September 02, 2009

Kino: THE FINAL DESTINATION

Nach Flugzeugabsturz, spektakulärem Highway-Crash und perfidem Achterbahnmassaker eröffnet die neueste der obligatorischen "Final Destination"-Eingangsvisionen mit einem NASCAR-Rennen, das in einem munteren Happening aus herumfliegenden Motorhauben und die Köpfe der Zuschauer absäbelnden Autoreifen einen hübsch-matschigen Höhepunkt findet. Als besonders unbesonderes Gimmick donnern die Karosserie- und Körperteile dabei direkt vor die Augen des Kinopublikums – "Final Destination 4" nämlich ist, natürlich, ein 3D-Film.

Und weil dieser alte Hut ja neuerdings als Rettung des Kinos verhandelt – oder vielmehr: nicht verhandelt – wird, darf man sich allmählich (wieder) an die um ihre dreidimensionalen Effekte herum konzipierte Genreware gewöhnen. Nach "My Bloody Valentine 3D", bei dem der inflationäre Einsatz ausgestellter 3D-Kills selbst noch als reiner Gag ein wenig unbegründet schien, kann das Format der "Final Destination"-Serie hingegen nur dienlich sein.

Immerhin reifte die Reihe seit dem ersten, noch recht ernsthaften und Mystery-betonten Film von "Akte X"-Autor James Wong kontinuierlich zu einem Gemisch aus Teen-Slasher und Fun-Splatter, das sich zunehmend als jahrmarktsähnliche Nummernrevue von möglichst hohem Attraktionswert verstand. Die RollerCoaster-Exposition der zweiten Fortsetzung – bezeichnenderweise vom Regisseur des Originals inszeniert – war da nur ein konsequenter Ausdruck des eigenen Selbstverständnisses: Am Effektivsten ist ein "Final Destination"-Film schließlich, wenn er als rasantes Achterbahnkino funktioniert.

Da sich die Serie also in eine Richtung bewegt hat, die ihre ursprüngliche und freilich etwas abstruse Idee – den Tod überlisten, seinen "Plan" durchkreuzen, ihm ein Schnippchen schlagen zu können – nicht weiter ausbaut (indem sie beispielsweise einmal erklärt, warum denn die anfänglichen Schreckensvisionen nun stets irgendeinen Teenie ereilen), sondern ambitioniert auf die Inszenierung von Todessequenzen herunter bricht, ist der Einsatz von 3D-Effekten nur allzu konsequent: Wenn schon kreatives Dahinsiechen am laufenden Band, dann zumindest entsprechend räumlich, fühlbar, mitreißend.

Folglich betont der vierte Film der Serie noch stärker die verspielten und originell konstruierten Kettenreaktionen und Dominoeffekte, die seine Knallchargenfiguren in den sicheren Tod befördern. Als Variation des klassischen Slasherfilms werden die hier nervtötender und konturenloser denn je entworfenen Teenies mit großer Sorgfalt ins Jenseits geschickt und sprichwörtlich an das große Spektakel verfüttert: "Final Destination 4" ist nunmehr ein einziger langer Bodycount, der sich kaum mehr mit einer Handlungsstruktur aufhält, die die kreativen Tötungsmomente einigermaßen schlüssig verbindet.

Der Regisseur des zweiten Teils, Ex-Stuntman David R. Ellis, konzentriert sich in knappen 80 Minuten demnach ausschließlich auf sein Teasing-Konzept: Wo läuft der nächste Benzinkanister aus, welche Schraube dreht sich nun aus der Fassung, wer ist als nächstes einen Kopf kürzer. Entsprechend dürftig fällt bei all dem Storyverzicht das notwendige Aufspüren des so genannten Todesplans aus: Es wirkt, als hätten die Teenies die vorherigen Filme der Serie genauestens studiert, so klar und logisch wie es ihnen hier erscheint, dass sie den Sensenmann irgendwie austricksen müssen. Die Dialoge sind dabei nicht selten grotesk komisch, wenn nicht schon fast aufrichtig blödsinnig.

Wenn man den möglichst einfallsreichen Einsatz illustrer Goreeinlagen als die Essenz der Reihe begreifen möchte, ist "Final Destination 4" zweifellos veritables Genrehandwerk: Man bekommt, was man will. Und was man erwartet. Da sich der Film mehr Freiheiten als die Vorgänger erlaubt, was die Konsistenz oder Nachvollziehbarkeit seiner Handlung angeht, darf er in ausgedehnten Visionen und gar Film-im-Film-Momenten noch spielfreudiger Mordszenarien spinnen. Dass das Budget bei all der Inszenierungslust des Regisseurs – und letztlich auch des kostspieligen 3D-Verfahrens – nicht ganz mitspielen mag, verbucht man wohl besser unter Kollateralschaden: CG-Images müssen ja nicht zwangsläufig überzeugend sein, so lange sie einem nur dauerhaft ins Gesicht fliegen. Irgendwie.


