September 08, 2008

Diverses: FILMSUCHT

Der Blogger-Kollege Anthony alias Kaiser Soze hat mit 'Filmsucht' eine hübsche Idee verwirklicht: Eine Quasi- Datenbank mit Filmbesprechungen aus der Bloggersphäre. Noch ein wenig auf Beta-Niveau, wird das Projekt nach und nach wachsen und mit illustren Blog-Filmkritiken aufgestockt. check it out

September 06, 2008

News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Neue Poster


Ach ja, der deutsche Titel (siehe hier) wurde noch einmal bearbeitet: "How To Lose Friends and Alienate People" heißt deshalb jetzt - "New York für Anfänger" ...

TV: Fernsehtipps vom 06.09. - 12.09.2008

Samstag, 06.09.

20:15 Uhr – Out of Sight (VOX)

Soderbergh und sein Technokraten-Kino. Nervtötend. Die Coens haben wenigstens Humor, wenn schon kein Weltbild, Soderbergh hat eigentlich gar nichts.

20:15 Uhr – Signs – Zeichen (Pro7)

Unter Vorbehalt: Shyamalan wütet und marodiert in der Filmgeschichte, aber ob sein Film wirklich als spannender Suspense-Film mit Referenzanhäufung und Metaebene denn kongeniale Zuschauerverballhornung verstanden werden will, möchte ich nicht entscheiden. Immerhin funktioniert "Signs" sowohl als effektives Gruselstück, als auch niedliches Quasi-"Wizard of Oz"-Remake. Ist wohl sein bester Film.

22:20 Uhr – The Sixth Sense (Pro7)

Sehr solide, sehr atmosphärisch. Shyamalan noch frisch und vielversprechend, auch wenn nahezu jede Szene mit unnötiger Bedeutung aufgeladen und somit ordentlich Budenzauber praktiziert wird. In der allgemeinen Wahrnehmung ein reichlich verklärter Film – wer den als Klassiker preist, sollte unbedingt mal Jack Claytons "The Innocents" schauen.

23:30 Uhr – Red Heat (ZDF)

Annehmbare Buddy-Komödie mit Mottenkistenhumor und erschreckend schwachen Actionszenen. Die Saunanummer war schon immer gut, aber die braucht Dank Cronenberg jetzt auch keiner mehr.

0:25 Uhr – Düstere Legenden (RTL2)

Gut erzählt, stimmig inszeniert, tolle Musik von Christopher Young. Für einen Fahrwasser-Slasher mehr als anständig.

1:20 Uhr – Cyborg (SAT.1)

Super Trash-Spektakel, allerdings völlig entstellt. Lieber ausleihen und ein Triple-Feature mit "Nemesis" und "Shadowchaser" veranstalten.

Sonntag, 07.09.

20:15 Uhr – Das Reich der Sonne (Tele5)

22:35 – Bad Boys 2 (Pro7)

Wird auch noch mal ungeschnitten wiederholt, damit die Witze über Tote mit Riesentitten und Leichen auf der Fahrbahn so richtig zünden. Michael Bay ist vielleicht nicht der schlechteste Mainstream-Regisseur, den die 90er zu verschulden haben – bestimmt aber ist er der reaktionärste.

0:15 Uhr – Invasion vom Mars (K1)

Schon wieder ein großartiger Christopher Young. Der Film ist sogar auch sehr hübsch, wie die meisten Tobe Hooper-Arbeiten aus der Zeit.

Montag, 08.09.

20:15 Uhr – Freaky Friday (SAT.1)

Mädchen-Remake von "Big". Jamie Lee Curtis noch einmal in Höchstform, und sogar – man staune – Lifestyle-Lesbe Lindsay Lohan macht Spaß. Schöner Sonntagnachmittag-Film.

22:15 Uhr – Mord nach Plan (ZDF)

Von Barbet Schroeder viel zu routiniert und brav inszeniert, um interessant zu sein. Konventioneller Thriller, bei dem Ryan Gosling bereits verdächtig nach Over Acting stinkt.

Dienstag, 09.09.

