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April 03, 2013

Zuletzt gesehen: DRACULA (3D) (2012)

Nicht weniger lästig als die jüngeren hämischen Schmähungen seines Spätwerks sind ganz selbstverständlich vereinzelte Versuche cinephil verstrahlter Himmelsstürmer, Dario Argentos Filme seit der Jahrtausendwende auf ein früheren Werkshöhepunkten gegenüber identisches (Rezeptions-) Niveau zu drücken. Wer etwa dessen Mütter-Trilogie mit "La terza madre" adäquat abgeschlossen sieht, wer keinerlei gestalterische Verluste, künstlerische Erschöpfung oder ästhetische Agonie im Argento-Schaffen neuen Datums finden kann, der mag auch via "Dracula (3D)" eine vereinheitlichende Brücke stabiler Auteurismus-Qualitäten schlagen wollen. Bewunderer der (gegenwärtig leider nur theoretischen) Argento-Fertigkeiten mit intakten Sinnesorganen dürften dieses Deliriumserzeugnis bestenfalls noch schulterzuckend aussitzen, nicht mal mehr stöhnen über die an 90er-Jahre-Amateurquatsch aus dem Hause Schnaas/Rose/Ittenbach gemahnende Bildsprache, die einfältige Mise-en-scène, die saft- und kraftlose Plan-von-nix-Bearbeitung des Stoffes. Nicht einmal zum abschätzigen debilen Entertainment will diese Illustration eines künstlerischen Tiefstpunktes taugen, deren Spurensuche nach zumindest ideell interessanten Anknüpfungspunkten einstiger Schöpferkraft Dario Argentos schon nicht mal mehr im Sande verläuft. Sondern irgendwo im knallig eingefärbten Waldloch, in dem Thomas Kretschmanns Graf Dracula als riesige CGI-Heuschrecke ihre Runden hüpft.


10%

Dezember 15, 2008

Zuletzt gesehen: LA TERZA MADRE

Im dritten Mutter-Film von Dario Argento ersetzt ein völlig lächerlicher Krimi-Plot nun die zuvor einer intuitiven Logik folgenden Auseinandersetzungen über Urängste, Alpträume und Unterbewusstsein. Komplexe Bildsprache und wirkungs- volle Horrorästhetik sind dem einstigen Meister dabei nunmehr völlig abhanden gekommen: In billigster TV-Optik spult Argento einen höchst albernen, peinlichen und unfreiwillig trashigen Esoterik-Grusel herunter, der sich mit effekthasche- rischen und billigen Splattereinlagen als jene Exploitation verrät, für die Argento eigentlich nie einstehen wollte. Richtig grotesk wird’s dann, wenn der ehemalige Genrevisionär dem Altherrenwahnsinn verfällt und im Finale eine Hölle aus sodomitischen Sexspielchen und nackten Lesben entwirft – die dann richtig schön phallisch zerlegt werden dürfen.


15%

November 28, 2007

TV: DURCH DIE NACHT MIT...

... Joe Coleman und Asia Argento. Erstausstrahlung: Dienstag, 04.12. um 0:30 Uhr auf Arte

Die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Arte-Reihe ist ja längst kein Geheimtipp mehr. Und nachdem sich bereits allerlei illustre Gestalten aus den verschiedensten Kulturbereichen begegnet sind, sollen nun auch Asia Argento und Joe Coleman unter der Regie von unserem Jörg Buttgereit eine gemeinsame Nacht vor der Kamera verbringen. Beide sind zweifellos Multitalente: Während erstere kaum vorgestellt werden muss – als Tochter von Kinovirtuose Dario wurde Asia zunächst mit Filmen wie "Trauma" und später durch "XXX" oder "Land of the Dead" einem größeren Publikum bekannt –, sei zu Joe Coleman nur gesagt, dass er über ein ausgiebiges Archiv höchst eigenwilliger Ausstellungsstücke verfügt, und sich vor allem als "Outsider-Artist" versteht. Das umfasst im Genauerem u.a. obskure Bilder, inspiriert von bekannten Serienmördern, und kuriose Live-Shows, bei denen schon einmal diversen Kleintieren das Köpfchen abgebissen wurde. Kein Wunder also, dass der gemeinsame Nenner bei Marilyn Manson anfängt – und irgendwo mit "Scarlet Diva" aufhört. In diesem Film nämlich – ein Ausschnitt belegt es erinnernd – hatte Asia dem stattlich gekleideten Joe bereits eine Rolle verpasst, die beiden sind sich also keinesfalls fremd. Tatsächlich sogar könnte die Chemie kaum besser sein. Und das ist eine günstige Voraussetzung für 50 amüsante, bizarre, höchst unterhaltsame Minuten, auch wenn mitunter jegliches Konfliktpotential anderer Ausgaben der Reihe dem vorprogrammiert friedvollen Miteinander weichen muss. Die angepeilten Stationen reichen vom alten Jahrmarkt auf Coney Island samt Holzachterbahn und echter Freakshow bis zu einem Besuch beim Performance-Künstler David Blaine, angereichert mit zahlreichen wunderbaren Konversationen und Lebensweisheiten ("What’s much scarier than death is life."). In ihren Zwischentönen ist die Episode ebenso interessant wie lehrreich, während der Blick ins New Yorker Nachtleben wie immer ganz beiläufig zum ungemein nuancierten Stadtportrait gerät. Spätestens wenn beider Blick in den Trinkkelch so tief ausfällt, dass nur noch hemmungsloses Herumalbern möglich scheint, weiß der Zuschauer: Auch das ist eine weitere unverzichtbare Stunde TV-Kultur.


erschienen in: DEADLINE #6/07