April 06, 2007

Kino: LITTLE CHILDREN

Der Griff nach hysterischer Küchenpsychologie fällt seit Sam Mendes' "American Beauty" nicht mehr schwer: Die überspitzte Sezierung der US-amerikanischen Mittelschicht reifte unter Einsatz satirischer wie blanken Zynismus bedienender Erzählformen in den letzten Jahren zu einem dialektischen Prinzip heran, bei dem sich der sprichwörtlich unter den Teppich gekehrte Suburbia-Horror schließlich seinen Weg an die Oberfläche bahnen musste. Die schlagartig veräußerte Unterdrückung fand in diesem Film jedoch lediglich Ausdruck durch eine atonale Poesie des Verfalls und billige Konsenslacher, die die Figuren auf dünnes Eis beförderte und sie schlussendlich nur noch brutal einbrechen lassen konnte. Dass "American Beauty" seiner Plakativität zum Trotz ein stilbildender Status zugesprochen gehört, demonstrieren zahlreiche Fernsehserien ("Six Feet Under" oder "Despe- rate Housewives") ebenso wie Kinofilme (zuletzt "Running with Scissors") und allen voran die neue Arbeit von Todd Field: "Little Children".

Der Film entwirft in mehreren Handlungssträngen, die allesamt in einer kleinen Vorstadtgegend angesiedelt und miteinander verwoben sind, ein Panorama seelischer Abgründe. Er erzählt von einer unglücklichen Hausfrau und Mutter, die ihren Ehemann betrügt, von einem aus dem Gefängnis entlassenen Mann, der sich vor Kindern entblößte und bei seiner Mutter Schutz sucht, einem ehemaligen Polizisten, der von den Erinnerungen eines dramatischen Einsatzes geplagt wird und einem unzufriedenen Hausmann und Vater, der seine Ehefrau hintergeht. Einsamkeit, Frustration und Selbstzweifel be- stimmen diese Schicksale, die ihre gesellschaftlichen Rollen und Muster so anstandslos ausfüllen. Sie erscheinen wie Gefangene in einem einheitlichen System, das Glück und Zufriedenheit mit der Beschaffenheit des häuslichen Vorgar- tens gleichsetzt.

"Little Children"
schildert den Kampf dieser Menschen gegen eine alles durchdringende Scheinidylle, die ihre Sehnsüchte nicht akzeptieren möchte. Sie alle haben ihren vorläufigen Platz in der Gesellschaft gefunden, sind verheiratet und wohlhabend oder vorbestraft und mittellos, ihnen gleich ist nichts mehr als der einfache Wunsch geliebt zu werden. Doch wenn die Ankunft in der erstrebten Bürgerlichkeit keine Garantie für individuelles Glück liefern kann, ist der zersetzende Prozess unaufhaltbar. Fields Film ist stets von einer pessimistischen Vorahnung bestimmt, was seine komischen Momente kurzlebig gestaltet und die tragischen Episoden noch viel unerträglicher wirken lässt. Diese so großartig verkörperten Figuren werden nie missbraucht oder vorgeführt, sondern sind Teil eines sensibel in Szene gesetzten Gesellschaftsquerschnitts, der den Zuschauer zu einem stillen, bewegten Beobachter macht.

Die ruhige Erzählstimme besitzt somit auch die Funktion, die einzelnen Stücke zu verbinden und verleiht "Little Children" trotz seiner episodischen Struktur einen fließenden Charakter. Die inszenatorische Stärke des Films ist jedoch eine andere: Field verzichtet fast gänzlich auf bedeutungsschwangere Symbolik. Anders als "American Beauty", der in der Wahl seiner Mittel oft grobschlächtig vorging, den Zuschauer mit artifiziellen Metaphern erdrückte und dadurch zeitweilig in jenen Pastellkitsch verfiel, den er eigentlich zu entlarven versuchte, bleiben feiner Humor und stille Tragik auf einer konstanten Linie. Der Film erhält neben seiner naturalis- tischen Photographie und dem nüchternen Schnitt gerade durch den Verzicht von Überspitzung eine enorme Authen- tizität. Wenn sich die Hausmütter tagtäglich auf jenem Kinderspielplatz zum Lästerplausch versammeln, auf dem später ein kastrierter Päderast schaukeln wird, verbietet sich ohnehin jeder Zynismus von selbst: Das Philistertum richtet sich schließlich zugrunde – an einem Orte reiner Unschuld.


