Februar 02, 2012

Kino: TINKER TAILOR SOLDIER SPY

Machtspiele und Intrigen im britischen Geheimdienst, komplexe und folgenschwere Verstrickungen im Leben von Agenten und Spionen: In der Welt des englischen Kanonschriftstellers John le Carré verwischen nicht nur moralische Grenzen, seine Protagonisten bleiben auch ungreifbare Figuren, geführt wie Marionetten in einer seltsamen Parallelwirklichkeit. Dutzend- fach wurden die Spionagegeschichten des Bestsellerautors bereits adaptiert, nun probiert sich Tomas Alfredson mit "Dame, König, As, Spion" an einem seiner berühmtesten Stoffe. [...]

Januar 31, 2012

Zuletzt gesehen: FILME IM JANUAR 2012


(USA 1973, Terrence Malick) (8/10)

(USA 1978, Terrence Malick) (7/10)

(USA 1998, Terrence Malick) (7/10)

(USA/GB 2005, Terrence Malick) (5/10)

(USA 2011, Terrence Malick) (9/10)

(USA 1997, Simon West) (2/10)

(USA 1989, Steven Spielberg) (5/10)

(RP/F 2009, Brillante Mendoza) (4/10)

(I 1970, Elio Petri) (7/10)

(E 2009, Pedro Almodóvar) (4/10)

(USA 2009, Travis Mathews) (1/10)

In Their Room: Berlin
(D 2010, Travis Mathews) (3/10)

(USA 2010, Travis Mathews) (1/10)

(USA 2011, Clint Eastwood) (7/10)

(USA 2011, Martin Scorsese) (5/10)

(GB 1989, Herbert Wise) (2/10)

(GB 2011, James Watkins) (5/10)

(USA 2011, Jeff Nichols) (7/10)

(USA 2010, Dennis Dugan) (2/10)

(USA 2011, Dennis Dugan) (5/10)

(J 1965, Kihachi Okamoto) (4/10)

(USA 2011, Cameron Crowe) (1/10)

(F/B 2009, Hélène Cattet & Bruno Forzani) (4/10)

(D 1993, Hape Kerkeling) (3/10)

(B/F/D 1971, Harry Kümel) (4/10)

(USA 1999, George Lucas) (8/10)

(D 1984, Dominik Graf) (3/10)

(D 1995, Dominik Graf) (8/10)

(D 1996, Dominik Graf) (8/10)

(D 1998, Dominik Graf) (7/10)

(D 2006, Dominik Graf) (8/10)

(D 2007, Dominik Graf) (6/10)

(D/AUS 2011, Michael Maier) (6/10)

(USA 2011, John Dahl, S.J. Clarkson u.a.) (5/10)

.

Januar 26, 2012

Vadim Glowna

†70

Januar 25, 2012

Theo Angelopoulos

  †76

Januar 21, 2012

Zuletzt gesehen: AMER

Ein Meisterwerk formaler Könnerschaft, das in der akribischen, ja geradewegs punktuellen Nachempfindung spezifischer Genremotive und ihrer Eigenschaften gleichförmig vor sich hin illustriert, während sich das ästhetische Flirten mit ruchbaren Symbolen und Inszenierungstricks nach und nach als bloße Anfertigung erweist. Statt den dargestellten (sexual-psychologischen) Horror zu ergründen, konzentriert "Amer" ihn von der ersten Minute an lediglich pittoresk auf der Bildebene, die seine ausufernden Einfälle in der Summe unsichtbar wie Fliegen auf grauem Samt werden lässt (lärmenden akustischen Signalen zum Trotz). Eindrucksvolle Kunstfertigkeit verklumpt zur wirkungslosen und bald auch lästigen handwerklichen Demonstration, die Aneignung der Grundlagen behauptet, aus ihnen aber keine eigene Kraft, geschweige denn genuine Sinneslust schöpft (oder nachvollziehbare Eindrücke). Was über dem Verpuffungseffekt bleibt, ist passivierendes Anschauungsmaterial, das seltsam zwischen Experimentalfilm und Giallo-Gebilde hängt, und dessen Potenzial in eine gesamtfilmische Form gepasst so viel realiter effektiver wäre. Ein laues stilistisches Lüftchen, das wohl nur in die hoffnungsvoll offenarmige Gunst der Genre-Aficionados wehen kann.


