März 04, 2010

Kino: CRAZY HEART

Crazy Heart. Mit einer verbraucht klingenden, tiefen rauen Stimme besingt Ryan Bingham im Titelsong dieses Films das Schicksal der einstigen Musiklegende Bad Blake: "Your body aches' / Playing your guitar and sweating out the hate / The days and the nights all feel the same / Whiskey has been a thorn in your side / and it doesn't forget / the highway that calls for your heart inside".

Man sieht Blake als abgehalfterten Countrysänger von Bar zu Bar torkeln, jede Nacht spielt er seine Hits aus vergangenen Tagen vor kleinem Publikum. Sein Stolz aus besseren Zeiten scheint ungebrochen, erst wenn er sich vor Hinterausgängen übergeben und anschließend erniedrigende Telefongespräche mit seinem Manager führen muss verdeutlichen sich Demut und Enttäuschung über ein Leben, das irgendwann in eine falsche Richtung ausgeschlagen ist. Dem Alkohol verfallen, lebt Blake ein Leben aus dem Koffer, zwischen Highway und Truckstop, zwischen kleinen Gigs und der Erinnerung an jene Zeit, in der er ausverkaufte Konzerte vor tausenden Zuschauern spielte.

Jeff Bridges ist Bad Blake. Er IST dieser süffige Sänger mit der abgeschabten Gitarre, der alternde Country-Star mit der rauen Schale und dem weichen Kern. Würde er mit dieser Rolle nicht den Oscar nach 40 eindrucksvollen Jahren im Filmgeschäft nun endlich sicher in der Tasche haben, man müsste ein weiteres Mal ernsthaft beklagen, warum einer der brillantesten, subtilsten, wandlungsfähigsten, charisma- tischsten, meistunterschätzten amerikanischen Schauspieler noch immer als so etwas wie ein Geheimtipp gehandelt wird. Bridges hat viele ikonische Figuren interpretiert oder ganz gewöhnliche zu Ikonen hochgespielt – Bad Blake nun ist mit Sicherheit eine von ihnen. Es ist sein Film, jede Minute, jede Einstellung. "Crazy Heart" ist ganz auf Bridges zugeschnitten. Aber, und das ist einer der wesentlichen Unterschiede zum durchaus vergleichbaren "The Wrestler", er spielt lediglich eine Rolle, er evoziert keine autobiographischen Verbindungen und stellt auch keine Nähe zu ihnen her. Es ist kein Comeback-Film und auch kein Aufmerksammachen auf einen der größten lebenden Schauspieler, es ist nur eine Rolle, die präzise, glaubhaft und authentisch erscheint.

"Crazy Heart" kann es sich mit seinem überragenden Hauptdarsteller deshalb leisten, ein konventionell erzählter, überschaubarer und mitunter durchaus Klischee beladener Film zu sein. Vielleicht muss er das sogar, um Raum für Bridges zu schaffen. Die Geschichte nämlich, nun ja, man hat sie schon einige Male erzählt bekommen, am Ähnlichsten noch in "Tender Mercies" mit Robert Duvall, der hier wohl nicht zufällig als Produzent und Nebendarsteller fungiert. Es ist das einfach gehaltene, gradlinige, klassische Konzept eines heruntergewirtschafteten Mannes, der sich durch die Kraft einer Frau wieder aufrappelt. Maggie Gyllenhaal spielt diese Frau, eine lokale Journalistin, die sich in den deutlich älteren Sänger verliebt. Der enorme Altersunterschied gehört ebenso wie die mitunter etwas sehr komprimierte Läuterung des Alkoholikers Blake zu den weniger plausibleren Elementen im Drehbuch des Regiedebütanten Scott Cooper, der ansonsten einen soliden Job macht und sich immerhin das Vertrauen eines erfahrenen Altstars wie Bridges zu erarbeiten wusste.

Es bleibt ein Film, der sein Herz am rechten Fleck, der wirklich so etwas wie eine Seele hat. Der mit Gyllenhaal und besonders Colin Farrell als ungleich erfolgreicherem Countrysänger auch in den Nebenrollen wunderbar besetzt ist. Und der mit herzzerreißenden Songs aus der Feder von Stephen Bruton und T-Bone Burnett eine leidenschaftliche Qualität besitzt. Das hier ist Musik, die in Verbindung mit den Bildern des Films nichts vorgibt, sondern wirklich zu wissen scheint, was ihre wehmütigen Texte und sanften Gitarrenklänge behaupten.

Der Beweis:



70% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN

Kommentare:

  1. Hab ihn jetzt 2 mal gesehn (auch im Original) und finde das er locker 85% verdient hat. Einfache Story hin oder her, dieser Film hat soviel Herz und soviel Bridges...

    Aber vielleicht steh ich noch zu sehr unter dem Eindruck des eben Gesehenen? :)

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  2. Das ist wohl eine Frage der emotionalen Gewichtung. Als Film hat der schon erhebliche Defizite, insbesondere in der letzten halben Stunde (das dürfte der leichteste Alkoholentzug sein, den man jemals auf der Leinwand gesehen hat^^).

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  3. Ich wusste das du dat sagen würdest und ich habe Dasselbe gedacht. :D Am Ende geht alles ganz einfach und man überspringt 18 Monate und *zack* ist alles schick. Dafür nimmt Sie ihn nicht zurück - als kleinen Ausgleich?

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    Oh ein Horrorfilm mit 90% werd gleich mal deine Kritik lesen. :) Ich habe heute Cabin Fever 2 gesehn in der Hoffnung er ist ähnlich passabel wie Teil 1 damals. IRRTUM. Peinlicher Trash finde ich... Schade

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  4. Der übrigens vom gleichen Regisseur stammt. :P

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  5. Ja ich weiß und auch deshalb dachte ich... Naja ein paar Splatterpunkte kann man geben... aber das wars dann auch.

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    Heute Abend steht dann noch "The Hurt Locker" auf dem Plan. :)

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  6. Na endlich, wie du dich vielleicht erinnerst, hatte ich dir von dem schon letzten Sommer vorgeschwärmt. :)

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  7. Nee hab ich total vergessen... ^^ *schäm*

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