Februar 10, 2007

News: THE HILLS HAVE EYES 2 - Trailer

Der erste Trailer zum Remake-Sequel. Sieht nicht schlecht aus, aber die Zweifel wegen Martin Weisz bleiben. Haufenweise Bilder zum Film gibt es hier zu sehen, Kinostart ist am 22.03.07.

Februar 09, 2007

TV: Fernsehtipps 10.02. - 16.02.07

Samstag, 10.02.

20:15 Uhr – „Am wilden Fluss“ (RTL2)

Solider Thriller, spannend inszeniert. Dürfte jedoch im falschen Bildformat laufen, was angesichts der opulenten Bilder besonders ärgerlich wäre.

23:50 Uhr – „Ghosts of Mars“ (Pro7)

Weitaus besser als sein Ruf. Zwar zitiert sich Carpenter ausschließlich selbst, doch seine durchaus ironische Mars-Oper ist auch ebenso unterhaltsam.

0:00 Uhr Uhr – „Die City-Cobra“ (Tele5)

Fällt in eine ähnliche Kerbe – schön doofe Komödie, auch wenn’s nicht so gemeint war.

Sonntag, 11.02.

15:35 Uhr – „Stand by me“ (K1)

Braucht man nicht mehr zu kommentieren. Immer wieder großartig.

20:15 Uhr – „X-Men“ (RTL)

Funktioniert insgesamt zwar eher wie eine lang gezogene Exposition, die den Platz für die herausragende Fortsetzung warm halten muss – ist aber natürlich dennoch ein toll getrickstes Ensemble-Vergnügen.

20:15 Uhr – „Legenden der Leidenschaft“ (K1)

An Over-Acting nur schwer zu überbietendes Melodram, dass von Edward Zwick grauenvoll süßlich inszeniert wurde. Aber der Mann kann sowieso nicht viel, da tut dieser Film noch verhältnismäßig wenig weh.

20:40 Uhr – „Grüne Tomaten“ (Arte)

Nicht besonders gut inszeniertes Drama, das jedoch von seinen brillanten Darstellern getragen wird. Mit Taschentuch-Bonus.

Montag, 12.02.

22:50 Uhr – „Spur der Steine“ (MDR)

Einer der eindrucksvollsten und mutigsten DEFA-Filme überhaupt.

Mittwoch, 14.02.

20:15 Uhr – „Wag the Dog“ (Tele5)

Bissig und amüsant, mittlerweile aber von “Thank you for Smoking” überholt.

20:15 Uhr – „Die Truman Show“ (Pro7)

Ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter Film, der sich zwar nicht als erster, aber mit feinem und originellem Witz an die modernen Medien wagt. Nicht nur die Musik ist hier stilbildend.

22:30 Uhr – „Blue Velvet“ (Arte)

Abgründige Mischung aus Komödie, Drama und Thriller, die nicht träumerisch, sondern mit brutaler Offenheit ein dreckiges Amerika-Bild entwirft. Einer der besten Filme von David Lynch.

Donnerstag, 15.02.

20:15 Uhr – „Armageddon“ (VOX)

Ganz grausige Folter von einem Film, dessen modernes Effektbrimborium mit den herkömmlichen Botschaften stärker nicht konkurrieren könnte. Erbärmlich schlecht.

Freitag, 16.02.

22:00 Uhr – „Lethal Weapon 2 – Brennpunkt L.A.“

Genreklassiker. Überflügelt den Vorgänger mit viel Action und deutlich mehr Humor. Moralisch fragwürdig darf man manches darin aber sicherlich auch finden.

22:45 Uhr – „Der Mondmann“ (3SAT)

Ganz großes kleines Kino, das über Biopic-Konventionen weit hinausgeht und der Comedy-Legende Andy Kaufman aus dessen eigenen Mitteln ein filmisches Denkmal meißelt. Jim Carreys größter Coup.

23:45 Uhr – „Gods and Monsters“ (Arte)

Mittelstück einer inoffiziellen Trilogie (neben “Ed Wood” und “Shadow of the Vampire“), einfühlsam geschriebene und perfekt inszenierte James Whale-Hommage.

News: HOT FUZZ - Neuer Trailer!

