Dezember 10, 2006

TV: Fernsehtipps 09.12. - 15.12.06

Samstag, 09.12.

22:10 Uhr – „Jurassic Park“ (ARD)

Gigantisches Kino voller Magie, insgesamt zwar etwas unter Spielbergs technischem Niveau, aber mit noch immer unübertroffenen Spezialeffekten ausgestattet.

22:20 Uhr – „End of Days“ (RTL)

Unterhaltsamer Millenium-Horror, der aber erstaunlich schlecht altert.

0:15 Uhr – „Vergessene Welt: Jurassic Park“ (ARD)

Insgesamt sehr stimmiges Sequel mit einigen bahnbrechenden Action-Sequenzen.

Sonntag, 10.12.

12:25 Uhr – „Schlappe Bullen beißen nicht“ (RTL)

Doof-amüsante, sehr 80er-typische Polizeikomödie mit zwei gut aufgelegten Ermittlern.

14:55 Uhr – „King Kong“ (K1)

In der ersten Hälfte ein opulent photographiertes, abenteuerliches Remake, mutiert das ganze schnell zur durchaus albernen Pappmache-Nummer.

20:15 Uhr – „Bei Anruf Mord“ (Tele5)

Fokussiertes, theatralisches Krimikomplott. Einer der populärsten, aber nicht unbedingt besten Hitchcock-Filme.

22:05 Uhr – „Der City-Hai“ (K1)

Lahme, für Schwarzenegger-Verhältnisse unbefriedigende Selbstjustiz-Action.

23:45 Uhr – Der Chill-Faktor“ (Pro7)

Mäßig unterhaltsamer Buddy-Thriller, der mehr verspricht, als er letztlich halten kann.

0:00 Uhr – „Der unauffällige Mr. Crane“ (ARD)

…heißt eigentlich „The Man who wasn’t there“ und hat im Spätprogramm nichts zu suchen. Interessante Film-Noir-Interpretation.

2:45 Uhr – „Sleepers“ (VOX)

Relativ mitreißendes Drama, das jedoch bestenfalls Vermutungen über Folgen von Kindesmissbrauch anstellen kann, mitunter aber lieber den bequemeren Weg eines konventionellen Thrillers geht.

Montag, 11.12.

20:15 Uhr – „Ghost – Nachricht von Sam“ (SAT.1)

Großartig geschriebene, mit liebevollem Kitsch untermauerte Romanze, bei der man durchaus das ein oder andere Tränchen vergießen darf. Und Whoopi Goldberg ist fantastisch.

22:14 Uhr – „Der 13. Krieger“ (ZDF)

Dreckig-brutales Abenteuergemälde ohne jegliche Dramaturgie. Langweilig.

0:05 Uhr – „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ (VOX)

Manches mal zu süßlich geratenes Südstaatendrama, dessen Schwächen (darunter die grauenvolle Musik Hans Zimmers) durch die liebevolle Jessica Tandy wettgemacht werden.

Dienstag, 12.12.

20:15 Uhr – „Over the Top“ (K1)

Natürlich grausig schlecht, aber immerhin unfreiwillig komisch.

Mittwoch, 13.12.

20:15 Uhr – „Pecker“ (Tele 5)

Absolut treffsichere Kleinstadt-Satire von John Waters, ein Muss!

23:15 Uhr – „Ekel“ (WDR)

Polanskis irre intensives Kammerspiel, das zu den ganz großen Filmen des Genres gehört. Die Synchronfassung ist nur bedingt zu empfehlen.

2:20 Uhr – „Dieses obskure Objekt der Begierde“ (ZDF)

Endlich wieder ein Buñuel-Film im deutschen Fernsehen, vormerken!

Donnerstag, 14.12.

20:15 Uhr – „Topas“ (Das Vierte)

Zählt trotz der bezaubernden Karin Dor eher zu den Fußnoten im Hitchcockschen Oeuvre.

22:00 Uhr – „Fargo“ (Tele 5)

Intelligente und dennoch verspielte Provinzsatire, schrullig bis Anschlag.

23:45 Uhr – „Die Schlange im Regenbogen“ (Das Vierte)

Eine der ernsthaftesten Auseinandersetzungen mit Voodoo im Film, sehr unterschätzter Thriller von Wes Craven.