40%

Januar 19, 2012

Kino: J. EDGAR

Lieber hätte sie einen toten Sohn, als einen Narziss, eröffnet Judi Dench ihrem John Edgar mit versteinerter Miene. Was die Mutter dem künftigen FBI-Ermittlerguru in diesem, vielleicht dem schrecklichsten Moment von "J. Edgar" rhetorisch verkleidet raten möchte, ist nicht weniger als ein Leben im Duckmäusertum. Die nach wie vor nur vermutete Homo- sexualität des FBI-Begründers rückt in der Kinoadaption seines Schaffenswerkes ins Zentrum aller Geschehnisse. Wider Erwarten erzählt Clint Eastwood keine faktenorientierte Politik-, sondern eine sanftmütige Liebesgeschichte. Zwischen J. Edgar Hoover und seinem engsten Vertrauten, dem Anwalt und Berater Clyde Tolson. [...]

Januar 18, 2012

Kino: THE ARTIST

Was selbst der nicht-cinephile Mensch weiß: Die Ablösung des Stummfilms durch Musik, Sprache und Geräusche separat aufzeichnende Produktionen Ende der 1920er-Jahre brachte nicht nur die (ton)ästhetische Erweiterung, sondern kostete auch unzählige Größen des Kinos die Karriere. Der Selektionsprozess im Umbruch der Filmherstellung forderte beides, große Gesten und Stimmen, im von Einwanderern kultivierten Hollywoodland vorzugsweise akzentfrei. Eine eigentlich spannende Herausforderung für "den Künstler", wäre der Kampf gegen neue Gesichter und attraktive Präsentationsformen des Tonfilms für viele von ihnen nicht bereits vorzeitig entschieden gewesen. Wer die Auto- umstrukturierung der Filmstudios am Vorabend ihrer Goldenen Ära überstand, schaute in eine verheißungsvolle Zukunft ("Garbo talks!"). Andere gerieten in Vergessenheit, nahmen sich das Leben oder starben verarmt. [...]

Januar 17, 2012

Kino: JACK AND JILL

Die US-amerikanische Filmkritik war sich einig: "Jack und Jill" sei nicht nur das Schlechteste, was das Kinojahr 2011 hervorgebracht habe, sondern überhaupt könnten Filme ganz allgemein nicht mehr schlimmer werden als die neue Adam-Sandler-Komödie. Dem weitgehend einhelligen Tenor fügten sich die Zahlen: An den heimischen Kinokassen spielte der 80 Millionen Dollar teure Verkleidungsklamauk nicht einmal seine Kosten ein, fiel also selbst beim sonst so Sandler-treuen Publikum durch. [...]

Januar 16, 2012

Annual Golden Globes 2012: Winners

Die Gewinner der Golden Globes 2012 hat die HFPA hier zusammengefasst. Die Verleihung war arschlangweilig. Ricky Gervais enttäuschte. Meryl Streep gewann. Und ich hasse "The Artist".

Januar 10, 2012

» Der Film spielt selbstverständlich in Berlin. Und nie wurde der absurde Hype um diese Stadt so deutlich. «


YouTube-Filmkritik zwischen Intellektuellenparodie und Selbst- vertrashung (hoffe ich jedenfalls). Ein Amusemeng mit dem Touch des Irren. Label: Jungstudis machen Jux, lesen Heidegger, vergeistigen Homophilie.

Auf Platz 1 der "besten Filme" setzte Wolfgang M Schmitt Junior übrigens des Hipster Xavier Dolans Godard-Pastiche "Herzensbrecher".