Gerade bei Comingsoon.net entdeckt, der neue "Hot Fuzz"-Internet-Trailer geht den infantilen Bad Boys erst so richtig an den Kragen. Das wird endlich die ironische Antwort auf diese unsäglichen Bay-Filme sein, die man in den letzten Jahren ertragen musste. Wer allein mit den Postern durch den Kakao gezogen wird: hier

Februar 08, 2007

Kino: THE HITCHER

Gerade einmal 20 Jahre ist es her, als der perfide und psychologisch erstaunlich ausgefeilte Horrorthriller „The Hitcher“ in Gestalt eines Spätwesterns die Kinos unsicher machte. Und nicht nur diese: Fortan hatten es Tramper merklich schwer, eine Mitfahrgelegenheit auftreiben zu können, denn ganz so wie Spielbergs „Jaws“ einst für leergefegte Badestrände sorgte, bestätigte Robert Harmons Film den zwiespältigen Ruf des Anhalters mit Nachdruck und hatte selbigen Effekt auf die weiten Landstraßen in den USA – zumindest für den ein oder anderen. Schwarzer Humor und eine milde Auflösung wie in Roald Dahls Kurzgeschichte „The Hitch-hiker“ hatten im Drehbuch des jungen Eric Red keinen Platz mehr, „The Hitcher“ funktionierte als kompromissloses Terrorkino, das sich ganz auf seine Basics berief.

Neben Ridley Scotts „Blade Runner“ assoziiert man kaum eine Rolle so sehr mit Rutger Hauer, wie die des dämonischen Highway-Killers und Bad Guy-Prototypen John Ryder. In der Neuauflage des Stoffes aus dem Hause Platinum Dunes, die jedes Quartal einen weiteren unerfahrenen Videoclip- Regisseur aus dem Hut zu ziehen scheinen, der dann entsprechende Remakes solch berühmt-berüchtigter Filme wie „The Texas Chainsaw Massacre“ (2003) oder „The Amityville Horror“ (2005) anfertigen darf, soll nun Sean Bean („The Dark“) den Part des grimmigen Meuchelmörders mimen. Das macht er allerdings nicht besonders spielfreudig, die rüde Bedrohung seines Vorbildes erreicht er nur mit Mühe für wenige Augenblicke. Da erstaunt es auch kaum, dass ihm die Rolle kurzfristig zwischen zwei Projekten angeboten wurde und als schmerzlose Finanzspritze wohl gerade recht kam.

An der Geschichte hat sich währenddessen nicht viel getan. Das Studentenpärchen Grace (Sophia Bush) und Jim (Zachary Knighton) befindet sich auf der Durchfahrt in die Semesterferien, als sie im strömenden Regen einen freundlichen Mann auflesen. Nach etwas Smalltalk ist die Sache klar: Der nette Herr erweist sich als Boogey Man der staubigen Wüste und bedroht die Kids schließlich mit einem Messer. Zwar können die beiden ihn aus dem Auto werfen, doch war dieser Zwischenfall erst der Anfang einer alptraumhaften und überaus blutigen Highway-Odyssee, die keine Gnade kennt.

„The Hitcher“ ist reißerisch und alles andere als geschwätzig, das hat er mit seinem Original gemein. Doch hält er sich insgesamt eng an die Vorlage, weicht er ausgerechnet in dessen Personenkonstellation ab und führt den Kontext ad absurdum. Denn aus dem einstigen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hauer und Howell, also dem Kampf gut gegen böse, Mann gegen Junge, entwickelt sich in Regisseur Dave Meyers’ Version ein simpler Racheakt. Nicht der junge Jim, sondern dessen Freundin Grace wird nun zur Kämpferin erklärt und muss sich schließlich ihrem Widersacher stellen, während der Freund das Schauspiel hilflos zwischen zwei Trucks gefesselt mit ansehen muss (und dieses Mal übrigens in Großaufnahme zerteilt wird).

Wir erinnern uns: 1986 war es genau umgekehrt, dort beförderte der wahnsinnige Hauer die junge Jennifer Jason Leigh ins Jenseits, um sich seiner Konkurrentin zu entledigen. Die Antwort darauf gab Drehbuchautor Red später selbst – wie die Kritik schon mutmaßte, war „The Hitcher“ ein Film, dessen homosexueller Unterton in jedem Moment spürbar war. Der Highway-Killer war nicht viel mehr als ein sexuell konnotierter Fremder, der seine schwule Orientierung mit hilfloser Gewalt zu bändigen versuchte. Das Duell der beiden Hauptdarsteller war diesbezüglich mit derartig vielen Anspielungen geschwängert, dass „The Hitcher“ zu einem der unterschwellig erotischsten Filme der 80er avancierte (man denke auch an Reds nachfolgende Arbeit „Near Dark“).

