Dezember 12, 2009

Kino: THE PRINCESS AND THE FROG

Nachdem die Disney-Animationsschmiede Ende der 90er Jahre in eine finanzielle und vor allem kreative Schaffenskrise rutschte, die viele billige Sequels zu hauseigenen Meisterwerken für den Videomarkt und nur noch einige wenige Kinofilme von durchwachsenem Erfolg mit sich brachte, sah man sich auch angesichts der immer populäreren Animation aus dem Computer gezwungen, den klassischen Zeichentrickfilm aufzugeben. Gegen die CG-Tricksereien von DreamWorks und Co. wollte sich Disney jedoch nie so wirklich durchsetzen, und so überrascht es nicht, dass sich das Studio nach dem Einkauf des Quasi-Konkurrenten Pixar nun wieder auf jenes Handwerk berufen wissen möchte, mit dem es jahrzehntelang Filmgeschichte schrieb. John Lasseters erster Amtshandlung, alle Direct-to-Video-Fortsetzungen einzustellen, folgte sogleich die zweite: Die Produktion eines neuen klassischen Zeichentrickfilms, eines Musicals.

In der Geschichte von "Küss den Frosch" verschlägt es die erste afroamerikanische Prinzessin des Disney-Universums in die Sümpfe Louisianas, wo sie gemeinsam mit Prinz Naveen alles unternimmt, um wieder ein Mensch zu werden – die hübsche Kellnerin, noch eine Prinzessin in spe, ist nach einem Kuss des verwandelten Traumprinzen genau wie er zum Frosch mutiert. Als quakendes Pärchen wider Willen lernen sie tapfere Wegbegleiter kennen, entkommen dem bösen Fluch des Voodoo-Magiers Dr. Facilier und landen nach einigen Hindernissen natürlich doch noch in ihren richtigen Armen. Die Handlung derlei Märchen ist so unbedingt vorhersehbar wie zweitrangig, denn natürlich wissen Ron Clemens und John Musker, ihrerseits etablierte Disney-Hasen, dass die altmodische Animation, quirlige Sidekicks und eingängige Musicalnummern die Trümpfe ihres Zeichentrickfilms bilden.

"Küss den Frosch" ideologisch durch die Mangel zu nehmen, erscheint bei einem Traditionsunternehmen überholter Wertvorstellungen wie Disney gewiss müßig. So gewinnt der Film weder durch seine erstmalige Besetzung einer schwarzen Prinzessin in der Hauptrolle, wie er durch den hinreichenden Gebrauch entsprechender Südstaatenklischees verlieren mag. Er ist schlicht als vergnügliche Einladung zu nostalgischen Erinnerungen zu verstehen: Ganz offensiv knüpft der Film an die Magic Moments der Disney-Geschichte an, mit einer wundervollen Jazz-Musik von Randy Newman. Die Animation überrascht dabei mehr als einmal, besonders in der herausragenden Dinner-Sequenz im Art-Deco-Stil. Nicht so fein und detailliert wie in den frühen Produktionen des Studios zwar, aber auch weitaus weniger klobig und grob als die Arbeiten der späten 80er und frühen 90er Jahre. Dass die Zeichner dabei nicht gänzlich auf die Unterstützung des Computers verzichten konnten, verrät indes jedoch auch einiges über die allzu betonte Rückbesinnung auf den klassischen Trickfilm.


70% - erschienen bei den: 5 FILMFREUNDEN

Kommentare:

  1. Mr. Hankey13/12/09 00:25

    Na ja, wie schon in der Ofdb beschrieben, war ich doch ein wenig enttäuscht von dem Film. Vor allem die erste Hälfte fand ich ennorm überfrachtet. Aber in einem entscheidenden Punkt hast Du recht. Als nostalgischer Flashback, an die guten alten Disneyzeiten, funktionierte das Ganze doch recht gut und die Animationen waren teils atemberaubend schön. :-)

    "John Lasseters erster Amtshandlung, alle Direct-to-Video-Fortsetzungen einzustellen"

    Na ja, das stimmt aber nicht so ganz. So ab und an drückt sich schon noch ein DtV-Sequel mal durch. Und die aktuelle "Tinkerbell"-Reihe ist z. Bsp. reinstes DtV-Geschäft, wenn auch ein recht ordentliches, wie ich finde.

    "erscheint bei einem Traditionsunternehmen überholter Wertvorstellungen[...]"

    Wobei man diskutieren könnte, ob die Wertvorstellungen von Disney ansich wirklich überholt sind oder ob es eher die Darstellung ist diese aufzuzeigen. Denn gegen eine gute Moral im Film ist IMO wenig einzuwenden, Sie muss nur gut verpackt sein und nicht mit dem Holzhammer daherkommen. Und das ist IMO das Hauptproblem bei so vielen Filmen, nicht nur von Disney!

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  2. Rudi Ratlos14/12/09 13:36

    An Tinkerbell mußte ich beim Lesen auch sofort denken ^_^

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  3. Die Tinkerbell-Filme sind afaik aber von vornherein für den Videomarkt produziert, ich bezog mich eher auf die DTV-Sequels zu Klassikern. Lasseter meinte einmal, unter ihm werde es keine Fortsetzungen mehr von BAMBI oder dem DSCHUNGELBUCH geben.

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  4. Anscheinend hat der Frosch es aber leider nicht geschafft das niedere Geflügel mit den Ohren von Platz 1 der Kinocharts zu verdrängen (lt. SPON). Sehr schade.

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  5. Meine Tochter ist verliebt in den Disney's Filmchen...Der hat aber noch nicht gesehen. Hoffentlich gefällt ihr schon. Danke für den schönen Tipp.

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