Freitag, 15.12.

20:15 Uhr – „Schöne Bescherung“ (RTL2)

Obwohl all die Witzchen nicht nur bereits reichlich angestaubt, mittlerweile auch kaum noch scharf, sondern eher niedlich sind, bleibt das weihnachtliche Griswold-Abenteuer unbeirrbar Pflichtprogramm zum Feste.

22:10 Uhr – „Species“ (RTL2)

Alberner und reichlich primitiver „Alien“-Abklatsch mit einer Natasha Henstridge, die als lebendiges Klischee bestenfalls müde Lacher ernten kann.

23:10 Uhr – „23“ (Arte)

Viel zu angestrengt erzählter Verschwörungsunfug.

Dezember 08, 2006

TV: MOH #4 - SOUNDS LIKE

Der allgemeinen oder mit zunehmendem Alter eingeschränkten Funktionalität der Sinnesorgane kann in der Regel mit Sehhilfen oder Hörgeräten entgegengewirkt werden. Doch Brad Anderson, Regisseur des gefeierten „The Machinist“, erzählt im vierten Beitrag der zweiten „Masters of Horror“-Anthologie die Geschichte von Larry Pearce, einem Büroangestellten, für den unscheinbare Geräusche und Alltagsklänge zur Qual mutieren – er scheint ein überdurchschnittlich sensibles Hörvermögen zu besitzen. Ausgelöst durch den Tod seines kleinen Sohnes, treiben die Töne plätschernder Wassertropfen oder summender Fliegen den Mann bald in den Wahnsinn.

Inspiriert von Edgar Allan Poes „The Tell-Tale Heart” bietet die Idee selbstredend Möglichkeit zur spielerischen Variation unzähliger Geräuschkulissen, doch nach den anfänglichen Beispielen, wie intensiv die alltäglichsten Klänge ertönen können, verliert die bloße Aneinanderreihung verschiedener Stresssituationen ihren Reiz und erschöpft sich zunehmend in unnötig gedehnten Einzelsequenzen. Die einstündige Laufzeit mag angesichts der profanen Geschichte, deren Ende vorschnell abzusehen ist, kaum vorübergehen, und nur die annehmbare Leistung des allmählich in den Wahnsinn abdriftenden Chris Bauer („High Fidelity“) bewahrt den Zuschauer vor dem frühzeitigen Nickerchen. Die gelungene Schlusseinstellung und manch origineller Einfall entschädigen insgesamt nur mühsam für die spannungslose Inszenierung von „Sounds Like“.

4/10

Retro: THE GREAT MCGINTY (1940)

Der eine war immer ehrlich, der andere ein Lügenbaron – in einer mexikanischen Bar geraten zwei Männer aneinander, die jeweils nur für eine Minute aus ihrem Schema ausbrachen. Erzählt wird die Geschichte von letzterem, dessen einzig ehrlicher Moment ihm sogleich zum Verhängnis wurde. Dan McGinty (Brian Donlevy) war demnach nicht immer Barmann, sondern einst ein umher streunender Obdachloser, der es durch eine Verkettung von Zufällen und geschickten Umwegen bis zum Gouverneur schaffte. Das alles nahm seinen Anfang, als der Landstreicher seine Wählerstimme vom Bürgermeister erkaufen ließ – dies jedoch unbemerkt an die 40mal – und damit Interesse wie Karriereangebot der Parteihöchsten erntet. Erst die Sekretärin Catherine (Muriel Angelus), die McGinty einvernehmlich aus Prestigegründen heiratet, spornt ihn an, seine neu gewonnene Macht nicht politischen Lügen zu opfern.

McGinty, das ist ein Tramp, wie der naive Regisseur aus "Sullivan’s Travels" gern einer gewesen wäre, hablos, schlendernd und überaus gerissen, wenn es dem alltäglichen Überlebenskampf dienlich ist. Für den nötigen Dollar verkauft man schließlich seine Wählerstimme, ist der Einfluss auf die Bewegungen der Körper Politik und Gesellschaft doch ohnehin verschwindend gering, um außerdem nicht mit der Wimper zu zucken, das auch immer und immer wieder zu tun. Hier betrügen oberste Instanzen, das können kleine Landstreicher erst recht!

