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Februar 22, 2013

Zuletzt gesehen: JUBILATION STREET [KANKO NO MACHI] (1944)

Die japanische (Nach-)Kriegsgeschichte lässt sich an Keisuke Kinoshitas Filmen auf faszinierende und stets ganz unterschiedliche Art nachvollziehen. Eine kleine Straße irgendwo in Tokio, 1944: Nach Jubel ist den verbliebenen Bewohnern erst einmal nicht zumute, sie stehen kurz vor der Evakuierung und müssen auf den letzten Metern des allgegenwärtigen Krieges nun doch noch ihren Wohnort verlassen. Die "Jubilation Street" als beinahe hermetischen Schauplatz hat Kinoshita nach wenigen Minuten etabliert, geschickt verbindet er gleich zu Beginn unterschiedliche Schicksale und Geschichten auf eng abgestecktem Raum. Die Liebesbeziehung einer jungen Frau zu einem Testpiloten steht im Mittelpunkt des situativen Entwurfs, an ihr formuliert der Film eben nicht nur Durchhaltewillen und Mobilisierung, sondern vor allem die Angst vor Schmerz, vor Verletzung und natürlich auch dem drohenden Heimatverlust. Offenkundig funktionale Einsprengsel, die Kinoshita möglicherweise verordnet wurden, unterläuft der Filmemacher sanftmütig. So mag sich das ausdrucksstarke Bild jener Frau, die unter imaginierten Schussgeräuschen um ihren schließlich im Krieg gefallenen Geliebten trauert, derartigen Absichten nur schwerlich fügen. Lediglich das dem Titel dann doch zuspielende Schlussbild nivelliert diesen Eindruck und beraubt den Film deutlich seiner stillen Schlagkraft. 


60%

Februar 12, 2013

Berlinale 2013: FAREWELL TO DREAM [YUYAKE-GUMO] (1956)

Irgendwo da in der Ferne, irgendwo hinter dem Horizont liegt eine Zukunft der Wunscherfüllung. Matrose möchte der 16jährige Yoichi werden, weit weg vom mittellosen dörflichen Leben, das ihn Tag für Tag um seine Möglichkeiten bringt. Die damoklesschwertartige Pflicht will es, dass Yoichi einmal nach dem Tod seines Vaters das familiäre Fischgeschäft fortführt. Und so steht er zu Beginn von Keisuke Kinoshitas "Farewell to Dream" am großen Hügel mit der weiten Aussicht, die bittere Erkenntnis auf dem Gesicht tragend, all jene Träume nie verwirklichen zu dürfen. Als Zuschauer ist einem mit Blick auf den Titel da schon gewiss: Dieses Anfangs- wird auch gleichzeitig ein Schlussbild sein, so wie es ja im Melodram ohnehin immer auch um die Unausweichlichkeit des Scheiterns geht. Gleichwohl "Farewell to Dream" eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt, oder eher: Motive einer solchen Geschichte vermittelt, ohne irgendetwas konkret erzählen zu müssen, schält sich aus diesen Motiven vor allem die melodramatische Kraft Kinoshitas, dessen Mitgefühl für hin und her gerissene Figuren sich hier einmal einer dezidiert adoleszenten Perspektive annähert. Als nach einer Reihe von Ereignissen auch noch Yoichis bester Freund (mit dem ihn, darauf verweist Kinoshita in Dezenz, mehr als nur Freundschaft verbindet) in eine andere, in eine weit entfernte Stadt zieht, erreicht die Ausweglosigkeit des still sein Schicksal erduldenden Protagonisten einen neuen fatalistischen Höhepunkt. Sein Ruin ist, was ihm schließlich bleibt, wenn alles andere sich zerstäubt. Ein wahrlich herzzerreißendes Meisterwerk, ein Film ganz ohnegleichen.


90%