August 01, 2011

Zuletzt gesehen: 4 MOSCHE DI VELLUTO GRIGIO [Four Flies on Grey Velvet]

Enttäuschender Abschluss einer losen Trilogie, in der jeweils ein Titel gebendes Tier zur Auflösung der Handlung beiträgt. Stärker noch als in "Bird with the Crystal Plumage" und "The cat o' nine tails" betont Dario Argento in seinem dritten Spielfilm die kriminalistischen Aspekte der Geschichte, wodurch sich "Four Flies on Grey Velvet" deutlich in Richtung eines Whodunits und damit gewöhnlichen Thrillers bewegt. Der Großteil des Films wird von einem zähen und vorhersehbaren Plot bestimmt, dem sich nicht nur die visuellen Einfälle fügen müssen, sondern der auch noch mit ungebührlicher Komik angereichert ist (Bud Spencers Auftritte noch nicht einmal mitgezählt). Weder scheint Argento hier seiner ästhetischen Kraft zu vertrauen, noch gönnt er es dem Film, sich treiben zu lassen. Bestenfalls vereinzelt lässt das kontrollierte Abarbeiten eines sowieso hanebüchenen Drehbuchs Momente sanfter Poesie zu, ehe auch ein erschreckend verlabertes Finale den schalen Gesamteindruck nachdrücklich bestätigt. Einzig Ennio Morricones melo- dramatische Musikansätze und ein halbes Dutzend reizvoller Regieeinfälle retten die vier Fliegen vor der eigentlich verdienten Klatsche.


40%

Kommentare:

  1. Habe den nur einmal im Hamburger B-Movie gesehen und besser als Bird und Cat (der mir immer etwas zu trocken war) abgespeichert, zeigt schon deutlicher als Bird und Cat die Richtung, die Argento mit Deep Red beschreiten wird. Außerdem mag ich die psycho-sexuelle Soße, die er hier fein anrührt.

    Wäre aber Zeit für eine Neusichtung, habe mir die Mya-DVD immer noch nicht geholt, wg. andauernder Fanboy-Quängelei in den Foren. Wird aber bald nachgeholt.

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  2. Wieso lässt du meine Kommentare nicht anzeigen?

    Mösen Kalle

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  3. Weil ich auf meinem Blog keine volksverhetzenden und homophoben Kommentare dulde. Zum Lachen bringen sie mich aber dennoch, also mach ruhig weiter.

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  4. Ich kann dir da nicht zustimmen, da ich mich bei der letzten (und bisher leider auch nur zweiten, die jahrelang andauernde Elusivität des Films hat ihren Preis gefordert) Sichtung in viele bizarre Dinge an dem Film verliebt habe. Der Plot und seine Produktion sind zwar in der Tat nicht das Erquicklichste, andererseits ist der Film in dieser Hinsicht der einzige Argento, der wirklich wie ein "normaler" italienischer Genrefilm seiner Zeit wirkt, was auch schon ziemlich interessant ist. Ich liebe die seltsam neben sich stehenden Suspense-Szenen in dunklen Parks und dunklen Häusern, die hier ganz anders umgesetzt worden sind als in allen anderen Argento-Filmen, ich liebe überhaupt diverse "Füllszenen" auf der Straße und in Parks, da sich Argento hier als ganz großer Location-Versteher und -künstler offenbart, ich liebe Mimsy Palmer, ich liebe die Eröffnungssequenz und Konfrontation in dem leeren Theater, ich liebe die melancholisch-passive Badezimmer-Szene zwischen Brandon und seiner Schwägerin, ich liebe die Passage, in der der Killer Jean-Pierre Marielle verfolgt, ich liebe tatsächlich den Auftritt von Bud Spencer als außerirdisches Element, ich liebe die einigermaßen bizarren Träume von Michael Brandon und demzufolge vergöttere ich - nicht - das Finale, sondern den Schluss - die zärtlichste Enthauptung der Filmgeschichte zu einem der schönsten Stücke, die Morricone für Argento geschrieben hat. Also doch ziemliches vieles, was ich da liebe und letztlich für mich persönlich daher interessanter als etwa die neunschwänzige Katze als Argentos Versuch, sich einem kriminalistischeren Stoff anzunehmen.
    Außerdem ist der Film irgendwie doch ziemlich pervers. Ich glaube, aus ihm ließe sich noch am Ehesten ein Misogynie-Strick für Argento drehen, wenn man denn wollte. Ich fürchte, ich könnte nicht präzise umreißen, warum eigentlich - in meinen Erinnerungen finden sich nur einige relativ befremdliche Gedankengänge zu dem Paar Farmer-Brandon, die... na ja.;-)
    Jedenfalls scheint der liebe Dario zu diesem Zeitpunkt der holden Weiblichkeit ziemlich düster gesonnen gewesen zu sein - was sich bei ihm eben nicht in exzessiver Gewalt gegen weibliche Figuren sondern eher in neurotisch-hitchcockesken Implikationen äußert.