75%

April 04, 2007

News: LIVE FREE OR DIE HARD Trailer

Der erste Trailer zum vierten John McLane-Einsatz ist erschienen. Die beiden Teaser gibt es noch hier zu sehen.

---> Trailer / QT / HD <---

April 02, 2007

Retro: KEN PARK (2002)

Um Larry Clarks "Ken Park" haben sich seinerzeit einige lebendige Diskurse konstruiert, die ihm schließlich auch den Griff nach der heiß ersehnten Skandalfilm-Etikette erleich- terten – obwohl sich Sinn oder Unsinn derartiger Betitelungen für gewöhnlich erst später ergibt. Nach nunmehr fünf Jahren schon ist selbst von den provokanten Hülsen des Films nicht mehr viel übrig. Unverhüllte Bilder hemmungslos fickender Teenager mögen vielleicht den Rahmen des US-amerikani- schen Independentfilms ausgedehnt haben, das europäische Kino hingegen ging und geht mit ihnen ganz selbst- verständlich um. Deshalb vertieft sich der Blick auf Clarks Generationsstudie: Wenn die Vordergründigkeit der nackten Ausbeutung kaum mehr interessiert, beginnt im Dahinter eine Suche nach Thesen. Nur allzu viel Gehaltvolles wird man dabei leider nicht finden: Skandalös ist an "Ken Park", dem Abschluss von Clarks Teenage Trilogy, bestenfalls dessen banale Prüderie.

Schon nach wenigen Minuten sucht der Film nach Ausdruck. Die Titelfigur schießt sich in den Kopf, das kommt so unvermittelt wie grundlos und ist der erste große Effekt eines Werks, das sich mit illustren Mitteln von der Hand seines Zuschauers immer wieder wird losreißen wollen. Dieses erste Statement möchte "Ken Park" womöglich als radikale Studie positionieren – der frühe und hässliche Tod der Titelfigur ist ein Kommentar, einer gegen das Kino. Und trotzdem befindet Clark sich hier in seinem adäquatesten Bewegungsraum, von der Welt der Galerien hat sich der Photograph abgekehrt, um seine Auffassung von Gesellschaft als Filmemacher bebildern zu können. Die Unterstützung durch den Kameramann Edward Lachman ("Far from Heaven") als Co-Regisseur verleiht dem Projekt eine filmische Visualität und widerspricht damit gleichzeitig dem Realismusanspruch: Clarks Film ist ein Produkt kompletter Verfremdung, das dem Irrglauben untersteht, es wahre ähnlich wie "Kids" eine Identität als schonungslose Generationsstudie.

Der inhaltliche Unterschied zu dessen erster Regiearbeit von 1995 liegt in der Betrachtung nicht mehr nur jugendlichen Verhaltens, sondern auch das der fürsorgepflichtigen Eltern. Diese sind zumeist sexuell frustriert und schlafen entweder mit den Freunden oder Freundinnen ihrer Kinder, vergehen sich des Nachts gleich selbst an ihnen oder binden sie in inzestuösen Eheschließungen symbolisch an sich selbst. Das alles geschieht in "Ken Park" und soll Rückschlüsse auf die Kids in "Kids" zulassen: Diese sind demnach die schuldlose Ausgeburt einer üblen Masse aus Päderasten und Geistes- gestörten. Sie erscheinen deshalb als brutale und rücksichtslose Teenager, weil sie sich eigentlich nur nach ein wenig unbeflecktem Kindsein sehnen: In einer Episode tritt der Junge Tate, der sich beim Masturbieren selbst strangu- liert, seine liebenswerten Großeltern regelmäßig beschimpft und ein isoliertes Leben in seinem Zimmer führt, vor die Tür des Hauses und möchte lediglich mit den kleinen Springseil- Mädchen spielen.

