Juni 29, 2007

TV: Fernsehtipps 30.06. - 06.07.07

Samstag, 30.06.

11:30 Uhr – „Cry-Baby“ (RTL2)

John Waters’ wunderbare Abrechnung mit dem Mythos der juvenile delinquets. Näheres im Review auf der rechten Seite.

20:15 Uhr – „Sonnenallee“ (Pro7)

Ziemlich theatralische, aber heiter erzählte Komödie, die jedoch nicht wenige als bedenklich empfinden dürften.

20:15 Uhr – „Schatten der Wahrheit“ (VOX)

Grausiger Versuch, die Stilistiken des Meisters Hitchcock zu ehren, der allerdings derart plump und vorhersehbar geriet (wie sagte ein Kritiker so schön: „Wie doof kann man sein, die Hauptfigur Norman zu nennen und dann ernsthaft erwarten zu wollen, jemand wäre überrascht, dass dies der Mörder sei?!“), dass man darüber lieber den Mantel des Schweigens hüllen sollte.

Sonntag, 01.07.

22:40 Uhr – „Identität“ (Pro7)

Spannender, aber auch reichlich abstruser Horrorthriller, bei dem eigentlich nur die wunderbare Rebecca DeMornay in Erinnerung bleibt.

0:05 Uhr – „Nicht auflegen!“ (RTL)

Für Schumacher-Verhältnisse gar nicht mal so übler Thriller, der seine Limits recht clever ausnutzt.

0:25 Uhr – „Die Klapperschlange“ (K1)

Carpenters Höhenflug: Ein unnachahmlicher Meilenstein des Genres!

3:00 Uhr – „Im Todestal der Wölfe“ (Arte)

Zwiespältige Fortsetzung zu „The Hills Have Eyes“, die Craven heute bereut. Siehe auch Review.

Montag, 02.07.

23:00 Uhr – „Lolita“ (RBB)

Wie fast alle Kubrick-Filme von menschenverachtender Distanz geprägte Literaturverfilmung, die sich eitel über ihre Figuren erhebt.

Dienstag, 03.07.

20:15 Uhr – „Teaching Mrs. Tingle“ (K1)

Kevin Williamsons herrlich schräge Abrechnung mit den Schulnöten, wunderbar besetzt mit Helen Mirren und Katie Holmes. Und Marisa Coughlans „Exorcist“-Einlage auf dem Ehebett ist zum Brüllen.

22:15 Uhr – „Das Experiment“ (Pro7)

Lachhaftes, psychologisch hanebüchenes Pseudo-Drama aus deutschen Landen, das nur auf vordergründige Effekte aus und zudem grausam schlecht gespielt ist.

23:45 Uhr – „Fear and Loathing in Las Vegas“ (NDR)

Ging mir persönlich irre auf den Keks. Obwohl ich Gilliam toll finde.

Mittwoch, 04.07.

0:35 Uhr – „Das große Rennen von Belleville“ (ARD)

Donnerstag, 05.07.

22:25 Uhr – „Spurlos“ (VOX)

Jeff Bridges ist brillant, doch das Original dennoch ungleich fesselnder.

0:15 Uhr – „Chinese Box“ (ZDF)

Freitag, 06.07.

22:25 Uhr – „William Shakespeares Romeo und Julia“ (3SAT)

Phänomenale Neufassung des Stoffes; anders, frischer, besser.

23:30 Uhr – „Blood Diner“ (Tele5)

Amüsanter Fun-Splatter, durch und durch albern und billig, aber ein typisches Kind seiner Zeit. Dürfte vor allem um die vielen Naziwitze erleichtert laufen.

0:55 Uhr – „The Lost Boys“ (RTL2)

Moderne Peter Pan-Version mit herausragender Kameraarbeit und selbstironischen Popverweisen.

Kommentare:

  1. Nach deinem Lolita-Kommentar würde mich interessieren, wie du insgesamt zu Kubrick stehst. Ich teile deine Ansicht im Fall von Lolita (halte Nabokovs Meisterwerk für unverfilmbar) - mich hat er im Gegensatz zum Buch gelangweilt. Man traut sich ja kaum etwas gegen Kubrick zu sagen, weil er allerorts als Regiegott behandelt wird. Zum Teil zu Recht, aber einiges finde ich auch komplett überbewertet...

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  2. Tatsächlich geht es mir wie dir, an dem Thron darf man offenbar nicht ein Stückchen rütteln, ohne schief angeguckt zu werden. Er hat einige sicherlich unbestritten interessante Filme gedreht (auch wenn ich selbst die großen Klassiker wie "2001" persönlich nicht mag), denen man gewisse inszenatorische Qualitäten kaum absprechen kann, doch insgesamt halte ich wirklich nicht viel von Kubrick, um nicht zu sagen sehr wenig. Das ist mir alles zu kalt, materialistisch, raumbezogen, lieblos.

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  3. Die TV-Tipps vom "Master ohne TV" himself.
    Ich habe sie vermisst, mein Herr!

