Kurz vor dem Osterwochenende strahlt die ARD einen bereits vor zwei Jahren fertig gestellten Spielfilm über Kindesmissbrauch aus. Zwischen spekulativ und banal nähert dieser sich dem Thema vor allem von Seiten der absoluten Belanglosigkeit.
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März 28, 2013
März 27, 2013
Die perfekte Pose – Tarantino und der Personenkult
50 Jahre alt wird Quentin Tarantino heute. Ich gratuliere dem vielleicht bekanntesten Filmemacher der Welt mit Gleichgültigkeit, maßvoller (Ver-)Ehrung und losen Gedanken zum Tarantinoschen Personenkult.
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März 22, 2013
Zuletzt gesehen: THE DEVILS [DIE TEUFEL] (1971)
Noch immer ist er gleichermaßen faszinierend wie er auch wehmütig stimmt, der enorme inszenatorische Aufwand, mit dem Ken Russell sein rüdes zeitgeschichtliches Kirchen- und Sittengemälde in die An(n)alen der Filmgeschichte stieß. Von derart gigantischer Studiovertriebssystem-Exploitation, auf einem so hohen gestalterischen Niveau, bedingungslos grob und doch nicht unklug in seiner Radikalität, geradezu getrieben künstlerisch und ausufernd bitter, kann das Kino heute nur noch träumen. Die schlicht nicht zu bändigende orgiastische Wut der Russellschen Bilder hysterischer Penetration, sich Bahn brechender sexueller Kräfte und aberwitziger ritueller Tyrannei hat nichts von ihrer subversiven Schlagkraft eingebüßt: Nach wie vor ist jede reguläre Veröffentlichung der zentralen Rape-of-Jesus-Sequenz beraubt, noch immer ist dieser größte Zelluloid gewordene Anschlag auf die ästhetischen Grundpfeiler des Christentums dem Warner Bros. Entertainment ein Stein des Anstoßes. Als Manifest der Hemmungslosigkeit, durchaus auch plump in der Wahl der Mittel, und aber gleichfalls nachhaltig eindrucksvolle Popart-Orgie, die kirchliche Insignien konsequent auf ihre funktionalen Symbolismen von Unterdrückung, Folter und Unmenschlichkeit herunter bricht, ist "The Devils" auch über 40 Jahre nach seiner Veröffentlichung ein absonderliches, fassungslos-irres Vergnügen.
70%
März 20, 2013
Nicht alle waren Täter - und die, die es waren, wollten es natürlich nicht sein
Ausnahmweise mal ein verlinkter Fremdtext. Denn Ekkehard Knörer hat, auch als Reaktion auf die irritierend einseitige, völlig vernebelte positivistische hiesige Presse, einen ganz und gar richtigen Kommentar zur ZDF-History-Frechheit "Unsere Mütter, unsere Väter" geschrieben. Lesenswert und bitter nötig.
---> Weltmarktführer im Büßen
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Nicolas Cage, der pure Wahnsinn auf der Leinwand
Keiner dreht vor der Kamera so sehr frei, keiner ist dabei so gut wie er. Doch der in zahlreichen Videos zelebrierte Internetkult um ihn scheint bestenfalls ironisch gemeint, obwohl Nicolas Cage der unfassbarste Schauspieler unserer Zeit ist.
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März 19, 2013
Zuletzt gesehen: EYES OF LAURA MARS [DIE AUGEN DER LAURA MARS] (1978)
Eine Art Bewährungsprobe der jungen Frisörs-Produzenten-Karriere von Jon Peters, der für seinen zweiten Hollywood-Ride nach dem irrsinnigen Erfolg von "A Star Is Born" noch einmal Girlfriend Babsy Streisand den Titelsong schmettern ließ, wenn es auch mit der Hauptrolle nicht klappen wollte. Stattdessen nahte bekanntlich für Faye Dunaway der berüchtigte Anfang vom Ende, während "Eyes of Laura Mars" nach Michael Millers Rausschmiss von Peters' Erfüllungsgehilfe Irvin Kershner entsprechend reibungslos runtergedreht werden sollte. Durchgehend auf appealing gebürstet und geradezu umwerfend beim Blick auf die Liste aller Beteiligten (Produktion: Laura Ziskin, Drehbuch: John Carpenter, Setdesign: Gene Callahan, Schnitt: Michael Kahn, ja, sogar die Film-in-Film-Photos stammen von Helmut Newton), blicken die "Eyes of Laura Mars" vor allem in den Abgrund des New Yorker Modesündenpfuhls Ende der 70er Jahre. Der Film höhlt einem die Augäpfel aus, so Seventies ist er, und in Kombination mit einer skurrilen American-Giallo-Ästhetik garantiert sein funky Let's-all-chant-Stil allein auf Produktionsebene Köstlichkeiten am laufenden Band. Inhaltlich as banal as it gets, tonal weitgehend widersprüchlich und im ständigen Wechsel der atmosphärischen Ausrichtung ein typisches Produkt Petersscher Interventionen, ist der Film als Chic-Zeitdokument heute von unschätzbarem musealen Wert. Und Dunaway spielte sich Kraft changierenden Power-Actings schon mal für "Mommie Dearest" warm.
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Zuletzt gesehen: THE IRON ROSE [LA ROSE DE FER aka. DIE EISERNE ROSE] (1973)
Ein weiteres Puzzleteil im Rätsel um die allgemeine Rollin-Verehrung, wenn auch frei von dessen bekannten Leitmotiven, gar vordergründig übernatürlicher Elemente, das einfach gedachte Poesie aber dennoch mit allzu nahe liegenden atmosphärischen Bildern und bezopft-erotischem Frau-Mann-Mystizismus einmal mehr möglichst äquivok alias unpräzise herzustellen versucht. Von cinephilen Eurohorror-Aficionados wohlmöglich wieder mit Schlagworten wie "somnambul" geadelt, gleicht diese Dank üblicher Surrealismuseinsprengel um Deutungsfreiheit bemühte Liebesgeschichte weniger einem schauerlichen Traum in sakral-morbidem Ambiente, als sie vielmehr das schemenhafte, selbstredend stets nur angerissene Verhältnis der beiden Protagonisten in deklamatorischen Bildersaft tüncht. Kann man natürlich machen, ist auch nicht vollkommen frei von Reizen, hat in seiner dramaturgisch gelösten Stimmung, seinem auf farbliche Akzente abgestimmten Gebilde sogar zweifelsfrei eine sonderbare Ausdruckskraft (superber Soundtrack ebenfalls!), aber willkürlich, enervierend, unbeirrbar zäh ist das alles schon auch sehr. Ein Film, der ständig um dich kreist, statt dich einfach mal hart ran zu nehmen. Stark ungeil, trotz Grabkammerfick.
30%
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