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August 14, 2019

Toy Story 4 - Wie Pixar von Disney ruiniert wurde

Seit der Übernahme durch Disney steckt das ehemals souveräne Animationsstudio Pixar in einer künstlerischen Krise. Wo ist die Experimentierfreude geblieben?

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Juni 16, 2016

Das Ende der Sequels

Glaubt man den schlechten Einspielergebnissen vieler aktueller Fortsetzungen sowie den Analysen von Branchenmagazinen, steckt Hollywood in einer Krise. Das Publikum scheint sich an der ewig gleichen Auswahl des Blockbuster-Marktes satt gefressen zu haben.

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Oktober 07, 2015

Warum Pixar-Filme (keine) Kinderfilme sind

Animationsfilme gilt es gegen das Vorurteil zu verteidigen, sie seien nur oder vorrangig für Kinder gemacht. In der mitunter haarsträubenden Kritik an "Alles steht Kopf" ("Inside Out") aber wird deutlich, dass man sie auch vor einigen Erwachsenen schützen muss. 

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Juni 25, 2010

Kino: TOY STORY 3

Es begann einmal mit einer kleinen Tischleuchte – und nun sind auch schon wieder 15 Jahre vergangen, seit die Pixar Studios mit "Toy Story" den ersten vollständig computer- animierten Langspielfilm in die Kinos manövrierten, um damit die große Wende des Animationsfilms einzuläuten. Die eigenwilligen Abenteuer einer Gruppe lebendiger Spielzeuge führten die enorme Erfolgsgeschichte jenes Unternehmens an, das den Trickfilm ins digitale Zeitalter konvertierte. Jede weitere Pixar-Produktion betrat fortan Neuland, immer wieder erfand sich das Studio ästhetisch neu, verschob seine Erzählperspektiven oder brach mit Genrekonventionen.

"Toy Story" erzählte die originäre Geschichte der Plastikfiguren Woody und Buzz Lightyear, die wie alle unbeaufsichtigten Spielzeuge in den Kinderzimmern dieser Welt ein geheimes Eigenleben führen. Sie erleben Abenteuer, Zwistigkeiten und echte Gefahren, weil der Film sie als lebendige Charaktere mit Herz und Seele verstand. Ein nahezu dadaistisches Konzept, das die Fortsetzung des Debüterfolges vier Jahre später noch vertiefte, indem es die abenteuerlichen Erlebnisse seiner Spielzeugprotagonisten zu einem letztlich höchst tiefsinnigen Film über Identität, Verlust und Endlichkeit chiffrierte. "Toy Story 2" war so etwas wie der ultimative Kinderfilm für ein erwachsenes Publikum.

Als die Animationsschmiede 2006 vom Vertriebspartner Disney aufgekauft wurde, galt es angesichts zahlreicher Personalverschiebungen zu befürchten, dass Pixar mit der Ankündigung weiterer Sequels ihrer großen Kinohits zu einem Baukastenverein ähnlich des Konkurrenten DreamWorks verkommen würde. "Toy Story 2" bildete schließlich die glorreiche Ausnahme im Œuvre des Studios, dessen kreativer Kopf John Lasseter Fortsetzungen vom Fließband zugunsten neuer Geschichten stets ausgeschlossen hatte. Der angekündigte dritte Film um die lieb gewonnene Spielzeugbande musste nach dem Relaunch also unweigerlich auch als Generalprobe verstanden werden.

"Toy Story 3" weist jedoch alle Befürchtungen in ihre Schranken. Es ist der erste Film nach den vielen konzeptionellen und wirtschaftlichen Veränderungen des Studios, und er lässt vermuten (wie hoffen), dass der neue Kurs keine negativen künstlerischen Auswirkungen auf die Produktion der Pixar-Filme nimmt. Im Gegenteil: Nach "Up", dem rührigen, aber überfrachtet und sentimentalisiert erzähltem letzten Pixar-Film, ist das neue Abenteuer aus der Spielzeugkiste eine wahre Berufung auf alte Stärken. "Toy Story 3" überrascht durch seinen Ideenreichtum, perfektes Timing und grandiose Dialoge – ein unerwartet wunderschöner Abschluss der Trilogie.