Diese märchenhafte Geschichte einer blitzschnellen, steilen Karriere, die Entsprechung des amerikanischen Traums – vom Tellerwäscher zum Millionär – interessiert Preston Sturges bezeichnenderweise ungleich mehr als die des suizidgefährdeten anderen Mannes, der, wie dem Voice Over im Prolog zu entnehmen ist, stets ein aufrechtes Leben führte, jedoch schnell zum stillen Zuhörer degradiert wird. Hier ist kein Platz für ehrenhafte Wahrheiten, man bewegt sich im politischen Raum ewigen Auf- und Abstiegs, es geht um die ganz Großen über den ganz Kleinen, um Macht, Moral und Korruption, da ist es natürlich der Lügenbold McGinty, dem die Aufmerksamkeit gebührt.

"The Great McGinty"
, Sturges’ Auftakt zu einer schillernden, visionären Kinoodyssee durch die 40er-Jahre, die viele der besten und wichtigsten Filme des Genres hervorbringen sollte, ist eine an satirischer Bissfestigkeit kaum steigerbare, überbordend direkte Abrechnung mit den amerikanischen Demokratieverhältnissen, ein einziges überzogen lautes Statement: Politik, das ist nur eine gewaltige Farce. Nicht Mehrheiten, sondern wenige wohlhabende Verwalter von Besitztümern, keine wahrheitsgetreuen Prinzipien oder Tugenden, vielmehr Schein über Sein und erputschte Machtansprüche bestimmen diesen politischen Apparat, dessen Scheinlegitimierung nicht den Erfolg seiner Initiierenden verhindern kann.

Mit dieser bitterbösen Weltanschauung tritt Sturges gegenüber vielen Kollegen seiner Zeit ungewöhnlich weit hervor, er chiffriert Tabuthemen der goldenen Filmära mit ausfallendem Slapstick und scheinbar unbewusst exaltierter, physischer Komik, um sein kommerzielles Regiedebüt zur radikalen Anschauungspraxis umzufunktionieren: Diese vermeintlich leichte Komödie über die Absurditäten des Lebens ist die in lebendige Bilder gehauchte Zerstörung amerikanischer Illusionen. McGintys Erfolgssträhne kennt erst in dem Moment ein Ende, als er sich – unmittelbar verliebt in die eigentlich zum Zwecke des Machtanspruchs geehelichte Catherine – einen Ausrutscher in die nunmehr fremde Welt der Realität erlaubt. Seine plötzliche Entscheidung, politisches Handeln in den Dienst des bedürftigen Volkes zu stellen, führt ihn direkt durch die Hände seiner Vorgesetzten ins Gefängnis.

Das ist nicht nur ironischer Ausdruck einer Unmöglichkeit von Herrschaft durch wahre Demokratie, sondern gleichzeitig die Umkehrung der ausgangs träumerisch verlockenden Fantasie, alles sei möglich – selbst der Weg von der Straße ins Luxusapartment. Hier gelingt es Sturges vielleicht noch nicht gänzlich, die obligatorisch herben Wortgefechte, die süffisanten Dialoge und filmischen Mittel, insbesondere die Montage mit ihren konnotierten Auslassungen und Einschüben, in Einklang mit vehementer Gesellschaftskritik zu bringen, doch sein anatomisches Bild vom Wesen des Menschen besitzt bereits die selbe Schlagkraft, wie sie auch die nachfolgenden Filme des Regisseurs aufweisen.

70%

Dezember 05, 2006

Kino: BLACK CHRISTMAS

Nicht unbedingt alle Jahre wieder, sondern vielmehr jede Woche aufs Neue, da bescheren dem Zuschauer Remakes und Neudichtungen so manch unbehagliches Déjà- vu-Erlebnis, und ganz nebenbei Studios wie Produzenten eine goldene Nase, wenn nicht mindestens jedoch einen reich gefüllten Sack Geschenke. Zum heiligen Feste drückt man ja gern ein Auge zu (das ist hier übrigens wörtlich zu nehmen!), denn wenn all die bunten Lichterketten, süßlichen Gesänge und friedlichen Liebesbekundungen so maßlos blutig konterkariert werden wie in der jüngsten Neuauflage aus dem postmodernen Hause wahlloser Retro-Slasher, "Black Christmas" von Bob Clark ("Children Shouldn't Play with Dead Things"), dann kann das zwar primitiv, albern und zugegeben auch sehr hölzern, aber eben doch auch schwer unterhaltsam sein. Um deshalb gleich Vorsorge zu treffen: Auf der großen Leinwand wurde in letzter Zeit schon weitaus weniger amüsant vor sich hin gemetzelt, Grund genug also, ruhig einen Blick auf diese besonders unangenehme Weihnachts- geschichte zu riskieren.

