Februar 15, 2011

Berlinale 2011: EN TERRAINS CONNUS

Drei Unfälle stehen im Mittelpunkt von "En Terrains Connus" ["Familiar Ground"]. Der erste ereignet sich auf der Arbeit von Maryse (Fanny Mallette), als ein Fabrikant seinen Arm verliert. Der zweite trifft ein Rebhuhn, das ans Fenster von Benoît (Francis La Haye) kracht. Den dritten verkündet ein Mann aus der Zukunft, seiner Vorhersage nach wird Maryse mit dem Auto verunglücken. Dies ist die grobe Einteilung des Films durch Zwischentitel. Maryse und Benoît sind Geschwister – sie lebt in einer unzufriedenen Ehe, er wohnt noch im Obergeschoss des Elternhauses und bekommt sein Leben nicht in den Griff. Zu den üblichen Unzufriedenheiten in ihrem Alltag gesellt sich zudem noch ein besonders kalter kanadischer Winter (Ort der Handlung: Québec) und eben jene fatalistische Unfallverkündung.

Zugegeben, das liest sich merkwürdig. Und es ist auch merkwürdig, jedoch nur im besten Sinne. Der franko-kanadische "En Terrains Connus" von Stéphane Lafleur vereint eine ganze Menge skurriler Einfälle, absurde Situationskomik und aberwitzige Figuren. Es gelingt ihm, daraus zu keiner Zeit eine ausgestellt freakige Provinzkomödie zu stricken, die unentwegt auf ihr ulkiges Potenzial verweisen müsste, sondern sich vielmehr als ganz stille und behutsame Tragödie zu positionieren. So abgenutzt es auch klingen mag, erzählt Lafleur nichts weniger als eine Geschichte, wie sie das ganz normale Leben schreibt. Damit reißt er gewiss keine Zäune ein oder präsentiert so etwas wie den originellsten Film der diesjährigen Berlinale, doch "En Terrains Connus" ist gerade dank seiner stilistischen Unauffälligkeit und seiner wunderschön leisen Pointen eine vergnügliche Reise ins verschneite Québec. Die sympathische Art, mit der dieser Film irgendwie vollkommen neben der Spur liegt, erinnert wohl nicht von ungefähr an "Fargo".


65% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden & Reihe Sieben

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