Die Helden des Films stehen nun vor einem existenzialistischen Wendepunkt: Der kleine Andy aus den Vorgängern ist mittlerweile zu einem Teenager gereift, der das Elternhaus verlassen und seine einstigen Spielzeuge aussortieren muss. Für Cowboys, Space Rangers oder Dinosaurier aus Plastik findet sich auf dem College keinen Platz mehr, und so landen die Figuren durch ein Versehen statt auf dem häuslichen Dachboden in einer Kindertagesstätte. Was zunächst wie das Paradies auf Erden für jedes Spielzeug scheint, erweist sich für unsere Heldentruppe schließlich als größte Bewährungsprobe ihres Plastikdaseins.

Denn wenn in Sunnyside die Lichter ausgehen, übernehmen der despotische Teddybär Lotso und seine Gefolgschaft die Herrschaft über den Kindergarten. Und das bedeutet für Woody, Buzz, Barbie und Co. nichts weniger als ein Leben in Gefangenschaft. Erstaunlicherweise nimmt "Toy Story 3" hier mit seiner düsteren Geschichte die Gestalt eines Prisoner-of-war-Filmes im Reich der Spielzeuge an – samt jeglicher genretypischer Elemente, deren Exploitation-Kontext eine faszinierend bizarre Verbindung mit kindgerechten Sujets eingeht.

Lee Unkrich, der zuvor als Cutter und Co-Regisseur bei den Vorgängern arbeitete, bewegt sich gekonnt auf einem schmalen Grat: Sein Film ist mal sentimental, wenn es um Abschied und das Erwachsenwerden geht, und mal bitterböse und grimmig, wenn er entsprechende Metaphern für diese Themen in Bilder umsetzt. Ohne das junge Zielpublikum zu verprellen ist "Toy Story" mit seinen Fortsetzungen ähnlich erwachsener geworden wie sein übergeordneter Protagonist Andy, in dessen Kinderzimmer die Abenteuer der Rasselbande ihren Lauf nahmen.

Folgerichtig blicken Woody und seine Gefährten hier schließlich gar dem Tod ins Auge, weil ihre Zeit als sinnvolles Spielzeug irgendwann einmal abgelaufen scheint. Und damit erweist sich Pixar abermals als Meister der Transzendenz: Eine mitreißende Geschichte aus der Perspektive von Spielfiguren erzählen und letztlich sogar Emotionen für reines Plastik hervorrufen zu können, das gelingt den wenigsten Animationsfilmen. Und es repräsentiert, genau genommen, die Quintessenz der abstrakten Möglichkeiten eines Trickfilms.

Handwerklich bewegt sich Pixar auf gewohnt hohem Eigenniveau: Die formalen Animationsfertigkeiten steigern sich für gewöhnlich von Film zu Film, aber insbesondere im Vergleich zu den 1995 und 1999 produzierten Vorgängern erstrahlen die Spielzeugfiguren in "Toy Story 3" selbstredend in einem völlig neuen Glanz: Unendlich detailreiche Texturen, eine durch und durch unkonventionelle Lichtsetzung und absolut flüssige Animation bestimmen den visuellen Stil des Films, der auf dreidimensionale Gimmicks gänzlich verzichtet und deshalb getrost in klassischem 2D bestaunt werden darf.


75% - erschienen bei: gamona

Juli 10, 2008

Kino: WALL·E

Out there … there's a world outside of Yonkers: Der Müllzerkleinerungsautomat WALL-E (Abkürzung für Waste Allocation Load Lifter Earth-class) ist der letzte noch funktionstüchtige Roboter auf der menschen- und lebe- wesenleeren Erde. Die Tagesabläufe von WALL-E sind dabei sorgfältig strukturiert: Mal fährt er durch die verlassene Stadt auf der Suche nach Ersatzteilen, mal schaut er wieder sein Lieblingsvideo "Hello, Dolly!" – und mal geht er auch seiner Aufgabe nach, Müll zu pressen. Doch wird der einsame Alltag des kleinen Roboters plötzlich auf den Kopf gestellt, als ein gigantisches Raumschiff landet, aus dem ein fliegender Suchdroid steigt. Schnell versucht WALL-E, die unbekannte Roboterdame namens Eve für sich zu begeistern – und verliebt sich schließlich in sie. Doch Eve hat einen höher gestellten Auftrag, für den sie auf die Erde gekommen ist – there's a slick town, Barnaby … out there.

