, da hast Du definitiv Recht.
Weißt Du zufällig, wie Hanke sich in Interview u.ä. gibt? Ist er da ein arrogantes Ar***loch oder eher der Intellektuelle?
Na da fielen mir jetzt noch einige mehr ein, z.B. Schlingensief. ;)
AntwortenLöschenIch glaube ich weiß schon, warum ich um CACHÉ bislang 'nen großen Bogen gemacht habe (Binoche *würg*), kenne neben FUNNY und BENNY auch nur noch DAS SCHLOSS.
Weißt Du zufällig, wie Hanke sich in Interview u.ä. gibt? Ist er da ein arrogantes Ar***loch oder eher der Intellektuelle?
Definitiv beides. Schließt sich doch nicht aus. ;)
Würde jetzt mal behaupten, dass der Heavy Metal einfach wegen seiner Wirkung genommen wurde, ist ja ein gänzlich anderes Musikgenre als Classic, das meist ruhig und geordnet daher kommt, wie das Leben der Farbers und dann als Gegensatz dazu der aggressive, unkontrollierbare Heavy Metal. Da gleich zu asoziieren, dass Haneke Heavy Metal als Böse abstraft, naja.
AntwortenLöschenDefinitiv beides. Schließt sich doch nicht aus. ;)
AntwortenLöschenNein, definitiv nicht. :))
CACHÉ kannst Dir bei Deiner Haltung ggü. Haneke wirklich mehr als sparen... ;)
Ihr habt ja beide auch schon das 1:1-Remake gesehen - gibt es wirklich keine einzige Änderung?
AntwortenLöschenKeinen wichsenden Norman Bates oder sowas? ;)
Nein, KEINEN (oder, Rudi?). :D
AntwortenLöschenGut, dann kann ich mir das nächste Woche echt schenken.
AntwortenLöschenWas ist mit Ulrich Seidl? Aber Boll in einem Atemzug mit Haneke zu nennen ,dass finde ich schon mehr als mutig! :-)
AntwortenLöschenIch stehe dazu, Funny Games ist grandios genauso wie Caché oder die Klavierspielerin, aber Haneke hat auch Filme wie Wolfzeit auf uns losgelassen, dafür gehört er heute noch bestraft!
Mit Seidl kenne ich mich (noch) nicht genügend aus.
AntwortenLöschenhört sich so an, als wenn der typ zuviel sachen von Neil Postman gelesen hat ;)
AntwortenLöschengibt es wirklich keine einzige Änderung?
AntwortenLöschenDoch, eine, Haneke hat eine Szene etwas gekürzt, nicht vom Inhalt, sondern der Laufzeit her. Ansonsten identisch die Teile.
vollste Zustimmung zum Review. Der Boll Vergleich hinkt zwar schon, aber lieber guck ich mir noch ein Dutzend Mal "Alone in the Dark" an, das wenigstens nicht so verlogen wie Hanekes Scheiss.
AntwortenLöschenNur wieder ein Beweis dafür, dass Rajko mit provokanten Filmen nichts anfangen kann. Wüsste zumindest auf den Schlag nicht einen provokanten Film, den er mag. ;-)
AntwortenLöschenDas hat schon N0NAMe-Qualitäten! Der hat den Film damals ähnlich banal verrissen und alle haben sich darüber lustig gemacht! ;) ;) ;)
Damit machst du dir hier aber offenbar keine Freunde, Hankey.
AntwortenLöschenAußerdem: Was heißt schon provokant? Wenn Provokation wie im Falle von FUNNY GAMES billige Polemik und intellektuelles Getue als Kunstfilm getarnt bedeutet - dann hast du Recht, dann mag ich keine provokanten Filme. ;)
Wieso? Außer j.m.k. stimmt Dir hier doch keiner weiter zu, zumindest nicht wirklich! ;-)
AntwortenLöschenUnd Hanekes "Funny Games" ist alles andere als billige Polemik oder intellektuelles Getue! Und (auch wenn ich mich in Deinen Augen jetzt wieder hinter anderen verstecke), aber ließ Dir einfach nur mal die Kritik von Sarge (Apollon), (Ausnahmsweise mal) die Kritik von "Der Mann mit dem Plan" oder den Beitrag von Jekubzik bei der Filmzentrale durch! Die Drei beschreiben den Film nur zu gut und sind alle Drei keine Möchtegernkritiker!