50% - erschienen bei: gamona

Kommentare:

  1. Na, dann ab ins Kino mit mir :D

    Ich mochte die ersten drei, also wird der mir wohl auch gefallen, das Hirn kann ich ja daheim lassen, in seiner Kiste. :)

    AntwortenLöschen
  2. Und ich hatte bisher noch nicht einmal Zeit für den Dritten. Aber mal eine ganz andere Frage Rajko. Ich habe bisher noch keinen der neuen 3D Filme gesehen und meine einzige Erfahrung mit dem Medium 3D Kino resultiert aus einer Vorstellung vor knapp 20 Jahren im Kuppelkino des Phantasialands in Brühl (scheiße kaum Effekt) und irgendeinem Galapagos Film im Imax Bochum (langweilig). Bei letzterem muß man ja bekanntlich eine 3D Brille tragen, was bei mir nach spätestens 30 Minuten zu schmerzenden Augen führte und auch der Grund dafür ist, daß ich mich Bloody Valentine verweigert habe, da ich davon ausgegangen bin, auch dort so eine Brille tragen zu müssen. Also das ganze Geschwafel jetzt nur, um die für mich einzig wichtige Frage in Bezug zu The Final Destination zu stellen. Muß man da auch so eine Brille tragen und nach spätestens 30 Minuten schmerzen dann die Augen?

    AntwortenLöschen
  3. Da hab ich neulich im Kino einen Trailer gesehen, der alle Todesszenen aneinanderreiht spoilerte, frei nach dem Motto - Ihr wißt eh was los ist, aber für den vollen Gore müßt Ihr schon ins Kino kommen. Geiles Marketing.

    AntwortenLöschen
  4. Lieber Tumi. :)

    Die neuen 3D-Filme, also die in Digital 3D gedrehten, sind durchgehend dreidimensional konzipiert und erfordern auch, dass man während der gesamten Spielzeit eine Brille trägt. Diese entsprechen allerdings nicht mehr den alten Rot-Grün-Modellen und erzeugen auch weitestgehend keine Augen- oder Kopfschmerzen. Das Bild wird fabrlich korrekt dargestellt, wenn auch - zumindest meinem Empfinden nach - manchmal etwas ungenau/-scharf und ruckelig.

    Grundsätzlich aber kein Vergleich zu dem, was man damals unter 3D verstand. Dran gewöhnen wirst du dich über kurz oder lang wohl sowieso müssen. :(

    AntwortenLöschen
  5. @rajko
    Nee, nee lieber Rajko. Die Grün-Rot Brillen habe selbst ich nicht wirklich mitbekommen. (Mußte damals immer früh ins Bett, aber immer mit Abendbrot.;)). Im Imax gibts ja auch echte Farben, nur ist halt die Leinwand zusätzlich noch leicht konkav (oder halt das Gegenteil, ich vertausche das immer:D). Deshalb wohl auch die überanstrengten Augen, auch wenn ich Imax nur empfehlen kann sofern da ein guter Film laufen sollte. Mit Galapagos hatte ich halt Pech. Ich werde mal das neue 3D Cinema ausprobieren, hört sich ja deinen Ausführungen nach wirklich nicht schlecht an.^^

    AntwortenLöschen
  6. IMAX mit seinen 70mm-Projektoren ist in 3D auch eine Zumutung, zumindest bei Langspielfilmen. Probiere es einfach mal aus, von all den 3D-Filmen der letzten Zeit gab es meines Erachtens aber auch nur einen, den man wirklich in diesem Format gesehen haben sollte. Und das war CORALINE.

    AntwortenLöschen
  7. @tumi
    keine Rot/grün Brille mitbekommen?
    Der weisse Hai 3D, hallo?!

    Ansonsten hatte ich das Problem auch, aber das neue Verfahren ist wesentlich augenfreundlicher.

    AntwortenLöschen
  8. @Rajko & Tumulder

    Mein Senf zu Digital 3D: Ich bin wirklich begeistert von dieser Technik, die den Kinobesuch endlich wieder zu so etwas wie einer Attraktion macht, etwas einzigartiges bietet und sich den Jahrmarkt-Wurzeln des Mediums zuwendet.

