September 16, 2007
September 15, 2007
TV: Fernsehtipps vom 15.08. - 21.08.07
Samstag, 15.09. 1:25 Uhr – „Liebe 1962“ (RBB)
Ein szenisch brillanter, vieldeutiger und poetisch wirkender Charakterfilm voller Tiefe in seinen Figuren. Weitgehend kühl und objektgebunden, erweist sich Antonioni als Meister der Bildkomposition, beansprucht den Zuschauer jedoch nachhaltig. Kein Kino, dem ich mich bedingungslos hingeben kann.
1:30 Uhr – „Fear – Wenn Liebe Angst macht“ (VOX)
Vor Mark Wahlberg kann man tatsächlich Angst bekommen – auch wenn der Film als glatt gebügelte Thrillerkost für jedermann ziemlich fad bleibt.
Sonntag, 16.09.
20:15 Uhr - “Ocean’s Eleven“ (RTL)
Launiger als das Original, gut aufgelegt und schwungvoll inszeniert, aber Soderbergh lässt als Regisseur über elenlange Fachsimpeleien meist das Herzblut vermissen.
20:40 Uhr – „French Connection 2“ (Arte)
Die Action mitsamt ihren Verfolgungsjagden hat dem ansonsten qualitativ recht überschaubaren Film einen Platz in der Filmgeschichte gesichert.
Eine urkomische Abfolge verschiedenster Filmklischees und Zitate, elegischer im Ton und deutlich stringenter als seine erste Hälfte. Tarantinos bislang beste Leistung.
Montag, 17.09.
22:15 Uhr – „Switchback“ (ZDF)
Kleiner feiner Thriller vor hübschen Kulissen und mit gelungenem Finale.
22:50 Uhr – „Mississippi Burning“ (MDR)
Alan Parkers eindringliche, deutlich Stellung beziehende und dennoch ungemütliche Auseinandersetzung mit dem Südstaatenrassismus. Willem Dafoe ist eine Offenbarung.
Dienstag, 18.09.
22:15 Uhr – „Teufelskreis Alpha“ (Das Vierte)
Nett und mit üppigem Schluss, aber auch recht vorhersehbar und oberflächlich. „Scanners“ bleibt bei mir die erste Wahl.
23:00 – „The Door in the Floor“ (RBB)
Meisterhafte, emotional sehr intelligente John Irving-Adaption mit sagenhaft guten Schauspielern – einer der vielen vorenthaltenen Oscars für Jeff Bridges.
Mittwoch, 19.09.
20:15 Uhr – „Eiskalte Engel“ (K1)
„Gefährliche Liebschaften“ auf dem Schulhof: Überraschend gute, wunderbar gemeine und spannende Neuadaption des Stoffes. Leider gekürzt.
22:20 Uhr – „Der Hexenclub“ (K1)
Teenienöten zu magischem Hokus Pokus chiffriert: Im Umgang mit ihren Kräften ergeht es ihnen hier jedoch glaubhafter als in ähnlichen Produktionen wie „Charmed“.
Donnerstag, 20.09.
22:10 Uhr – „Rambo“ (VOX)
Schon der erste Film der Serie ist weitaus weniger kritisch mit seinem Sujet, als gemeinhin behauptet wird. Zwar werden die Mechanismen hinterfragt – der Krieg als solcher jedoch untersteht einer grundsätzlichen Lobpreisung. Die Mittel sind fragwürdig, die Sache an sich aber in Ordnung.
22:25 Uhr – „Naked Lunch“ (3SAT)
Wenig zugänglich, aber umso kreativer vermischt Cronenberg hier Fiktion mit Realität – als intellektuelles Gedankenspiel um Identität und Sexualität. Ein großartiger, komplexer Film.
Freitag, 21.09.
20:15 Uhr – „The Beach“ (RTL2)
Der Film hat seine Macken, aber die soziologische Utopie darin auch unbestritten ihre Reize. Leonardo DiCaprio ist exzellent. Läuft gekürzt.