Aber egal was immer auch als provokanter Film gilt, du scheinst damit nichts anfangen zu können. "Irreversibel" etc. haben bei Dir ja auch keine Chance. Oder nenne mir doch mal einen Film, der als Provokation gilt und Dir gefällt. (Und komme mir da jetzt nicht mit Michael Moore! ;-))
@Mr.Vega: Was kennst du den von Seidl
AntwortenLöschen@Hankey:
AntwortenLöschenDu legst dir das aber auch immer zurecht wie du magst, mal halten die imdb-Bewertungen her, dann wieder Reviews von Leuten, die du sonst ablehnst. Steh' doch einfahc mal selbst zu. ;)
Sarge hat eh keinen Plan (wenn er das hier liest, ist er schwul), Der Mann mit dem Plan wiederum findet doch alles toll, was auf sich selbst als Kinopropdukt verweist (Godard, Klopf Klopf), und zum Thema Filmzentrale: da ziehe ich die zweite Kritik vor, die es dort zu lesen gibt.
@spidy:
Erst HUNDSTAGE.
Lol, ich Schwuchtel ich, naja, trau mich jetzt nicht, den doch schon etwas älteren Text durchzulesen, zu "Funny Games" stehe ich aber noch. Man kann den Film so lesen wie du, wenn man ihn denn so lesen will. Man kann Selbstreflexion gut finden oder eben nicht. Man kann den Weg gegen die Konvention (lange Einstellungen, deux ex machina usw.) loben oder als Prätention abtun... Hankey, wir sind eben die Optimisten, die die Erfrischung in der Wüste preisen, während Rajko heult, dass sie ihn nass macht
AntwortenLöschenBesser als "Dörtes Dancing" ist "Funny Games " auf jeden Fall.
Ich stehe zu meiner Meinung! "Funny Games" ist dufte! Aber warum soll mich nicht hinter die Meinung derer stellen, die meine eigene vertreten? Machst du doch auch andauernd, sofern es denn überhaupt mal möglich, dass jemand (aus tumulder) Deine Meinung vertritt! ;-) ;-) ;-)
AntwortenLöschenDas ist in der Tat noch nicht viel.
AntwortenLöschenAch Sarge,
AntwortenLöschenjetzt verbrüderst du dich mit Hankey, ja? Und er ist vielleicht besser als DÖRTES DANCING, aber nicht halb so gruselig wie H3 - HALLOWEEN HORROR HOSTEL.
Hankey,
jetzt traue ich mich eh nichts mehr zu sagen, nun steht dir ja Sarge zur Seite. Und der ist schwul.
@spidy:
I know, aber ich finde es nebebei bemerkt dufte, wie endlich mit Van Sant abrechnest - von mir kommt da die Tage auch noch was. ;
@hankey
AntwortenLöschenDas scheint Dich ganz schön mit zu nehmen.
@hankey
AntwortenLöschenIch frage mich aber auch wie Du Kommentare liest. Wahrscheinlich so wie Du Filme schaust;). Und jetzt bin ich auch still, wollte eigentlich nur ein mein neues Firefox HTML Addon ausprobieren:D
@Mr.Vega: Da bin ich mal gespannt, aber der nächste Van Sant wird bestimmt wieder besser! *lol* *gggg* :-))))))
AntwortenLöschen@tumulder:
AntwortenLöschenWas fällt dir eigentlich ein, so oft gegen mich zu sein? Das hatte ich alles ja schon fast wieder vergessen. ;)
(ich will auch so ein add on!?)