    Von daher muss ich Rajkos letzter Bemerkung widersprechen: CORALINE war tatsächlich nicht nur der bisher beste sondern meines Erachtens der einzige wirklich gute Film mit dieser Technik. Sollte man unbedingt im Kino gesehen haben...

    Andererseits bleibt aber Filmen wie "Monster vs. Aliens", "Ice Age 3" oder "My Bloody Valentine" eben nicht viel außer diesem beeindruckenden Effekt, der von Rajko richtig beschrieben wurde. Ein wenig anstrengend wurde es für mich immer nur in den letzten Abschnitten - aber kein Vergleich mit der alten Technik, die ich immer gehasst habe.

    Deshalb würde ich sagen, das man gerade die schwachen Filme unbedingt im 3D-Kino sehen sollte oder sie sich gleich ganz sparen kann...

    Außerdem macht es einen Unterschied, was für eine Brille man bekommt. Als ich in München "Monsters vs Aliens" sah, bekam ich eine billige und dreckige Brille von sehr schlechter Verarbeitung. Deshalb vielleicht auch einige Unschärfen, die ich in Heerlen (Niederlande) nicht ausmachen konnte. Dort bekommt man aber auch schwere, stabile Ausführungen der Brille. Macht man diese in Heerlen kaputt drohen sogar 50 Euro Strafe - was den Qualitätsunterschied der Brillen unterstreicht. In Heerlen werden sie sorgfältig eingesammelt und eingepackt, in München warf man sein Exemplar einfach in eine große Kiste...

    AntwortenLöschen
  9. @jmk
    Natürlich hatte ich auch eine Rot Grün Brille, wahrscheinlich sogar vier.^^ Aber die Sendungen im Fernsehen durfte oder konnte ich halt nicht sehen, da sie entweder zu spät kamen oder mein eigenes Fernseher dazu nicht taugte (S/W). Mann, Jaws 3D lief nur da im Kino wo ich nicht mit meinem Fahrrad hingekommen bin und in einen FSK 16 Film hätte mein Vater mich garantiert nicht chauffiert. Da hatte ich ja noch Angst vor den Spinnen auf Indies Rücken.;)

    @harry
    Hört sich klasse an, wie gesagt, den einzigen richtig guten 3D Effekt konnte ich bisher nur im IMAX erleben. Aber das hatten wir ja schon.^^

    AntwortenLöschen
  10. Ich fand die 3-D Technik sowohl hier, aber auch bei CORALINE reichlich überflüssig. Eine nette Spielerei, die jedoch die Handlung nur aufhält, um kurz einige Elemente zu integrieren, die mit der Geschichte wenig zu tun haben, sich aber gut für 3-D eignen, damit jeder im Publikum kurz aufstöhnen darf, wie toll das ja ist. Hui, da gleitet etwas scheinbar vor meinen Augen. Und für sowas darf man dann auch noch extra bezahlen.

    AntwortenLöschen
  11. Mr. Hankey11/9/09 13:14

    "Coraline" ist wirklich ein Augenschmaus in Sachen 3D. Den kann und will ich mir gar nicht anders vorstellen, selbst wenn er in 2D sicher auch genauso viel Spaß macht.

    Ansonsten sehe ich es ähnlich wie Harry. Gerade "Final Destination 4" dürfte ohne seinen 3D-Effekt kaum etwas wert sein. In wie weit man das nun gut oder schlecht finden muss, sollte jeder für sich entscheiden.

    Ich mag die 3D-Technik jedoch sehr und würde mich freuen, wenn diese, ähnlich wie bei "Coraline", öfters einen an sich schon wundervollen Film zu einem optischen und plastischen Augenschmaus verzaubert. Denn nur der optische Schmaus, das ist wohl war, dürfte auf Dauer dann doch etwas ermüdend sein.

    Andererseits bleibt aber Filmen wie "Monster vs. Aliens", "Ice Age 3" [...]eben nicht viel außer diesem beeindruckenden Effekt

    Hier will ich aber wiedersprechen. Sowohl "Monster vs. Aliens" als auch "Ice Age 3" sind auch ohne 3D-Effekt brauchbar! Gerade bei Animationsfilmen sind die 3D-Versionen nur Zusatz. Abgesehen mal wieder von "Coraline", was in diesem Fall aber als positiv gewertet werden sollte.

    @ Flo

    Es geht bei "Coraline" aber nicht nur um die "Vor der Nase"-Effekte. Allein der Tunnel in die andere Welt, ist in 3D schlichtweg beeindruckend in seiner Tiefe!

    AntwortenLöschen