Dezember 27, 2013

Des Perlentauchers "alternativer" Jahresrückblick

Der "alternative Jahresrückblick" beim Perlentaucher widmet sich auch 2013 wieder einem knappen Dutzend schöner Filme, die es (leider) nicht in den regulären deutschen Startterminkalender geschafft haben. Mit Texten zu den jüngsten (bzw. auch letzten) Arbeiten von Jess Franco, Lav Diaz, Alejandro Jodorowsky, Philippe Garrel, Stephen Chow, Erik Matti, Mamoru Hosoda, Dan Sallitt, Wang Bing, Jan Soldat sowie ein paar Zeilen von mir zu Rithy Panhs Meisterwerk "L'image manquante".

Kommentare:

  1. Mein grober Eindruck: Es war also ein spannendes und ertragreiches Kinojahr - wenn man es auf Festivals wahrgenommen hat. Die Retrospektiven der meisten Kritiker, die mir so unterkamen, schwärmen von diesem mutigen, neue Bilder suchenden Kino.
    Das deckt sich mal so gar nicht mit dem Eindruck, den mein direktes, nur durch reguläre Kinostarts verwöhntes Umfeld mir von 2013 vermittelt hat; Ernüchterung und Langeweile allerorten, Hollywood im Wachkoma.

    Insofern ist es natürlich schön, wenn man aus anderen Quellen auf die lohnende Alternative hingewiesen wird. Blöd eben nur, dass Festivalfilme in aller Regel nur unter Hängen und Würgen aufzufinden sind, ein Großteil lässt sich außerhalb dieses Biotops ja sogar überhaupt nicht blicken.

    Deshalb ist es etwas schade, dass sich ein Großteil der Jahresabschlussbesprechungen so sehr auf das wunderbare und manchmal unerreichbare Programmkino einschießt, statt mal den beklagenswerten Zustand des Mainstreams zu geißeln. Das wirkt ja schon wie eine resignierte Abkapselung, als müsste man die 3D-Brillenwelt mit ihren 1,5-Liter-Becherschluckern leider sich selbst überlassen, weil Hopfen und Malz und so. Zwangsläufige und weiter voranschreitende Fragmentierung von Massenpublikum und Kritikern?

    Du seist davon jetzt mal ausgenommen, du hast ein solches Klagelied ja vor kurzem angestimmt.

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    1. Ich habe dieses Jahr ebenso keinen einzigen aktuellen Film auf einem Festival gesehen (die Berlinale besuchte ich ausschließlich für das Retrospektivprogramm), aber es gibt ja andere Wege. Einige der hier vorgestellten Filme sind in Deutschland auf DVD erschienen, "L'image manquante" wiederum lief sogar direkt auf arte. Es ist also eigentlich schon möglich, die Filme auch "außerhalb des Biotops" zu sehen.

      Last but not least: Wenn die Interessen, sie hierzulande ins Kino zu bringen oder anderweitig auszuwerten, eben versagen, kann man sich m.E. auch guten Gewissens auf kostenlose Internetsuche nach ihnen begeben.

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  2. Klar, und besagte Internetsuche ist wirklich immer mein allerletzter Rettungsanker.

    Es ging mir jetzt auch nicht vorrangig um die Verfügbarkeit von Filmen wie im Perlentaucher-Artikel, der sich ja explizit um vernachlässigte Exemplare kümmert, sondern um die (vielleicht nur von mir, fälschlicherweise? wahrgenommene) Tendenz, dass im Kritikerspiegel das Filmjahr 2013 ein klares Nicht-Mainstreamjahr war, wenn man es wertschätzen möchte.

    Denn wo ansonsten auch dem letzten Murks noch etwas Relevanz abgerungen wird, scheint Hollywood jetzt einfach mal gar nicht der Beschäftigung wert zu sein. Und das ist, ganz unabhängig von der Frage, ob das nicht dank Remake- und Sequelwahn auch gerechterweise so zu laufen hat, ein wenig schade, da ich ein großer Freund des Trüffelwühlens bin.

    Exemplarisch dafür sei mal deine Sandler-Wiederentdeckung genannt, dessen zuletzt kompletter Verzicht auf die obligate Moralin-Dosis mir auch aufgefallen war ("That's my boy" - ziemlich gut gelacht). Denn wenn solche schleichenden Prozesse im da-muss-man-doch-nicht-nachdenken-Kino nicht mehr analytisch festgehalten werden, fehlt der Filmkritik ein nicht unwesentliches Stück.

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    1. Kritikerlisten sind ja traditionell sowieso eher wenig mainstreamig, da werden dann die (sanften) Experimente oder auf interessante Art überteuerten Totalgurken gewürdigt und sonst eher alles, was mehr als 50 Mio. gekostet hat, ignoriert. Finde ich aber okay, schließlich ist das (Hollywood-)Mainstreamkino wirklich seit Jahren schon am stagnieren. Ansonsten muss man sich halt an Listen wie denen von Empire orientieren, die ja Blockbuster mit Arthauskonsens wie Blue is the Warmest Color verknüpfen und damit eine gewisse Geschmacksmitte des Kinojahres abbilden.

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