Dass Hauer die Freundin seines (vermeintlichen) Rivalen tötete, war also ein konsequenter, radikaler Schritt, der durch den Rollentausch im Remake natürlich keine Bedeutung mehr hat (obwohl die Figuren denselben Unterbau spendiert bekommen, wenn das Pärchen beispielsweise über zukünftige Kinder sinniert). So gesehen ist Meyers’ Kinodebüt zwar ein stringenter und kurzweiliger Thriller, der doppelte Boden fehlt ihm jedoch gänzlich und lässt auf unzureichendes Verständnis gegenüber der Vorlage schließen. Damit wiederum gesellt er sich problemlos zu den anderen Platinum Dunes-Produktionen, die sich ebenfalls nur auf die oberflächlichen Reize ihrer Originale stützten. Als schicker, gestylter Highway-Horror macht der neue „The Hitcher“ sicherlich eine ganz passable Figur. Mehr aber auch nicht.

50% - Review erscheint in der Deadline 02/07

Februar 07, 2007

DVD: ALIEN AUTOPSY

Ein langer steriler Tisch. Mehrere Männer in weißen Anzügen sind zu sehen. Sie hantieren mit Skalpell, Knochensäge und anderen wahrscheinlich authentischen Utensilien. Inmitten dieser Szenerie liegt ein undefinierbarer, vermutlich toter Körper, der in langen Einstellungen seziert wird. Dieses grobkörnige Schwarzweiß-Video sorgte 1995 für einen weltweiten Medienrummel, es soll die wahre Autopsie eines außerirdischen Wesens abbilden, als ein Originaldokument aus dem berühmt-berüchtigten Juni des Jahres 1947 in Roswell, New Mexico. Experten hielten es für einen Schwindel, doch die breite Öffentlichkeit war fasziniert vom mysteriösen Phänomen: Das Video wurde in 32 Länder verkauft.

Aber wer steckte hinter den Aufnahmen, wer brachte sie ans Tageslicht, wenn sie der Wahrheit entsprächen, oder wer inszenierte sie, wenn dies nicht der Fall sei? Darüber schwieg man sich so lange aus, bis ein jeder die Existenz des Films schon wieder verdrängt hatte – nach 10 Jahren kommt mit der autobiographischen Komödie "Alien Autopsy" die Wahrheit ans Licht. Und ja, das Video ist ein Schwindel! Dahinter steckten die beiden Freunde Ray Santilli und Gary Shoefield, die – um der Geschichte zumindest ein wenig restliche Mystik zu bewahren – aus der Not eine Tugend machen und die ursprünglichen Aufnahmen, die sie von einem alten Mann in Ohio gegen 30 000 US-Dollar bekamen, nachdrehen mussten. Denn in genau der Zeit, in der sich die beiden Briten auf die Suche nach Kreditgebern machten, wurde das Material unbrauchbar. Das Video sei somit zwar gefälscht, basiere aber eben auf tatsächlichen Aufnahmen, die nicht mehr rekonstruiert werden könnten.

Die Veröffentlichung dieses Kinofilms, der alle Geheimnisse lüften soll, geht einher mit diversen in Großbritannien ausgestrahlten Dokumentationen, ist also durchaus ein berechnendes Marketingunterfangen. Anstatt ihre „wahre“ Geschichte jedoch bierernst zu erzählen, produzierten Santilli und Shoefield eine irrwitzige und hinreißend charmante Anarchokomödie, die an genau jenen Stellen augenzwinkernd Umschweife macht, die die eigentlich zur Enthüllung notwendigen Fragen aufwerfen. Das Duo wird von den englischen Komikern und einstigen Popsängern Declan Donnelly und Ant McPartlin (einigen vielleicht noch als PJ & Duncan bekannt) verkörpert, die dem Stoff eine herrlich ironische Leichtigkeit verleihen. Natürlich nimmt sich "Alien Autopsy" alles andere als ernst, er versucht weniger hinter eine inszenierte Massenmanipulation zu blicken, als vielmehr erneuten Schwindel zu verbreiten – die Umstände, die zur Inszenierung des Videos im heimischen Wohnzimmer führen, sind womöglich alle frei erfunden oder hoffnungslos überzogen – und diesen im selben Moment als reine, also durch und durch unwahre Unterhaltung selbst entlarvt.