Januar 01, 2012

Filmjahr 2011: Das Gute, Schlechte und the Ugly

Top 25 – Best of the Best

1. The Tree of Life
(Terrence Malick)


2. Cassandras Warnung
(Dominik Graf)


3. The Innkeepers
(Ti West)


4. My Soul to Take
(Wes Craven)


5. Hanna
(Joe Wright)


6. The Terrorists
(Thunska Pansittivorakul)


7. Meek's Cutoff
(Kelly Reichardt)


8. The Skin I Live In
(Pedro Almodóvar)

 
9. Das schlafende Mädchen
(Rainer Kirberg)


10. Weekend
(Andrew Haigh)

 

11. Limitless (Neil Burger)
12. Cave of Forgotten Dreams (Werner Herzog)
13. Final Destination 5 (Steven Quale)
14. Beyond (Pernilla August)
15. The Woman (Lucky McKee)
16. Unter Kontrolle (Volker Sattel)
17. Dreileben - Komm mir nicht nach (Dominik Graf)
18. Attack the Block (Joe Cornish)
19. Twilight: Breaking Dawn - Part 1 (Bill Condon)
20. Die Jungs vom Bahnhof Zoo (Rosa von Praunheim)
21. Restless (Gus Van Sant)
22. Attenberg (Athina Rachel Tsangari)
23. Madame X (Lucky Kuswandi)
24. The Way Back (Peter Weir)
25. The Torturer (Rob Zombie)


Gut bis sehr gut


We Are What We Are (Jorge Michel Grau)
Esel mit Schnee (Romuald Karmakar)
127 Hours (Danny Boyle)
Bridesmaids (Paul Feig)
Mission: Impossible - Ghost Protocol (Brad Bird)
Confessions (Tetsuya Nakashima)
Film socialisme (Jean-Luc Godard)
The Adventures of Tintin (Steven Spielberg)
The Yellow Sea (Na Hong-jin)
X-Men: First Class (Matthew Vaughn)
Stick Climbing (Daniel Zimmermann)
Man at Bath (Christophe Honoré)
TRON: Legacy (Joseph Kosinski)
Thor (Kenneth Branagh)
Familiar Ground (Stéphane Lafleur)
Perfect Sense (David Mackenzie)
Blutzbrüdaz (Özgür Yildirim)
Nader and Simin, a Separation (Asghar Farhadi)


Annehmbar


Silver Bullets (Joe Swanberg)
Auf der Suche (Jan Krüger)
Justin Bieber: Never Say Never (Jon Chu)
Julia's Eyes (Guillem Morales)
Twenty Cigarettes (James Benning)
Hatchet II (Adam Green)
True Grit (Joel & Ethan Coen)
The Princess of Montpensier (Bertrand Tavernier)
Rabbit Hole (John Cameron Mitchell)
8 Uhr 28 (Christian Alvart)
In Time (Andrew Niccol)
The Next Three Days (Paul Haggis)
Super 8 ( J.J. Abrams)
Don't Go Breaking My Heart (Johnnie To & Wai Ka-Fai)


Zwiespältig


Melancholia (Lars von Trier)
Winter's Bone (Debra Granik)
The Stool Pigeon (Dante Lam)
Die Stunde des Wolfes (Matthias Glasner)
Paul (Greg Mottola)
Burlesque (Steven Antin)
Essential Killing (Jerzy Skolimowski)
Fucking Different XXX (Bruce LaBruce, Todd Verow u.a.)
Colombiana (Olivier Megaton)
Drive Angry (Patrick Lussier)
Susya (Dani Rosenberg & Yoav Gross)
The Ward (John Carpenter)
The Puppet Player (Abdenour Zahzah)
Insidious (James Wan)
Blue Valentine (Derek Cianfrance)
Dreileben - Etwas Besseres als den Tod (Christian Petzold)
Sanctum (Alister Grierson)
Source Code (Duncan Jones)
Tuesday, After Christmas (Radu Muntean)
Rise of the Planet of the Apes (Rupert Wyatt)
Toast (S.J. Clarkson)
Oki's Movie (Hong Sang-soo)
The King's Speech (Tom Hooper)
Homevideo (Kilian Riedhof)
Scream 4 (Wes Craven)
Harry Potter & the Deathly Hallows Part 2 (David Yates)


Schlecht


Scenes From The Suburbs (Spike Jonze)
Heartbeats (Xavier Dolan)
The Fighter (David O. Russell)
Black Swan (Darren Aronofsky)
Devil (Drew & John Erick Dowdle)
The Ides of March (George Clooney)
Hereafter (Clint Eastwood)
A Dangerous Method (David Cronenberg)
Blackmail Boys (Bernard & Richard Shumanski)
The Hole (Joe Dante)
Dreileben - Eine Minute Dunkel (Christoph Hochhäusler)
Vampire (Shunji Iwai)
The Help (Tate Taylor)
Fright Night (Craig Gillespie)
Midnight in Paris (Woody Allen)
Norwegian Wood (Tran Anh Hung)
Cowboys & Aliens (Jon Favreau)
Abduction (John Singleton)
I Saw the Devil (Kim Ji-woon)
The Thing (Matthijs van Heijningen Jr.)
Carnage (Roman Polanski)
Let Me In (Matt Reeves)