@spidy:
Hm, ja klar, bestimmt. ;)
Man soll nie die Hoffnung aufgeben bzw. die Hoffnung stirbt zu letzt. :-)
AntwortenLöschen@rajko
AntwortenLöschenBitte schön
Super tumi, danke fürs Zeit verschwenden.
AntwortenLöschen;)
Supi, hab ich auch gleich besorgt :)
AntwortenLöschenaber hallo, was ist denn da los, gar nicht mitbekommen. Naja, auf Haneke wird ja grad überall draufgehauen aufgrund seines Remakes (welches ich mir wohl aber auch nicht mehr anschauen werde), von wegen er hätte da was verpasst usw...
AntwortenLöschenIch mag den 97er Film sehr und kann nichts Falsches drin erkennen, die gesamte Gewaltgeilheit einer gewissen Sorte von Filmen zu hinterfragen und kritisch zu beleuchten.
Naja, egal, ist doch schön wenn Filme kontrovers aufgenommen werden :D
Den Clockwork Orange Vergleich finde ich aber recht gelungen, Kubrick ist eben immer allen meilenweit voraus (mit den Palmen wedel (!) LOL) hehe.
Aber die reduzierte und kammerpsielartige Inszenierung Hanekes hat eben auch was ganz Besonderes.
Du stehst ja eh auf so Zeugs. ;)
AntwortenLöschen@ tumulder
AntwortenLöschenOkay, es scheint ja doch ab und an ein Fünckchen Hoffnung zu bestehen! ;)
@ Rajko
Du bist geschlagen, sieh es endlich ein! ;)
Vergiss es, Hankey, du gehörst nur mal wieder der Mehrheit an. Und die hat bekanntlich ja eh keine Ahnung.
AntwortenLöschenMitläufer, du. ;)
Vey :) Du sprichst mir aus der Seele. Ich fand schon Bennys Video nicht so dolle und Funny Games ist wirklich ziemlich ekelhafter Scheiß. Haneke hält sich für soviel besser als seine Zuschauer und nur weil er beim Inszenieren seiner Sadismen immer Tz Tz Tz macht wird daraus noch lange keine Kunst...
AntwortenLöschenRecht hat der Mann!
AntwortenLöschen@
AntwortenLöschenMr. VV
Da kann ja einer froh sein, dass Selbstüberschätzung nicht weh tut, was? ;)
ZwanghaftgegendenStromschwimmer, Du! ;)
Ja, wenn irgend jemand die böse Gewalt in Film, Fernsehen und Videospiel anprangert stehen die, die nach einfachen Erklärungen streben Spalier und applaudieren. Dabei übersehen sie, daß Hankes Funny Games genau an den von Dir trefflich formulierten Kritikpunkten scheitert. Wenn er glaubt fiktive Gewalt ist gleich zu setzen mit den realen Grausamkeiten, dann kann man ihm wohl nur eindimensionale Sichtweise attestieren.
AntwortenLöschenApplause, Applause.
AntwortenLöschenGrad zum ersten Mal gesehen?
Und ich Funny Games am gestrigen Abend;)
AntwortenLöschenAh ja, na am Donnerstag startet ja das Remake in den Kinos. LOL
AntwortenLöschenMan sollte vielleicht in einigen ausgewählten Kinos die Filmrollen austauschen und statt dessen Cannibal Holocaust zeigen. Nur um einmal zu zeigen auf welchem Niveau Haneke sich wirklich bewegt;)
AntwortenLöschenCANNIBAL HOLOCAUST versucht ja wenigstens noch etwas, auch wenn er damit ebenso baden geht. Und Deodato ist eben lediglich einfältig - Haneke auch noch intellektuell. ;)
AntwortenLöschenEher halbintellektuell und Deodato hat sich wenigstens für seinen Schrott nachträglich geschämt:D
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