    Allerdings vermisse ich einiges (z.B. Cliffhanger, Robocop, Die unendliche Geschichte, Die Träumer). Gibts dazu nichts zu sagen?

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  4. Man muss eben selektieren. ROBOCOP läuft total cut, das braucht man nicht empfehlen.

    Und ja, ich habe wirklich kein Fernsehen, das macht die Sache eigentlich schon etwas paradox. ;)

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  5. Üb doch schon mal, die Texte ohne Tastatur zu verfassen, das könnte der Renner werden ;)

    Wie darf man übrigens die Wortwüste zum Rennen von Belleville deuten? Da steht doch wirklich nichts, echt nicht.
    Ich persönlich hoffe positiv :)

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  6. Manches muss ich eben auch der Vorstellungskraft der Leser überlassen... ;)

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  7. "Wie fast alle Kubrick-Filme von menschenverachtender Distanz geprägte..."

    Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh


    "Die Träumer" kannst du aber wirklich nicht unter den Tisch kehren! ;)

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  8. Ok, vielleicht sollte ich das mit unseren vermeintlichen Geschmacksübereinstimmungen wieder zurücknehmen... *gg*

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  9. Sam Spade29/6/07 23:17

    Hmm, "Lolita" gehört für mich eigentlich zu den besseren Kubricks, weil der Film sich durch eine Subtilität auszeichnet, die den meisten - und vor allem den späten - Kubricks völlig fehlt (man denke nur an den grauenhaften "Shining")- und die Darsteller sind erstklassig. An Nabokovs Roman kommt er natürlich nicht heran, aber dieses Meisterwerk dürfte wohl wirklich nicht verfilmbar sein.

    Dafür kann ich "Nicht auflegen" nicht übermäßig viel abgewinnen, und beispiellos gräßlich finde ich "William Shakespeares Romeo und Julia", der reine Augenschmerz.

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  10. "Shining" gehört aufgrund seiner den Horrorfilm als Kunstform sezierenden Herangehensweise für mich sogar noch zu den erträglichsten Kubricks, aber gerade wo du die Darsteller ansprichst: Das ist eines meiner Hauptprobleme mit all seinen Filmen, weil er seine Schauspieler nicht instruiert, sondern eiskalt vorführt. Warst du nicht eigentlich auch derjenige, der A CLOCKWORK ORANGE so grausam fand?

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  11. Sam Spade29/6/07 23:35

    Ja, war ich, aber aus einem ganz anderen Grund: mich regt auf, daß der Film von Konditionierung handelt und so tut, als ob er diese kritisiert, sich aber ganz ähnlicher Mittel bedient und den Zuschauer selbst konditioniert. Und das auch noch mit Erfolg: seit Jahren versuche ich, beim Hören der "Neunten" die Filmbilder im Kopf wieder loszuwerden. Den meisten Leuten heutzutage ist Beethoven ja wurscht, weshalb es ihnen nichts ausmacht, doch für jemanden, dem diese Musik wirklich etwas bedeutet, ist es unerträglich.
    Davon mal abgesehen finde ich die Inszenierung angeberisch bis zum Anschlag, so ganz nach dem Motto "Seht her, was für ein großer Regisseur ich bin!" Filmischer Cäsarenwahnsinn.

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  12. Kalt sind seine Filme gewiss. Die funktionieren alle in erster Linie durch den Intellekt, nie zuvorderst durch die Emotion. Das kann aufgehen oder auch nicht. Ich hab meine Probleme mit Dr. Strangelove *duck* - das ist ja auch so eine heilige Kuh. Clockwork, Shining, FMJ und sogar EWS gefallen mir hingegen gut, funktionieren für mich. Gleichzeitig merke ich beim Betrachten dieser Filme, dass ich eher damit beschäftigt bin, die Filme zu analysieren, als in der Handlung aufzugehen. Bei Kubrick denke ich meist zuerst daran, wie der Film gemacht wurde, nicht darüber, wovon er eigentlich handelt. Deshalb war ich vor kurzem positiv überrascht, als ich zum ersten Mal The Killing sah. Der hat mich auf der Handlungsebene gepackt. Nach dem Ende des Films ertappte ich mich allerdings sofort dabei, über die unchronologische Struktur nachzudenken :-)

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  13. Mr. Hankey30/6/07 01:57

    Gut, diese lachhaften Versuche Stanley Kubrick ans Bein zu pissen lasse ich jetzt mal unkommentiert, aber mit deiner Meinung zu "Schatten der Wahrheit" schiesst du mal wieder den Vogel ab. Wie kann man die wohl brillanteste und gelungenste Hommage des Mainstreamsuspensekinos an den Meister himself so unterbewerten. Für mich ist "Schatten der Wahrheit" nicht ohne Grund ein 10er und für deine abstruse Meinung gehörst du Rechts und Links georfeigt. So sehr verehrt hast du Hitchcock anscheind gar nicht, wenn du so ein Ding auffährst. ;)

    Unfassbar! ;) ;)

    Ach so und was Deine Meinung zu "Das Experiment" angeht..., na ja lassen wir das... ;)

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  14. Dann oute ich mich an dieser Stelle mal als Kubrick-Fan. Bin sogar einer dieser Spinner, die ihn für den größten halten...an dieser Stelle dürft ihr über mich lachen...geb aber zu, dass ich Lolita noch nicht kenne.

