Juli 11, 2012

In der Gewalt des Wohlfühlkinos

Kommentare:

  1. Eine Polemik muss sicher schon definitionsbedingt zuspitzen und mit dem Vorschlaghammer auf die verrotteten Zonen des öffentlichen Diskurses einhauen. Weitet man die Zielzone zu sehr aus, dürfte der polemische Hammerschlag deutlich an Wirkung verlieren.

    Was Du in den ersten Absätzen mit "Feel-Good-Film" als Ziel umschreibst und berechtigt, wenn auch etwas Kanonen-Spatzenhaftig attackierst, wird durch die Aufweitung im nächsten Argumentationsschritt eher verunklärt, denn erhellt. Die Faschismusverkitschung von "Der Vorleser" rührt aus ganz und gar anderen Ursachen her als der "Feel-Goodisierung". Das verdankt sich doch einer winkeladvokatischen Vergewaltigung von Geschichte und Kunst durch das Schlinksche Buch. Eine solche professorale Konstruktion mit der harmonisierenden Durchschnittskomödiensoße von "Ziemlich beste Freunde" unter dem Dach von "Kitsch" und "Dümmlichkeit" zu vereinen, scheint mir der Verallgemeinerung zuviel.

    Aus der Kolumne hätte man besser wohl zwei gemacht, da hier von zwei unterschiedlichen Traditionen der Dummheit die Rede ist. Masern und Mumps sind zwar beides Kinderkrankheiten, aber sonst?

    Schön, anregend und unterhaltsam zu lesen - wie eigentlich immer - diesmal nur etwas unscharf. Ich lese deine Kolumne sehr gerne, sie scheint mir eine Art Bilanz deiner wilden Scharmützel der letzten Jahre. Das Schöne daran ist die frei fechtende Argumentation, unbelastet vom faktografischen Keinerlei des täglichen Rezensionsgeschäftes.

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  2. Ich fühle mich verstanden.

    Kritik zur Kenntnis genommen.

    <3

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  3. Dr.Strangelove11/7/12 13:35

    Hör' nicht auf die Kommentare auf moviepilot. Finde den Artikel super. KZ, Rassismus, in Scheiße tauchen, Locked-in Syndrom, diverse Behinderungen, ... ist schon traurig.
    "Amelie" passt da nicht so ganz rein, finde ich. Und das du Titanic 10 Punkte gibst... ist dann ja auch etwas seltsam. Aber ich finde das gar nicht so tragisch. Ich hasse "Feel Good" Filme, mag aber Amelie. Und du eben Titanic. Es gibt eben Ausnahmen.
    ...
    "Vincent will Meer" ist auch noch ein gutes Beispiel eines Feel Good Movies.
    Ich finde es krass das du für so einen Artikel so kritisierst wirst. Und die Leute so bescheuert sind und schreiben: "und was ist jetzt daran schlecht?"
    Das man denen quasi noch erklären muss das immer der gleiche Brei konsumiert wird. Es eben nur um darum geht das der Film gut konsumiertbar ist... und die Story beliebig ausgetauscht werden kann. (KZ, Behinderte, usw) der Film aber vorgibt genau diese Tabus zu brechen, oder vorgibst etwas neues zu zeigen, in Wirklichkeit aber nichts neues zeigt.
    .
    Es ist kompletter Stillstand und dieses "Es ist schlimm, aber auch lustig" Getue ist einfach nur noch zum kotzen.
    Und eigentlich ist es ja super. Ein DRAMA über einen Typ im Rollstuhl schaut sich vielleicht kaum einer an. Und auch in ein Drama kann man Humor packen. Aber irgendwie anders. Feel-Good- KZ, Nazi, Behinderten Filme, usw... sind Überflüssig.

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  4. Du besuchst wieder meinen Blog. :-)

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  5. Dr.Strangelove11/7/12 17:10

    Nicht mehr so oft, aber ja. :-)

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  6. Der Artikel ist natürlich super. Und auch super geschrieben. Oder mal mit anderen Worten: Übertreibung macht anschaulich, pointiert geschriebene Polemik kann hin und wieder verdammt wichtig sein. Und vorsichtige Polemik ist keine Polemik, man muß schon breites Schuhwerk anziehen, um ein paar Füße zu treffen. Lieber einen zuviel als gar keinen. Kann (und will) nicht alle Backlashes unterstreichen, aber zumindest für die "Stasi-Amelie" gebührt dir mein aufrichtiges Händegeklapper.

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  7. Lustiger Artikel. Das Fazit: Rajko hat keine Ahnung von Filmen.
    Schade. Die aufgezählten Filme sind alle sondersgleichen grandios.

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