Oktober 29, 2008

DVD: HELLBENT

Endlich ein schwuler Slasher! Wurde ja auch Zeit, dass sich das hartnäckigste aller konservativen Horror-Subgenres aus seiner für gewöhnlich immer so selbstverständlich unter- stellten Heterosexualität löst und mit dem schon 2004 produzierten "Hellbent" den ersten Stalk’n’Slasher vorlegt, in dem einmal nicht promiske Jungs an den Titten dusseliger Cheerleader rumfummeln oder zölibatäre final girls ihrer Jungfräulichkeit hinterherhinken. Nein, hier geraten – mehr oder weniger – schwule Teenager in die Fänge eines Sichel-Mörders mit Waschbrettbauch, der auf einer Halloween-Party voller Leder-Typen, Babydaddys und Drag Queens sein Unwesen treibt. Vorüber also die Zeiten des Schlitzerfilms, in denen queere Themen meist fröhlich in den Subtext verbannt wurden, was sich mal unfreiwillig komisch wie im zweiten Freddy-Film von Jack Sholder, mal ein wenig abschätzig und unbeholfen wie in Robert Hiltziks "Sleepaway Camp" äußerte.

Nun ist "Hellbent" allerdings nicht der große Triumph über eine gestürzte Bastion, dazu folgt er zu artig den Regeln und Konventionen des Genres, arbeitet zu sehr nach Anleitung jener heterosexuellen Strukturen, die er wohl eigentlich brechen möchte. Und dazu ist er auch zu brav, zu verhalten und bekümmert, was Gore und vor allem Sex betrifft, eben einfach etwas zu straight, um richtig gay zu sein. Aber, auch das ist gut möglich, ist hier vor allem der Wunsch nach Ausgleich Vater des Gedanken, hat Regisseur Paul Etheredge sein Debüt also ganz bewusst nach herkömmlichem Muster gestrickt. Denn auch schwule Scream-Queens – selbst die Termini behalten ihre Bedeutung! – haben ein Recht nach Schema F zu sterben. Sozusagen.

Der ansonsten jedoch ganz wunderbar unterhaltsame Film ist überraschend solide inszeniert, erstrahlt in grellem Produk- tionsdesign und großzügigen Farbfiltern. Trotz diverser Drehbuch-Hänger und eines leicht missglückten Finales, gefällt "Hellbent" mit sympathischer Besetzung und, seines konventionellen Rahmens zum Trotz, eben erfrischend unkon- ventionellem Ansatz. Die Salzgeber-DVD enthält noch den Kurzfilm "Gay Zombie", der allerdings ungleich öder und witzloser als der Hauptfilm ist. Dann lieber den schwulen "Otto"-Zombie von Bruce LaBruce schauen.


60% - erscheint in der DEADLINE #12

Kommentare:

  1. Wie du hast Bruce LaBruce's Otto gesehen?

    Zu Hellbent, wie bist du denn drauf, 60 % für so ein Schund zugeben, habe mich damals fast zu tode gelangweilt.

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  2. Wird geschaut, da freu ich mich drauf!

    Bin jetzt übrigens von selbst aus Sleepaway Camp gestossen und fand den zwar nicht unproblematisch (eben wegen FreakShow-Faktor) aber letztendlich total unterhaltsam, wenngleich verstörend.

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  3. Du schreibst für die Deadline oder hab ich den letzten Satz nur falsch verstanden?

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  4. @spidy:

    Joa, da kommt auch noch ein Review.

    @basti:

    Ich fand ihn nur verstörend. Und natürlich bedenklich.

    @phil:

    Richtig. Seit der ersten Ausgabe. ;)

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  5. Dann warte ich mal auf die Review zu OTTO.

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  6. mr. Hankey29/10/08 22:06

    Da hast du wirklich bis zum erscheinen der deutschen DVD gewartet, um endlich dieses queere Schmankerl von einem Slasherfilm zu sehen? (60% trifft den Nagel auf den Kopf!)

    Ich meine, ich habe Dich da doch schon vor Jahren mit einer Besprechung draufgestoßen und ich bin hetero! ;-)

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  7. Ich meine, ich habe Dich da doch schon vor Jahren mit einer Besprechung draufgestoßen und ich bin hetero! ;-)

    Gut, dass du es noch mal sagst, hatte es schon wieder vergessen. ;)

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  8. @mr. vincent vega: dann möchte ich an dieser stelle mal ein dickes lob aussprechen.

    Ich lese deadline seit dem tag, als ich sie zum ersten mal am kiosk entdeckt hab... das war etwa zu ausgabe 3 oder 4.

    definitiv das beste printmedium zum thema cinema & special interest! *thumbs up*

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