Dabei ist der Film nicht weniger als eine ungemein rasant inszenierte Buddykomödie, der im weiteren Verlauf spielend leicht auch der Absprung zur Mediensatire gelingt. Mit vielen skurrilen, vermeintlich wahren Ideen werden pausenlos schwarzhumorige, überaus britische Gags abgefeuert, bei denen einige besonders auf das Konto von Götz Otto als schmierig-schwulen Geldgeber gehen. In der Rahmen- handlung, bei der die beiden Glückspilze (immerhin verdienen sie sich mit dem Verkauf der Rechte eine goldene Nase) einem abgehalfterten Dokumentarfilmer ihre Erlebnisse 10 Jahre später, also in der Gegenwart, berichten – und die sich so womöglich in den Büroräumen irgendeines britischen Studios auch tatsächlich zugetragen haben dürfte – kann ein unrasierter Bill Pullman ebenfalls für einige Schmunzle sorgen. Abgerundet wird "Alien Autopsy" mit liebevoll schrulligen Nebenfiguren und einem fetzigen Soundtrack diverser Chartverbrechen der mittleren 90er-Jahre. Hierzulande wird sich kaum jemand für den kleinen Ausflug in die wunderbare Welt des Unsinns interessieren, deshalb gilt es umso mehr, sich diesen Geheimtipp dringend zu Gemüte zu führen!


70% - Review erscheint in der Deadline 02/07

Februar 04, 2007

Retro: PEE-WEE'S BIG ADVENTURE (1985)

Tim Burtons Kinodebüt, produziert für Warner, markiert gleichzeitig seinen Abschied von Disney. "Pee-wee's Big Adventure", die Spielfilmversion der Abenteuer vom kindlich- naiven Pee-Wee Herman, der Kunstfigur des Stand Up-Komikers Paul Reubens, entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg, erwies sich als Eintrittskarte und vor allem auch als erster subversiver Schritt: Der Film erklärt einen weirdo auf der Suche nach seinem geliebten roten Fahrrad, einen kleinen Jungen im Erwachsenenanzug, einen anarchischen Chaoten in weißen Kinderschuhen, ja, einen queeren Charakter, der roten Lippenstift und Rouge auf den Wangen trägt, zum Star einer mit Road-Movie-Elementen untersetzten Mainstream-Komödie für die ganze Familie. Pee-Wee, verbarrikadiert in einer eigenen bunten Kinderwelt aus Spielzeug und Erfindungen, so unschuldig wie quirlig, so liebenswert wie hysterisch, ist der klassische Burton-Antiheld. Er ist so absonderlich wie schon Vincent, so übermütig wie Viktor in "Frankenweenie", und er verkörpert jenen Außenseitertyp, der eine normative Erwartungshaltung mit kindlichen Zoten konterkariert, und deshalb als Sonderling gelten muss: "I'm A Loner Dottie, A Rebel", gesteht er folgerichtig seiner Freundin.

So jemandem bringt Burton jedoch seine ganze Sympathie entgegen: Wenn in der skurrilen Welt von "Pee-wee's Big Adventure" – da treffen zurückgebliebene Millionärssöhne auf flüchtige Knackis, untote Truck-Fahrer auf schmierige Filmstudiobosse – überhaupt irgendwer "normal" erscheint, dann meint es der Film auch nicht besonders gut mit ihm. Schließlich ist es eher Pee-wee, der während seiner verrückten tour de force – die Suche nach seinem gestohlenen Fahrrad funktioniert hier sogleich als eine Metapher für die Suche überhaupt, nach einer Haltung in der Gesellschaft, einer gewissen Normalität innerhalb des Nicht-Normalen – zahlreiche merkwürdige Gestalten trifft und diese Begegnungen mit panischem Entsetzen, exaltierter Komik oder femininer Hysterie kommentiert. Der Film etabliert damit eines der grundsätzlichen Leitmotive der Protagonisten in Burtons Œuvre – die Widersprüchlichkeit zwischen einer, am Umfeld gemessen, äußerlich auffälligen, unherkömmlichen Präsenz und einer inneren Selbstwahrnehmung als unverstandener Outcast, der in seiner Verweigerung starrer Normen wiederum doch als einziger wirklich "normal" wirkt. Pee-wees Suche nach seinem Fahrrad, zugleich McGuffin und Konnotativsymbol, mündet schlussendlich in den Warner- Studios in Hollywood, wo sein Heiligtum im Rahmen einer kitschigen Kinderserie versteigert werden soll.

