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Januar 05, 2013

Kino: SILVER LININGS PLAYBOOK

"Three Kings"-Regisseur David O. Russell lässt in "Silver Linings" zwei unglückliche Vorstadtneurotiker zueinander finden – und schenkt Bradley Cooper und Jennifer Lawrence die Rollen ihres Lebens. [...]

Juni 02, 2011

Kino: THE HANGOVER PART II

Nachdem Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms), Alan (Zach Galifianakis) und Doug (Justin Bartha) den schwersten Filmriss ihres Lebens halbwegs verdaut haben, reisen die vier einmal um die halbe Welt, um in Thailand die Hochzeit von Zahnarzt Stu zu feiern. Obwohl sich die (Noch-)Junggesellen geschworen haben, es nicht wieder zum Äußersten kommen zu lassen, wachen drei von ihnen nach einer durchfeierten Nacht in einem Hotelzimmer in Bangkok auf (aus irgendeinem Grund ist der vierte im Bunde, Doug, erneut nicht direkt ins Geschehen verwickelt). Wieder haben die Jungs keine Erinnerungen daran, was passiert ist, und wieder bringen ihre Exzesse unangenehme Konsequenzen mit sich. Und der irrelustige asiatische Schwule (Ken Jeong) ist auch wieder mit von der Partie.

Der männliche Ritus, sich zum Ende der Junggeselligkeit mit Freunden noch einmal richtig abzuschießen, bevor es dem heiligen Bund der Ehe beizutreten gilt, kann sehr amüsant sein. Darüber wurden schon diverse komische Filme gedreht, zum Beispiel eben die elliptische Katerkomödie "The Hangover". Sie verstand die letzte große Bachelor Party als Erinnerungslücke, die ihre Protagonisten nach einem bösen Erwachen Stück für Stück und voller Verzweiflung zu füllen bemüht waren. Die enthüllten Details der folgenreichen Sausenacht bewegten sich zwischen schwer harmlos und leicht aufregend und führten am Schluss selbstverständlich zur ehelichen und freundschaftlichen Versöhnung zwischen Mann und Frau und – garantiert platonisch – auch zwischen Mann und Mann.

Nicht ohne finale An- wie Aussprachen, leicht sentimentalem Läuterungsgestus und etwaigen geschmacklosen Witz wiedergutmachender Harmonie folgte "The Hangover" artig den neuerlichen Konventionen der US-Komödie, nach denen jedes Unheil stets wieder zur Ordnung gebracht und jede normative Verunsicherung gebannt werden muss. Selbst noch die verrücktesten Begebenheiten im Alkoholrausch könnten nie ernstlich einen Status Quo aufheben, denn im Männerwolfsrudel ("The Wolfpack") ist am Ende alles ungefährlich – und lustig natürlich sowieso. Dass die bemerkenswert langweilige, witzlose und himmelschreiend verklemmte Prollblödelei 2009 zum Überraschungshit des Jahres avancierte, versteht sich von selbst: Reaktionäre Doofheit war schon immer mehrheitsfähig, besonders beim amerikanischen Publikum.

Nun ist so ein besonders böser Kater nicht wirklich fortsetzungstauglich, erst recht nicht, wenn sich anschließend alles sogar noch zum Besseren wendet. Freilich aber musste Todd Phillips seine Spießerbande in Serie schicken und dem Hangover einen Part II hinterher kippen. Gemäß dem Niveau des Vorgängers greift das Sequel dessen einzige Idee wieder auf und lässt das Wolfpack nach einer durchzechten Nacht erinnerungslos zurück. Neue Stadt, neue Heirat, neuer Kater, alles noch mal nach Erfolgsrezept. Diese 1:1-Kopie des Erstlings ist tatsächlich noch einmal wesentlich tempoärmer als der ohnehin schon schnarchige Vorläufer und feuert seine Wahnsinnsgags dieses Mal im Dreiviertel- stundentakt ab.

