August 26, 2011

Kino: FINAL DESTINATION 5

Nachdem sich die "Saw"-Filme und damit auch ihr Markenzeichen, der über Leben und Tod waltende Jigsaw-Moralapostel, im letzten Jahr vorerst aus dem Kinogeschehen zurückzogen, muss nun die "Final Destination"-Serie Langlebigkeit an der von immerwährenden Sequels verwöhn- ten Horrorfilmfront beweisen. Dass sich damit ausgerechnet Gevatter Tod himself nun als der einträglichste Franchise-Killer auf dem mittlerweile wieder merklich ausgedünnten Slashermarkt erweisen dürfte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie und Konsequenz.

Knapp 500 Millionen US-Dollar haben die bisherigen vier Ergüsse der freilich immer nach dem gleichen Prinzip gestrickten Filme allein in den Kinos weltweit eingefahren. Die jüngeren Fortsetzungen potenzierten den Erfolg des jeweiligen Vorgängers sogar noch, nicht zuletzt der in 3D produzierte und im Original schlicht "The Final Destination" betitelte vierte Film. So lange der meuchellustige Sensemann also noch ein paar Dutzend schicker Teenies auf seiner ominösen Todesliste zu verzeichnen hat, wird es auch weiterhin heißen: Letztes Ziel – Tod.

Getreu der nach wie vor liebevoll abstrusen Serienprämisse – den Tod überlisten und seinen "Plan" durchkreuzen zu können – muss sich in "Final Destination 5" abermals eine mit austauschbaren Jungdarstellern besetzte Gruppe Frischfleisch gegen die lebhafte Vision eines Todesahnenden unter ihr zur Wehr setzen. Und so fantasiert der sensible Sonnyboy Sam (die Filme finden zum männlichen Heldentyp des Originals zurück) zu Recht, dass er und seine schnieken Arbeitskollegen die Busfahrt zur Klausurtagung nicht überleben werden. Der obligatorische Eröffnungskrawall darf beginnen.

Auf einer gigantischen Hängebrücke kommt es rasch zur erwarteten (und sagenhaft getricksten!) Katastrophe, just nachdem Sam und dessen rat- wie fassungslose Freunde ebendiese in letzter Sekunde verlassen konnten. Was folgt, ist wieder einmal bitterer Fatalismus: Irrsinnige Zufälle ereilen die Überlebenden, ehe einmal mehr alles in einfallsreichen Mordszenarien endet. Trotzdem das Prinzip der zum Tode verdammten Jugendlichen im fünften Film leicht variiert scheint, so sie glauben, selbst jemanden ermorden und sich damit aus der Vorherbestimmung lösen zu können, heißt es ein ums andere mal: "You can't cheat death!".

Durch den steten Wiederholungsgestus eines jeden neuen "Final Destination"-Films tradiert die Serie wie kaum eine andere die Mechanismen des immer nach den ewig gleichen Formeln gestrickten Franchise-Horrors der 80er-Jahre. Mehr noch, brechen die einzelnen Episoden ihre an und für sich komplexe Idee von Vorahnung, Todessehnsucht und Schicksalhaftigkeit mit jedem Folgefilm weiter auf die Essenz des Slashers herunter: Kreatives Töten. Folglich haben die spektakulären Morde in "Final Destination" längst ihren Star-Credit erhalten – im Abspann dieses fünften Teils wird der Spezialeffektkünstler noch vor allen Schauspielern genannt.

Bereits im Vorgänger zeigten sich Figuren und Handlung auf ein Minimum reduziert. Der Ver- oder eher Ablauf des Plots ist in "Final Destination 5" zu einem Großteil der Vorbereitung (Teasing) und Durchführung von Splatterszenen gewidmet. Meist vergehen nur wenige Minuten, ehe das nächste Opfer einen vorherbestimmten und doch ein jedes Mal aufs Neue unerwartet einsetzenden Tod sterben darf. Da lösen sich Schrauben aus der Fassung, sprühen Funken in Wassernähe oder entsteht plötzlich ein Kurzschluss – und dann ist es letztlich eben doch nur der Knopf eines Teddybären, über den eine der schönen Frauen hier in ihr Unglück stolpert.

Was "X-Files"-Urgestein James Wong im ersten "Final Destination" vor zehn Jahren noch als Stoff für einen melancholischen Mystery-Thriller verstand, ist nunmehr endgültig einer offenkundigen Gore-Show gewichen, deren Spektakelcharakter durch großzügige 3D-Effekte nur noch unterstrichen wird. Diese einzig auf bluttriefende, sich verselbständigende Gross-Out-Momente ausgerichtete Maxime ist in ihrem Kern so zynisch wie aufrichtig. Die Konzentration auf reine Schauwerte, geradezu frivol ausgestellte Gewalt und als Happening inszenierte Splatter- schübe lässt "Final Destination 5" zu einem echten Exploitationfilm mutieren – in Zeiten von Möchtegern-Exploitern mit Retro-Siegel ("Machete" und Co.) eine allzu wunderbare Ausnahme.


70% - erschienen bei: gamona

Kommentare:

  1. Müsste man demnach annehmen, dass "Final Destination" für Dich die bessere "Saw"-Variante ist?
    Ich mochte die Filme immer ob ihrer Unterhaltsamkeit. Nach dem dritten war dennoch für mich Schluss.

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  2. So in etwa, ja. Ist derzeit die einzig spaßige, also ernstzunehmende Horrorfilmserie (und ja eben sowieso die einzige, von daher :P).

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  3. Mr. Hankey27/8/11 15:58

    Gut geschriebene Kritik, wenngleich ich den 5. Teil nun nicht als "echten Exploitationsfilm" ansehen würde. Das ist für mich dann doch was anderes.

    Aber gut war er wirklich. Er hatte doch endlich mal ein paar neue Ideen (auch außerhalb der "Exploitation"), war spannend, weniger vorhersehbar als die Vorgänger und das Ende ist einfach nur perfekt.
    (Achtung Spoiler): Schade nur, dass es vermuten läßt, dass nun auch diese Horrorserie zu Ende ist.

    Ach und unbedingt in 3D schauen. Lange keine so guten 3D-Effekte mehr im Kino gesehen! :)

    Gibt auch von mir 70%

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  4. Jeder andere Versuch eines Franchise-Reboots, wie "Nightmare in Elm Street" oder "Friday 13th" und ich hoffe auch inständig "Hellraiser" nach diesem gruseligen (nicht wirklich gruselig, einfach schlechten) Trailer, scheitert in der Regel an sich selbst. Und "Saw" hatte schon lange seinen Zenit überschritten.

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