September 09, 2007
Radio: FILM-BLUE MOON 09/07
News: PREISTRÄGER IN VENEDIG 2007
September 08, 2007
Kino: HAIRSPRAY
Es gibt in "Hairspray" eine Montage, bei der das Mädchen im Mittelpunkt, Tracy Turnblad, gelangweilt eine Unterrichts- stunde nach der anderen durchsteht, von Algebra bis Biologie – immer wandert der Blick ungeduldig auf die große Uhr. Das Ticken wird mit einer rhythmischen Percussion-Abfolge unterstrichen, während ein abgehackter Bass das endlose Warten vorantreibt. Diese Vertonung von Bildern, das Einbetten der Sounds in eine Ereigniskette, ist geradezu prädestiniert für Filmmusicals und demonstriert schon nach nur wenigen Augenblicken, wie Adam Shankmans Inszenierung sich ganz auf den klassischen Stil des Genres festlegt. Seine Adaption des Broadway-Erfolges nach John Waters’ kongenialem Tanzfilm beweist nicht weniger, als dass Musicals die reinste, die purste Form des Kinos sind: Bewegungen, Rhythmen, Schnitt – all das verschmelzt zu einer Einheit, einer Technik und Grundsätzlichkeit, die Film überhaupt erst ermöglicht.Die meisten Regisseure scheitern deshalb an dieser Aufgabe, zu komplex die Choreographien, zu anspruchsvoll die Anschlüsse, und zu schwierig die Synchronisationen der Bewegungen. In vielfacher Hinsicht beschwört "Hairspray" die Ära des Vergangenen herauf. Formal erinnert manches an die MGM-Musicals der 40er und 50er-Jahre, die wunderbaren Studiodekors etwa oder die farbenfrohen Kostüme. In einer Szene tanzen Christopher Walken und John Travolta auf einem kleinen Hinterhof zwischen Wäscheleinen – ein noch ikonischeres Flair könnte man gar nicht erschaffen. Und dann natürlich inhaltlich, im Baltimore der frühen 60er, wo verzweifelte Hausmütter und Ehemänner als gestrige Statussymbole ihre Kinder längst nicht mehr in die Kirche bewegen, sondern bestenfalls vom Fernsehgerät fernhalten können. 1962, im selben Jahr, als sich erstmals ein afroamerikanischer Student in der Universität von Oxford eingeschrieben hatte, sollten auch die nachmittäglichen TV-Tanzshows nicht mehr nur swingende Teenager in schwarz und weiß aufspalten.
"Nice white kids who like to lead the way
And once a month we have our ‘negro day!’"
Trotz der Elternproteste tanzte in Waters’ Original wie auch dem Musical zum Ende ein jeder gemeinsam, ob weiß oder schwarz, dick oder dünn, jung oder alt. Auch wenn die Realität indes anders aussah, da den Sittenwächtern die Absetzung der ‚Buddy Deane Show’ gelang, nachdem sie ihren ‚Negro-Day’ überwunden hatte und die Sendung stattdessen sowohl mit farbigen als auch weißen Jugendlichen ausstrahlte. Wirklich subversiv war das womöglich selbst 1988 nicht mehr, auch wenn Waters’ schräg-schrullige Parodie ganz generell als Ode an die Außenseiter für Toleranz in, wenn nicht mehr rassistischen, dann doch zumindest homophoben Verhältnissen warb. Da darf das Vergnügen rund 20 Jahre später guten Gewissens vor den ernst gemeinten Appell treten – die Themen im 2007er "Hairspray" sind weitgehend überholt und dürfen darum mit noch ausgelassener Ironie behandelt werden. Mehr nämlich als Waters, der sein Verständnis von Gleichberechtigung simpel wie auch originell dadurch zum Ausdruck brachte, dass er in einer Seitengasse einen schwarzen Jungen heftig mit einer konservativ erzogenen Weißen knutschen ließ, während über die zarten Füße dreckige Ratten krochen, werden hier gleich ganze Straßenzüge mit Queen Latifah als Kerzen haltende Rudelführerin aufgefahren, um die Rassentrennung zu überwinden.
"And i'm the man who keeps it spinnin' round
Mr. Corny Collins with the latest, greatest
Die Ecken und Kanten aus Waters’ Version des Stoffes wurden auch sonst ausradiert, hier wird die Sexualität der Kinder nicht durch Elektroschocks zu unterdrücken versucht, finden sich keine Kotzszenarien oder zu gekokste Pia Zadoras in urigen Bruchbuden wieder. Und auch echte Transvestiten gibt es keine mehr: In die mächtigen Schuhe von Divine tritt nun Travolta, seinerzeit der Musicalstar einer ganzen Kinogeneration. So amüsant seine Auftritte als übergewichtige Mutter auch sind, seine Edna Turnblad bleibt letztlich eine Witznummer, die nur deshalb Spaß macht, weil ein Mann nach langer Prozedur wie eine komische Frau aussieht. Das kann manchem Divine-Vereherer zu Recht übel aufstoßen, auch wenn Travoltas Tanzeinlagen nur bestätigen, wie sehr dieses Genre ihn vermisst hat. Schwingt er im sensationellen Finale aber erst einmal die dicken Tanzbeine, ist das etwas beschädigte Erbe fast schon wieder vergessen.
