März 20, 2012

Zuletzt gesehen: BOARDWALK EMPIRE Season 1& 2

Qualitätsfernsehen mit HBO-Gütesiegel, sorgfältig produziert und jenseits der mit formattypischen Bestimmungen (Laufzeit) und gängigen Accessoires (Cliffhangern) langweilenden TV-Serien-Generik. "Boardwalk Empire" braucht lange, sehr lange, um seine Handlungsfülle publikumswirksam zu strukturieren und irgendwann schließlich auch einfach mal laufen zu lassen. Die bis ins Detail durcherzählte historische (Parallel)Welt bildet einen in dieser Vielschichtigkeit so noch nicht gesehenen Spielraum der Roaring Twenties – für ein gleichfalls kunterbuntes Personal, dessen Geschichten vom großen öffentlichen Politskandal bis zur intimen Ehekrise, von der organisierten Kriminalität bis zum gewöhnlichen Prohibitionsalltag reichen. Im Groß des Fluchens und Fickens wird dabei wieder einmal die alles entscheidende Männlichkeit auf den Prüfstand gestellt, und das mitunter aufs Allervorzüglichste.

Der plotgewaltigen Komplexität folgt dahingegen ein Hang zu seichtem Symbolismus: Wenn der Kapitalmogul Nucky Thompson (Steve Buscemi) in jeder Folge aufs Neue sein Geld im Close-Up zählt, verkommt ein zunächst charakteristisches Ritual zur figuralen Widerholungsskizze. Mit der sicheren Hand eines Martin Scorsese etwa führt eben keiner der soliden Fernsehregisseure die sich dem Pilotfilm anschließenden Episoden. Als rein narrative Alternative zur inhaltlichen Verdichtungsästhetik und äußeren Opulenz der thematisch verwandten Kinoepen von Coppola über Leone empfiehlt sich "Boardwalk Empire" aber durchaus. Für zwischendurch.


60%

Kommentare:

  1. Seit wann guckst du Serien?

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    1. [x] nie
      [x] wenn ich besonders verzweifelt bin
      [x] stark selektiv
      [ ] Serien sind besser als Kino

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  2. Hätte mir mehr Euphorie erwartet.
    Das Finale der 2. Staffel war meiner Meinung nach, sehr schön gegen den Strich gebürstet und so nicht unbedingt zu erwarten (okay, die böse Vorahnung war vorhanden aber man dachte sich eben ständig:
    Das ziehen die jetzt doch nicht durch, oder?).
    Nucky ist jetzt zumindest völlig als "Leading Unsympath" etabliert worden, obwohl ihn seine nervtötende Ehefrau diesen Rang durchaus ablaufen kann.

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    1. ***SPOILER***

      Einspruch:

      Nucky ist der Grund, warum ich die Serie schaue. Eine so komplexe Figur durfte Buscemi während seiner gesamten, ja nun nicht gerade höhepunktlosen, Karriere noch nie spielen.

      Umso bedauerlicher fand ich die Verlagerung seines Zentrums in der zweiten Staffel, das ja zuvor noch schrittweise etabliert wurde, und umso mehr gefiel mir dann doch die schlussendliche Richtung. Zumal die Darmody-Sippe ja durch und durch abscheulich war.

      Ich gebe Dir allerdings Recht: Margaret Schroeder/Thompson wollte ich schon in der ersten Folge erschießen. Das ist eine so ätzende, einzig um Wehleidigkeit herum konstruierte Figur, dass ich jeden Raum, den sie im Laufe der Serie einnahm, wirklich bedauerte. Ihre plötzliche Wandlung zur gewissenvollen Heiligen ist auch so dermaßen unglaubwürdig geschrieben, dass es mir die Klöten auf links zieht.

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