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Februar 17, 2012

Berlinale 2012: PARABETON

Fortsetzung der Architekturarbeiten vom Emigholz, letzter Film der "die Ursprünge, das Schicksal, den Triumph und das Zerbrechen der architektonischen Moderne" inspizierenden Serie "Architektur als Autobiographie", die einen Teil der auf Vorarbeiten zurückgreifenden Sammlung "Photographie und jenseits" bildet, und gleichzeitig Beginn des mehrteiligen Projekts "Aufbruch der Moderne", das augenblicklich fortgesetzt wird. Im Mittelpunkt von "Parabeton - Pier Luigi Nervi und römischer Beton" steht die Kontextualisierung der noch erhaltenen Bauwerke des Titel stiftenden italienischen Ingenieurs Nervi, zufolge Emigholz "als Erfinder stilbildender Konstruktionen der Großmeister des Betonbaus und der Architect’s Architect des 20. Jahrhunderts", mittels abgebildeter Überreste antiker Architektur. In annähernd gleichmäßigen Einstellungen werden die Betonbauten bei gleichzeitiger Kontinuität filmischer Einheiten in Beziehung zu den sie umgebenden räumlichen Verhältnissen, der Landschaft sowie den Menschen gesetzt. Der Aufbruch ergäbe sich beiderseits wörtlich und sinnbildlich aus der Schicksal- haftigkeit der "grotesken Wucherungen ungestalteter, autorenloser, architektonischer Räume". Ein durch gezielte ästhetische Bruchstellen (Blitzeinschlag, eine bimmelnde Straßenbahn) in der strukturformalistischen Inszenierung und starke Rhythmisierung der Bilder weitgehend unverkrampftes Sehvergnügen von erlesener Emigholz-Güte. Gesehen habe ich eine ausreichende erste Stunde.


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Februar 20, 2011

Berlinale 2011: EINE SERIE VON GEDANKEN

Ein Film, vier Segmente. In "El Greco in Toledo" verbindet Regisseur Heinz Emigholz intime Blicke auf ein Gemälde, das das Begräbnis des Grafen Orgaz zeigt, mit Eindrücken der Stadt Toledo, kanalisiert durch einen Off-Kommentar von Hanns Zischler. "Leonardos Tränen" montiert sich kreisförmig wiederholende Bilder eines brasilianischen Fußballspielers während der WM 1998, über die Emigholz Texte seiner eigenen Publikation "Der Begnadete Meier" legt. In der dritten Episode, "An Bord der USS Ticonderoga", fährt die Kamera über ein Photo von Wayne Miller, das Soldaten eines Flugzeugträgers während des Pazifikkrieges abbildet. Eine Stimme aus dem Off analysiert die Blicke der Männer, ihre Position zueinander – "Gaze" lautet das zentrale Wort aller Segmente. "Ein Museumsbau in Essen" schließlich zeigt eine Reihe kombinierter statischer Einstellungen des Museums Folkwang, von außen, von innen, und schließlich wieder von außen. Ein Museumsbesuch, der Zeit für eigene Eindrücke lässt.

"Eine Serie von Gedanken" ist die Vermengung der strukturformalistischen Emigholz-Leitthemen, wie er sie in Ansammlungen von Texten, Zeichnungen oder Hörspielen entwickelte, zu Film – "Photographie und jenseits" heißt der entsprechende serielle Zyklus. Das dichotomische Bilderdenken, Justieren filmischer Räume und Konstruieren von Zusammenhängen zwischen diametralem Bild- und Tonmaterial bildet die formale Experimentiergewohnheit des Films und seines Regisseurs. Widersprüche werden aufgelöst, Verknüpfungen hergestellt, Ästhetiken erweitert. Aus Reduktion wird Oxidation, das Filmerlebnis zur selbständigen Wahrnehmungsbildung zwischen Denotation und Konnotation. Der schulische Erbauungsduktus und die leidenschaftliche Antidetermination von Filmsprache machen die Arbeiten von Emigholz zu reichhaltigen Gedankensammlungen, in denen Film und Rezeption auf faszinierende Art theoretisiert und schließlich unlösbar vereint werden. Im Anschluss zur Vorführung von "Eine Serie von Gedanken" eröffnete Emigholz das Berlinale-Q&A mit den Worten: "Inspiriert wurde ich von einem Bob-Dylan-Song".

Mich zwang es umgehend in die Waschräume, um mich einer dicken langen, aus dem Rückgrat gepressten Nougatstange zu entledigen. Ich habe meine Kamera laufen lassen und das Material mit von mir selbst eingesprochenen Kunstgeschichts- essays vertont, um es für das Forum Expanded 2012 einzureichen. Berlinale 2012, ich komme.


10% - erschienen bei den: 5 Filmfreunden