Das ist nur ein kleiner Teil aus der Welt der Jugendlichen, wie sie sich ein 60jähriger Larry Clark vorstellt. Doch er zeigt, welche Widersprüchlichkeit sich aus dieser Altherrenphantasie ergibt. Dass Clark nämlich die Frustriertheit der Eltern und damit ihren Missbrauch an den Kindern anklagt, ausgerechnet jedoch diese Figur zum kaltblütigen Mörder am Vormund werden lässt, erscheint rätselhaft. Selbst wenn der Tod der sorgenvollen Großeltern nur der Demonstration dient, dass auch die unschuldigen Eltern Opfer einer vom Wertezerfall und an sich selbst erkrankten Gesellschaft werden können. Hier liegt aber auch das grundsätzliche Problem von "Ken Park": Er erklärt vermeintlich negative oder zerstörerische Werte als Stein des Anstoßes eines gesellschaftlichen Verfalls. Dabei konstituiert sich eine sozial funktionale Interaktion von Menschen, also ein System namens (Mittelstands)Gesellschaft, wie es im Zentrum dieses Films steht, doch gerade aus den hier so bieder angeprangerten Zuständen. Nicht etwa weil die Eltern eine monströse Normativität formen, ist die hier geschilderte Welt ein Hort bizarrer Unebenheiten, sondern im Gegenteil, ihre – sicher fragwürdigen, aber dennoch ersetzlichen und vor allem überwindbaren – Verhaltens- und Erziehungsmuster tragen zum stabilen Gerüst genau dieser Gesellschaft bei.

Dass die Kinder sich aus den Fängen ihrer Eltern deshalb mit ach so subversivem Sex befreien (der freizügige Dreier zum Ende soll es beweisen), ist nur plumpe Romantisierung, hinter deren mit allerlei Bedeutung geschwängerter Offenheit eine seltsame Verklemmung ruht. Clark hat nämlich nicht wirklich einen Grund für das fatalistische Unverhältnismäßige seiner Figuren – da wirkt die Dämonisierung gänzlich üblicher Familienprozedere, deren ein Teil der pädophile Vater ebenso wie die untreue Ehefrau und Mutter sind, nur wie ein fadenscheiniger Vorwand, um Jugendliche im Fetischlook abzulichten. Clark ist nicht nur ein Voyeur, der seinen Figuren grundlos auf die Pelle rückt, sondern letztlich vor allem ein puritanischer Hysteriker: Da stellt sich weder die Frage nach Moral oder Unmoral, noch hat das irgendetwas mit Provo- kation zu tun. "Ken Park" begreift nur ganz einfach nicht, dass die Muster seiner mittelständlerischen Akteure die normalsten der Welt sind.

30%

April 01, 2007

News: HOT FUZZ - WHAT THE FUCK?

Wer dachte, UIP hätte seinerzeit schon mit "Ein Zombie kommt selten allein" den Vogel abgeschossen (so sollte "Shaun of the Dead" in die deutschen Kinos kommen!), der wird eines Besseren belehrt: "Hot Fuzz" wurde hierzulande um den Untertitel "Zwei abgewichste Profis" erweitert. Das kommentiert sich von selbst...

Kino: 300

Das hört sich nach einer Menge Spaß an: Rund 300 gestählte Spartaner wandern zur See, um sich einem mehrere Zehntausend Mann starken persischen Heer zu stellen. Zumindest in der Comic-Miniserie von Frank Miller, die hierzulande Ende der 90er Jahre erschienen ist, konnte das mächtig Eindruck schinden. Obwohl es der Graphic Novel-Autor mit seinen archaischen Heldenfiguren, Ruhm und Ehre-Parolen und klar definierten Gut-Böse-Schemata bereits in der Vorlage etwas zu gut meinte. Wie man derartige Lakonie allerdings dennoch in ein vielschichtiges Kinoerlebnis transzendieren kann, zeigte Robert Rodriguez mit seiner dicht inszenierten Adaption des Miller-Comics "Sin City", wo sich kauzige Machos und vollbusige Striptease-Tänzerinnen ein selbstironisches Stelldichein gaben.