    BTW, Luhrman's Romeo + Julia ist perfekt!

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  15. Ich weiß ich weiß, jeder vermisst ja hier sicher einen Film in deiner Liste...finde es aber schon schade, dass Papillon nicht auftaucht oder ist der genauso geschasst wie Kubrick? :)

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  16. @Sam Spade:

    Der Vorwurf ist ja gar nicht mal so neu und tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Es stellt sich nur die Frage, was man daraus macht bzw. ob Kubrick das nicht genauso intendiert hatte.

    @Hankey:

    Wenn dieser Murks wirklich so originell ist, wie du behauptest, wieso weiß man dann schon nach 2 Min. die Auflösung? Ich kenne nicht einne einzigen Hitchcock-Film, von dem man das behaupten könnte. Das ist ein 08/15-Thriller mit all den typischen Zemeckis-Schwächen (wo wir schon bei überbewerteten Regisseuren sind *g*).

    @Rudi:

    Da gibt's nix zu lachen, bist ja nicht der einzige, der ihn so verehrt. ;)

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  17. "Papillon" ist ewig her, als ich den gesehen habe. Er war ganz gut, aber ich bekomme da keinen anständigen Satz mehr hin. ;)

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  18. Mr. Hankey30/6/07 14:19

    @ Mr. VV

    Schlicht und ergreifend deswegen, weil 20th Century Fox beim Marketing zu "Schatten der Wahrheit" das schlimmste Verbrechen gemacht hat, was sie überhaupt hätten machen können. Sie haben im Trailer und durch die Bilder welche sie zum bewerben des Films ausgesucht haben, bereits verraten, wie die Lösung des Spuks ist.

    Ich persönlich habe den Film damals vollkommen ohne auch nur die geringste Vorahnung gesehen (durch Zufall in der Videothek entdeckt) und war begeistert und bis zum Schluss überrascht. Als ich mich danach aber mit dem Marketing zum Film beschäftigt habe, war ich regelrecht entsetzt, wie man so dämlich und berrechend beim Bewerben gerade solch eines Films sein kann. Dafür gehört 20th Century Fox verprügelt! Mit einer anderen Gestaltung der Werbung zum Film hätte der Streifen bei viel mehr Leuten seine geniale Wirkung entfalten können, als nach diesem Marketing-Murks.

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  19. Mr. Hankey30/6/07 14:21

    Ach noch was: Das du das französische Zeichentrick-Meisterwerk "Das große Rennen von Belleville" erwähnt hast, macht die ganze Sache natürlich schon fast wieder gut. ;) Aber wo bleibt Dein Kommentar dazu? Oder hast du den etwas noch nicht gesehen?

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  20. Ich wusste von dieser Marketing-Sache nichts und muss dir ganz ehrlich sagen, auch so bereits nach wenigen Minuten die Lösung gewusst zu haben. Ich finde Zemeckis ist einfach nicht subtil genug und lässt alle 2 Sekunden irgendeine oberoffensichtliche Hitchcock-Referenz ab, sodass man schnell hinter dessen Versuch kommt, den Zuschauer mit einem Red Hering an der Nase herumzuführen. Hat bei mir nicht geklapptr, sorry. ;)

    Ich habe "Das große Rennen von Belleville" gesehen ... na ja, zumindest die ersten 20 Minuten, aber die waren ganz toll. ;)

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  21. ich halte es zu Kubrick, ähnlich wie Rudi und kann den Vorurf der zurschaustellung seiner Protagonisten nicht nachvollziehen. Vielmehr treten diese hinter der bildlichen Inszenierung zurück, was aber IMHO nichts mit Arroganz Kubricks gegenüber den Darstellern zu tun hat.
    Spartacus, auch wenn wohl ein fast untypischer Kubrick zählt immer noch zu meinen Lieblingsfilmen, der aber auch gar nichts von seiner Kraft verloren hat.
    Ebenso auch Clockwork Orange. Da kann man sich dann auch gerne über inhalt und Umsetzung streiten, doch inszenatorisch ist dem guten Mann kaum ans Bein zu pinkeln. Wäre alle Regisseure auch nur halb so detailverleibt käme so ein Schrott wie Schatten der Wahrheit niemals auf die Leinwand. Und Harrison Ford ist doch der unflexiblste Darsteller seit Clint Eastwood.

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  22. Warum erwähnst du in deinen TIPPS eigentlich Das Experiment (von dem ich nur sehr gutes lese und den ich selber *schäm* auch recht gut fand), wenn du ihn nicht gut findest? In dem Sinne also als Anti-Tipp zu empfehlen (gewesen)?

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  23. Korrekt, das mache ich ja eigenltich fast überwiegend. Sozusagen Tipps, was man nicht gucken solte. *g*

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