Mai 31, 2013

Zuletzt gesehen: SECRETS BEHIND THE WALL [aka. AFFAIRS WITHIN WALLS aka. GESCHICHTEN HINTER WÄNDEN aka. KABE NO NAKA NO HIMEGOTO] (1965)

Lange bevor Steven Spielberg in "Munich" eine diffuse Verbindungslinie zwischen Politik und Sex zog, indem er den Schrecken des Schwarzen Septembers selbst noch in die engste Intimität eines nicht länger sorglos ficken könnenden Mossad-Agenten hereinbrechen ließ (und damit eine der plakativsten Szenen seiner Karriere inszenierte), hat Kôji Wakamatsu in seinem "Berlinale-Skandalfilm", bei aller Unterschiedlichkeit des historischen und politischen Kontexts, ein ähnlich symbolisches, jedoch ungleich kraftvolleres Bild entworfen: Gleich zu Beginn von "Secrets Behind the Wall" zeigt er ein Liebespaar, dessen schärfeverlagerte Berührungen vor einem Stalin-Poster körperliche Nähe und Gegenwarts- trauma untrennbar zu verknüpfen scheinen. Sanft küsst die Frau das Keloid des in Hiroshima verstrahlten Mannes, nie könne sie den Krieg vergessen, so lange sie ihn liebe – "Radiation crawls throughout my body", entgegnet er. Eine Art exploitativer politischer Körperhorror-Sexakt, den Wakamatsu mit Atombombe und Demonstrationen überblendet und dann im anonymen Wohnkomplex sich selbst überlässt, hinter den Wänden. Der Rest – kollektive Entfremdung, jugendliche Frustration, die stets an dramatische Neuigkeiten aus der Zeitung gekoppelte Zärtlichkeit – ist nur noch nachgelegte, zuweilen lähmende Zustandsbeschreibung. Die Klassifizierung der Schicksalsgeschichte als Pinku eiga ist mir unerklärlich, aber vielleicht brauchte es ein solches Label, um diesen brutal-zärtlichen Film zu ermöglichen.


60%

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