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Juli 05, 2012

Kino: COSMOPOLIS

Sekunden eines Fiebertraums: Furios montierte der blitz- schnelle erste Trailer zu "Cosmopolis" apokalyptische Bilder von Sex, Gewalt und mutmaßlichen Riesenratten in New York. Bilder, wie man sie umgehend mit David Cronenberg assoziieren musste. Und die sich sogleich in jenes organische Werk einzupassen schienen, das zuletzt eher zahme Genesung statt aufreibende Wucherungen versprach. [...]

Dezember 18, 2011

Zuletzt gesehen: COPIE CONFORME [aka. CERTIFIED COPY aka. DIE LIEBESFÄLSCHER]

Intellektuelle Vergnügungssucht über einen englischen Buchautor und eine französische Kunsthändlerin, die in wohlgestalten Plansequenzen durch die Toskana flanieren, anregende Gespräche führen und schlechten Wein trinken. Ihr arbiträres Diskursgeschwafel über Kunst- und darüber abgeleitete Lebensfragen gerinnt bald zur trügerischen Demonstration von Schein und Sein, während sich im eitlen Vortragsgestus der beiden Protagonisten vor allem immer erst einmal dickwanstig aufgeplustert wird, um dann deklamatorisch auf den eigenen einfältigen Hirnsport zu verweisen. Irgendwann grinst die Binoche dann mal in die Kamera und winkt den Fetischisten der Vierten Wand zu, ob dass sich das Gedankengeflecht noch weiter verdichten mag. Was in diesem scheinbar kopfsportlich gedehnten Debattier- clubverhalten herumkommt, ist so geistreich wie der Burger mit Pommes und Cola, den Binoches Filmsohn zu Beginn bestellen lässt – eine Figur apropos, die den urgrundbanalen Sublimierungszirkus schon durchschaut, bevor er überhaupt begonnen hat. Nur mag das Regisseur Abbas Kiarostami leider trotzdem nicht davon abhalten, diesem noch den ganz langen roten Teppich auszurollen und seine beiden "Liebesfälscher" darauf schamlos um die Wette palavern zu lassen. "It's not very simple being simple", wie wahr, wie wahr.


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März 16, 2008

Kurzschluss: DAN IN REAL LIFE

Dan Burns (Steve Carell) schreibt Kolumnen für Leute, die ihr Leben dank seiner Ratschläge in eine bessere Ordnung fügen. Wie es die Ironie der romantischen Komödie gern mal so will, muss sich der dreifache Familienvater und Witwer hingegen momentan selbst ein wenig sammeln. Im Büchergeschäft seines Heimatortes, den er für das traditionelle große Familienzusammentreffen besucht, lernt Dan die selbstbe- wusste Marie (Juliette Binoche) kennen – die sich noch am selben Tag als neue Freundin seines Bruders entpuppt. Nun müssen die beiden nach ihrem heftigen Flirt zusehen, wie sie aus dieser Geschichte einigermaßen heil herauskommen, und schließlich auch zu ihren Gefühlen stehen…

Die Familie, die sich da zu einem kuscheligen Wochenende zusammenfindet, kann einem schon wahrlich üble Alpträume bescheren. Wenn die Riesensippe zusammen kocht, isst, singt, sich alles erzählt, gemeinsam Abende verbringt und scheinbar keine anderen sozialen Kontakte pflegt, ist das noch die eine Sache. In den Bereich der Nötigung geht es hingegen, wenn sie das Liebesleben des erwachsenen Dan beim Zusammenkommen derart unangenehm ausbreitet, dass sie dem Vater von immerhin drei Töchtern sogar noch ein Blind Date aufzwingt, und sich diese als familiäre Harmonie verkaufte Bloßstellung als nahezu unerträglich entpuppt. Sollte man dennoch über die sicherlich gruseligste Filmsippe seit "Little Miss Sunshine" hinwegkommen, dürfte sich Peter Hedges’ "Dan in Real Life" als akzeptable, in seinem wenig hysterischen Tonfall angenehm gesetzte Romanze erweisen. Hier wie dort glänzt Steve Carell als erstaunlich präsenter Schauspieler, der die Figur mit viel Empfindsamkeit und sympathischem Humor ausstattet. Dass sich zwischen ihm und der immer dezent belehrenden Juliette Binoche keine wirkliche Chemie entwickeln will, kann nicht verhüllen, dass diese an ein etwas älteres Publikum gerichtete Romantic Comedy in ihrer Harmlosigkeit gefällt. Wäre da nicht der grausige Epilog, der jene Spießigkeit freilegt, die man zuvor schon permanent vermutete, könnte dieser Dan einem durchaus ans Herz wachsen. So bleibt es nur beim alten Wertebekunden – aber immerhin mit schönen Songs von Sondre Lerche.


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