Und so erlebt WALL-E, der kleine Roboter, ein großes aufregendes Abenteuer, während "WALL-E", der Film von Andrew Stanton, eine mehr oder weniger überraschende Kehrtwende einschlägt. Nach der knappen ersten Hälfte nämlich droht das Pixar-Abenteuer zur intergalaktischen Sause zu verkommen, die ihrer Exposition, ihrer Figuren- entwicklung und ihrem sorgfältigen Aufbau gegenüber an Charme, Liebe, Witz und Hingabe einbüßt, und die den kleinen WALL-E zwischenzeitlich fast zum Sidekick degradiert, wenn er aus der wesentlichen Action ausgeschlossen und durch andere Figuren ersetzt wird. Der rasante Mittelpart des Films folgt den Konventionen des Animationsfilms bzw. anderer Pixar-Produktionen, deren schnelle Inszenierungen immer von irrwitzigen Verfolgungen, absurden Zufällen und originellen Ideen angetrieben werden. Oder anders: "WALL-E" beginnt schließlich, eine Geschichte zu erzählen, mit Spannung zu arbeiten und die Idee eines Roboters, der nur via Sound als Identifikationsfigur fungieren kann, mit Inhalt auszufüllen. Er bedient eine Dramaturgie, die zuvor keinerlei Rolle gespielt zu haben schien.

Das ist verhältnismäßig wenig aufregend und eigentlich auch noch weniger überraschend, es ist auch etwas zu Bedauern und vielleicht sogar ziemlich schade, und ganz sicher schöpft "WALL-E" sein Potential damit nicht aus. Aber das alles spielt keine Rolle, wirklich nicht. Denn, um es einmal ganz klar zu sagen: Das erste gute Drittel, das alles ist, was "I Am Legend" beispielsweise nicht war, die erste Dreiviertelstunde dieses Films also, ist das schönste, rührseligste und liebenswürdigste, das ergreifendste, aufrichtigste und wahr- haftigste, und das komplexeste, vielschichtigste und schlicht spektakulär unspektakulärste, was der computergesteuerte Animationsfilm je hervorgebracht hat. Man muss diesen kleinen Roboter lieben, man wird gar nicht anders können, weil dieser WALL-E, dieser verschmutzte kleine Müllautomat auf Rädern, eine eindrucksvolle Metapher für das Leben bildet, zutiefst menschliche Eigenschaften verkörpert und überhaupt eine neue Menschlichkeit prophezeit, 700 Jahre in der Zukunft. WALL-E bringt all die Kraft, den Geist und den Willen – sowie freilich das Maß an Oszillation – zusammen für das letzte Bisschen Beweglichkeit auf der Erde, ehe die Starre sie endgültig stillzulegen droht.

"WALL-E" ist dabei ein universeller Film, der eine eigene Kinosprache entwickelt, der sinnästhetisch neues Terrain beschreitet und eine Brücke schlägt zwischen der Methodik und Funktionsart des Stumm- und Tonfilms. Mehr noch bezieht er in diesen Spagat das Musical, welches in gewisser Hinsicht eine zeitlose Mischform repräsentiert, als Träger von Sprache, Austausch und Kommunikation ein: "Hello, Dolly!" dient in "WALL-E" als Kommunikator von Information und Emotion zwischen WALL-E und Eve, aber natürlich auch zwischen WALL-E und dem Publikum – was mit Worten nicht zum Ausdruck gebracht werden kann, übernimmt das Musical (welch Plädoyer!). Und die Sprache eines jahrhundertealten Films auf Video wird zur einzigen Sprache eines volldigitalen Films, der 700 Jahre in der Zukunft spielt. Insofern ist es nicht problematisch, dass der Film später auch sprechende Figuren aufweist und seinen Quasi-Stummfilmansatz aufgibt, weil sein erstes Drittel im wörtlichen Sinne für sich spricht. Dazu hat Ben Burtt, dessen ebenso einfalls- wie einflussreiche Geräusche zu "Star Wars" oder "E.T." ihm zwei Oscars beschert haben, ein höchst ausdifferenziertes Sounddesign entwickelt, das in Verknüpfung mit Thomas Newmans referenzreicher Partitur den Ton zum wichtigsten Erzählorgan von "WALL-E" macht.