Man kann nicht sagen, aus "Hangover 2" wäre irgendwie die Luft raus, denn das hieße ja, der erste Film sei kein Platten gewesen. Aber konnte man dort zumindest noch nachvollziehen, was das leicht zufrieden zu stellende und bierfreudige Jungs- und Jungmännerpublikum an der Geschichte attraktiv zu finden schien (Klemmi-Humor und ein kurzzeitiger Anflug von Normwandlung), lässt einen die Wiederholung eher ratlos zurück. Die durchschaubaren Versuche des Films, Ideen- und (offenbar auch) Lustlosigkeit mit noch zotigeren Einlagen im Ballermann-Modus abzuwehren, münden jedenfalls in abermals schlimmen Verunglimpfungen von Minderheiten und allem, was heterosexuelle Ängste auszulösen vermag.

Als Stu, einst zahnlos und nun auch noch durch ein Tattoo entstellt (auweia!), in Erfahrung bringen muss, während seines Rauschs Sex mit einem Transvestiten gehabt zu haben (und das auch noch in der Rolle des passiven Parts), sind sich seine Freunde und er einig, dass einem Menschen wohl nichts Schlimmeres im Leben widerfahren könne. Entsetzt stellt er fest, einen Dämon in sich zu haben, der ihn offenbar betrunken zu dieser Schrecklichkeit getrieben habe. Das Wolfpack vereinbart Stillschweigen auf Lebenszeit, und dann kommt auch schon wieder das lustige rauchende Äffchen um die Ecke, das dem Film ein ums andere mal aus der Misere helfen muss. Machwerke wie "The Hangover Part II" setzen wohl endgültig einen biederen Schlusspunkt unter das Erbe von John Waters, der solche und andere Derbheiten einst subversiv in den Mainstream schmuggelte – nicht ahnend, zu welch fraglicher Konformität sie einmal beitragen würden.


10% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden

April 11, 2011

Kino: LIMITLESS

Einhundertprozent ausgeschöpfte Hirnkapazität: Maximale Lernerfolge binnen kürzester Zeit, komplexe Sachverhalte, die wie Fingerübungen erscheinen, ungeahnte Karrierechancen. Ein Leben wie aus den Vollen geschöpft, auf der absoluten Überholspur. NZT macht es möglich, die leistungssteigernde Droge verschafft dem menschlichen Gehirn neue Möglichkeiten. Wer sie nimmt, kann es in wenigen Stunden zum Bestsellerautor bringen, hoch komplizierte Pianopartituren erlernen oder durch außergewöhnliches Geschick Millionen an der Börse umsetzen. Mit dieser faszinierenden und ebenso attraktiven wie unheilvollen Idee spielte Alan Glynns 2001 erschienener Erstlingsroman "Stoff", den Regisseur Neil Burger jetzt zu einem fiebrigen visuellen Wahrnehmungsrausch verarbeitet hat.

"Limitless" erzählt zunächst einmal die alte Geschichte vom erfolglosen Künstler. Eddie Morras (Bradley Cooper) ist Schriftsteller, er lebt in einer heruntergekommenen Bruchbude und verzweifelt an seinem noch nicht einmal begonnenen Buch. Seine Freundin hat ihn abserviert und sowohl Verleger als auch Vermieter sitzen ihm im Nacken – so weit die übliche unglückliche Autorenchose. Als Eddie zufällig auf seinen Ex-Schwager trifft, gibt dieser ihm eine neue Droge, die noch nicht auf dem Markt erhältlich sein und anders als alle bisherigen Rauschmittel wirken soll. Wenig beeindruckt und eher skeptisch nimmt Eddie die Pille in einer unüberlegten Situation ein.

Von einem Moment auf den nächsten macht der Schriftsteller eine enorme Wandlung durch. Er fühlt sich schlagartig energetisch, selbstbewusst, potent. Voller Tatendrang bringt er seine Wohnung auf Vordermann, beendet in wenigen Stunden seinen Roman und verwandelt sich vom erfolglosen Loser zum smarten Dandy. Als Eddie Nachschub benötigt, findet er seinen Freund in dessen Wohnung ermordet vor. Ungeachtet der möglichen Hintergründe lässt er eine ganze Tüte NZT mitgehen und setzt seinen Dauerrausch hemmungslos fort. Doch die Droge erzeugt Black-Outs und Erinnerungslücken: Auf seinem plötzlichen Erfolgsweg zum Wall-Street-Ass hat Eddie es mit undurchsichtigen Firmenchefs, einer gefährlichen Gangsterbande und schließlich rätselhaften Mordfällen zu tun.