In "300" geht es um nicht weniger - allerdings auch nicht viel mehr - als den aussichtlosen, für die weitere griechische Kriegsgeschichte jedoch maßgeblichen Kampf einer spartanischen Minderheit unter Führung König Leonidas' (Gerard Butler) gegen die von Xerxes I (Rodrigo Santoro) befehligte Übermacht der Perser. Das hat sich 480 vor Christus bei den Thermopylen so oder wohl eher so ähnlich tatsächlich ereignet, bildet aber nur die sehr grobe Grundlage für ein kunterbuntes Kriegsspektakel. Regisseur Zack Snyder zeigte sich deshalb bereits bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin, wo der Film seine Weltpremiere feierte, zornig über die Presse entrüstet, seine Comicadaption würde unnötig intellektualisiert.

Worum es dem Mann primär ginge sei nämlich ganz einfach. Entweder es werde ordentlich gemetzelt. Oder eben so richtig schön gefickt (am besten natürlich beides). Und siehe da, in "300" kommt der Snyder-Fan auch ganz auf seine Kosten: Schöne Frauen mit prallen Titten, vollbärtige Muskelmänner in engen Schlüpfern und ein besonders hohes Maß roter Suppe dürfen erwartet werden. Für den Job empfohlen hat sich der Regisseur übrigens durch seine Neuinterpretation von George A. Romeros "Dawn of the Dead", bei der sich nunmehr Yuppies und Mittelstandsbonzen eine zynisch-banale Action-Hatz mit unkontrollierten LSD- Zombies lieferten - das Remake für ADS-kranke MTV-Kids war laut und schnell und ganz besonders schwer angesagt. Deshalb gleich zum Mitschreiben: Das Snydersche Kasperltheater geht in die zweite Runde.

Denn viel gelernt hat der Bubi nicht. "300" ist ebenso langweilig wie auch infantil inszeniert. Zwar gefällt manch einfallsreich choreographierter Kampf, wenn die Ge- schwindigkeit jeweils verringert oder erhöht wird (besonders originell: zur Abwechslung gibt es mal wieder ein wenig Bullet Time-Gedöns), doch insgesamt fällt der Film visuell trotz übersättigter Sepiafarben konventionell aus und lässt comicartige Überzeichnungen vermissen. Nicht selten fühlt man sich deshalb an die CGI-geschwängerten Epen von "Gladiator" bis "Troja" erinnert, was durch den grässlich nervtötenden Ethno-Soundtrack von Tyler Bates noch verstärkt wird: Wann nur endlich haben die Hans Zimmer-Klagegesänge ein Ende?

Doch der Film überrascht in anderer Hinsicht umso mehr. Ein Hauch sanfter Melodramatik durchzieht seine Bilder: 300 Männer stehen im sonnigen Felde, kurz vor ihrem Aufbruch in eine unerbittliche Schlacht. Die Frauen werden liebevoll verabschiedet, die Greise vermitteln prophetische Weisheiten. Dann ziehen die stählernen Kämpfer von dannen und dürfen einmal ganz unter sich sein, um sich mit ihren langen spitzen Speeren zu vergnügen. Was folgt ist eine orgiastische Rammelei ohnegleichen - so derart farbenfroh, ausgefeilt, majestätisch und effektvoll durfte bislang noch kein Gayporno aussehen. Und mit rund 60 Millionen US-Dollar ist diese ölig-geile Männerschau auch noch äußerst großzügig in Szene gesetzt: Schwulitäten im digital-backlot-Verfahren, das gibt es nicht alle Tage zu sehen!

