Juni 30, 2014
DVD/BD: THE DETAILS [aka. Liebe und andere Kleinigkeiten]
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Dezember 11, 2007
Kino: BEE MOVIE
Und wieder ein Jahr, in dem sie sich gegenüberstehen, die beiden größten Trickschmieden. In dem sowohl Pixar als auch DreamWorks ihre neuesten Animationshits unters Volk mischen – und der Vergleich zwischen "Ratatouille" und "Bee Movie" bricht letzterem indes auch überaus schmerzhaft das zarte Bienengenick. Denn wo man vielleicht noch streiten könnte, ob "A Bug’s Life" nun wirklich besser als "Antz" daherkomme oder "Finding Nemo" dem schrecklichen "Shark Tale" möglicherweise gar nicht so stark unterlegen sei, da fallen die Qualitätsunterschiede nunmehr so deutlich aus, dass DreamWorks wohl oder übel eine Kurskorrektur in Erwägung ziehen sollte. Bereits der Anfang zeigt ganz klar, wo und wie Studiomodul Jeffrey Katzenberg seine Prioritäten setzt. Die Welt der Bienen orientiert sich kaum bis gar nicht an einer gewissen realistischen Form, sondern wird als paralleles, artifizielles und durchgängig vermenschlichtes Reich dargestellt. Im Innern der Bienenstöcke also gibt es allerlei Technik und Errungenschaft, die Familien wohnen in kleinen Häusern mit Pool und Vorgarten, fahren Autos und genießen ihr Leben im Arbeiterstaat. Der Film zeigt diese Welt ganz deutlich als quasi-sozialistisches Gebilde, in dem Vollbeschäftigung und Planwirtschaft dominieren.
Zieht man hier den diesjährigen Rattenspaß "Ratatouille" zum Vergleich heran, so zeigt sich, dass es wesentlich effektiver sein kann und ist, die dargestellten Tiere auch wirklich Tiere bleiben zu lassen. Wo sie leben, wie sie leben, was sie den ganzen Tag so treiben, all das entspricht – in modifizierter Weise – auch den natürlichen Gesetzmäßig- keiten, ohne dass der Pixarfilm deshalb auf Humor, Einfälle oder Verfremdungen verzichten müsste. "Bee Movie" präsentiert seinen Gegenstand jedoch schrecklich bieder, wenn Bienen wie Menschen hausen und innerhalb eines derart ungreifbaren und deshalb auch beliebigen Mikrouniversums agieren. Wo sind die Grenzen in dieser Bienenwelt, die sogar über Fernsehen verfügt, wo berühmte Moderatoren (Larry King) im Bienenkostüm auftreten? Da fehlt schon einmal jegliche Herausforderung, mit der die Produzenten sich an der Realität orientieren und dennoch ein eigenes Subreich generieren müssten, das in sich logisch die Norm verklärt. Wie eben im Falle von "Ratatouille", bei dem die Tiere vor Häusern, auf Dachböden und in Kanalisationen leben.
Dabei ist das erste Drittel des Films sogar noch recht dynamisch und unterhaltsam geraten. Die übliche Essenz – aus dem Alltagstrott ausbrechen und die Welt da draußen entdecken zu wollen – bedient freilich auch "Bee Movie", jedoch sind die ersten Ausflüge raus aus dem Stock und rein in die Stadt einfallsreich und durchaus mit Witz versehen. Sobald der Film aber anfängt, seine Geschichte zu erzählen – Biene trifft Menschenfrau, verliebt sich in sie und unternimmt einen Rachefeldzug gegen die Honigindustrie und damit Ausbeutung der eigenen Art – wird es nahezu unerträglich. Denn was DreamWorks ganz grundsätzlich anders und damit falsch macht: Tiere sind bei ihnen keine Tiere, sondern Menschen. Die Bienen sprechen nicht nur untereinander, was zugunsten eines derartigen Films auch unvermeidbar ist, sondern eben auch mit Menschen. Das effektive Gegenteil hat gerade Pixars "Ratatouille" zuletzt so wunderbar demonstriert, wo sich Ratten und Menschen eben nicht einfach unterhalten konnten.
Das führt zu dem Problem, dass die Geschichte hanebüchen und beliebig verläuft, weil sie keine eigenen Grenzen steckt. Da ziehen die Bienen dann vors Gericht, verklagen erfolgreich die Honigindustrie und spornen gleich noch die ganze Tierwelt an, den Mund aufzumachen und gegen die Ausbeutung durch den Menschen zu rebellieren. So richtig daneben geht es, wenn die Honigproduktion eingestellt und die Bestäubung hinfällig wird, sowie die gesamte Natur den Bach herunterzugehen droht. Wo da nun der logische Zusam- menhang besteht, interessiert angesichts der Beliebigkeit der inneren Struktur sowieso nicht mehr, aber es ist schon dreist, wenn der Film erst die Moralkeule schwingt (Menschen missbrauchen die Natur), nur um dann die verheerenden Folgen zu zeigen und einen Appell an die Richtigkeit des Bestehenden zu formulieren. Das bedeutet: Die durch die Identifikationsbiene angeprangerte Uniformität des Staates, der er zu entfliehen versuchte, wird dann hinten raus doch für richtig erklärt. Denn: Wenn die Bienen nicht ihrer Bestäubung nachgehen, dann stirbt die Natur. Sozialistischer Arbeiterstatt gleich guter Staat.