    Ich muss den Film dringend wieder sehen. Die Koch Media-Blu-ray sollte lieber gestern als morgen erscheinen.

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  5. Da kann ich jetzt eigentlich nichts hinzufügen. Die von Dir angesprochenen Momente bildeten größtenteils auch für mich die Highlights. Womit sie immer noch nur ca. ein Drittel der sonstigen Highlight-Dichte in einem (guten) Argento-Film abdecken.

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  6. Ich bin eben kein Mathematiker.;-) Bei mir breitet sich die Seltsamkeit und Schönheit dieser vielen Momente über den gesamten Film aus, isoliert im Raum stehen sie m. E. nicht. Selbst eher bescheuerte Szenen wie diejenigen mit dem trotteligen Briefträger oder Brandons erster Besuch bei dems schwulen Detektiv bestechen noch durch ihre ausgeprägte Seltsamkeit und Entrücktheit, einen feierabendlichen Liebreiz sozusagen.^^
    Und vor (zunächst) unerklärlichen Einschüben wie etwa auch diejenigen, die der Vorspann schon anhäuft (die spielenden Kinder) trieft der Film eigentlich sogar.
    Na ja, angesichts deiner sonstigen, fulminanten Argento-Wertungen des vergangenen Monats bin ich geneigt, dir zu verzeihen, dass du seine Filme im Schaffenskontext gesehen doch eher "traditionell" bewertet hast (d. h. neben QUATTRO MOSCHE auch die anderen bei Fans üblicherweise eher unbeliebten Filme wie LE CINQUE GIORNATE oder TRAUMA ähnlich niedrig eingeordnet).:-)

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  7. 5 Punkte (LE CINQUE GIORNATE) sind bei mir alles andere als niedrig. :-)

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  8. Hm. Ach ja. Ich vergaß.^^
    Du schreibst dazu nichts mehr, oder?
    Hast du ihn mit der Tulse geguckt?

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  9. hm, welche version hast du denn geguckt? (bootleg? mya? deutscher ton?)

    ich muss sagen 4/10 finde ich zu definitiv zu wenig!

    wie dieser farblose "arschloch-held" mit den ungewöhnlichen situationen und nebencharakteren interagiert ist schon irgendwie "geiler shit"! :))

    und du musst doch zugeben,... der schwul-schrullige privatdetektiv ist DIE genialste nebenfigur aller argento-filme ever!
    (schauspielerisch sowieso)

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  10. Hab ihn in Italienisch mit engl. UT gesehen.

    Und den Privatdetektiv fand ich, eingebettet in ein wie schon erwähnt eher kurioses denn amüsantes Humorkonzept, nur leidlich vergnüglich. I'm sorry.

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  11. Wie der Zufall es will, bekam ich just in diesem Moment auch die Möglichkeit, diesen Film zu sehen. Ich tendiere auch eher zu Durchschnitt, aber er ist allemal besser als alles, was ich bislang von Argentos Filmen, die aus diesem Jahrtausend stammen, gesehen habe. Tatsächlich ist es gerade die von McKenzie hervorgehobene und ganz fabelhaft inszenierte Enthauptungsszene zum allerletzten Schluß, die mich fast vergessen lassen möchte, wie uneinheitlich und zäh die vorangegangenen rund 100 Minuten waren. Der "Held" ist zudem ein ganz besonders bräsiger, wobei die Szenen zwischen ihm und Dalia trotz allem sehr anrührend geraten sind. Und Robertos prophetische Enthauptungsvisionen, die sich in der Schlußszene verwirklichen, deuten bereits an, daß Argento bald darauf einen Weg in die Übersinnlichkeit beschreiten wird. Vorher kamen aber noch "Die Halunken" und "Profondo Rosso".

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