Unerträglich


Incendies (Denis Villeneuve)
Beginners (Mike Mills)
Road to Nowhere (Monte Hellman)
The Green Hornet (Michel Gondry)
Art History (Joe Swanberg)
Giallo (Dario Argento)
Brighton Rock (Rowan Joffe)
Terribly Happy (Pimpaka Towira)
Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (Rob Marshall)
Father (José María de Orbe)
Season of the Witch (Dominic Sena)
The Smurfs (Raja Gosnell)
Certified Copy (Abbas Kiarostami)
Kaboom (Gregg Araki)
Transformers: Dark of the Moon (Michael Bay)
Urban Explorer (Andy Fetscher)
Captain America: The First Avenger (Joe Johnston)


Mutwillige Schändung von Körper und Geist


Sucker Punch (Zack Snyder)
Hell (Tim Fehlbaum)
The Voice (Umit Unal)
Eine Serie von Gedanken (Heinz Emigholz)
The Hangover Part II (Todd Phillips)
Incendiary (Sharon Maguire)
An Afternoon Siesta (Panayotis Evangelidis)
Cold Fish (Sion Sono)
Love and Other Drugs (Edward Zwick)
Auschwitz (Uwe Boll)




Anmerkungen:

Für die Liste habe ich nur deutsche Kino-, DVD- oder Festivalstarts berücksichtigt, also nichts, das man nur in Cannes oder Venedig sehen konnte bzw. als Film- interessierter ohne besondere Privilegien gar nicht nachvollziehen kann.

Sichtung ins nächste Jahr verlegt, weil dort mit deutschem Kinostart angekündigt: The Turin Horse, Michael, The Kid with a Bike, House of Pleasures, Once Upon a Time in Anatolia

Bereits gesehen, aber wegen verspäteter offizieller Starts erst für die Jahresliste 2012 gewertet: Tinker Tailor Soldier Spy, Drive, The Artist, War Horse

Zuletzt gesehen: FILME IM DEZEMBER 2011


The Artist
(F 2011, Michel Hazanavicius) (4/10)

Mission: Impossible - Ghost Protocol
(USA 2011, Brad Bird) (6/10)

War Horse
(USA 2011, Steven Spielberg) (4/10)

Låt den rätte komma in [Let the Right One in]
(S 2008, Tomas Alfredson) (9/10)

Tinker, Tailor, Soldier, Spy
(GB/F 2011, Tomas Alfredson) (9/10)

D.A.R.Y.L.
(USA/GB 1985, Simon Wincer) (3/10)

Die Stunde des Wolfes
(D 2004, Matthias Glasner) (4/10)

Hook
(USA 1991, Steven Spielberg) (2/10)

Ok-hui-ui yeonghwa [Oki’s Movie]
(ROK 2010, Hong Sang-soo) (4/10)

La Piel que habito [The Skin I Live In]
(E 2011, Pedro Almodóvar) (8/10)

Essential Killing
(IRL/N/PL/H 2010, Jerzy Skolimowski) (4/10)

The Long Kiss Goodnight
(USA 1996, Renny Harlin) (3/10)

Critters
(USA 1986, Stephen Herek) (5/10)

Critters 2: The Main Course
(USA 1988, Mick Garris) (5/10)

Critters 3
(USA 1991, Kristine Peterson) (4/10)

The Relic
(USA/J/D 1997, Peter Hyams) (3/10)

Copie conforme [Certified Copy]
(F/I/IR 2010, Abbas Kiarostami) (2/10)

Rabbit Hole
(USA 2010, John Cameron Mitchell) (5/10)

Jodaeiye Nader az Simin [Nader and Simin, a Separation]
(IR 2011, Asghar Farhadi) (6/10)

The Help
(USA/IND/UAE 2011, Tate Taylor) (3/10)

