Dezember 13, 2011

Zuletzt gesehen: THE SKIN I LIVE IN [aka. LA PIEL QUE HABITO aka. DIE HAUT, IN DER ICH WOHNE]

Wem die melodramatische Perversion eines "Talk to Her" (Hable con ella), in der sich ja nichts anderes als die Radikalität menschlicher Begierden spiegelte, noch nicht weit genug ging, darf sich von Pedro Almodóvars neuem Film in psychologische Abgründe entführen lassen, die sonst nur noch ein David Cronenberg zu ergründen wagt. Zwischen totaler Frauen- UND Männerverstehung*, Genreaneignung und maximal trügerischer Arthauskultiviertheit setzt "The Skin I Live In" von der ersten Minute an einen disparaten Gedankenstrom in Gang, der seine exploitativen Elemente allerhöchstens bildästhetisch verschleiert, inhaltlich jedoch genüsslich auskostet und bedachtvoll <-> eruptiv in extreme Fragestellungen überführt. Voller Schön- wie gleichermaßen Hässlichkeit und entscheidendem Blick fürs Bizarre, ein wunderbares Vergnügen. Mit solchen Filmen kommt wohl nur noch ein vermeintlicher Kunstgewerbler wie Almodóvar durch.


80%

Kommentare:

  1. Puh, soll ich dir das jetzt glauben oder was? Du mochtest Almodovar ja schon immer, aber mich, mich hat er schon immer angetreazt. Besonders der Cronenberg-Vergleich ist schon ein starkes Stück, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass es dir Pedro besorgt hat, wo David für dich keinen hochbekommen hat.

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  2. Hab eigentlich eher ein zwiespältiges Verhältnis zu Almodóvar, von absoluten Großtaten (TALK TO HER) bis hin zu Unausstehlichkeiten (LAW OF DESIRE) alles dabei.

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  3. Für meinen Geschmack einer der besten Filme des Jahres.

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  4. DAS GESETZ DER BEGIERDE war der letzte Almodovar, den ich vor einem halben Jahr gesehen und überhaupt nicht gemocht habe. Sehr trist. SPRICH MIT IHR (warum musst du übrigens als Deutscher immer die englischen Titel verwenden?!) habe ich vor zwei Monaten vorgeführt und dabei einige kleine Impressionen erhascht, die gar nicht gut aussahen. Na ja. Mal sehen. Zwischen Weihnachten und Neujahr läuft DIE HAUT, IN DER ICH WOHNE nochmal hier in Nürnberg, im OmU. Vielleicht steche ich mal rein.

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  5. Die englischen Titel sind (mir) geläufiger.

    Übrigens: Diese Unart von Dir, während Vorführungen einzelne Szenen zu "erhaschen" und dann die Filme auf dieser höchst fragwürdigen Grundlage vorab beurteilen zu wollen, finde ich übrigens cinemenschlich ausgesprochen unprofessionell und bedenklich. Aus dieser Praxis entstehen dann ja auch obskure Annahmen, die sich bei Dir festsetzen (Beispiel: die Stadionszenen am Ende von INVICTUS, die angeblich einen Hauch BEN HUR aufweisen würden :P), zumal man bei einem derart komplexen Film wie TALK TO HER nun aufgrund wahllos erblinzelter Momente bestimmt nicht einmal ein Gespür für das bekommt, was den Film letztlich auszeichnet.

    THE SKIN I LIVE IN ist nichts für Dich, glaub ich. Du magst Sleaze lieber bretthart und vor den Latz geknallt, nicht vorverkostigt und delikat. ;-)

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  6. Diese Unart von Dir, während Vorführungen einzelne Szenen zu "erhaschen" und dann die Filme auf dieser höchst fragwürdigen Grundlage vorab beurteilen zu wollen, finde ich übrigens cinemenschlich ausgesprochen unprofessionell und bedenklich.

    Deine kategorische Vorabverurteilung von Filmen, von denen du nicht einmal einzelne Szenen oder Bilder kennst, ist noch tausendmal fragwürdiger.
    Ansonsten brauche ich keinen Kontext um zu finden, dass ein einzelnes Bild scheiße aussieht und nichts Gutes verheißt für einen Film, in dem ein solches Bild eine solche Situation oder ein solches Detail zeigt. In SPRICH MIT IHR gibt es eine schicke, halbnahe Übersicht einer Frauenleiche, die so scheiße und aufreizend platt aussah (also die Einstellung), dass sich mir alles zusammengezogen hat.

    (...) zumal man bei einem derart komplexen Film wie TALK TO HER nun aufgrund wahllos erblinzelter Momente bestimmt nicht einmal ein Gespür für das bekommt, was den Film letztlich auszeichnet.

    Mein Kopf und Herz bezweifeln nicht, dass du völlig recht hast. Mein Bauch ist da leider anderer Ansicht.

    THE SKIN I LIVE IN ist nichts für Dich, glaub ich. Du magst Sleaze lieber bretthart und vor den Latz geknallt, nicht vorverkostigt und delikat. ;-)

    Natürlich habe ich es am Liebsten gaaaanz hart, aber ich mag es durchaus auch vorverkostigt und delikat, so wie es die Franzosen z. B. so besonders schön und pikant können - nur nicht Filmförderungsgeglättet, plastillin und im polierten Cognac-Glas.

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  7. Danke für die Widmung, aber ich bleibe weiterhin skeptisch. ;-)

    Kenne aber nur drei Filme von Almodovar, die mir eigentlich alle gefallen haben. Vielleicht sollte ich mich nicht so sehr vom Desinteresse meies Umkreises anstecken lassen, und einfach mal wieder einen seiner Filme schauen.

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  8. Eigentlich ganz erfrischend, dass wir Cronenberg und Almodovar jeweils quasi diametral unterschiedlich sehen, nachdem sonst in letzter Zeit ja fast durchweg mehr oder weniger Einigkeit herrschte (auch beim Kiarostami wieder)... :D

    Aber trotzdem schon sehr trist, dass bei dir die bewohnbare HAUT jetzt quasi mit als Speerspitze queeren Kinos 2011 bei dir dasteht. Überhaupt auffallend, dass ich in der Richtung offenbar sogar mehr als du gesehen habe. Da gab's mit BLACK FIELD (Mavro livadi), TO DIE LIKE A MAN oder WEEKEND wirklich einige tolle Sachen, die eigentlich für deine Nachholphase viel naheliegender und sicherlich auch ergiebiger wären als deine jüngsten Sichtungen ;)

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  9. nachdem sonst in letzter Zeit ja fast durchweg mehr oder weniger Einigkeit herrschte

    Ein ja sowieso beunruhigender Zustand. :D

    (auch beim Kiarostami wieder)

    Was mich übrigens stark wunder nimmt.

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  10. Ein ja sowieso beunruhigender Zustand. :D

    Darauf wollte ich hinaus! ;) Aber noch besteht ja Hoffnung, dass wir uns nicht dauerhaft daran gewöhnen müssen... :o)

    Und nein, nur weil ein Film auf Kritikerlisten erstaunliche Erfolge feiert, gefällt er mir nicht automatisch. Habe allerdings wenig Lust, das beim Kiarostami anderthalb Jahre nach der Sichtung noch groß auszuführen. Sehe einige Punkte jedenfalls sehr ähnlich, wie du sie in deinem Kurzkommentar beschreibst.

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