Januar 04, 2008

TV: Fernsehtipps vom 05.01. - 11.01.08

Samstag, 05.01.

20:15 Uhr – Der mit dem Wolf tanzt (K1)

Aufgeblähtes Epos, bei dem die Indianer letztlich zur Staffage verkommen.

22:25 Uhr – Virus (RTL)

Super-Trash mit ganz vielen auweia-Momenten.

22:55 Uhr – Leben und Sterben Lassen (ARD)

Das Moore-Debüt ist in jeder Hinsicht eine runde Sache. "Live & Let Die" ist ungeheuer schwungvoll in Szene gesetzt, kann mit gewohnt vielfältigen Schauplätzen aufwarten und erzählt einmal nicht vom Kalten Krieg, sondern widmet sich einer obskur dargestellten Voodoosekte, die ihre Kontakte über ganz Harlem verstreut. Der rassistische Unterton des Films ist nicht von der Hand zu weisen, doch die brillante Musik und das großartige Titelthema (Paul McCartney), die Krokodilszene und bezaubernde Jane Seymour – all das ist zu gut, um es verdammen zu können.

23:15 Uhr – Das süße Leben (BR)

Fellinis Blick auf Dekadenz und Spaßgesellschaft, bissig, poetisch, wunderschön.

23:35 Uhr – Spider-Man (Pro7)

Liebevolle Comicadaption, bei der Sam Raimi alles richtig macht und nicht die Geschichte des Titelhelden, sondern die des unsicheren Peter Parker erzählt.

0:10 Uhr – Tödliche Absichten (RTL2)

Den nächsten Jamie Lee Curtis-Ausrutscher sendet RTL2 gleich hinten ran.

1:00 Uhr – Octopussy (ARD)

Unerklärlich eigentlich, wie jener selbe Regisseur, der Bond zuvor als seriösen Teamworker und Witwer porträtierte, aus der Kultfigur nun einen sprichwörtlichen Clown stricken kann – der sicherlich schlechteste Film der Serie unterläuft selbst "Moonraker" in Punkto Gags und Dialoge, nebst wirrer Geschichte, schlechten Schauspielern und schwacher Action. Der unausgegorene Ringelpietz um die vermeintliche Intrigantin und Titelheldin fällt dabei noch weitaus weniger ins Gewicht als die dreisten Indiana Jones-Bemühungen: Von Geklautem geklaut – das hätte das Original Bond nicht nötig.

Sonntag, 06.01.

13:35 Uhr – King Kong (K1)

Das 76er Remake. Sieht zwar schön aus, ist aber mindestens so unnötig wie langweilig.

20:15 Uhr – Spider-Man 2 (Pro7)

Noch melancholischer als sein Vorgänger, bläst Raimi die Geschichte zur großen Oper auf: Effekte satt und ein beeindruckender Alfred Molina.

23:00 Uhr – Dreamcatcher (Pro7)

…steht bei mir nach "The Mist" kürzlich wieder etwas besser da, ist aber dennoch eine höchst zwiespältige King-Adaption, die in der ersten Hälfte atmosphärisch dicht und hervorragend photographiert für stimmigen Grusel sorgt, dann jedoch zu unfreiwillig komischer und grottenschlecht gespielter Science-Fiction mit Überlänge mutiert.

Montag, 07.01.

23:15 Uhr – Crash (Das Vierte)

Cronenbergs bedrückende Sexfabel, bei der Autos als Verlängerung des Menschen fungieren. Die totale Sexuali- sierung als befreiende Rückführung zum Ausgangszustand des Seins formuliert der Maestro dabei ebenso witzig wie komplex. Meisterlich.

Dienstag, 08.01.

22:55 Uhr – 9 Songs (3SAT)

Winterbottom. Würg.

23:45 Uhr – The Door in the Floor (NDR)

Brillante John Irving-Adaption, überaus gewitzt und über- ragend gespielt.

Mittwoch, 09.01.

22:15 Uhr – Lethal Weapon (SAT.1)

Unheimlich dated und mittlerweile erstaunlich unspektakulär. Erschwerender Zusatzfaktor: Mel Gibson.

22:50 Uhr – Mary Shelleys Frankenstein (K1)

Völlig überzogene Neuverfilmung, die nicht alles falsch macht, durch Branaghs gnadenlose Selbstinszenierung jedoch vor unfreiwilliger Komik strotzt.

Donnerstag, 10.01.