Dass Jerry Seinfelds Projekt (er schrieb den Film und spricht die Hauptfigur) mit seinem lauen, offensichtlichen und immer den leichtesten/plumpsten Weg ansteuernden Witz ("Hallo, du scharfe Biene!") darüber hinaus auch Fans des Comedians enttäuschen wird, steht außer Frage. Doch die lahme Animation, die viel zu glatt, wenig detailliert und bei den Menschen regelrecht hässlich aussieht, dürfte auch Animationsfreude kaum zufrieden stellen. Da helfen dann womöglich nur noch die obligatorischen Verweise auf Popkultur und Postmoderne, mit dem sich die Dream- Works-Heuler so gerne schmücken. Was in "Shrek" für den ein oder anderen noch leidlich witzig schien, wird hier zur nervtötenden Masche: Musiker Sting steht vor Gericht, weil sein Name (=Stachel) diskriminierend sei (wie originell!) und Ray Liotta wird als Werbegesicht für Honig verklagt, darf aber zumindest seinen gewonnenen Emmy streicheln. Das ist in der Tat so dermaßen blöd, dass der nächste Pixar gar nicht schnell genug kommen kann.
35%
Februar 11, 2007
Kino: SMOKIN' ACES
Um die Herzen so einiger männlicher Kinozuschauer zwischen 16 und 26 zu gewinnen braucht es nicht viel: Man nehme eine Handvoll durchtrainierter Gangster in Achselhemden, die ihre mächtigen Knarren ausgiebig vor der Kamera präsentieren und immer einen frechen Spruch auf der Lippe haben, der mit "fuck" beginnt und meist mit "off" wieder endet, packe ein paar korrupte Bullen mit qualmender Kippe im äußeren Mundwinkel dazu und stelle all diesen noch einige knapp bekleidete und vor allem gehörig posierende Mädchen zur Seite. Mixt man diesen Cocktail dann kräftig durch, ergibt das ein illustres Kabinett inmitten zahlreicher verworrener Handlungsstränge, die sich irgendwie durchkreuzen oder bestenfalls zusammenführen, vor allem aber die Grundlage eines Filmes bilden, der in erster Linie schwer angesagt sein soll. Hip und cool möglichst. Dann ist die halbe Miete schon wieder drin.Dieses Phänomen tritt bekanntermaßen verstärkt auf, seit ein durch geknallter Videothekenfritze die Eigenheiten der Postmoderne mit Filmen wie "Reservoir Dogs" auf dessen triviale Nenner brachte und der Kinokultur durch diesen Jukebox-Charakter einen dezent frischen Anstrich verlieh. Dass sich die Epigonen Quentin Tarantinos seitdem aus allen Ecken formen und wie aus einem Guss erscheinen, beweist auch der nervtötend primitive "Smokin’ Aces" vom Regisseur des mehr oder weniger gelungenen (und ebenso von Tarantino inspirierten) "Narc". Zu dessen Vorbildern zählen offenbar auch die Filme Guy Ritchies ("Snatch") und Konsorten, was einer gewissen Ironie nicht entbehrt, basieren doch auch diese schon auf den Vorbildern der Vorbilder und huldigen sie entsprechend. "Smokin’ Aces" kann seine Identität als Rip-Off auch kaum verbergen, immerhin wirken seine zentralen Figuren – und um nichts anderes geht es – wie müde Klone aus dem Popuniversum genannter Regisseure.
Da kann man insgeheim nur froh sein, dass Carnahan nicht die erste Wahl für die dritte "Mission: Impossible" war, nachdem er sich aufgrund von kreativen Differenzen mit Tom Cruise aus dem Projekt verabschiedete. Rückschlüsse aus dessen Talent einmal ausgenommen, ist es die biedere Penetranz, mit der sein Film als neues Kultobjekt wahrgenommen werden soll. Dabei entpuppt sich die kokett als verschachtelt vorgetäuschte Geschichte als simple Schießbudenrevue, immerhin verlaufen alle Parallelstränge nach der Hälfte in ein großes Hotel, wo dann der rund 45minütige Showdown (was spektakulärer klingt, als es eigentlich ist) stattfindet. Dass all die merkwürdigen Gestalten, Identifikationsfiguren gibt es keine, letztlich nur darauf aus sind, den schmierigen Buddy "Aces" Israel (schmerzhaft überzogenes Over-Acting) in die Mangel zu nehmen, ist sozusagen die inhaltliche Quintessenz dieser langweiligen zwei Stunden.
Wenn da nicht auch dem Drehbuchautor, im Übrigen ebenfalls Carnahan, aufgefallen wäre, dass das alles doch recht dünn erscheint und selbst durch den Einsatz lautstarker Shoot-Outs und einiger zynischer Lacher (wir erinnern uns: die Zielgruppe) nicht überdeckt werden kann. Somit hängt man an den Schluss, oder zumindest den Punkt, wo man besser hätte enden sollen (immerhin ergäbe die ein oder andere blutig-matschige Einstellung ein nettes Schlussbild), noch einen dramatischen Epilog heran, der dann die eigene Handlung in bester bzw. schlechtester "The Usual Suspects"-Tradition um die eigene Achse dreht. Das sprudelt vor originellem Esprit natürlich gerade so über und gäbe Anlass, das Werk als "urkomisch überdrehte Mischung aus Action, Komödie und Drama" vorzustellen, hätte man den Rand durch derart blöde "Gangsterfilme" nicht schon lange voll.