Nicht nur dieses Konzept, die John-Williams-Zitate Newmans oder die zum Symbol von Leben und Hoffnung erklärte Pflanze, sondern vor allem der quasi humanistisch-utopische Ansatz Stantons erinnert dabei an die naiv-optimistischen, nicht gerade visionären Genre-Bekundungen Steven Spiel- bergs, arbeitet doch insbesondere die erste Hälfte des Films mit einer offenkundigen "E.T."-Umkehrung, wenn WALL-E daheim auf der Erde zwar nicht unbedingt einsam, aber doch verlassen und allein von Tänzen und Berührungen – so schön wie in "Hello, Dolly!" – träumt ("There's lots of world out there"). Später dann, wenn der Film ihn auf eine abenteuerliche Reise befördert, kann jedoch auch jede Entdeckerfreude nicht die Sehnsucht nach der Heimat tilgen, und so wird aus der Umkehrung doch noch ein Korrelat: "WALL-E" ist vielleicht der "E.T." der Web-2.0-Generation. Ein Film für Kinder, aber auch noch so viel mehr.


90% - erschienen bei: WICKED-VISION

Juni 26, 2008

News: WALL·E - Neuer Apple Clip

Der neue Pixar-Film. Sieht wirklich herausragend aus, trotz des Nummer-5-lebt-Designs. Deutscher Kinostart leider erst verspätet am 25. September.

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Dezember 11, 2007

Kino: BEE MOVIE

Und wieder ein Jahr, in dem sie sich gegenüberstehen, die beiden größten Trickschmieden. In dem sowohl Pixar als auch DreamWorks ihre neuesten Animationshits unters Volk mischen – und der Vergleich zwischen "Ratatouille" und "Bee Movie" bricht letzterem indes auch überaus schmerzhaft das zarte Bienengenick. Denn wo man vielleicht noch streiten könnte, ob "A Bug’s Life" nun wirklich besser als "Antz" daherkomme oder "Finding Nemo" dem schrecklichen "Shark Tale" möglicherweise gar nicht so stark unterlegen sei, da fallen die Qualitätsunterschiede nunmehr so deutlich aus, dass DreamWorks wohl oder übel eine Kurskorrektur in Erwägung ziehen sollte.

Bereits der Anfang zeigt ganz klar, wo und wie Studiomodul Jeffrey Katzenberg seine Prioritäten setzt. Die Welt der Bienen orientiert sich kaum bis gar nicht an einer gewissen realistischen Form, sondern wird als paralleles, artifizielles und durchgängig vermenschlichtes Reich dargestellt. Im Innern der Bienenstöcke also gibt es allerlei Technik und Errungenschaft, die Familien wohnen in kleinen Häusern mit Pool und Vorgarten, fahren Autos und genießen ihr Leben im Arbeiterstaat. Der Film zeigt diese Welt ganz deutlich als quasi-sozialistisches Gebilde, in dem Vollbeschäftigung und Planwirtschaft dominieren.

Zieht man hier den diesjährigen Rattenspaß "Ratatouille" zum Vergleich heran, so zeigt sich, dass es wesentlich effektiver sein kann und ist, die dargestellten Tiere auch wirklich Tiere bleiben zu lassen. Wo sie leben, wie sie leben, was sie den ganzen Tag so treiben, all das entspricht – in modifizierter Weise – auch den natürlichen Gesetzmäßig- keiten, ohne dass der Pixarfilm deshalb auf Humor, Einfälle oder Verfremdungen verzichten müsste. "Bee Movie" präsentiert seinen Gegenstand jedoch schrecklich bieder, wenn Bienen wie Menschen hausen und innerhalb eines derart ungreifbaren und deshalb auch beliebigen Mikrouniversums agieren. Wo sind die Grenzen in dieser Bienenwelt, die sogar über Fernsehen verfügt, wo berühmte Moderatoren (Larry King) im Bienenkostüm auftreten? Da fehlt schon einmal jegliche Herausforderung, mit der die Produzenten sich an der Realität orientieren und dennoch ein eigenes Subreich generieren müssten, das in sich logisch die Norm verklärt. Wie eben im Falle von "Ratatouille", bei dem die Tiere vor Häusern, auf Dachböden und in Kanalisationen leben.

