März 12, 2007

DVD: HWAL (THE BOW)

Der alte Mann und das Meer: Nicht gegen einen großen Fisch, sondern ein 16jähriges Mädchen kämpft er. Vor 10 Jahren stieß sie zu ihm, seitdem bilden der Greis und die Lolita eine Zweckgemeinschaft auf dem Kutter. Doch die ersten Spuren der Reife sorgen für einen Disput. Die junge Frau droht sich vom Bann ihrer väterlichen und gleichzeitig auch sexuellen Obhut zu befreien – der gemeinsame Bogen dient bald nicht mehr nur lieblicher Musik, sondern verwandelt sich zum phallischen Symbol.

Kim Ki-Duk vereint in seiner zwölften Regiearbeit all jene Motive, die auch sein etwas schizophrenes Oeuvre begründen: Die unmittelbare Gewalt wird (wenn auch stark chiffriert) ebenso eingearbeitet wie die meditative Sinnlichkeit seiner letzten Werke. "Hwal - Der Bogen" ist aber weitaus mehr als ein simples Ki-Duk-Best Of. In großartigen Bildkompositionen erzählt er eine konventionelle Geschichte über das Erwachsenwerden, die mit ihren patriarchalischen Motiven radikal bricht. Zwar krankt der Film gelegentlich an seiner Übersymbolik, doch das Initiationsdrama irgendwo zwischen fernöstlichen Mythen und buddhistischer Kultur fesselt durch seine konzentrierte Inszenierung. Im wunderbar surrealen Finale wird dann nicht nur die Trennung von Vater und Stieftochter, sondern auch das Ende zweier Liebender besiegelt: Der Bogenpfeil, zuvor ein Zeichen zwanghafter Enthaltsamkeit, erscheint nun als Auslöser der sexuellen Befreiung.


60%

Kommentare:

  1. und das nun ausgerechnet für den Ki-Duk, den ich neben REAL FICTION am schlechtesten fand. ;-)

    Aber gut, selbst der schlechteste Ki-Duk bekam bei mir ja immerhin 3-4/10. Ist und gleibt einer meiner absoluten Lieblingsregisseure.

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  2. Fein. Der wird gleich am 21. ausgeliehen. Endlich ein neuer Ki-Duk (wobei ich ja auch erstmal noch ein paar "alte" nachholen muss :-X)!

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  3. @Timo:

    Du fandest den schlecht? Nun, eigentlich kann ich das sogar nachvollziehen. Ich würde ihn mir sicherlich auch kein zweites Mal anschauen, aber dennoch sind mir solch ungewöhnliche und behutsame Geschichten 1000mal lieber als das x-te Asia-Remake, sonstewas Sequel oder Comicgedönse.

    @Cleric:

    Bei mir liegen auch noch ein paar Ki-Duks rum, die ich ebenfalls nachholen muss. Demnächst gibt es also sozusagen eine Themenreihe.

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  4. @Timo

    Ja, der Ki-Duk ist schon ein klasse Regisseur. SAMARIA halte ich bisher für seinen besten Film. Selten so von einem Drama gepackt worden. Wenn ich endlich mal alle gesichtet habe, dann erstelle ich auch mal eine Top xy wie Du. :-)

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  5. Unverständnis zu den 70%, der Film ist ein Ärgernis pur, dafür sollte sich Kim Ki-Duk schämen bis er irgendwann einmal stirbt, ich hoffe für ihn das er nie wieder so ein Scheiß auf den Zuschauer los lassen wird!

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  6. @Spidy:

    Hm, also wir beide liegen ja schon des Öfteren mal daneben wie es scheint. ;-)

    Was genau findest du denn so ärgerlich an dem Film?

    Übrigens: Ich freu' mich schon auf die DVDs *gg*.

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  7. Habe seiner Zeit mal eine Kritik zu diesem Machwerk geschrieben!
    Eigentlich stört mich alles an diesem Film, die hunderste Form der unterwürfigen Frau und dann auch noch das Ende mit dem "heilige Geist" so will ich es mal nennen!
    Ich mag Kim Ki-Duk, kenne alle seine Filme, aber hier kann und will ich kein Auge zudrücken! Mit The Bow liefert es auch nicht neues ab, es ist eine Mixtur aus seinen alten Filmen wie Bad Guy und den neueren wie Bin-Jip, dabei klaut er sehr schlecht bei sich selbst!

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  8. immer diese Dealerei ;-)

    Mein liebster ist wohl immernoch mit Abstand BIN JIP.

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  9. guck mal bei meinen älteren Blog Einträgen oder einfach unter meinem Kino.de Kritiken. Da hatte ich seiner Zeit etwas zu HWAL (THE BOW) geschrieben.

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  10. @Spidy:

    Ich finde dahingehend ist der Film vielfältig auslegbar. Ich finde eher, sie emanzipiert sich von ihrem männlichen Besitzer und widerspricht damit dem klassischen Rollenbild.

    @timo:

    Guter Hinweis. Werde ich später mal lesen, ebenso die Kritik von Spidy.

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  11. psychopaul16/3/07 11:54

    schön zu lesen, dass es wieder ein surreales Finale gibt :)

    die letzten Sekunden von Seom ließen mir ja schon einiges offen stehen, ich mag das!

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