20:15 Uhr – Fahrenheit 9/11 (K1)

Wesentlich schlampiger recherchiert als der Vorgänger und leider auch weniger pointiert und treffsicher. Dennoch: Die Filme von Moore eher als Glossen in bewegten Bildern, deren Polemik und Ideologie mehr Konzept als Beigeschmack sind, zu begreifen, könnte vielleicht den Blick freimachen für ebenso sehenswerte wie unterhaltsame Kommentare – die auch nur das sein können: Kommentare. Finde das Moore-Gebashe deshalb immer wieder aufs Neue ermüdend…

20:15 Uhr – Flug 93 (ZDF)

…wo doch Filme wie dieser das eigentlich Demagogische sind.

0:20 Uhr – Scarface (ARD)

Fand ich mal super. Mehr als einige inszenatorisch starke Momente gibt mir der mitunter alberne Chauvi-Quark heute aber nicht mehr. Läuft geschnitten, wobei die Uncut-Zielgruppe den sicher ohnehin in der supertollen Gore-Pimp-Fassung im Regal zu stehen hat.

Mittwoch, 10.09.

20:15 Uhr – 10 Dinge, die ich an dir hasse (K1)

Baz Luhrman sei Dank eine weitere wunderbare und kluge Shakespeare-Variation im Teen-Milieu. Ledger spielt absolut großartig.

22:55 Uhr – Evilution (Tele5)

Keine Ahnung, was das ist, aber der Titel kommt absolut geil.

Donnerstag, 11.09.

Nix.

Freitag, 12.09.

20:15 Uhr – X-Men (RTL2)

Funktioniert zwar insgesamt noch eher wie eine überlange Exposition (für die tolle, tolle Fortsetzung), ist aber zweifellos ein toll getrickstes Ensemble-Schaustück mit witzigem Homo-Subtext.

22:10 Uhr – Dead End (Das Vierte)

Warum dieser Film als Grusel-Geheimtipp gehandelt wird/wurde, ist mir ein Rätsel. Ich habe mich damals fast zu Tode gelangweilt ob des konstruierten, gewollten, ziellosen Gemischs.

September 04, 2008

News: MILK - Trailer!

Ganz frisch: Der Trailer zum neuen Film von Gus Van Sant. Kann alles oder nichts werden, die Rückkehr nach Hollywood.

Kino: KINOSTARTS - 04.09.2008

  • Wanted (Comic-Action, USA 2008) [Kritik]
  • Liebestoll im Abendrot - Tasogare (Drama, J 2008)
  • Wolke 9 (Drama, D 2008) [Kritik]
  • Winx Club - Das Geheimnis der verlorenen Königreichs (Animation, I 2007)

September 03, 2008

Kino: WOLKE NEUN

Die fast 70jährige Inge (Ursula Werner) ist seit 30 Jahren mit Werner (Horst Rehberg) verheiratet. Glücklich. Zufrieden. Eingespielt. Sie ist Schneiderin, sie verdient damit noch immer etwas Geld. Und sie lernt damit zufällig Karl (Horst Westphal) kennen, 76 und allein stehend. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Leidenschaft. Geborgenheit. Sex. Damit habe sie nicht mehr gerechnet, sagt sie. Und es solle ein Geheimnis bleiben, rät ihr die Tochter. Doch Inge kann ihrem Mann nicht länger in die Augen schauen, sie muss ihm die Wahrheit sagen.

Andreas Dresens Film ist versucht, ein stummes Tabu zu überwinden: Dass alte Menschen Sex haben, ja, dass ihnen vielleicht überhaupt eine Sexualität zugestanden wird, und dass sie ihren Lebensabend nicht mit monogamer Genüg- samkeit ausgestalten müssen. "Wolke 9" ist getreu Dresens Realismuskonzept ohne auffällige filmische Künstlichkeit in Szene gesetzt, mit natürlich wirkendem Licht und authen- tischen Schauplätzen. Der Film ist sehr stark darin, ein nostalgisches Gefühl für seine Figuren zu vermitteln: Die Wohnungen sind mit allen Details und Ausstattungsnoten einem gelebten Leben in der DDR nachempfunden, die Geschichte ließe sich problemlos (zum Beispiel) in einer typischen Pankower Siedlung verorten.

Universeller ist da schon die Fragestellung, ob eine 70jährige Frau noch ihren langjährigen Ehemann verlassen und mit einem anderen glücklich werden darf. Obwohl dies doch eigentlich die natürlichste Sache sein sollte, über die Dresen zu berichten weiß, nimmt der Film, tendenziell, schließlich eine moralische Haltung ein, die dem aufbrüchigen, ungeschönten, authentischen Charakter des Films Lügen zu strafen droht. Die Geschichte über die Kraft der Liebe ist vielleicht doch nur eine über das Dogma des Alters – was sich leise subversiv wähnt, endet laut konventionell. Oder, das ist die Frage, auch nur realistisch.


