Dezember 07, 2009

Zuletzt gesehen: WATCHMEN

Thematisch und visuell ebenso stark überfrachtete wie zunehmend uninteressante Adaption der tiefsinnigen Superheldenreflexion Alan Moores, bei der Zack Snyder mitunter eindrucksvoll die Bilder der Vorlage verknüpft, ohne jedoch jemals eine gedankliche, erzählerische oder einheitliche Ordnung herzustellen. Sichtlich überfordert von der Komplexität des Comics weicht der Film den mitunter kritischen und offensiven Referenzen an die Comicgeschichte aus und verfällt in protzige Popkulturverweise, die stets falsche Verbindungen knüpfen: Die Haltung der Vorlage zum Superhelden als fragwürdiges Popphänomen gerinnt bei Snyder durch schmucke Ohrwürmer und infantile Filmzitate zum Gegenteil – seine Watchmen sollen als konventionelle Identifikationsfiguren taugen. Dem fügen sich ansehnliche, den Mainstream-Gewohnheiten zuspielende Action- und Härteeinlagen, die den philosophischen Fragen des Comics nur noch einen banalen Verhandlungsraum lassen, den Snyder in Dialogen zu finden glaubt, die so redundant wie ungelenk wirken. Ein an der filmischen und konventionellen Form gescheitertes Projekt, dem es gehörig an intellektuellem Willen fehlt.


40%

Kommentare:

  1. Wenn ich mit Prozenten um mich werfen würde, bekäme Watchman zwar immer noch gutgemeinte 60 oder sowas, aber Recht haste trotzdem. Bei allem visuellen Glanz und all den (zumindest teilweise) schönen Dialogen übernimmt sich der Film mit der Vorlage einfach ein Stück. Ne willkommende Abwechslung zu dem üblichen Superhelden-Driss isses aber trotzdem.

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  2. Ja, so kann man es zusammenfassen. Lediglich Rorschach macht Laune, vor allem ohne Maske.

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  3. Ich freue mich auf ein Gespräch im Fifties-Diner ;-)

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  4. Jo, Recht hat er, mit seiner nicht weniger überfrachteten Kurzrezension.

    "Popphänomen" - Liest sich strange, werd ich mir merken.

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  5. oh weia. Ein Meisterwerk der Comicverfilmung.

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  6. Weil ich WATCHMEN für die vielleicht gelungenste Comicverfilmung seit Ang Lees HULK halte.

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  7. Oh dear... aber du hältst ja BLACK DAHLIA (2006) auch für ein Film-Noir-Meisterwerk. xD

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  8. ich denke der fim ist arecht gut verfilmt.
    Aber ich habe auch schon bessere gesehen.

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  9. Mr. Hankey8/12/09 18:40

    Selber "Oh Dear"! ;-)

    Watchmen ist Hulk ja wohl weeeiiitttt überlegen! Ich komme mit zur Diskusion! ;-)

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  10. Oh dear... aber du hältst ja SPIDER-MAN 3 (2007) auch für ein Comic-Meisterwerk. xD

    @ Hankey
    Würde mich sehr freuen, wenn die Dresdner GF Truppe in den Weihnachtsferien nach Berlin käme - hat ja bislang leider nie geklappt...

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  11. Mr. Hankey9/12/09 23:23

    @ Jochen

    Das wird leider auch dieses Jahr nichts werden, da die Dresdner GF-Truppe zwischen den Weihnachtstagen nicht "daheim" ist. Udo ist mit Familie bei seinen Eltern in der "alten Heimat", Rene ist mal wieder in Taiwan bei der Liebsten und auch ich werde vom 24-30 bei der lieben Verwandschaft sein. ;) Sorry!

    Aber wir wollen sehen, dass das nächste Berlintreffen nicht allzu lange auf sich warten läßt!

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  12. Wie kann man nur HULK nicht mögen. >:(

    WATCHMEN habe ich vor kurzem zum zweiten Mal gesehen, und merkte da endgültig, dass das künftig auf gnädiges Rosinenpicken, also: sich-Freuen über gelungene Einzelszenen, hinauslaufen wird, denn als Ganzes ist der in seinem unentspannten Drang, auch ja nichts auszulassen, eine einzige große Aussparung.

    Weniger sklavisches Abarbeiten hätte dem Film besser getan, oder, um es mal originell zu formulieren: Weniger wäre mehr gewesen.

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  13. Mr. Hankey11/12/09 02:33

    "Wie kann man nur HULK nicht mögen. >:("

    Anscheinend genauso wie eben manche "Watchmen" nicht mögen können. Für mich auch das Unding, was es für euch bei "Hulk" ist! ;)

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  14. Snyder ist intellektuell ein Bruder Leichtfuß, erzählerisch aber ein schwerfälliger Plattfuß. Ein idealer Regisseur für diesen Stoff sollte umgekehrt gestrickt sein, intellektuell ambitioniert, aber mit der nötigen Souveränität und Leichtigkeit, daraus etwas heute Sehbares zu formen.

    Alle visuellen Bonbons, die Chili ja zu Recht aus der Konkursmasse von Snyders abermaligem künstlerischen Bankrott retten will, zeigen nur eins: Es ist heute technisch möglich, jeden noch so aberwitzigen zeichnerischen Einfall auf der Leinwand nachzuempfinden.

    Das Hauptproblem liegt einfach darin, das Snyder nicht nur dem Stoff, sondern auch der Tatsache, dass die letzten zwanzig Jahre uns eben der historischen Perspektive der achtziger Jahre gehörig entfernt haben, nicht gerecht wird. 1989/90 bedeutet ja nicht nur eine historische Wende, die Moores Vision überraschend schnell in einer vergangenen Epoche versinken ließ, sondern auch eine Grenze im Umgang mit dem „Popphänomen“ (die Finger zucken tatsächlich, wenn man die P-Kaskade dieses Wort tippt) Superheldencomic, da Burtons „Batman“ herauskam.

    Snyder wollte den Comic nicht ins Jahr 2009 überführen, sondern beließ ihn in den achtziger Jahren. Er kann mir das Weltgefühl der Achtziger aber zu keiner Zeit plausibel machen, noch warum diese Vision heute noch bedeutsam sein könnte. Das liegt auch an den, wie du schreibst, völlig vergeigten Anspielungen. Snyder greift sie sich wie ein Kind, das im Süßigkeitsladen freigelassen wurde, statt sie als Möglichkeit zu begreifen, der achtziger Jahre Vision eine untergründige Gegenwart zu geben.

    Hm. Eigentlich sind die Probleme des Films ja schon bei Erscheinen gesehen worden, auch in der OFDb. Die Kritiken von Chili, bluebottle oder HappyHarry formulieren es nur aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Prinzip fasst du das nur bündig und angemessen polemisch zusammen, hast aber die beneidenswerte Gabe, auch damit die Gemüter noch aufzuregen. Sehr schön. Und: warum und worüber rege ich mich eigentlich auf?

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  15. Ich bin und bleibe dein größter Fan.

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  16. Da glaubt man, hier geht nichts mehr, kommt ein halbes Fastmachine-Review daher. Drückt schön das Gefühl in Worten aus, das ich beim Erheben aus dem Kinosessel damals empfand und mich fragte, was der ganze Hype um DIESEN Film eigentlich soll?

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