Aita [Father]
(E 2010, José María de Orbe) (2/10)

Attenberg
(GR 2010, Athina Rachel Tsangari) (7/10)

The Nightmare Before Christmas
(USA 1993, Henry Selick) (8/10)

Ses [The Voice]
(TR 2010, Umit Unal) (1/10)

Marti, dupa craciun [Tuesday, After Christmas]
(RO 2010, Radu Muntean) (4/10)

Black Christmas
(USA/CDN 2006, Glen Morgan) (5/10)

Top Secret!
(GB/USA 1984, ZAZ) (7/10)

Svinalängorna [Beyond]
(S/FIN 2010, Pernilla August) (7/10)

Taken
(F/GB/USA 2008, Pierre Morel) (6/10)

The Ides of March
(USA 2011, George Clooney) (3/10)

Captain America: The First Avenger
(USA 2011, Joe Johnston) (2/10)

Auschwitz
(D/CDN 2011, Uwe Boll) (1/10)

Weekend
(GB 2011, Andrew Haigh) (8/10)

Noruwei no mori [Norwegian Wood]
(J 2010, Tran Anh Hung) (3/10)

Incendies
(CDN 2009, Denis Villeneuve) (2/10)

La Princesse de Montpensier [The Princess of Montpensier]
(F/D 2010, Bertrand Tavernier) (5/10)

Akmareul boatda [I Saw the Devil]
(ROK 2010, Kim Ji-woon) (3/10)

.

Dezember 31, 2011

Zuletzt gesehen: I SAW THE DEVIL [aka. AKMAREUL BOATDA aka. HASCH MICH, ICH BIN DER OLDBOY]

Sagenhafter Quatsch zum Quadrat, der sich in einer selbstherrlichen Mischung aus Gorebauer-Pleaser mit Torture-Porn-Zielsetzung und scheinorigineller Drehbuchhyper- konstruktion als kunstvolle Variante des ja besonders im südkoreanischen Kino offenbar nimmer abgenudelten Rachethrillers vorkommt, sich aber samt jeder einzelnen seiner aufgeblasenen 140 Minuten in komplettem Schwachsinn besäuft. Von zwei, drei guten Einfällen abgesehen, inszeniert Kim Jee-woon mit schier unglaublicher Beharrlichkeit eine Blödsinnsidee nach der anderen in ständigen Nah- und Halbnahaufnahmen (grandios-doofer Höhepunkt: das formal von Emmanuel Lubezkis Kamerachoreographie geräuberte und innerhalb der Handlung vollkommen irrelevante Blutgesuppe im fahrenden Auto), während sich Choi Min-sik flagrant an einer Parodie seiner "Kultrolle" vom Hammer schwingenden "Oldboy" abarbeitet (mit Erfolg). Ein Film, der offenbar im kompletten Vollrausch entstanden ist und dank seiner hanebüchenen "Wendungen" auf Backebackekuchenniveau sowie der herrlich doofen Anbiederungsstrategie, dumpfesten Splatter mit Schau-mal-einer-da-Logik zu veredeln, gebührend vertrasht werden muss. Zumindest, so lange man sich an der Kunstfeindlichkeit dieser Mumpitzapotheose nicht die Zähne ausschlägt – was keinem zu verübeln wäre. (Extrapunkte für die super tighten Klamotten des Hauptdarstellers!)


30%

Dezember 27, 2011

Zuletzt gesehen: AUSCHWITZ

Von der Konzeption ("zeigen, wie es wirklich war") bis zur Ausführung eine bodenlose Unverschämtheit, die ihre geradezu prätentiöse Schwachsinnigkeit auch noch erzieherisch verstanden wissen will. Ungeniert und gedankenlos gebärdet sich der Film zwischen allerschlimmster Exploitation – Kindererschießungen im Close-Up mit CGI-Blut, Selbstinszenierung Uwe Bolls als SS-Mann vor Gaskammer- türen, das alles bei gleichzeitiger "Akkuratesse" in der Darstellung des Alltags systematischer Tötung – und schamloser Pseudo-Dokumentation, bei der zum Thema befragte Schüler gnadenlos dem tendenziös-idiotischen Geplapper des Regisseurs ausgesetzt und damit aufs Schlimmste düpiert werden. Als Sättigung des schon barbarisch gehaltlosen Abfalls scheut Boll in einer wohl als Conclusio gedachten Geste totaler Geistesabwesenheit schlussendlich auch nicht davor zurück, den Holocaust als quasi "gängiges" Beispiel eines Massenmords in die Geschichte einzugliedern, so wie etwa der Genozid in Darfur oder die Unterjochung der Indianer durch die "Amerikaner" (sic), und diese "Erkenntnis" fortlaufend zu kolportieren ("also gab’s das schon öfter"). Solchem Irrsinn kann man nur noch ohnmächtig ein Zitat gegenüber stellen: "Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun." (Orson Welles). 