60%

Radio: FILM-BLUE MOON 10/08

Heute ab 22Uhr heißt es wieder zwei Stunden mitstreiten beim Film-Blue Moon auf Radio Fritz (Berlin/Brandenburg). Anrufen und sich aktiv an hitzigen Diskussionen beteiligen kann jeder - und einen Griff in die Fritz-Film-Geschenkekiste gibt es dann auch noch. Per Livestream oder direkt im Radio.

Das Sommerloch im Kino ist überstanden! Oder doch nicht? Mit "The Dark Knight" überrennt ein echter Megahit die Leinwände. Doch ansonsten? Filme mit großem Risiko- potenzial: Wollt ihr wirklich Adam Sandler als Borat... ach nein, "Zohan" sehen? Braucht irgendwer einen dritten Teil der "Mumie"? Und wer hat keinen kleinen Bruder, der bessere Animationen fabrizieren könnte als die Produzenten von "Clone Wars"? Gott Sei Dank schlummern mit dem "Sohn von Rambow" und "Frontalknutschen" ein paar echte Spät- sommer-Entdeckungen auf manchen Spielplänen... Ruft an und zerpflückt mit Ronald Bluhm und Tom Ehrhardt die letzten Reste des Kinosommers im "Film Blue Moon"!

September 01, 2008

Kino: WANTED

"Nightwatch" und "Daywatch" hießen die beiden Blockbuster und Exportgüter der sonst ja eher unauffälligen russischen Filmwirtschaft, mit denen Timur Bekmambetov zu einem gefragten, auch international attraktiven, Regisseur avan- cieren sollte. Gleich sein erster englischsprachiger Film nun ist ein bemerkenswert furioser Einstand in der Traumfabrik: "Wanted", die gleichnamige Verfilmung der Graphic Novel von Mark Millar, scheut keine Umwege und legt schon in den ersten Minuten mit virtuosen Shoot-Outs und fantasiereichen Actioneinlagen ein enorm hohes Tempo – und ein ebenso hohes Gewaltlevel vor. Und: Die rigorose, unverblümte, regelrecht hemmungslose Verspielt- und Gradlinigkeit dieses US-Debüts wirkt auch noch schwer ansteckend.

James McAvoy ist Wesley Gibson: 25 Jahre alt, liiert, Account-Manager. Ein ganz normaler Typ, möchte man meinen, der einen soliden Bürojob, eine hübsche Freundin, ein annehmbares Appartement hat, der mit beiden Beinen im Leben steht und weiß, was er kann. Oder: Was er nicht kann. Er kann zum Beispiel seinem Kollegen nicht die Fresse polieren, weil der mit dessen Freundin Beischlaf hält. Er kann seiner tyrannischen Chefin nicht die Meinung geigen, wenn sie ihn tagein, tagaus zusammenputzt. Und vor allem kann Wesley Gibson nicht aus seiner Haut: Er ist ein Loser. Ein Niemand. Einer, der Null Treffer erhält, wenn er seinen Namen bei Google eintippt.

Bis auf einmal die verführerische Fox (Angelina Jolie) neben ihm steht und das Leben des ahnungslosen Nichtsnutzes gehörig auf den Kopf stellt. Auf der Flucht vor einem unbekannten schießwütigen Killer (Thomas Kretschmann) wird Wes von einer Sekunde auf die nächste in spektakuläre Feuergefechte und wahnwitzige Verfolgungsjagden gezogen, ehe er sich im Hauptquartier einer alten Geheimorganisation wieder findet. Dort eröffnet ihm Teamführer Sloan (Morgan Freeman), dass er wie sein kürzlich ermordeter Vater zu einer kleinen Gruppe auserwählter Menschen gehört, die ein erhöhtes Reaktionsvermögen besitzen und daher vorher- bestimme Mordaufträge erfüllen müssten. Aus dem Verlierer von heute wird nach einem erbarmungslosen Training der Profikiller von morgen.