Seinen Anfang nahm jene 1974, der kanadische Thriller – hierzulande auf Video unter dem Titel "Jessy – Die Treppe in den Tod" verwurstet – erzählte in betulichen, aber effektvollen Einstellungen eine ausgedehnte urban legend, bei der ein unbekannter Anrufer die Mädchen eines studentischen Verbindungsheims terrorisierte, um sich schließlich als Meuchelmörder vom Dachboden des eigenen Hauses zu entpuppen. Das war mit leisen Spannungsmomenten inszeniert, in sich weitestgehend schlüssig, und prägte mit seiner verspielten Photographie die visuelle Darstellung vom großen „Schwarzen Mann“, was ihm viele, darunter vor allem John Carpenters Teenagerallegorie "Halloween", nach- machen sollten. Clarks verfrühte Annäherung an den Schlitzerfilm wurde dennoch wenig beachtet, erzielte schleppend nur Gewinne für die Produzenten und erschien im Diskurs um die Ursprünge des Stalk’n’Slasher-Genres bis vor einigen Jahren bestenfalls als Fußnote, auch wenn sich der Film selbst zweifellos sowohl bei Alfred Hitchcocks "Psycho" als auch Michael Powells "Peeping Tom" bediente.

Dem ehemaligen "Akte X"-Gespann Glen Morgan und James Wong, die auch hinter der populären, zum Inbegriff verkommerzialisierten Teenhorrors avancierten "Final Destination"-Serie stecken, kommt der Stoff nur zu recht – so was kann man billig, blutig und vor allem schnell herunterkurbeln, es wird ordentlich Kies machen, und nebenbei verkürzt er das Warten auf den vierten Ausflug in die Welt umtriebiger Jugendlicher, die den Plan des Sensenmannes zu durchkreuzen versuchen, der wohl früher oder später zu befürchten sein dürfte. Mit dezentem Grusel, wie ihn das Original entwickelte, will man sich offenbar gar nicht unnötig aufhalten, ohne erkennbare narrative Struktur wird das Gorefest eröffnet, schließlich hat man alles, was man dafür braucht: Junge, knapp bekleidete Mädchen, die man zumindest fleißig begaffen, wenn schon nicht voneinander unterschieden kann, ein großes verwinkeltes Haus, sowie ein debiles, aber nicht gerade gut aufgelegtes Killerpärchen, das – wie sich herausstellen wird – gleich über mehrere Ecken Verwandtschaft pflegt. So ist der aus einer Irrenanstalt entwichene, gelb bemalte (weil mit Leberschaden versehene) Urbewohner des Hauses nicht nur Bruder der inzwischen fleißig Studentinnen vor sich hin mordenden Agnes, sondern auch deren Vater (Bezüge zu Tobe Hoopers "The Texas Chainsaw Massacre" und vielmehr noch Wes Cravens "The People Under The Stairs" sind natürlich rein zufälliger Natur).

Das gipfelt dann in einer rührend familiären Reunion auf dem heimischen Speicher, wo herausgerissene Augen (wenn sie denn nicht vorher verspeist wurden) als Kugeln und ein abgetrennter Kopf als Spitze den funkelnden Weih- nachtsbaum zieren. Der munter zusammengeschusterte Hintergrund all des geschmacklosen, aber herrlich direkt verfassten Treibens hat mit der Vorlage natürlich nicht mehr das Geringste am Hut, aber es sorgt, insbesondere in den Rückblenden, die die makabere Geschichte des alten Hauses beleuchten, für haufenweise unfreiwilligen Humor und absurd überzeichnete Brüche mit traditionellen Weihnachtsmotiven. Nicht immer mag Glen Morgan das so beabsichtigt haben, seine konfuse, lediglich durch herbe graphische Splatter-Ausbrüche pointierte Slasherware ist nie so schaurig, nie so subtil und auch nie so beklemmend wie das Original, aber als derber Einschlag zur stillen, heiligen Adventszeit empfiehlt sich "Black Christmas" dann doch irgendwie, zumindest wenn es denn mal etwas blöder zugehen darf. Abgemacht.

