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Juni 23, 2013

Zuletzt gesehen: THE DAMNED [THESE ARE THE DAMNED aka. SIE SIND VERDAMMT] (1961)

Zur Zeit seiner säumigen Veröffentlichung sowohl in Großbritannien als auch den USA rücksichtslos verstümmelt, kann "The Damned" heute eigentlich nur als eine weitere Großtat des verhinderten Meisterregisseurs Joseph Losey gefeiert werden. Nach wie vor indes scheint die Begeisterung für diese vermutlich bitterste aller Science-Fiction-Paranoien des Kalten Krieges im Kino arg gezügelt – die neuerliche Rezeption des Films bei Erscheinen der DVD war zumindest abermals zwiegespalten. Vom Hammer-Studio offenbar als Cash-In zu "Village of the Damned" und Konsorten in Auftrag gegeben (und entsprechend unzufrieden abgenommen), zeigt Losey weder Interesse an genregerechter Stereotypie noch an konventioneller Spannung, Unterhaltung oder anderen Belanglosigkeiten. Vielmehr ist sein als Beatnik-Drama eingeleitetes, später melodramatisch umschwenkendes und schlussendlich schockierend dystopisches Zeitbild Agitation pur, vehement fatalistisch und geradezu nüchtern brutal. Voller Subtext (die Rowdys als Spiegelbild der radioaktiven Kinder), unterschwelliger Motive (das inzestuöse Verhältnis der Geschwister) und unberechenbarer Figuren (Oliver Reed!), mag "The Damned" vielleicht nicht als vordergründiges, affektives, aber als überaus stimulierendes Kino beglücken. Ein wahrer Science-Fiction-Bastard. 


70%

Zuletzt gesehen: M (1951)

Im US-Remake der Richtschnur deutschen Filmkulturguts, Fritz Langs "M", verlegt Ultrakunstmaestro Joseph Losey die hinreichend bekannte Hetzjagd nach dem Kindermörder in ein Los Angeles der frühen 50er Jahre. Ohne den bedeutungsvollen Rattenschwanz des Ausgangsmaterials und einer selbstredend geographisch und zeitlich anders verorteten Abhaltung gestaltet Losey das Paranoiakollektiv in gewohnt stimmungsmachendem Temperament zu einer Chiffre zeitgemäßen HUAC-Wahnsinns um. Entsprechend schwermütiger, und aber auch eindrucksvoller, präsentiert sich dessen Interpretation des berühmten finalen Appells, während die Noir-eske Bildsprache den kriminalistischen Elementen ausreichend Gewicht verleiht. Ein insbesondere im Moment der Täterstellung herausragend inszenierter, geradezu charakteristischer Losey-Film, der hiernach die Flucht ins Exil antrat. 


65%

Mai 20, 2013

Zuletzt gesehen: BOOM! [aka. BRANDUNG] (1968)

Wie eine aufgetranste Wochenendleiche liegt Elizabeth Taylor in ihrem Schlafgemach, das Schoßhündchen am Kopf, den gereichten Cocktail in der Hand, die Rückenmuskeln sanft vom Masseur durchknetet. Es folgen Würgereiz und Krampfanfall – "Pain! Injection!", kreischt sie durch die denkwürdige Sprechanlage zu ihrer Rechten. Schon nach dem Beginn offenkundig: "Boom!" ist tatsächlich jene legendäre Unfassbarkeit, die ihr prominenter präservierender Verteidiger John Waters einst als größten "best failed art film" aller Zeiten adelte. Ob Joseph Loseys phänomenal kaputte Adaption des Theaterstücks "The Milk Train Doesn’t Stop Here Anymore", für die Tennesse Williams auch selbst das Drehbuch schrieb, nun ihrer Rezeptionsgeschichte als heiliger Camp-Gral gerecht wird, weiß ich nicht. Ein Wunderwerk des Irrsinns aber ist "Boom!" allemal, ganz so, als habe die zur Drehzeit dauerbesoffene Crew um Losey, Taylor, Burton, Slocombe und, als uncredited Kostümdesign-Assistent, Karl Lagerfeld eine sündhaft teure Hollywood-Pomp-Version von Bergmans siebentem Siegel auf die Leinwand klatschen wollen. Die kryptische Langeweile dieser rätselhaften, gleichfalls hypnotischen Breitwand-Herrlichkeit (Finger weg von der bildbeschnittenen deutschen DVD!) ist so debil wie stimulierend, so pointless wie außerirdisch. Höhepunkt: "The Witch of Capri" Noel Coward sinniert vor der speisenden Elizabeth Taylor über mystische Menstruation und die Fähigkeit, bei Frauen "den Fisch" riechen zu können. Unfassbar.


80%