Bullet in the Head

Das ist durchaus eine ziemlich radikale Geschichte, die Bekmambetov hier in betont stilvolle Bilder übersetzt. Der umgepolte Wesley bleibt auch nach seiner Erhebung zum eiskalten Auftragsmörder der Identifikationsheld, wenn nicht gar jetzt erst recht: Den Bürostuhl hat er gegen Waffen- geschoss eingetauscht, und seine ohnehin grundierte Anti-Menschen-Moral ist einer – möchte man meinen – reichlich ungesunden Ideologie vom Übermenschen gewichen. Immerhin verstehen sich die auserwählten Mitglieder der Gruppe als eine Art neue "Herrenrasse", die durch besonderes Genmaterial konventionelle Ordnungen überwinden möchte. In Heilbädern schließlich regenerieren sich die Schützen nach Aufträgen, ehe sie neue Anweisungen aus dem mysteriösen Codegenerator befolgen.

Zugegeben, "Wanted" muss sich vielleicht wirklich den Vorwurf vieler Kritiker gefallen lassen, bei allem modischen Comic-Zynismus, auf den der Actionfilm mittlerweile angewie- sen zu sein scheint (wie zuletzt "Shoot ’Em Up"), mit ziemlich menschenverachtendem und vielleicht sogar faschistoidem Anspruch unterhalten zu wollen. Wenn auch seine in ausgestellten Gewaltmomenten zelebrierte Lust an reichlich blutigen Kloppereien – das Modell einer elitären, geschlossenen und gewaltbereiten Gemeinschaft erinnert an "Fight Club" – und stilisierten Shoot-Outs – die wiederum in bester "Matrix"-Bullet-Time-Manier inszeniert sind – den fragwürdigen Grundtenor des Films natürlich ebenso wenig mildert, so sorgt doch zumindest ein überaus cleverer Plottwist für Relativierung.

Bedenklich denkwürdig

Die simple Geschichte nämlich nimmt einen ebenso uner- warteten wie originellen Verlauf, der dem Action-Overkill zumindest den Ansatz einer Reflektionsebene verleiht. Aber selbst ohne seine findige Wendung sollte "Wanted" unbedingt als Comic-Relief verstanden werden: Schließlich ist es ja gerade die ausgelassene Inszenierungsfreude Bekmambetovs, die den Verzicht auf moralische Standfestigkeit einfordert. Der russische Regisseur haut hier spürbar unbefangen auf den Putz, kennt kein Halten und keine Kompromisse, setzt den Film schlicht und ergreifend mit einer Frische in Szene, die den betont coolen Konsens-Genrefilmen der letzten Jahre deutlich gefehlt hat.

Die Actionszenen fallen demnach nicht nur spektakulär aus, sondern sind vor allem ungemein einfallsreich und ästhetisch zurechtgetrickst, überwinden spielerisch physikalische Gesetze und sind zudem weitaus besser animiert, als es das Budget vermuten ließe. Mit ihren rasanten CGI-Choreo- graphien erwecken sie dabei zudem deutlich die Illusion eines Live-Action-Computerspiels. Auch die Besetzung macht großen Spaß: Angelina Jolie ist als Attentäterin so sexy wie selten zuvor, der vielseitige James McAvoy hingegen meistert seinen Genreeinstand mit Bravour – ihm nimmt man die Wandlung vom Loser zum Winner bereitwillig ab (im Gegensatz zur Comicvorlage verzichtet Bekmambetov allerdings auf ausgiebige Sexszenen zwischen den beiden). Nicht zuletzt der wunderbar druckvolle, überaus harmonische Score von Danny Elfman verleiht dem Film Drive und Geschlossenheit.

Fast unverschämt frech, aufmüpfig und brutal, ungemein unterhaltsam und nicht zuletzt ironisch untersetzt schmettert Timur Bekmambetov ein erfrischendes Hollywooddebüt aufs Parkett. Mitunter zwar ideologisch gefärbt und sicher nicht gänzlich unbedenklich, ist das in erster Linie eine bitterböse, aber gewiss nicht unclevere Comicadaption. Allein die fulminant inszenierte Sequenz eines auf einer gigantischen Brücke entgleisenden Zuges lohnt schon das Eintrittsgeld – "Wanted" ist mit Sicherheit einer der besten Actionfilme des Jahres. Und die Fortsetzung befindet sich schon in Planung!


70% - erschienen bei gamona.de