55%

Review erschienen bei: Wicked-Vision.de

Dezember 02, 2006

Kino: FLAGS OF OUR FATHERS

Sie erleben nur einen Bruchteil dieses Pazifikkrieges, es sind Tage, die wie Wochen, fast Jahre erscheinen mögen, doch sie prägen sie bis weit in den Lebensabend hinein. Die drei Marine-Soldaten, die kurz nach der Schlacht an der Küste Iwo Jimas abgezogen werden, sind erzwungene Hoffnungsträger einer Nation, eine fleischgewordene Legitimierung für Krieg, dieses organisierte Töten von Menschen, und das nur, weil sie auf einem Bild zu sehen sind, das sechs Männer zeigt, die die Flagge der Vereinigten Staaten hoch oben auf dem Mount Suribachi hissen. Die Hälfte von ihnen wird die Folgetage nicht überleben, die blutjungen John, Ira und Rene aber werden dem Schlachtgetümmel entrissen, als sich das zufällig geknipste Bild in der weit entfernten Heimat zum symbolischen Aushängeschild manifestiert.

"F
lags of our Fathers" ist eine akribische Untersuchung dieses historischen Phänomens, ein Versuch, diese Stimmung sowohl bei den Menschen daheim, die für den Krieg sensibilisiert werden sollen, als auch den kämpferischen Soldaten direkt vor Ort durch das symbolhafte Bild der „Fahnenhisser“ zu verbinden. Und diese Geschichte von der Entstehung und Auswirkung eines einzigen Photos, das ist auch gleichzeitig die Geschichte des ganzen Krieges in komprimierter, vereinfachter Form, als transzendierte Darstellung des eigentlich Unvorstellbaren. Dafür wählt Regisseur Clint Eastwood weniger einen Hyperrealismus, der die Schlachten als blutig-lautes Splattergetümmel erscheinen lässt, sondern erzählt den Film nicht ausschließlich über die Sicht seiner Protagonisten – die Momente des Krieges erscheinen zwar roh und dreckig, dunkel verfärbt und kühl, aber es sind mitunter Bilder einer Schlacht, wie sie sich ein Unbeteiligter vorstellen könnte.

Demgegenüber stehen die vielfältigen Eindrücke, der Überschwall an Emotionen, den die drei Soldaten unmittelbar erfahren, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Hier blickt Eastwood durch die Augen der ehemals Unschuldigen, die jetzt zu Stars umgeschrieben werden, die Touren durch das ganze Land absolvieren. Ein einziger Moment, auf Film festgehalten, wird zum Ausdruck siegreichen Heldentums. Nicht wenige Regisseure hätten die Gelegenheit so genutzt, wie sie sich auch leichtfertig ergäbe, als unkritisch-feierliche Zelebrierung von Nationalstolz, als symbolisches Hohelied auf den unwiderruflichen Erfolg im Krieg. Das wäre dann in blutige, alptraumhafte Bilder getränkt, vielleicht würde die Kamera auch fliegenden Kanonenkugeln bis zum Einschlag folgen, aber es stünde ganz im Zeichen glorreicher Notwendigkeit, an deren Ende nur der Sieg stehen könnte.

Weder erliegt Eastwood dieser Verlockung, noch ist er überhaupt an Derartigem interessiert. Seine Vorstellung von diesem Krieg ist eine subtile, stellenweise etwas zu ehrgeizige Abstraktion. Er feiert keine Helden, sondern er zeichnet deren Bloßstellung in doppelter Hinsicht: Wie sie hineingedrängt werden in eine Schlacht um Leben und Tod, die in ihrer Willkürlichkeit Verlierer oder Gewinner gar nicht kennen kann, und wie sie zu Werbefiguren einer durchorganisierten Kampagne für Kriegsanleihen degradiert werden. Das Blitzlichtgewitter der Photographen, das fast perverse Nachspielen elementarer Kriegsmomente auf Pappmache vor einem Massenpublikum, all das ist nicht weit entfernt von der Auslieferung nach Iwo Jima, und die drei jungen Männer erleben genau diese Zeit auf individuelle Weise als absurde Farce.

