Oktober 27, 2016
TV: THE ENFIELD HAUNTING
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Dezember 03, 2012
Kino: ANNA KARENINA
Juni 26, 2007
Retro: PRIDE & PREJUDICE (2005)
Auch wenn Jane Austen zumindest im Dialog um Verfilmungen ihres literarischen Schaffens gern als spätromantische Ausgabe oder gar Vorläuferin trivialer Gesellschaftskunde, wie man sie heutzutage – hierzulande – besonders von Rosamunde Pilcher kennt, unterschätzt wird, so geht dies insbesondere einher mit dem Umstand, dass ihre vordergründig (vermeintlich) kitschig gefärbten und leichten Stoffe vor allem herausragende, genaue Studien sozialer und gesellschaftlicher Schichten bilden. Die meist glücklichen Abschlüsse unglücklicher Ereignisse sind dabei eher als künstlerische Freiheit im Sinne dezent verklärender Konventionalisierung zu verstehen, täuschen aber keinesfalls darüber hinweg, wie scharfsinnig und zurückhaltend Austen die (nicht selten obskuren) Eigenheiten der englischen Stände porträtiert. In Bezug auf die filmische Adaption dieses Werkes war es ein Glücksfall, dass sich 1995 der taiwanesische Regisseur Ang Lee ihrer annahm. "Sense and Sensibility" war die lebendige, meisterliche Entsprechung der Austenschen Ironie in Bildern; mit wunderbarer Sentimentalität und einer inszenatorischen Genauigkeit, die die ohnehin exakten Beschreibungen der Vorlage unterfüttert und gar noch übertrifft, sollte es die beste Verfilmung eines Austen-Romans werden. Daran kann auch Joe Wright nichts rütteln, wenngleich "Pride and Prejudice" ein unerwartet toller Film geworden ist. Und mit Mut zur künstlerischen Eigenständigkeit nach einer Reihe vieler mehr oder weniger gelungener Adaptionen Ende der 90er sogar die interessanteste.
Die Frische, mit der Wright einen der populärsten und beliebtesten Austen-Stoffe umsetzt, überrascht und entzückt zugleich: Spielerisch und überaus ausgelassen umkreist die Kamera ihre adrett gekleideten Figuren, durchfährt sie minutenlang ohne Schnitte opulente Räume und scheint sich an den bezaubernden Gesichtern von Keira Knightley oder Rosamund Pike gar nicht satt sehen zu können. In vielen Momenten, darunter einer Schaukelszene, bei der die Photographie rasanten 360°-Drehungen folgt, um den verwirrten Gefühlszustand seiner verzweifelten Figur zu bebildern, manifestieren sich hübsche visuelle Ideen, die dem Film einen modernen Anstrich geben, der sich angenehm vom klassischen Stil anderer Verfilmungen abhebt.
Die größte Überraschung von "Pride and Prejudice" aber heißt Keira Knightley. Hier regelrecht offenbart sich, wie unterfordert die junge Schauspielerin durch Kostümepen stolpern musste, um in die Rolle der klassischen Austen-Heldin schlüpfen zu dürfen. Ihr allein gehört dieser Film, und als Zuschauer kann man gar nicht genug bekommen von Knightleys traumhafter Präsenz, ihren geheimnisvollen Augen und ihrer selbst beherrschten Darstellung der törichten, aber unglücklichen Lizzie. Erst recht wenn sich die schnippischen Dialoge mit dem sprachlich so feinen englischen Mundwerk entfalten, reift Wrights Film zu einem lichten Moment des von seinem Ensemble getragenen Schauspielerkinos – nicht nur die hinreißende Brenda Blethyn oder der charmante Matthew MacFadyen begeistern, auch Donald Sutherland war schon lange Zeit nicht mehr so brillant wie als gutherziger, besorgter Vater Bennet.
"Pride and Prejudice" also ist eine verträumte, aber ebenso aufmerksam erzählte Reise ins 19. Jahrhundert, wo Titel alles und Individualität nichts bedeuten. Darin ist Knightley als selbstbewusstes Mädchen, das mit eigenem Willen zeittypischen Rollenmustern zuwiderläuft, eine wahre Entdeckung. Möge man ihr die weitere Entwicklung hin zu komplexen Rollen wünschen – und dem Film bzw. der Vorlage die Tatsache, dass jegliche Rebellion letztlich doch nur in der Fügung vorherrschender Systeme mündet, verzeihen. Manchmal, da kann das Schmachten dann eben doch so schön sein.