Dass Burton den Film zu seinem eigenen Ursprung führt, ist eine Chuzpe von geradezu unnachahmlich bissiger Schlag- kraft: Der erste Kinofilm des Regisseurs ergeht sich zunächst in fabulierender Exzentrik und quirligem Kindsgehabe, um dann hemmungslos einer dekonstruktivistischen Anarchie zu verfallen. Wenn sich Pee-wee im Finale eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit den Wachmännern der Warner Bros. quer durch die Hollywood-Studios, vorbei an Archetypen der Popkultur, an Godzilla, dem Weihnachtsmann und einer Heavy-Metal-Band, liefert, ehe der Studiochef ihm offeriert, von Konsequenzen abzusehen, wenn er dafür die Filmrechte an der absurden Fahrradsuche erhalten würde, ist das Burtons wunderbar impertinentes Bild jenes Systems, das er sich zum Arbeitsplatz gewählt hat. Und der Film, den Warner über Pee-wees Erlebnisse schließlich fertigt, liefert eine freie Interpretation der Ereignisse, in der das Fahrrad zum Motorbike und der Held zum maskulinen James Bond-Typ mutiert ist, der Bösewichte dezimiert und blonde Schönheiten mit flotten One-Linern beglückt. Zu dieser Umdichtung nichtkonformer Abenteuer in konventionelle Genrekinomuster hat Pee-wee zuletzt alle Freunde und Weggefährten ins Autokino geladen, um ausgelassen die Premiere des Films im Film zu feiern, was durchaus auch als versöhnlicher Ausdruck Burtons mit den Gesetzen des Mainstreams verstanden werden kann – allerdings nur, so lange er diese ad absurdum führen und schließlich neu formulieren darf.


80% - erschienen in der: filmzentrale

Februar 03, 2007

TV: Fernsehtipps 03.02. - 09.02.07

Samstag, 03.02.07

20:15 Uhr – „Rush Hour“ (Pro7)

Actionkomödie mit flachen Gags, dafür umso höherem Nerv- faktor.

23:55 Uhr – „The Dentist 2“ (RTL2)

Weniger Fortsetzung als gelungenes Sequel zum Videohit, das nicht nur komplett frei dreht, sondern vor allem einige sehr unangenehme Gore-Einlagen auf den Zuschauer abfeuert.

1:20 Uhr – „B. Monkey“ (SAT.1)

Asia Argentos Vielfältigkeit rettet jeden noch so beliebigen Thriller.

1:40 Uhr – „Rosenkrieg“ (ARD)

Herrliche Chaos-Komödie mit zwei Hauptdarstellern, die zu ungeahnter Höchstform auflaufen.

Sonntag, 04.02

20:15 Uhr – „The Big Lebowski“ (Tele5)

Eine meiner Alltime-Lieblingskomödien. Jeff Bridges ist Gott!

20:15 Uhr – „James Bond – Die Welt ist nicht genug“ (Pro7)

Die spektakuläre Pre-Credit-Sequenz lässt den fehlenden Charme dieses High-Tech-Bonds vergessen – und über Denise Richards hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens.

22:10 Uhr – „Conan, der Zerstörer“ (K1)

Noch amüsanter als der Vorgänger und mit Grace Jones als Bonuspunkt.

22:50 Uhr – „Dreamcatcher“ (Pro7)

Zwiespältige King-Adaption, die in der ersten Hälfte atmosphärisch dicht und hervorragend photographiert für stimmigen Grusel sorgt, dann jedoch zu unfreiwillig komischer und grottenschlecht gespielter Science-Fiction mit Überlänge mutiert.

Montag, 05.02.

22:15 Uhr – „Taking Lives“ (ZDF)

Beliebiger, x-ter „Silence of the Lambs“-Abklatsch mit allerdings bemerkenswertem Finale.

Dienstag, 06.02.

20:15 Uhr – „American Beauty“ (K1)

Toll inszeniertes und musikalisch stilbildendes Satire-Drama, das leider Ernsthaftigkeit und Tiefe gegen schockierenden Zynismus eintauscht. Ich empfehle Ang Lees „The Ice Strom“ als ungleich weniger aufgeregte Alternative.

22:25 Uhr – „Die süße Haut“ (3SAT)

Viel zu distanziertes Ehedrama, deren Hitchcock-Einflüsse Truffaut wie so oft nicht verbergen kann.

23:00 Uhr – „Windtalkers“ (RBB)

Einer der besseren US-Filme John Woos, bei dem man jedoch wie so oft nicht ganz sicher sein kann, inwiefern sich die lautstarke Action bereits dem Selbstzweck verpflichtet hat.

2:25 Uhr – „Ein Nachtclub für Sarah Jane“ (ARD)

Humorvoller Krimirevue mit einem starken Bogart.