"So every afternoon, drop everything
Who needs to read and write when you can dance and sing?"
Überhaupt ist die Besetzung der größte Coup des Films. Nach längerer Leinwandabstinenz begeistert Michelle Pfeiffer als intrigante, narzisstische Hexe mit hemmungslosem Over-Acting, rauchig-kratziger Stimme und erstaunlichem Gesangstalent, das an ihre hinreißende Performance aus "The Fabulous Baker Boys" erinnert. Ihr gegenüber darf Christopher Walken abermals sein Talent für Musicals unter Beweis stellen, immerhin weiß man nicht erst seit seinem tänzelnden Auftritt im Fatboy Slim-Video "Weapon of Choice" um dessen Gespür für elegante Bewegungen. Walken und Pfeiffer ist überdies eine urkomische Szene in einem Scherzartikelgeschäft vergönnt, die ob der ungeheuren Chemie zwischen beiden an ihre gemeinsamen Auftritte in Tim Burtons "Batman Returns" erinnert. Die Entdeckung in "Hairspray" jedoch ist zweifellos Debütantin Nikki Blonsky als pummelige Tracy, ebenso wie Ricki Lake bis dato komplett unbekannt. Sie schultert den Film mit enormer Souveränität, tanzt und singt als gäbe es kein Morgen mehr, mit einer Präsenz und Ausstrahlung, die viel zur lebendigen, ansteckenden Atmosphäre des Films beiträgt. Zuletzt spannen hübsche Gastauftritte von Waters, Lake und Jerry Stiller den Bogen zum Original.
Shankmans Leinwandadaption also ist die Musicalüber- raschung des Jahres, auch wenn er weniger bissig und verdorben, anstößig und zersetzend erscheint als seine Inspirationsquelle. Die mitreißenden Songs aus der Feder von Scott Wittman und Marc Shaiman, das überdrehte, spielfreudige Ensemble, all die bunten und ausgelassenen Kostüme bis hin zu den ausgedehnten, enorm peppigen Gesangs- und Tanzeinlagen stehen für sich – "Hairspray" hat seine Bühne wieder gefunden: Großes Kino als geschlossener Kreis.
85%
TV: Fernsehtipps vom 08.09. - 14.09.07
Samstag, 09.07. 20:15 Uhr – „Der Tod steht ihr gut“ (VOX)
Amüsanter Zickenkrieg mit CG-Shots in den Kinderschuhen.
22:15 Uhr – „Eine Nacht bei McCool’s“ (RTL2)
Herrlich ironischer Ensemblefilm, der nicht wirklich etwas zu erzählen hat, aber großen Spaß macht.
22:25 Uhr – „Panic Room“ (Pro7)
Atmosphärischer Thriller, der vor allem durch Howard Shores Musik gewinnt, seine technischen Sperenzien aber zu sehr ausstellt.
22:25 Uhr – „Terminator 2“ (RTL)
Ein Genremeisterwerk, der ultimative Actionfilm.
0:45 Uhr – „Natural Born Killers“ (ARD)
Ein bizarrer Gewalttrip, der seinem Zuschauer keinerlei Ausweichmöglichkeiten bietet. Die als Medienkritik getarnte, böswillige Sicht auf den Zeitgeist der 90er wird lediglich darin getrübt, dass sich Stone ein wenig zu sehr in seinem Spiel aus Verfremdung und Brutalität gefällt.
Sonntag, 10.09.
20:40 Uhr – „Über den Dächern von Nizza“ (Arte)
Unglaublich pointiert geschriebene, sehr raffinierte Thrillerkomödie mit einer bezaubernden Grace Kelly. Nicht besonders doppelbödiges, aber gewohnt niveauvolles Hitchcock-Kino mit Urlaubsflair.
Tarantino erweist sich abermals als Mixer vergnüglicher Cocktails. Hier ein Verweis, da eine Verbeugung, innerhalb postmoderner Strukturen findet sich darin jeder zurecht. Das Gefühl, so sehr in ein Zitatenuniversum miteinbezogen zu werden, macht auch „Kill Bill“ gleichermaßen attraktiv wie oberflächlich. Sehr gut und sehr überschätzt.
Montag, 10.09.