75%
Januar 22, 2007
Kino: SAW III
Auch "Saw III" versteht ganz vorbildlich zu demonstrieren, wie ökonomisch es seinen Produzenten abermals gelingt, eine Idee, deren minimalistische Umsetzung bereits zwei Mal in Folge für maximale Gewinne sorgte, endlos neu zu variieren und dabei nichts von seinem exploitativen Charakter einbüßen zu müssen: Dieser dritte Film spult lustlos und handwerklich unterirdisch schlecht eine weitere Abfolge verketteter Todessequenzen herunter, deren Fäden wie gewöhnlich der Jigsaw-Killer in den klapprigen Händen hält. Da bereits die Vorgänger auf mehr oder weniger kreative Art versuchten, ihre Opfer in die unmöglichsten Foltersituationen zu verbannen, müssen derweil gleich mehrere Zacken oben draufgelegt werden. "Saw III" erfreut sich spürbar an seinem blutigen Sadismus und wird dabei vom euphorischen Publikum tatkräftig unterstützt – bei nur 10 Mio. US-Dollar Kosten hat der Film allein im Kino bereits über 150 Mio. eingespielt. Die Fortsetzungen sind längst beschlossene Sache.Da muss also was dran sein, an diesem Stoff. Zugegeben: Der erste Film war derart übersteigert und stellte seine Trivialität fast schon so ostentativ aus, dass man damit durchaus seinen Spaß haben und die Liste der großzügig inspirierten Vorbilder fast vergessen konnte. Obwohl James Wans Independentmär nicht im Entferntesten auch nur einen Ansatz von der Originalität aufwies, die ihm angedichtet wird, war er schlicht, wesentlich und nicht ganz unclever inszeniert. Dass aus dieser Ballung von einem Plagiat allerdings mehrere Sequels geschöpft werden, erscheint dann doch verwunderlich, krankte bereits der kurze Zeit später nachgeschobene "Saw II" an seiner hanebüchenen Überkonstruktion und völligen Beliebigkeit. Anders als sein Vorgänger vernachlässigte dieser die Thriller-Elemente fast gänzlich und stellte seinem infantilen Plot brutal-bizarre Perversion gegenüber – eine Entwicklung, die nun fortgesetzt wird.
Doch was der Film mit seinen genüsslichen Bildern gequälter Menschen, die in rostigem Ambiente bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden, bezwecken möchte, außer dass er die primitive Gier seiner Zuschauerschar insgeheim oder auch ganz offensichtlich befriedigt, das bleibt völlig unklar. Denn die großen Idole, die es in den 70er-Jahren vorgemacht haben – und in deren Tradition jene "Saw"-Filme selbst bekennend ebenso stehen wie ein "Hostel" oder "Texas Chainsaw Massacre: The Beginning" – hatten dann eben doch noch etwas mehr mitzuteilen: Dort wurde zwar mitunter ebenso unangenehm gefoltert, mit filmischen Mitteln allerdings stets die Grenze abgesteckt. Denn die Hoopers und Cravens, die das (Sub)Genre zumindest im amerikanischen Kino festigten, verstanden es zumeist effektvoll, ihre rohen Bilder in den Dienst subtiler Urängste zu stellen – der Einsatz graphischer Gewalt war weniger Mittel zum Selbstzweck, sondern diente der robusten Festigung ihrer subversiv durchtränkten Visionen.
"Saw III" ist als postmoderner Torture Porn eng an seine Vorbilder angelehnt, doch worum es denjenigen, die es einst vormachten, wirklich ging – die Auslotung nicht simpel goriger, sondern gesellschaftlicher und dadurch auch zeitreflexiv gefärbter Extreme – hat Darren Lynn Bousman keinen blassen Schimmer. Er klammert sich wie so viele nur an die Oberfläche dieser potenten Ära und erliegt dem Reiz des Genres: Hauptsache es wird ordentlich gematscht. So erzählt er ein weiteres Mal vom Tumor zersetzten Mörder, der mit seinen archaischen Wertevorstellungen – die sich wie gewohnt in pseudophilosophischen und reichlich albernen Dialogen äußern – unschuldige Opfer in illustre Experimente befördert und sie dadurch zu besseren Menschen zu domestizieren versucht. Das verschont den Zuschauer dieses Mal auch nicht von einer mehrere Minuten langen Operationsszene, bei der in nahen und detaillierten Einstellungen Kopf und Schädel aufgeschnitten und –gebohrt werden. Zu guter Letzt wartet das dann wie gewöhnlich mit einem Schlusstwist auf, der so vorbereitet und gelangweilt daherkommt, dass er die Vorgänger noch bei weitem unterbietet, und ist nicht viel mehr als die reine Redundanz menschenverachtender Brutalität. Selbst das begierigste Splatter-Kiddie hat so viel grundlose Dummheit einfach nicht verdient.
35% - erschienen bei: Blairwitch.de
November 30, 2006
Kino: IN MY FATHER'S DEN
Wenn man in Central Otago, einer Gegend im weiten Süden von Neuseeland lebt, dann kann einem der Kontrast zwischen unendlich weiter Landschaft und ungleich engerer Einöde, in der niemand wirklich anonym ist, offenbar so zusetzen, dass nur noch eine stürmische Flucht aus all dem die Lösung zu sein scheint. Dem Kriegsphotographen Paul Prior (Matthew Macfadyen) muss es so ergangen sein, an der Schwelle zum Erwachsenwerden verließ er seine Heimat, um sich zu zerstreuen, neue Orte zu entdecken, um überall – nur nicht daheim – sein zu können. Der Tod der Mutter war scheinbarer Auslöser dieser Notwendigkeit zur fernen Selbstsuche, und der Tod des anderen Elternteils führt ihn nach 17 Jahren schließlich zurück. Für die Freunde von einst ist Paul ein Fremder, die Wunden des jüngeren Bruders, den im Stich gelassenen, sind nie gänzlich verheilt: Plötzlich ist Paul den Schmerzen der Vergangenheit wieder so nah, und dieses Mal wird er ihnen nicht entfliehen können. 85% - erschienen bei filmzentrale.de