Mittwoch, 07.02.

22:00 Uhr – „Christine“ (K1)

Sehr stimmungsvolle King-Verfilmung, bei der jeder selbst entscheiden muss, wie schaurig oder nicht schaurig er die Bedrohung durch einen 58er Plymouth Fury findet. Insgesamt funktioniert der Film als Komödie nicht schlecht.

Donnerstag, 08.02.

20:40 Uhr – „Der Elefantenmensch“ (Arte)

David Lynchs einfühlsames Meistwerk, an das er nie wieder anknüpfen konnte.

23.45 Uhr – „Nightmare On Elm Street 5: Das Trauma” (Das Vierte)

Stephen Hopkins interpretiert mit seinem Beitrag der Reihe den Mythos Freddy Krueger als teuflische Ausgeburt der Hölle, ohne sich allerdings in ähnlich christliche Albernheiten wie der dritte Teil zu verlieren. Mit einer comicartigen, visuellen Brillanz kreiert er wahrhafte Traumwelten, die für eine ansprechende Geschichte aber keinen Platz mehr zulassen. Läuft gekürzt.

Freitag, 09.02.

0:10 Uhr – „Basic Instinct“ (RTL2)

Kühler, beklemmend inszenierter Klassiker, dessen cleveres Drehbuch nur noch von der meisterhaften Musik Jerry Goldsmiths übertroffen wird.

0:35 Uhr – „Das Grauen“ (Tele5)

Wenig origineller, aber ungeheuerlich gruseliger Geister- haus-Schocker.

Februar 01, 2007

TV: MOH #7 - THE SCREWFLY SOLUTION

Den etwas intelligenteren Umgang mit den Motiven des Horrorgenres erwartet man bei einem John Landis ganz sicherlich ebenso wie von Joe Dante. Ersterer bescherte der zweiten Staffel „Masters of Horror“ mit „Family“ gleich zu Beginn ein zynisches Manifest, das sein Selbstverständnis vom Einklang sowohl des Horror- als auch Komödienmetiers ausdrückte. Zuvor gelang das auch Dante auf mehr oder weniger gelungene Art, würde seine Satire „Homecoming“ den von leise in penetrant verkehrten Subtext nicht so fürchterlich ausstellen und dadurch zu den schwächeren Episoden des ersten Jahres gezählt werden müssen. Weniger politisch denn sozialwissenschaftlich konnotiert ist die Kurzgeschichte „The Screwfly Solution“ von James Tiptree, Jr. (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich die Schriftstellerin Alice Hastings Bradley): Darin bringt ein durch Schmeißfliegen verursachtes Virus jegliche Männer um deren Potenz – den Mangel an sexueller Steuerung müssen diese fortan mit aggressiver Tötungswut gegenüber Frauen kompensieren.

So viel Substanz muss zwangsläufig an den engen TV-Vorgaben zugrunde gehen, denn obwohl Dante seinen Beitrag als einer der wenigen sehr filmisch anlegt und die Short Story-Merkmale entsprechend umsetzt, um eine straffe Erzählung zu erreichen, wirkt beinahe jede Szene zu kurz, jedes Setting nicht ausreichend entworfen und jede Idee wie zu einem vorzeitigen Ende gebracht – ganz so, als fühlte sich Dante mit dem Stoff in Filmlänge wesentlich wohler. Abgesehen von einigen sehr abrupten Schnitten möchte die Symbiose von schwarzhumorigen und dramatischen Noten nicht recht gelingen, widersprechen sich die erste, komisch-schaurige und zweite, sehr ernste und visionäre Hälfte ein wenig. Das deplatzierte Familiendrama behindert die vollständige Entwicklung der Science-Fiction- Thriller-Elemente. Dennoch nutzt „The Screwfly Solution“ seine Zeit effizienter als andere Folgen der Serie, da er nicht unnötig Zeit schindet, sondern mit hohem Tempo durchinszeniert ist und innerhalb seiner Möglichkeiten einige hervorragende Sequenzen kreiert (beispielsweise im Flugzeug oder Krankenhaus). Zwar bleibt die Auseinandersetzung mit den Themen dieser misogynen Utopie innerhalb des an „Outer Limits“ erinnernden Ambientes ergebnislos bzw. findet gar nicht wirklich statt, doch buhlt das Ende, wenn es schon keine schlüssigen Antworten geben kann, diesbezüglich zumindest um die Teilnahme des Zuschauers – das ist mehr als manch andere „Masters of Horror“-Episode behaupten kann.

65%