20:15 Uhr – Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (ZDF)

Sagenhafter Abschluss, der alles bisher Gesehene überflügelt. Mit meisterlicher Hand übersetzt Jackson die Vorlage in eine epochale Monumentalsaga, deren herausragende Spezial- effekte nie den emotionalen Gehalt der starken Geschichte behindern. Kino als formvollendete Fantasy-Poesie – leider nur in der gestutzten Kinofassung.

23:50 Uhr – Sleepy Hollow (ZDF)

Kongeniale Adaption der Legende, die ganz nebenbei auch eine Paraphrase über Schwarzromantik spinnt.

Freitag, 11.01.

20:15 Uhr – Ali (RTL2)

Will Smith ist bemerkenswert, rettet den verhunzten Sondermüll mit Billigdrehbuch aber auch nicht.

20:15 Uhr – The Astronaut’s Wife (Tele5)

Ganz, ganz doll verhauenes "Rosemary’s Baby"-Remake.

(ich empfehle ohnehin das Dschungelcamp zu gucken *g*)


Kommentare:

  1. Nice, CRASH wird definitiv geschaut! :-)

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  2. Mr. Hankey4/1/08 21:50

    22:55 Uhr – 9 Songs (3SAT)

    Winterbottom. Würg.


    Hach, wenn doch nur Männer in dem Film ficken würden, was? ;) ;) ;)

    Nein, im Ernst: Hab ich mir vor kurzem auch angesehen und ich würde nicht "Würg" dazu sagen, sondern eher "schnarch"!

    20:15 Uhr – The Astronaut’s Wife (Tele5)


    Ganz, ganz doll verhauenes "Rosemary’s Baby"-Remake.


    Auch wenn ich mich jetzt nicht erinnern kann, in wie weit der Film als Remake von "Rosemary's Baby" gesehen werden kann, (Ein paar Verweise machen noch kein Remake) so muss ich auch sagen, dass der Film völliger Mist ist und definitiv das Schlechteste, wozu sich Johnny je hat verpflichten lassen. Auch hier ein "schnarch" von mir.

    Und ansonsten sei noch zu sagen: "scheen dad de wieder (mit deinen TV-Tipps) da bist" ;)

    Ach und: Wer "Dschungelcamp" schaut, hat wirklich zu viel Zeit! Trash hin oder her, DAS ist WÜRGH! ;-(

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  3. The door in the floor ist einer der wenigen Filme, der mich stocksteif erstarren ließ. Fernseher aus und in die Leere starrend ist man danach einfach nur baff. Ein toller Film.

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  4. @Hankey:

    Hach, wenn doch nur Männer in dem Film ficken würden, was? ;) ;) ;)

    Wäre sicherlich eine Option. Hat bei SHORTBUS aber z.B. auch nicht geholfen, von daher. ;)

    Ach und: Wer "Dschungelcamp" schaut, hat wirklich zu viel Zeit! Trash hin oder her, DAS ist WÜRGH! ;-(

    Ach was. Noch hab ich ja nichtmal Fernsehen, aber ich hoffe, dass ich es bis dahin hinbekomme.^^

    @j.m.k.:

    Word.

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  5. psychopaul5/1/08 13:55

    Auwatsche, Ali Sondermüll?

    Polemik hin oder her, das geht gar nicht! ;)
    sag bloß, du magst auch Miami Vice nicht?

    Winterbottom finde ich einen sehr interessanten Filmemacher, 9 Songs klingt mir aber auch etwas gar fade, mal schaun...

    Dienstag um 0:40 auf arte kommt übrigens "Blicke aufs Meer", ein 50 minütiges Frühwerk von Ozon, kenn ich noch nicht, aber der Mann ist immer sehenswert.

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  6. Auch ich werde mir CRASH nicht entgehen lassen ;-)

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  7. Oh ja, THE DOOR IN THE FLOOR.
    JEFF BRIGES.
    KIM BASINGER.
    DIE SCHLUSSEINSTELLUNG.
    DER SOUNDTRACK.

    Der EINE Film, der an "Magnolia" rankommt. Knapp gefolgt von "K-Pax". Und dann recht lange nix.

    "9 Songs" ist einschläfernd, ja.

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  8. @psychopaul:

    ALI hat ein grottenschlechtes Drehbuch. Sowas lässt nur Flachzange Mann durchgehen.

    Und MIAMI VICE war ja nun die größte Obergülle schlechthin (siehe Review).