Verständlich, dass dem Film das unfreiwillige Coming-Out reichlich schwer fällt. Deshalb begegnet "300" seiner sublimierten Sexualität ganz offensiv mit hartnäckiger Homophobie. Die persischen Krieger nämlich erscheinen ungleich weniger maskulin als ihre spartanischen Gegner. Im Grunde sind sie entweder durch Verstümmelungen und Behinderungen, oder aber durch übersteigerte Tunten- merkmale gekennzeichnet: Der Feind ist schwarz, barbarisch, unzivilisiert. Und er trägt Piercings, Ketten und Fummel. Ungewollt oder nicht: "300" schildert mit seinem Kampf vom spartanischen gegen das persische Heer auch den Krieg des Westens gegen den rückständigen Osten, um die Grundsteine für die künftige athenische Demokratie zu legen. Als politischer Kommentar liest sich Snyders Film unabhängig jedweder intendierten Stellung oder Nichtstellung ganz einfach reichlich reaktionär. Und wenn dieser Hampelmann sich demnächst an den legendären "Watchmen" versuchen wird, dann sind alle Zweifel mehr als berechtigt.


0% - erschienen bei: DAS MANIFEST

März 31, 2007

TV: Fernsehtipps 31.03. - 06.04.07

Samstag, 31.03.

20:15 Uhr – „Eine Nacht bei McCool’s“ (VOX)

Hervorragendes Drehbuch, dessen irre guten Pointen und anzüglicher Witz zu einem Film mit bestens aufgelegtem Ensemble verarbeitet wurden. Leicht gekürzt.

20:15 Uhr – „Werner – Gekotzt wird später“ (Pro7)

…oder lieber gleich sofort.

22:10 Uhr – „Mindhunters“ (ARD)

Streng genommen recht öde und mitunter gar hanebüchene Agatha Christie-Adaption, die aber dennoch keinem wirklich wehtut.

22:35 Uhr – „No Way Out“ (BR)

Bemühter Neo-Noir, der weder schlüssig noch sonderlich stimmig geraten ist.

23:00 Uhr – „The Crow“

Ein an und für sich mittelprächtiger Film, der durch das tragische Ableben Brandon Lees jedoch eine mythische und zeitlose Dimension bekommt.

0:30 Uhr – „Robocop 2“ (Pro7)

Gemessen an Verhoevens Genre-Meilenstein eine schwache Fortsetzung, die die ironischen Untertöne des Originals nunmehr mit plumper Holzhammermethodik vorführt. Als simpler Actionfilm ist er dagegen ganz passabel, nur hier leider indiskutabel gekürzt.

0:50 Uhr – „Stephen Kings Stark“

Meine absolute Lieblingsverfilmung eines Stephen King- Romans, atmosphärisch dicht und überaus niveauvoll übersetzt George Romero den süffisanten Konflikt eines Buchautors – Timothy Hutton ist unschlagbar in seiner Doppelrolle. Ein wahrlich meisterhafter Film.

Sonntag, 01.04.

20:15 Uhr – „Troja“ (ZDF)

Gekürzte Kinofassung. Imposanter und in seinen Actionszenen phänomenaler Film, der aber den großen Fehler begeht, nicht Helena, sondern Achilles in den erotischen Mittelpunkt zu fixieren – anstatt die schöne Blonde ins rechte Licht zu rücken, geht Petersen eher seinem muskulösen Brad Pitt auf den Leib. Historisch zudem mehr als ungenau.

20:15 Uhr – „Dirty Dancing“ (RTL)

Mit viel Kitsch und reichlich Seifenblasenromantik über- tünchter Klassiker, den man zwar nicht ernst nehmen, aber doch sehr mögen darf.

20:15 Uhr – „Shrek“ (Pro7)

Gefällt sich in seiner ach so cleveren, postmodernen Zitat- freude, gerät ansonsten aber reichlich unliebenswert: Das grüne Etwas bringt mich schlicht und ergreifend zur Weißglut.

22:20 Uhr – „Im Körper des Feindes“ (Pro7)

Gibt mir überhaupt nichts und nimmt sich außerdem viel zu ernst.