"Flags of our Fathers"
überzeugt mit unaufgeregtem, distanziertem Blick, er stellt Ruhe- und Aktionsmomente gegenüber, um die Geschehnisse weitsichtiger zu betrachten. Damit gelingt ihm einer der sensibelsten Filme zum Thema, dem oftmals nur der rechte Rhythmus fehlt. Nicht immer sind die Ebenen glücklich verknüpft, und auch einige der Schauspieler, vor allem Ryan Phillippe, sind der Ausdrucksstärke ihrer gebrochenen, unsicheren Figuren nicht gewachsen. Hier meint man zu glauben, dass die Vorstellungen der Produzenten um Steven Spielberg nicht immer den intendierten Absichten Eastwoods entsprochen haben mögen, was die latente, aber auch nicht maßgebliche Instabilität des Films erklärte. Interessant dürfte sich jedoch der Seitenwechsel gestalten – der in Japanisch gedrehte "Letters From Iwo Jima" widmet sich dem anderen Blick auf den Pazifikkrieg. Das allein verdient noch keine Liebesbekundungen, aber es ist von Notwendigkeit: „In den Kriegsfilmen meiner Jugend war die Welt klar in die Guten und die Bösen aufgeteilt. Das hat aber mit dem wirklichen Leben, mit dem wahren Krieg nichts zu tun. In meinen Filmen geht es nicht um Sieg oder Niederlage. Es geht um das, was der Krieg in den Menschen anrichtet, es geht um jene, die viel zu früh sterben müssen.“. Eastwood hat das begriffen. Vielleicht werden es ihm andere nachmachen.


75%

Dezember 01, 2006

TV: Fernsehtipps 02.12. - 08.12.06

Samstag, 02.12.

15:45 Uhr – „Scooby Doo“ (ZDF)

Bunte und kurzweilige, aber leider völlig an der Vorlage vorbei geschrammte Realverfilmung, der zudem leider auch der rechte Witz fehlt.

20:15 Uhr – „Jäger des verlorenen Schatzes“ (SAT 1)

Der erste „Indiana Jones“ ist auch der beste, eine spielerische, mutig-leichte Trivialisierung des 3. Reiches, kombiniert mit „James Bond“-Zutaten und gehaucht in malerische, fast comicartige Bilder. Ein Evergreen.

20:15 Uhr – „Ein Offizier und Gentleman“ (K1)

Mindestens so alberne wie angestrengte Verquickung von hartem Militärdrama mit duseliger Liebesschnulze.

23:10 Uhr – „Der Weiße Hai“ (ARD)

Den sollte eigentlich jeder gesehen haben, aber mehrmaliges Konsumieren kann ja nicht schaden: Spielbergs persönlicher „Psycho“ im Wasser, eine lebendige Lehrstunde für den effektiven Einsatz filmischer Mittel.

23:35 Uhr – „Ninotschka“ (RBB)

Vergnüglich-zeitloser Lubitsch-Klassiker.

1:00 Uhr – „Die Frau des Astronauten“ (ZDF)

Sehr eigenwillige Neuinterpretation des „Rosemary’s Baby“-Stoffes mit grauenhaftem Finale.

Sonntag, 03.12.

20:40 Uhr – „Chinatown“ (Arte)

Der Film, der es immer wieder schafft: Er haut einen förmlich aus den Socken – meisterliches Drehbuch, konzentrierte Regie, großartige Musik von Jerry Goldsmith. Als Neo-Noir verklärter Meilenstein!

22:20 Uhr – „Ghost Ship“ (VOX)

Nach den ersten 15 Minuten kann man getrost abschalten, immerhin jedoch haben es diese mit saftigen Goreeinlagen in sich. In der hier gezeigten FSK: 16-Fassung aber womöglich eher weniger.

23:25 Uhr – „Starship Troopers“ (Pro7)

Ich liebe Paul Verhoeven, der Mann wird gnadenlos unterschätzt. Seine Faschismussatire mag überambitioniert sein, sie ist dennoch herrlich bissig. Leider stark gekürzt!