20:40 Uhr – „Alles über meine Mutter“ (Arte)
Almodovars bis dato bester Film: Ein anrührendes, zutiefst menschliches Melodram.
Mittwoch, 12.09.
22:15 Uhr – „Armee der Finsternis“ (K1)
Der schwächste, aber immer noch sympathische dritte Film der Reihe, gelungen vor allem als Harryhausen-Hommage.
23:10 Uhr – „Das Gesetz der Begierde“ (Arte)
Donnerstag, 13.09.
0:40 Uhr – „Unbreakable“ (VOX)
Lahmer, lausig inszenierter Hokus Pokus mit einer viel versprechenden Grundprämisse, die der Film nicht annähernd ausreizt.
2:35 Uhr – „28 Days Later“ (VOX)
Als unoriginelle, aber stilistisch kühne Neuversion der „Crazies“ durchaus gelungener Endzeithorror.
Freitag, 14.09.
22:10 Uhr – „Auf brennendem Eis“ (VOX)
Als Öko-Papi macht Steven Seagal gar keine schlechte Figur, leider nur ist der Film genauso hohl wie der Rest seiner Videothekenware.
0:30 Uhr – „Vampires: Los Muertos“ (Pro7)
Stinklangweiliges Sequel zum ohnehin etwas öden Carpenter-Heuler.
2:55 Uhr – „Manche mögen’s heiß“ (ARD)
Die beste Komödie aller Zeiten. Der perfekte Film.
September 04, 2007
September 01, 2007
TV: Fernsehtipps vom 01.09. - 07.09.07
22:25 Uhr – „Sisters – Schwestern des Bösen“ (Das Vierte)
Ein Film von Brian De Palma. Den Rest überlasse ich Sutter- Cain. *g*
23:30 Uhr – „Lili Marleen“ (RBB)
Sehr freie, meisterlich inszenierte Rekonstruktion einer Epoche, die hervorragend die Waage hält zwischen Fiktion und Realität.
0:50 Uhr – „Lifeforce“ (K1)
Tobe Hoopers unterschätzter, atmosphärischer Sci-Fi-Horror.
Sonntag, 02.09.
20:15 Uhr – „Billy Elliot“ (RTL2)
Umwerfend, liebenswert, detailgetreu – ein lebendig gespielter, wunderschöner Film.
20:40 Uhr – „Zeugin der Anklage“ (Arte)
Courtroom-Drama, an dem sich jeder andere Genrefilm messen lassen muss. Billy Wilder beherrscht nicht nur die Spielart der Komödie, sondern erweist sich abermals auch als perfekter Thriller-Regisseur.
Montag, 03.09.
20:15 Uhr – „Hackers“ (Tele5)
Ziemlich pfiffiger Thriller mit einer noch ungewöhnlich guten Angelina Jolie.
Dienstag, 04.09.
23:35 Uhr – „Mindhunters“ (BR)
Streng genommen recht öde und mitunter gar hanebüchene Agatha Christie-Verwurstung, die aber dennoch keinem wirklich wehtut.
1:50 Uhr – „Stardust Memories“ (ARD)
Viel nettes Geplapper und saloppe Lebensweisheiten, nichts neues von Woody Allen – zeit- und belanglos wie man ihn kennt.
Donnerstag, 06.09.
22:25 Uhr – „Total Recall“ (VOX)
Verhoevens herausragender Psychotrip – atemberaubende Sets, fantastische Musik und ein mächtig überforderter Arnie in der Hauptrolle. Irre spannend, droht sich der Film allmählich in seiner Actiondramaturgie zu verlieren. Stark gekürzt.
0:15 Uhr – „Freitag, der 13. “ (Tele5)
Der Inbegriff sleaziger Slasherware. Cunninghams Film ist die Exploitation-Variante von „Psycho“, weniger ausgeklügelt als „Halloween“, aber letztlich doch um einiges charmanter als dieser. Allerdings heftig geschnitten.
0:50 Uhr – „The 6th Day“ (VOX)
Zusammengeschusterter Run-and-Hide-Thriller, bei dem die Klonthematik nur Vorwand für routinierte Action ist.
Freitag, 07.09.
20:15 Uhr – „Die purpunne Flüsse“ (Pro7)
Konfuser, althergebrachter Thriller, steif gespielt und ziemlich dürftig in seiner Auflösung. Uninteressant.
22:05 Uhr – „Nightwatch – Nachtwache“ (Das Vierte)
Atmosphärisch dicht, irre spannend und unheimlich gruselig – doppelbödiger Meisterthriller.