22:20 Uhr – „Anatomie“ (K1)

Mit gepflegter Langeweile schlitzt sich eine Riege deutscher Möchtegern-Schauspieler durch die Heidelberger-Uni – das ganze ist katastrophal inszeniert und mit grottenschlechten Dialogen versehen.

0:30 Uhr – „Faster Pussycat! Kill! Kill!“ (Arte)

Ein alle Grenzen überwindender Trip von einem Film, den man gesehen haben muss.

Dienstag, 03.04.

23:00 Uhr – „Der unauffällige Mr. Crane“ (RBB)

…heißt eigentlich „The Man who wasn’t there“. Interessante Film-Noir-Interpretation, die bei aller Ambition aber doch nur an der Oberfläche kratzt.

Mittwoch, 04.04.

22:00 Uhr – „Mario und der Zauberer“ (3SAT)

Grausam selbst verliebte Thomas Mann-Adaption, bei der Brandauer die Vorlage regelrecht vergewaltigt.

0:35 Uhr – „Satyricon“ (ARD)

Beginn einer kleinen Themenreihe: In seiner Barockphase darf sich Fellini herrlich austoben, die deutschen Synchroni- sationen allerdings kann man vergessen. Deshalb lieber zur DVD greifen.

Donnerstag, 05.04.

23:00 Uhr – „Frantic“ (ZDF)

Polanskis endgültiger Abstieg in die weiten Tiefen der Durch- schnittlichkeit.

Freitag, 06.04.

13:05 Uhr – „Ben Hur“ (ZDF)

Ausgedehnte Fleischschau, deren Lack zunehmend ab- bröckelt.

20:15 Uhr – „Shrek 2“ (Pro7)

Das ganze Grauen noch einmal, nur noch viel, viel shrek- licher.

20:15 Uhr – „I, Robot“ (RTL)

Trotz einiger unnötiger Zugeständnisse ans Mainstream- Publikum und wenig Tiefgründigkeit ein fesselnder Sci-Fi- Thriller mit brillanten Actioneinlagen.

22:20 Uhr – „Die Passion Christi“

Biedere, langweilige, ideologisch gänzlich fragwürdige und vor allem schlecht in Szene gesetzte Fundamentalistenfantasie einer gänzlich verkappten Schwuchtel.

22:25 Uhr – „Alien Vs. Predator“ (RTL)

Großartiger Schrott mit viel Krawall. Irgendwie nett.

23:45 Uhr – „Bonnie and Clyde“ (K1)

Stilistisch wegweisender Gangsterfilm, der nichts von seiner Eleganz verloren hat.

März 28, 2007

Kino: MR. BEAN'S HOLIDAY

Es gibt eigentlich nicht wirklich einen plausiblen Grund, sich diese etwas bemühte Reunion des, lang ist es her, Anfang der 90er einmal witzigsten Briten und dessen trotteligen Albernheiten anzuschauen. Wenn, ja wenn da nicht ein gewisser Willem Dafoe in die Nebenrolle eines schmierig-eitlen Regisseurs geschlüpft wäre und dem Film durch seine selbstironischen wie pointierten Auftritte einige tatsächlich komische Momente bescheren würde. Ob oder inwiefern das jetzt streng genommen das Todesurteil für einen Film bedeutet, der ganz auf seinen Titelhelden – und dieser wird bekanntlich nicht von Dafoe verkörpert – zugeschnitten ist, sei einmal dahingestellt. Durch dessen starke Präsenz allerdings, obwohl ihm nur einige kurze Momente vergönnt sind, wird dieser Gaga-Film zweifelsfrei aufgewertet.