Was erst einmal einen nur allzu konventionellen und moralischen Eindruck macht, schlägt im Verlauf der Handlung ein Dutzend unerwarteter Haken. Die zunächst noch gradlinige Geschichte des Films löst sich mehr und mehr in eine streng subjektive Erzählperspektive auf. So wie Eddie unvermittelt in sein vollkommen absurdes Drogenleben stürzt, so muss ihn der Zuschauer auf diesem Weg begleiten. Seine privaten und beruflichen Erfolge durchleben wir gemeinsam mit ihm, die Wahrnehmungslücken gerinnen auch für uns zu unerklärlichen Auslassungen. "Limitless" zwingt sein Publikum zur Co-Abhängigkeit: Einem Trip gleich inszeniert Burger den Film als intensiven Fiebertraum, dem man kaum vertrauen und ihm dennoch nur erliegen kann.

Dies ist einer der verrücktesten, originellsten und wagemutigsten Hollywoodfilme seit Jahren. Irgendwo zwischen "American Psycho" und "Fight Club" ist er Satire auf den Modern Way of Life, überdehnte Gesellschaftsutopie oder auch hemmungsloser Kommentar zur Wirtschaftskrise. Er karikiert den Erfolgsdruck der Managerwelt und die Klischees einer so genannten schnelllebigen Zeit, er ist der ironische Ausdruck eines geistigen Stillstands. Das alles sind Plattitüden, aber "Limitless" erklärt sie fast radikal herunter gebrochen zum unwirklichen Rauschzustand und stellt sie zugleich implizit infrage. Unbekümmert schickt er seinen Protagonisten und den Zuschauer auf einen (Ego-)Trip, der keine Grenzen kennt. Man kommt aus diesem Film getorkelt, als sei man zwei Stunden lang unbemerkt auf NZT gesetzt worden.

Neil Burger spielt für die Erschaffung eines subjektiven Amphetaminrauschs alle handwerklichen Karten aus. Eddies Blick bestimmt den Film, sein Empfinden wird zur übergeordneten ästhetischen Perspektive. Entsprechend energiegetrieben ist Burgers Regie, geradezu entschlossen folgt er seinem Konzept. Dazu zählen sowohl durchsichtige stilistische Merkmale wie beschleunigte Zooms oder eine klare visuelle Unterscheidung zwischen nüchternem und bewusstseinserweiterten Zustand des Protagonisten, als auch subtile und diffizile Spielereien mit Schnittfolge und Sounddesign. Burger gelingt es, die zusehends bewusst unlogische Handlung zu kaschieren, indem er mehrere Ebenen überlagert und Objektivität negiert. Weil er damit letztlich eine eindringliche Drogenwahrnehmung simuliert, kommt es auch zu keiner Diskrepanz zwischen der voll gepumpten Erzählfigur und ihrer innerfilmischen Umwelt.

Neben der beeindruckenden Inszenierungsfertigkeit von "Limitless" erstaunt vor allem seine Konsequenz. Er verlangt dem Zuschauer nicht nur einiges ab, wenn er die Drogenerlebnisse sukzessive intensiviert und dadurch jede Urteilsfähigkeit trübt, sondern auch, weil er seiner Figur und dem Zuschauer keine Fallen stellt. Dies ist womöglich einer der wenigen Filme, in denen hemmungsloser Drogenkonsum auch oder vor allem in letzter Instanz folgenlos bleibt. Und mehr noch, in denen konsequenter Erfolg und chemische Bewusstseinserweiterung sich untrennbar bedingen. Es ist ein fragwürdiger, aber auch faszinierend bitterer Eintrag in einer langen Liste von Filmen, die Drogenmissbrauch rein auktorial thematisieren, um damit eine bestimmte Meinung an der Welt festzumachen. "Limitless" ist ihr böser Gegenentwurf und vielleicht auch ultimativer Schlusspunkt.