Dabei ist das erste Drittel des Films sogar noch recht dynamisch und unterhaltsam geraten. Die übliche Essenz – aus dem Alltagstrott ausbrechen und die Welt da draußen entdecken zu wollen – bedient freilich auch "Bee Movie", jedoch sind die ersten Ausflüge raus aus dem Stock und rein in die Stadt einfallsreich und durchaus mit Witz versehen. Sobald der Film aber anfängt, seine Geschichte zu erzählen – Biene trifft Menschenfrau, verliebt sich in sie und unternimmt einen Rachefeldzug gegen die Honigindustrie und damit Ausbeutung der eigenen Art – wird es nahezu unerträglich. Denn was DreamWorks ganz grundsätzlich anders und damit falsch macht: Tiere sind bei ihnen keine Tiere, sondern Menschen. Die Bienen sprechen nicht nur untereinander, was zugunsten eines derartigen Films auch unvermeidbar ist, sondern eben auch mit Menschen. Das effektive Gegenteil hat gerade Pixars "Ratatouille" zuletzt so wunderbar demonstriert, wo sich Ratten und Menschen eben nicht einfach unterhalten konnten.

Das führt zu dem Problem, dass die Geschichte hanebüchen und beliebig verläuft, weil sie keine eigenen Grenzen steckt. Da ziehen die Bienen dann vors Gericht, verklagen erfolgreich die Honigindustrie und spornen gleich noch die ganze Tierwelt an, den Mund aufzumachen und gegen die Ausbeutung durch den Menschen zu rebellieren. So richtig daneben geht es, wenn die Honigproduktion eingestellt und die Bestäubung hinfällig wird, sowie die gesamte Natur den Bach herunterzugehen droht. Wo da nun der logische Zusam- menhang besteht, interessiert angesichts der Beliebigkeit der inneren Struktur sowieso nicht mehr, aber es ist schon dreist, wenn der Film erst die Moralkeule schwingt (Menschen missbrauchen die Natur), nur um dann die verheerenden Folgen zu zeigen und einen Appell an die Richtigkeit des Bestehenden zu formulieren. Das bedeutet: Die durch die Identifikationsbiene angeprangerte Uniformität des Staates, der er zu entfliehen versuchte, wird dann hinten raus doch für richtig erklärt. Denn: Wenn die Bienen nicht ihrer Bestäubung nachgehen, dann stirbt die Natur. Sozialistischer Arbeiterstatt gleich guter Staat.

Dass Jerry Seinfelds Projekt (er schrieb den Film und spricht die Hauptfigur) mit seinem lauen, offensichtlichen und immer den leichtesten/plumpsten Weg ansteuernden Witz ("Hallo, du scharfe Biene!") darüber hinaus auch Fans des Comedians enttäuschen wird, steht außer Frage. Doch die lahme Animation, die viel zu glatt, wenig detailliert und bei den Menschen regelrecht hässlich aussieht, dürfte auch Animationsfreude kaum zufrieden stellen. Da helfen dann womöglich nur noch die obligatorischen Verweise auf Popkultur und Postmoderne, mit dem sich die Dream- Works-Heuler so gerne schmücken. Was in "Shrek" für den ein oder anderen noch leidlich witzig schien, wird hier zur nervtötenden Masche: Musiker Sting steht vor Gericht, weil sein Name (=Stachel) diskriminierend sei (wie originell!) und Ray Liotta wird als Werbegesicht für Honig verklagt, darf aber zumindest seinen gewonnenen Emmy streicheln. Das ist in der Tat so dermaßen blöd, dass der nächste Pixar gar nicht schnell genug kommen kann.