Denn dass Rowan Atkinson jene Figur, die ihn zum Multimillionär machte, rund 10 Jahre nach einem eher enttäuschenden Kinofilm ("Bean – The Ultimate Disaster Movie") ein zweites Mal auf die große Leinwand befördert, dürfte selbst die alteingesessenen Fans verwundern. Erstaunlicherweise aber ist der Griff in die Mottenkiste auch ansonsten weit weniger tief als zu befürchten war: "Mr. Bean's Holiday" ist ein insgesamt harmloses, überaus kindgerechtes und zuweilen dennoch recht amüsantes Wiedersehen mit dem doof-netten Grimassenschneider.

Insgesamt nämlich bedient sich Atkinson im Gegensatz zum ersten Film wieder bei der Originalserie: Ein absolutes Minimum an Dialogen, dafür umso mehr Situationskomik, Slapstick und Chaos. Der Ton des neuen Kinoabenteuers ist ein deutlich anderer – der Versuch, die Figur und deren Rahmen neu zugestalten, war hingegen die richtige Entscheidung. Zwar arbeitet das Drehbuch mit den gängigen Klischees alberner Komödien und konstruiert wie schon beim Vorgänger eine große Verwechslung, die die turbulenten Ereignisse in Gang setzt (im ersten Film wurde Bean versehentlich für einen Kunstkenner gehalten, woraus die Macher dann allerhand Komik zu generieren versuchten). Allerdings wird das Sequel erfreulicherweise nicht mit einem erhöhten Maß physischer Comedy-Action überladen, was "Mr. Bean's Holiday" ein gewisse Bodenständigkeit verleiht.

Der Titel verweist dabei ganz deutlich auf den Jacques Tati-Klassiker "Les Vacances de Monsieur Hulot": So wie wohl Mr. Bean in seinem Urlaub am Strand der Côte d´Azur für reichlich Ärger sorgen würde, verursachte der Titelheld dort ein großartiges Chaos an der bretonischen Badeküste. Doch diesbezüglich hat man es in gewisser Weise mit einer Mogelpackung zu tun: Den Badeort erreicht Mr. Bean erst ganz am Ende – bis dahin durchlebt er eine ganze Menge Trubel, sodass von Ferien keine Rede sein kann. Dass die Tati-Nähe womöglich auch als Zugpferd ihre Dienste vollbringt, ist unwesentlicher als die ansonsten etwas dürftige Geschichte in "Mr. Bean's Holiday". Grundsätzlich geht es nicht um viel mehr als eine turbulente Fahrt nach Cannes, wo der viel versprechende Urlaub eigentlich stattfinden soll – die üblichen Zoten inbegriffen.

Atkinsons gestische Mutationen sind diesbezüglich wie immer Geschmackssache, ihr permanenter Einsatz nutzt sich im Verlaufe eines 90-Minüters aber doch ein wenig ab, zumal die Gesichtsverrenkungen kaum variiert werden. Das Drehbuch ist auch ganz auf diese Momente abgestimmt und besitzt dadurch einen sehr episodischen Charakter, weil es prinzipiell nur Sketch an Sketch reiht. Der sehr auf die kleineren Zuschauer zugeschnittene Humor speist sich in leicht redundanter Abfolge demnach aus einer Vielzahl irrsinniger Situationen. Durchbrochen wird dieses Grundmuster dann nur durch Dafoes Einsätze als Arthaus-Regisseur bei einem Cannes-Screening: Dessen in Ausschnitten gezeigter Neo- Noir "Playback Time" ist zwar eine wahre Granate, doch das ansässige Publikum verfällt dennoch einem komatösen Tiefschlaf. Erst als dann Mr. Bean über die Stühle stolpert, wird es wieder aufmerksam. Manche wollen so etwas eben einfach nicht sehen. Da kann man nichts machen.

50%

News: Upcoming Reviews


Irgendwie sind meine Vorankündigungen immer etwas ver- wirrend, anstatt "Little Children" habe ich dann doch erst "The Hills Have Eyes 2" besprochen. Aber dieses Mal sollte es keine Verschiebungen geben. Demnach gibt es in Kürze Reviews zu: "Mr. Bean's Holiday" (Steve Bendelack), "Little Children" (Todd Field) und "The History Boys" (Nicholas Hytner).