Juni 24, 2013

Zuletzt gesehen: DIE WEIBCHEN [aka. LITTLE WOMEN aka. FEMMINE CARNIVORE] (1970)

Eine ulkig-penetrante Verballhornung der Wahnvorstellung von anno dazumal, die Frauenbewegung könne allen Männern bestialisch den Garaus machen, durchs Fischaugenobjektiv mit psychedelischem Nackedeiquatsch und Peter-Thomas-Dauerbeschallung tendenziell eher lästig inszeniert. Gottesanbeterin Uschi Glas ("Ich will zum Frisör!") und Adam, der Gärtner mit den Teufelskrallen, heitern die deutsch-italienisch-französische Emanziploitation kräftig auf ("Sie sind tot, tot, tot!"), aber als "Gesellschaftssatire" ist Brynychs Kurstadt der Frauen natürlich schon eher gröbster Unfug. Eine Handvoll abseitiger Highlights lehrt nichtsdestotrotz: Mit Kreissägen ist zu spaßen, mit menschlichen CSU-Etiketten nimmermehr. 


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Kommentare:

  1. Du solltest vielleicht doch lieber Brynychs tschechische Filme gucken (TRANSPORT AUS DEM PARADIES, DER FÜNFTE REITER IST DIE ANGST, ALS HITLER DEN KRIEG ÜBERLEBTE), da würden dein Themenfetisch und Diskurskitzler hinreichender befriedigt und nicht von psychedelischem Nackedeiquatsch, Peter Thomas-Dauerbeschallung und grobem Unfug* gestört.:)

    (* Eine perfektere Mischung ist kaum noch vorstellbar, du hast allerdings in deiner Aufzählung störender Faktoren noch die fein ins Absurde ziselierte brillante Diktion der deutschen Dialoge vergessen, groß!)

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    1. Ja, diesen Rat sollte ich vielleicht beherzigen. Einiges darin erinnerte mich ja an diesen unbekümmerten Aufbruchsgeist à la Vera Chytilová, aber so was will ich dann doch lieber woanders sehen, jedenfalls nicht piefig deutschgefiltert. Vielleicht probiere ich trotzdem noch einen seiner drei hierzulande gedrehten Filme. :-)))

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  2. Oder Annemarie Kuster, wie sie mit der Kippe im Mundwinkel und der Schirmmütze auf dem Kopf lässig auf die Machoclique zuschlendert. Ein Bild, das mehr wert ist als jede geglückte Gesellschaftssatire. Und wie sie in das Wohnzimmer tritt, die Männer ankündigend: "Die Sonne geht auf!"
    Und wie Françoise Fabian das Hühnerfleisch isst! Und wie Alain Noury die kleine, spießige Uschi Glas klein und spießig zum Lachen bringt. Überhaupt: wie in dem Film gelacht wird. So wird nirgends sonst im Kino gelacht. Das ist wichtig. Und der rattengleiche Kommissar. Diese Körpersprache! Und die Bibliothekarin. "Springschwänze, Doppelschwänze, Faltenschwänze..." Kann sein, dass das grober Unfug ist. Aber Quatsch war schon immer die Mineralerde, das Wasser und das Licht des Kinos. Das Leben ist ein großes Spiel, lasst uns lustig sein und spielen.

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    1. All diese Momente fand ich nicht weniger erheiternd! Deshalb ja auch eine angemessen moderate Bewertung.

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  3. (Probier vielleicht noch lieber seine Kommissar-Folge TOD EINER ZEUGIN, wenn's noch was Deutsches sein soll, sag ich jetzt mal frech.)

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  4. Warum aber nur können all diese Momente (und das viele andere mehr) nicht schon für sich selbst eine Form von Ultrakunst bilden? John Waters würde diesen Film abfeiern, das garantiere ich dir!

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    1. Zweifelllos, aber Waters feiert auch George Kuchar und H.G. Lewis ab, deshalb muss ich das allerdings ja noch lange nicht tun. Und klar, sie können selbstverständlich eine Form von Ultrakunst bilden, tun sie ja auch für Dich. Ich fand aber, der Film hätte bissiger, cleverer und gern auch noch wahnsinniger sein können.

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  5. Schön das auf deinem Blog wieder ein wenig Dialog stattfindet. Das hab ich vermisst.

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  6. Und ich würde von Brynych noch das Derrick Double-Feature 'Attentat auf Derrick' (Folge 106) und 'Die Schrecken der Nacht' (Folge 107) empfehlen.

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  7. Endlich mal jemand, der den Brynych nicht bedingungslos abfeiert.

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