35%

Juli 07, 2006

Kino: CARS

Der eigensinnige, aber zielstrebige Rennwagen Lightning McQueen ist der Star aller Races, wird gefeiert und umjubelt wie kein anderes Auto. Auf der nächtlichen Überführung zum größten Sportereignis des Landes, dem Piston Cup, allerdings passiert dem Champion ein Unglück: Er kommt vom Weg ab und verirrt sich in das Wüstennest Radiator Springs. Dort trifft er auf lädierte und provinzielle Vierräder, die mit seinem Ruhm wenig anzufangen wissen, muss den Schaden von seiner stürmischen Ankunft beseitigen und verliebt sich nebenbei in die Porschelady Sally.

Mit ihrem neuen Film "Cars" verlassen die Pixar-Studios gewohntes Terrain und erzählen eine Geschichte, bei der Menschen selbst in sekundärer Erscheinung keine Rolle spielen - sie existieren einfach nicht. Stattdessen entführt uns John Lasseter, der erstmals nach "Toy Story 2" (1999) wieder die Regie übernahm, in eine Welt, die durch und durch aus Autos besteht und trotz des Mangels an jeglichem biologischen Leben offenbar von ihnen erschaffen wurde. Diese Herangehensweise eliminiert das Prinzip der Parallelwelt, das Zentrum vergangener Pixarwerke: Ob im Kinderzimmer das Spielzeug ein Eigenleben führt oder der Alltag von Ameisen und Fischen stets durch die Bedrohung Mensch geprägt ist, die Handlung umfasste eine eigene kleine Welt, angesiedelt in eben der wirklichen.

Tatsächlich will diese neue Idee nun auch nicht so wirklich zünden. Die bisherige Vermenschlichung der Tiere und Gegenstände (die aber menschen- bzw. tierähnlich sind) war und ist der Schlüsseleffekt der meisten Animationsfilme, dies gelingt in "Cars" jedoch nur ansatzweise, zu sehr fehlt der richtige Bezug und zu abstrakt ist die Idee letztlich. Mit dem Fehlen eines Makrouniversums gehen dem Film zudem die Chancen verloren, von der einen in die andere Welt einzuwirken, was insbesondere bei den "Toy Story"-Produktionen zu aberwitzigem Situationswitz führte, sowie die Gelegenheit bot, einen gewissen kritischen Subtext unterzubringen.

Abgesehen von diesem doch grundsätzlichen Problem des Films, der ihn leider auch zum bislang schwächsten des Studios macht, liefert Regisseur und Co-Autor Lasseter mit "Cars" Animationsunterhaltung ab, die qualitativ nichtsdestotrotz immer noch weit über dem steht, was die Konkurrenz um DreamWorks und Co. mitunter abliefern. Zwar hapert es hier und da erstaunlicherweise am Plot, der einfach allzu vorhersehbar ist, doch was Pixar hier künstlerisch im wahrsten Sinne des Wortes auffährt, stellt alles bislang Gesehene wohl oder übel in den Schatten. Landschaften von atemberaubender Genauigkeit, Autos und Straßen animiert mit unvergleichlicher Detailbesessenheit und Hintergründe, an denen man sich nur schwer Satt sehen kann – State-of-the-art in beinahe jeglicher Hinsicht.

Sowohl die Main- als auch die Sidekick-Charaktere sind liebevoll und ideenreich entwickelt, werden zudem großartig gesprochen von Owen Wilson, Bonnie Hunt und allen voran Paul Newman. Wie gewohnt sitzen die Pointen und feinen Nuancen, der Humor ist mal naiv und zurückhaltend, mal direkt und etwas brachial, aber stets ist der Film von einer wundervollen Liebenswürdigkeit durchzogen, die Groß und Klein gleichermaßen begeistern dürfte. Nicht deplaziert, sondern überaus angenehm fällt dabei eine gewisse Schwermütigkeit auf, die an Stelle einer zu deutlich formulierten Intention tritt.

Das siebente Spielfilmabenteuer aus dem Hause Pixar ist ein leider wenig schwungvoller, mit rund zwei Stunden Spielzeit insgesamt zu lang geratener Animationsspaß, der leider nicht so funktioniert, wie es wohl gedacht war. Trotz seiner vergleichsweise schwachen Geschichte überzeugt "Cars" aufgrund seiner Animation insgesamt dennoch als technisch ausgereiftes Glanzstück.


60%