80% - erschienen bei: gamona

Juli 24, 2009

Kino: THE HANGOVER

Bevor er den heiligen Bund der Ehe schließt, wird der smarte Noch-Junggeselle Doug von seinen drei besten Freunden auf einen Kurztrip nach Las Vegas eingeladen, um in geselliger Männerrunde ein, zwei, drei Kästen Bier leeren und, man kennt das ja irgendwie, den letzten Abend in ‚Freiheit’ entsprechend auskosten zu können. Dass seine drei Buddies, der eitle Lehrer Phil, der etwas stockige Zahndoktor Stu und der nerdige Tollpatsch Alan, am nächsten Morgen mit einem kräftigen Kater erwachen, war dabei sicherlich noch abzusehen – nicht jedoch, dass der Bräutigam in spe plötzlich verschwunden, das Hotelzimmer komplett auf den Kopf gestellt und die Erinnerungen an die Vornacht quasi ausgelöscht sind. Und dabei gilt nicht nur zu klären, wie der Tiger ins Badezimmer kam oder wem das schreiende Baby im Schrank gehört…

Die dem Zuschauer vorenthaltene, folgenschwere Nacht gilt es nun gemeinsam mit den liebenswert gemeinten Protagonisten zu rekonstruieren. Stück für Stück versuchen die auch äußerlich gezeichneten Jungs nachzuvollziehen, warum der Concierge ihnen plötzlich ein Polizeiauto vorfährt, sie von Gangstern verfolgt werden oder Mike Tyson höchstpersönlich einen mächtigen Groll gegen sie hegt. Das detektivische Aufspüren der Hinweise folgt dabei einem simplen elliptischen Prinzip – dem Gesetz der Lücke, die gefüllt werden will, und den absurden und irrwitzigen Zufällen, aus der eine Komödie ihre sicheren Gags generieren kann. Ein alter Hut, ein geschenkter Gaul, ein wahrer Drehbuchklassiker sozusagen.

Dem Regisseur einiger erfolgreicher Comedies, Todd Phillips, möchte dennoch wenig einfallen beim Ausmalen der leeren Felder. Und so bemüht "The Hangover" stets die offensichtlichsten Zusätze seiner an und für sich hübschen Idee: Kein Regieeinfall, der sich nicht drei Ecken zuvor ankündigt, kein Witz, der sich nicht auf verbrauchte Dosenbierklischees verlässt. Dass dem Film zusätzlich jeglicher Drive, Schwung, Pepp fehlt, er überhaupt eine Geschichte über abstruse Irrtümer mit ermüdender Gemächlichkeit erzählt, mag sich sogar noch als Konzept verstehen – so doch das Genre seit Judd Apatow neuerdings immer eins, zwei Gänge zurückfährt. Den bedauerlichen Mangel an tiefsinnigem Witz und Selbstironie dieser Retortenveranstaltung entschuldigt das aber nicht.

Es irritiert jedoch nicht im Geringsten, dass diese betont altmodische Komödie in ihrem 90’s-Appeal an Filme wie "Honeymoon in Vegas", "Arizona Junior" oder "Very Bad Things" erinnert und sich damit an den Kinokassen als Überraschungserfolg behaupten konnte: Es ist eine sichere Bank, die Geschichte mit den vier Männern, dem Baby, den Tigern, Tucken und Titten. Phillips knüpft in dieser Selbstfindungsschnulze immerhin an seinen eigenen "Road Trip" an – beschrieb dieser noch einen romantischen Rückblick auf die ungehemmten Vorzüge der Adoleszenz, befinden sich die vier männlichen Hangover-Helden schon inmitten einer bürgerlichen Normgesellschaft. Hier wie dort sinniert Phillips gleichermaßen über die Attraktivität des Ausbruchs und der anschließenden Rückkehr ins Gefüge. Der überschaubare Eskapismus der Handlung empfiehlt also auch den Film als willkommene Realitätsflucht für ein Pärchen- und Jungs- publikum, das mit ausreichend Bier und Popcorn seinen nächsten Kulthit gekürt hat.


30% - erschienen bei den: FÜNF FILMFREUNDEN