23:50 Uhr – „Über den Dächern von Nizza“ (K1)

Unglaublich pointiert geschriebene, sehr raffinierte Thrillerkomödie mit einer bezaubernden Grace Kelly. Nicht besonders doppelbödiges, aber gewohnt niveauvolles Hitchcock-Kino.

0:15 Uhr – „Whale Rider“ (ARD)

Nicht nur George Lucas verliebte sich sofort in das beeindruckende Spiel der kleinen Keisha Castle-Hughes, weltweiter Erfolg war der neuseeländischen Independentproduktion vergönnt – berechtigt!

Montag, 04.12.

20:40 Uhr – „Macbeth“ (ARTE)

Polanskis gewaltige, und auch sehr gewalttätige Adaption des Shakespeare-Stückes.

22:15 Uhr – „Im Sumpf des Verbrechens“ (ZDF)

Spannend, aber unentschlossen zwischen Rassismusparabel und Psycho-Thriller pendelnd.

0:05 Uhr – „Seance“ (VOX)

Viel gelobter japanischer Thriller, habe ich bislang leider noch nicht sehen können.

Dienstag, 05.12.

20:15 Uhr – „Good Morning, Vietnam“ (K1)

Man weiß kaum, was eigentlich weniger erträglich ist: Das nervige Geplänkel der Quasselstrippe Robin Williams, oder das vermeintlich satirische, aber eigentlich bitter ernste Hohelied auf die US-Einheiten.

Mittwoch, 06.12.

14:00 Uhr – „Unter Piratenflagge“ (3SAT)

Der einzig wahre Piratenfilm!

20:15 Uhr – „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (ARD)

Schon der Titel hat etwas peinlich-größenwahnsinniges, aber ob sich meine Befürchtungen, die filmische Entsprechung des propagandistischen Hurra-Patriotismus serviert zu bekommen, bestätigen werden, erfahre ich nur zu gern.

22:15 Uhr – „James Bond: Moonraker – Streng geheim“ (HR)

Macht eigentlich immer wieder Spaß: Der schlechteste aller Bonds.

22:20 Uhr – „Der Feuerteufel“ (Das Vierte)

Die gelungenen Pyro-Effekte sind leider das einzig nennenswerte an dieser King-Verfilmung.

Donnerstag, 07.12.

20:15 Uhr – „Perfect World“ (VOX)

Ziemlich unter Wert gehandelte Ballade, die Clint Eastwood verdammt elegant in Szene setzt.

20:40 Uhr – „Tanz der Vampire“ (Arte)

Sehr, sehr komische, voller Elan gespielte Gruselparodie, die bei den Polanski-Wochen natürlich nicht fehlen darf.

Freitag, 08.12.

20:15 Uhr – „Das große Krabbeln“ (Pro7)

Genial-witziges, liebevolles, betörend animiertes Abenteuer aus dem Hause Pixar.

20:15 Uhr – „Der Weiße Hai 2“

Verhältnismäßig gelungenes Sequel, das ungünstigerweise permanent versucht, das Original zu erreichen – und dabei kläglich scheitert. Unabhängig davon ein spannender Tierhorrorfilm mit Slashereinschlag, ein Kind seiner Zeit eben. Den dritten Beißer, ehemals in 3:D, gibt es gleich im Anschluss.

23:10 Uhr – „Dich kriegen wir auch noch – Disturbing Behaviour“ (Pro7)

Mit unzähligen Genreverweisen angereicherte, hoffnungslos unterschätzte Bereicherung des Teenfilms, eine erstaunlich tiefgründige Auseinandersetzung mit den Problemen und Ängsten von Jugendlichen, die nur manchmal in Zugeständnisse an das MTV-Publikum abdriftet.

News: HOT FUZZ Trailer!

Nach den beiden irrekomischen Teasern (siehe hier), jetzt der richtige Trailer zu Edgar Wrights "Hot Fuzz"! Die beiden coolen Plakate gab es ja bereits hier zu sehen.

---> Trailer small / large <---

Vorschau: Upcoming Reviews

Demnächst Filmbesprechungen zu: „Flags of our Fathers“ (Clint Eastwood), "Black Christmas" (Glen Morgan), "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter" (Stefen Fangmeier), „Pan’s Labyrinth“ (Guillermo del Toro) und „Stranger than Fiction – Schräger als Fiktion“ (Marc Forster).