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Februar 13, 2013

Berlinale 2013: A LEGEND OR WAS IT? [SHITO NO DENSETSU] (1963)

"A Legend or Was it?" ist der einzige Film von Keisuke Kinoshita, den das Arsenal-Kino im Programmheft seiner großartigen Werkschau des japanischen Studioregisseurs als 'Meisterwerk' preist. Merkwürdig, dachte ich, ist es doch wiederum die einzige der dort gezeigten Kinoshita-Arbeiten, mit der ich nur wenig bis gar nichts anzufangen wusste. Als eine Art Zwillingsfilm des ebenfalls am Rande der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs verorteten Shomin-gekis "Jubilation Street" lesbar, ist "A Legend or Was it?" so gesehen dessen inszenatorisch furiose Überhöhung, ein in farbenfrohen Landschaftsbildern gerahmter Schwarzweiß-Western, der die zunächst banalen Probleme seiner einfachen Figuren zu einem infernalischen Duell steigert. Selbst in die letzten Winkel abgeschiedener Häuslichkeit also ist die virulente Gewalt des Krieges noch kurz vor ihrem Ende eingedrungen, musste habhaft gemacht und bezwungen, musste zur verblichenen Legende werden. Der allegorische Charakter des Films kann sich gegen Kinoshitas ehrwürdigen Genreversuch, gegen die schematische Anordnung der Figuren und künstlich auf Tempo gebrachten Handlungsknäuel, jedoch kaum durchsetzen, nicht zuletzt wegen der Redundanz der experimentellen, zuweilen anachronistischen Musikgestaltung. In seinem nahezu exploitationhaften Tonfall und der hysterischen Extrovertiertheit der Protagonisten wirkt der Film überdies wie ein Gegenentwurf zum Kinoshitaschen Melodram, und ich vermute schlicht, dass ich deshalb nicht ganz warm mit ihm geworden bin. 


50%

Februar 11, 2013

Berlinale 2013: AN ENGAGEMENT RING [KONYAKU YUBIWA] (1950)

Und wieder steht eine Kinoshita-Protagonistin vor der emotionalen Zerreißprobe. Die zwischen ihrem städtischen Juweliersgeschäft und der ländlichen Heimat wöchentlich hin und her pendelnde Noriko (Mizoguchi-Muse Kinuyo Tanaka) verliebt sich in Dr. Ema (Toshiro Mifune, noch ganz am Anfang seiner Karriere), den neuen Arzt ihres lange Jahre schon bettlägerigen Ehemannes. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges pflegt sie ihn aufopferungsvoll im Verzicht eigener Bedürfnisse, dann kommt es zur unerwarteten Begegnung. Eine Dreiecksgeschichte, so still und beklemmend, so voller beherrschter Zuneigung und gebändigter Gefühle, dass Kinoshitas Figuren nur während langer Zugfahrten, nur während befreiender Sprünge ins kühle Meerwasser und wortloser Essensrituale ganz zu sich finden können. Den "Engagement Ring", man sieht ihn in einer wunderbar vordergründigen Großaufnahme gleich in der ersten Minute. Und man wird auch mehrfach die neuen Schuhe sehen, die Dr. Ema seiner Noriko zuliebe trägt, und die Gedichte des kranken Ehemannes ebenfalls, die zwischen allen dreien das kommunizieren, was keiner von ihnen zu sagen wagt. "The wind is getting stronger", heißt es kurz vor Beginn des dritten Akts, wenn die feinen narrativen Ellipsen ausgespielten Konfrontationen mit den eigenen Gefühlen weichen. Verbunden durch eine symbolstarke Montage, hemmungslos larmoyante Streicher und die jede zärtliche Geste zum schmerzhaften melodramatischen Blick verdichtende Inszenierung von Keisuke Kinoshita.


80%