    Ozon ist auch nicht mein Fall. Zu schwul. ;)

    @knurru:

    WORD! (ok, bis auf K-PAX *g*)

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  9. psychopaul6/1/08 14:36

    @ Ozon: LOL. :-D sowas wie 8 Frauen dacht ich wär genau dein Fall ;)
    Unter dem Sand ist echt ein sehr tolles Psychodrama..


    Überhaupt, ich glaub, du bist zu drehbuchfixiert. Ein Film kann auch ohne ausgeklügelte Story gut sein, wenn ein gewisses Feeling rüberkommt. Gerade ein Miami Vice lebt von seiner Ziellosigkeit, dem sich Treiben lassen, ein echter Antithriller.
    ich liebe solche Sachen, aber muß ja nicht jeder :)

    (Van Sants letzte fallen ja auch in diese Kategorie, also bei dir wird das in solchen Fällen eh nix mehr ;) )

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  10. Mr. Hankey6/1/08 16:32

    Und MIAMI VICE war ja nun die größte Obergülle schlechthin (siehe Review).

    Wenn das der große und heillige Udo hört, dann stampft er dich kleinen ungläubigen Pimpf aber ungespitzt in den Boden! ;)

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  11. @psychopaul:

    Ausgeklügelte Story und Drehbuch sind ja nicht dasselbe.

    MIAMI VICE war einfach total schnarchig, aber das habe ich wie gesagt alles damals ins Review gepackt. Kann mich an den Film kaum noch erinnern.

    8 FRAUEN ist ganz nett, kommt über eine belanglose Boulevardkomödie aber nie hinaus.

    @Hankey:

    Raaaaaanzig, diese Udo-Nummer.

    Außerdem gibt es sowieso gerade mal 2% an Filmen, bei denen Udo und ich übereinstimmen. Und du hast MIAMI VCE doch eh noch gar nicht gesehen, also kusch kusch kleiner Konsens-Bär.

    *gg*

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  12. Mr. Hankey7/1/08 19:26

    Und du hast MIAMI VCE doch eh noch gar nicht gesehen

    Miami Was?

    also kusch kusch kleiner Konsens-Bär.

    Ich glaube, Udo ist nicht schwul! ;)

    BTW: Will ich damit gar nicht mal gesagt haben, dass mir Miami Vice nicht missfallen würde. Nur geht er mir, gelinde gesagt, am Arsch vorbei, weshalb ich ihn auch noch nicht gesehen habe.

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  13. Du bist wirklich schwer gestört, aber das macht nichts, ist Teil deines partiellen Charmes. *g*

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  14. Mr. Hankey7/1/08 20:04

    Du bist wirklich schwer gestört, aber das macht nichts, ist Teil deines partiellen Charmes

    Ich merke immer wieder, wir sind uns anscheinend ähnlicher als uns beiden lieb ist! ;)

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  15. Gestern CRASH gesehen und irgendwie wirkte das wie ein Star-gespickter Softporno, die tiefere Bedeutung des Ganzen, abgesehen davon dass Autos und die davon ausgehende Todesgefahr als Aphrodisiakum für Sex gewirkt haben, wollte mir nicht aufgehen.

    Sag doch mal zwei Sätze dazu, Rajko :)

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  16. @rudi:

    Puh. Ist sicherlich einer der, wenn nicht sogar Cronenbergs komplexester Film. Was kann ich schnell dazu sagen? Der Film bringt die Technik-Fleisch-These von der theoretischen auf die praktische Ebene. Im Prinzip geht es darum, dass jeder Mensch zu Beginn seines Daseins, also als natürliches Geschöpf nach der Geburt, komplett sexuell frei ist. Noch völlig ungeformt und unbestimmt, alles ist sexuell, die ganze Umgebung, das Nuckeln an allen Dingen, jede Bewegung, jeder Umgang ist sexuell und frei. Im Laufe des Heranwachsens und des Prozesses der Sozialisierung wird das immer mehr eingedämmt und zurückgedreht, beschränkt und wider der Natur verleumdet. Man entwickelt sich zwar weiter, eigentlich aber zurück, indem man sich immer mehr Restriktionen unterwirft (vgl. dazu die Anti-Evolution in DEAD RINGERS). CRASH zeigt im Prinzip den radikalen Ausbruch dieser Unterdrückung, der Film ist ein Zurückfinden in diesen Zustand der totalen Lust und des Unisex'. Das im Übrigen auf eine sehr witzige Art, ich glaube ich kenne keinen lustigeren Cronenberg als diesen.

    Aber wie gesagt, das ist jetzt ganz, ganz oberflächlich ausgedrückt, der Film ist unglaublich komplex. ;)

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