0%

Zuletzt gesehen: THE IDES OF MARCH

Ein das eigene Sujet trivialisierendes Drama vor behaupteter Politkulisse, mit dem sich Regisseur, Hauptdarsteller und Co-Autor George Clooney erneut als großer Denker unter Hollywoods Schauspielequipe in Szene setzt. Im Zusammen- hang mit dem historische Wendungen versprechenden US-Wahlkampf Obama/McCain im Jahre 2008 hätte "The Ides of March" möglicherweise noch so etwas wie einen tagesaktuellen Reiz versprüht, hier und jetzt hingegen hängt er nur wie das schwere Pappende eines klebrigen Fliegenfängers im luftleeren Raum. Dass sich der Film hinter vordergründiger Scheinkomplexität zudem als bloßes Lobbyprodukt von und für Demokraten erweist, geeignet fürs kollektive Abnicken unter Gesinnungsgenossen, macht ihn selbstverständlich auch nicht relevanter. Denn um Politik, also Entscheidungsprozesse und deren Inhalte, geht es in "The Ides of March" keine Minute, das Drehbuch kreist einzig um eine melodramatische Sexaffäre, die dem Präsident- schaftskandidaten zum Verhängnis werden könnte, sowie die hiermit verknüpfte Gewissensprobe eines Wahlkampfhelfers. Damit legt Clooney eben nicht, wie man ihm so bequem andichten könnte, den politischen Machtapparat als moralischen Zirkus frei, sondern bestätigt unter Zuhilfenahme von Seifenopernklischees bestenfalls dessen Fragilität – und wie sehr man doch nach den Regeln der Korruption spielen müsse, um die eigenen Ideen sicher ins Ziel bringen zu können. Was für eine tiefsinnige politische Erkenntnis. 


35%

Dezember 26, 2011

Kino: BLUTZBRÜDAZ

Irgendwann wollen sie alle mal Kino machen, die Popstars, auch wenn die Filmgeschichte mit ihren Konvertierungs- versuchen selten gnädig ist. Zu den wenigen Ausnahmen von der Regel zählte 2002 Eminems Sozialdrama "8 Mile", das nicht nur Hip-Hop im Musikfilm-Mainstream verankerte, sondern auch eine ganze Serie ähnlich ausgerichteter Filme nach sich zog. Mit etwas Verspätung erreicht der Trend jetzt allmählich auch die deutsche Kinoproduktion.

Den Anfang machte im letzten Jahr der hierzulande erfolgreichste und zwischenzeitlich gar mit dem Integrations-Bambi ausgezeichnete Rapper Bushido, der seine autobiographische Notdurft mithilfe von Bernd Eichinger verrichtete. Die Erkenntnis aus vermöbelten Frauen, bedingungsloser Mutterliebe und schließlich medienwirksamer Imagetüftelei lautete feingeistig "Zeiten ändern Dich" und legte die Messlatte für deutsche Hip-Hop-Spielfilme in beeindruckender Weise bei Null an.

Bushidos ehemaliger Label-Buddy, dann Erzfeind und jetzt wieder verbrüderter Duett-Digga Paul Würdig aka. Sido musste als zweiterfolgreichster Deutsch-Rapper bislang noch auf eine Filmhauptrolle warten. Unter der Regie von Özgür Yildirim ("Chiko") und mit Vorzeige-Produzenten-Credit im Rücken (Fatih Akin) darf nun auch Sido Kino machen. Trotz gleicher Produktionsgesellschaft (Constantin) könnte sich dessen erster Film von Bushidos hochnotpeinlicher Marketingchose kaum krasser unterscheiden.

"Blutzbrüdaz" ist keine Adaption, kein Biopic und kein Musikstarvehikel. Sido spielt nicht sich selbst und er muss auch nicht Eckpunkte seines Lebens oder seiner Karriere unbeholfen nachstellen. Er verkörpert eine Figur, genau wie seine langjährigen Weggefährten B-Tight oder Apla Gun, die in weiteren Hauptrollen zu sehen sind. Der Film erzählt eine frei entwickelte und recht konventionell strukturierte Geschichte über den steinigen Weg zum Erfolg im Berliner Rapmusikgeschäft. That’s it. Und glücklicherweise.

Denn das von Özgür Yildirim mit leichter Hand inszenierte Sido-Kinodebüt als ulkige Komödie aufzuziehen, ist wahrscheinlich die einzig logische Konsequenz, die man aus Fremdscham-Debakeln wie dem Bushido-Film oder ähnlich missglückten US-Pendants ("Get Rich or Die Tryin") ziehen konnte. Statt Imagepflege gibt’s Selbstironie, statt Pseudo-Gangster-Getue augenzwinkernden Humor mit großen Jungs. Und es geht auch nicht um die irrelevanten Tagebuchweisheiten eines Rappers, sondern tatsächlich um Musik und einen spezifischen Teil der Berliner Hip-Hop-Kultur.

 
Mit einer am Ende der 90er angesiedelten Geschichte um zwei Rapper, deren Freundschaft auf dem Weg zum kommerziellen Musikgeschäft durch Missgunst und unterschiedliche Haltungen zum Hip-Hop auf eine Bewährungsprobe gestellt wird (Beef), reflektiert "Blutzbrüdaz" die neueren Entwicklungen in der Szene (leichte Parallelen zu Aggro Berlin inbegriffen) mit erfrischendem Unernst, naivem Charme und geradezu niedlich-quirligen Figuren. Selbst die Klischees des Genres, den Chauvinismus etwa oder das unsägliche Mackergetue, bricht der Film auf erheiternde Art.

Damit ist "Blutzbrüdaz" ein wohltuender Gegenentwurf zur proletenhaften Attitüdenrevue von "Zeiten ändern Dich", der sich mit anbiedernden Korrekturen am Medienimage seines Hauptdarstellers auch noch selbst demontierte. Wie sehr sich die beiden Filme der aktuell erfolgreichsten deutschen Rapper unterscheiden, zeigen nicht zuletzt ihre jeweiligen Schlussszenen: Bushido trällerte sich mit Karel Gott und seiner Biene Maja zum unglaubwürdigen Saubermann-Jungchen, während Sido in "Endstation" den Persönlichkeits- verlust im kommerziellen Hip-Hop beklagt.


60% - erschienen bei: gamona

Dezember 20, 2011

Zuletzt gesehen: THE HELP

Nach allen Regeln der Kitschkunst gefertigtes Rührstück über schwarze Hausmädchen im Mississippi der 60er, die nicht mehr nur länger bei Wohnungsputz und Kindererziehung weißer Mittelstandsfamilien helfen, sondern auch eine junge angehende Journalistin zu einem Buch über ihren diskriminierenden Arbeitsalltag inspirieren. Mit einem üppigen Ensemble, das der sorgfältig aufgezogenen Süßlichkeit die volle Breitseite verleiht, und einer beispiellos schwarzweiß gedachten Konfliktdramaturgie erfüllt "The Help" nicht nur jegliche Oscarkriterien mit Auszeichnung, sondern setzt die Tradition eindimensional gestrickter Hollywoodfilme ähnlicher Ausrichtung gnadenlos fort. Schwarze versteht der Film unterm Strich als Menschen ohne Eigenschaften, die sich mit Opfergaben in die Selbstlosigkeit demütigen (lassen), wenn sie nicht gerade mit klischeehafter Güte und Weisheit stillschweigend die ganz große Wahrheit hinter allem erkennen – bis im Finale die Ansprachen fallen, was sonst. Dass "The Help" deren weiße Unterdrücker zu aufgetakelten, geradezu karikaturesken Antagonisten stilisiert, um aus rassistischer Aggression auch noch fiebrige Spannungsmomente zu kreieren, versichert ihn aber immerhin gegen jede Form von Ernsthaftigkeit. Eine doppelt und dreifach gezuckerte Schmalzstulle von einem Film, bei der man wohl selbst noch den Erstickungstod in Kauf nehmen muss, um wenigstens eine Träne der Rührung vergießen zu können. Help!


30% (siehe auch: "The Blind Side")

Dezember 19, 2011

Zuletzt gesehen: RABBIT HOLE

Fast schon penetrant gut gemeintes Familienmelodram, in dem ein Mittelklasseehepaar darum bemüht ist, den Tod seines vierjährigen Sohnes bewältigen und wieder auf die Alltagsbahnen des gewohnheitsmäßigen Suburbia-Lebens zusteuern zu können. Obwohl John Cameron Mitchells Inszenierung Subtilitäten mal wieder ganz hinten anstellt (vgl. auch "Shortbus") und das vom Autor der Theatervorlage, David Lindsay-Abaire, selbst adaptierte Drehbuch scheinbar keine konstruierte Offensichtlichkeit auslassen möchte, gelingen "Rabbit Hole" einige mehr als passable Momente, in denen der eindringliche Stoff konzentriert problematisiert wird. Dem Film hätte dabei weniger Üppigkeit in seinen evidenten Details gut getan, tieferes Kratzen am Oberflächenlack ebenso. Kidman und Eckhart spielen sich mit bemerkenswerter Zuversicht an allen Schwächen vorbei, wobei er noch viel besser ist als sie und trotzdem nicht für den Oscar nominiert wurde. In einer (nicht unfreiwillig komischen) Szene überraschte mich übrigens ein herzlicher Lachanfall, für den ich dem Film zusätzlich sehr dankbar bin.


50%

Dezember 18, 2011

Zuletzt gesehen: COPIE CONFORME [aka. CERTIFIED COPY aka. DIE LIEBESFÄLSCHER]

Intellektuelle Vergnügungssucht über einen englischen Buchautor und eine französische Kunsthändlerin, die in wohlgestalten Plansequenzen durch die Toskana flanieren, anregende Gespräche führen und schlechten Wein trinken. Ihr arbiträres Diskursgeschwafel über Kunst- und darüber abgeleitete Lebensfragen gerinnt bald zur trügerischen Demonstration von Schein und Sein, während sich im eitlen Vortragsgestus der beiden Protagonisten vor allem immer erst einmal dickwanstig aufgeplustert wird, um dann deklamatorisch auf den eigenen einfältigen Hirnsport zu verweisen. Irgendwann grinst die Binoche dann mal in die Kamera und winkt den Fetischisten der Vierten Wand zu, ob dass sich das Gedankengeflecht noch weiter verdichten mag. Was in diesem scheinbar kopfsportlich gedehnten Debattier- clubverhalten herumkommt, ist so geistreich wie der Burger mit Pommes und Cola, den Binoches Filmsohn zu Beginn bestellen lässt – eine Figur apropos, die den urgrundbanalen Sublimierungszirkus schon durchschaut, bevor er überhaupt begonnen hat. Nur mag das Regisseur Abbas Kiarostami leider trotzdem nicht davon abhalten, diesem noch den ganz langen roten Teppich auszurollen und seine beiden "Liebesfälscher" darauf schamlos um die Wette palavern zu lassen. "It's not very simple being simple", wie wahr, wie wahr.


20%

Zuletzt gesehen: ESSENTIAL KILLING

Solider Prätentionsmainstream von der Festivalstange, dem das betont Unkonkrete wohl mal wieder als Schutz- mechanismus vor Deutungshoheit und Positionierung dienlich sein soll. "Essential Killing", der zweite Film des polnischen Neue-Welle-Urgesteins Jerzy Skolimowski nach dessen fast jahrzehntelanger Regiepause, fährt einige besonders ulkige Momente auf, während sich Vincent Gallo als Taliban-Irgendwas auf seinem Surivialtrip respektabel abmüht. In der kitschigen Visualisierung von Rückblenden und Träumen und Wahnvorstellungen und Christentrash tendiert der Film aber ins Kopfschüttelige. Was das forcierte Einleben in eine solche Figur eigentlich soll, bleibt natürlich auch unbeantwortet. 


40%